10. Tag: Page: Antelope Canyon – Marble Canyon und Lake Powell

*hicks* Heute Abend waren wir beim Fiesta Mexicana essen. Laut Tripadvisor gibt es dort die besten Margaritas der Welt. Unsere Gastgeberin Lulu, die gestern Besuch ihres Stiefsohnes bekommen hatte und gestern in dem Lokal war, war heute Morgen etwas blass um die Nase. Der Stiefsohn meinte zu uns „Take care…“, nachdem er heute früh als Zombie ums Haus schlich. DAS mussten wir natürlich auch testen. Und JA, die Margaritas sind gut. Groß vor allem. So groß, dass mir einer reichte und ich jetzt mit lockerer Hand und leicht lallend den Bericht schreiben kann.

Heute morgen konnten wir erstmals etwas länger schlafen und sind erst kurz vor sieben Uhr wach. Ab 7.30 Uhr wollte Lulu im Büro sein und uns unsere Ermäßigungscoupons für die Tour in den Antelope Canyon geben. Um 7.45 Uhr ist dann aber noch nichts von ihr zu sehen… s.o.!

So setzen wir uns mit einem Kaffee und etwas zu lesen in die Sonne und warten darauf, dass Lulu wieder in der Lage ist, mit uns zu kommunizieren. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel – ein perfekter Tag für den Antelope Canyon also. Dieser Canyon, ein sogenannter Slot-Canyon, verzaubert Fotografen vor allem durch seine „Beams“, also Lichtstrahlen, die sichtbar durch enge Felsspalten scheinen und die sind halt nur bei wolkenlosem Himmel zu sehen, da nur dann die Sonneneinstrahlung intensiv genug ist.

Lulu kommt und kommt nicht in die Gänge und so gehen wir erst einmal ein Frühstück jagen. Dies gelingt uns in einem Schnellrestaurant, in dem wir günstig und sogar relativ gut ein Scrambled Eggs und Kaffee bekommen. Um 9.30 Uhr ist dann tatsächlich so weit. Lulu empfängt uns in ihrem Büro und zeichnet uns den Coupon auf einen Post-it-Zettel, den wir bei dem Anbieter abgeben sollen und damit unsere Ermäßigung kriegen. Das funktioniert zu unserem Erstaunen auch und um 10 Uhr starten wir Richtung Upper Antelope Canyon.

Gefahren werden wir von einem jungen, sehr sprachinteressierten Mann, der uns sogar auf deutsch begrüßt und mit uns ein paar Brocken deutsch sprechen kann – genauso wie er mit dem holländischen Paar, das bei uns dabei ist, holländisch spricht. Er erzählt uns, dass er sehr sprachinteressiert ist und gerade spanisch und Navajao lernt. Nächstes Jahr will er eine Europareise machen, um mal mit eigenen Augen zu sehen, wo die ganzen Leute, die er tagtäglich durch den Antelope Canyon führt, herkommen. Wir erfahren, dass der Antelope Canyon erstaunlicherweise hauptsächlich von Europäern und Japanern besucht wird. Amerikaner wissen wohl eher nicht so gut über die Naturwunder ihres eigenen Kontinents Bescheid. Ein ähnlichen Kommentar hatten wir gestern schon von einer Mitarbeiterin im der Agentur für die Canyonraftings gehört: „The Germans know all the magic places round Page“. Tja, der gründliche Deutsche bereitet sich halt ordentlich auf seine Reisen vor…

Nach kurzer Zeit kommen wir an einem Platz mitten im Nichts an, an dem es von Autos und Menschen wimmelt. An der Schranke, an dem zu zahlen ist, können wir natürlich durchfahren, da wir ja bereits unser Entgelt entrichtet haben. Ich will mich schon losschnallen, als unser Fahrer meint, es gäbe jetzt noch einen kleinen „4-Wheel-Drive“. Die kommenden 10 Minuten werden wir ordentlich durchgeschüttelt, denn es geht über eine absolut unbefestigte Sandpiste. Holla, eine Herausforderung für den Gleichgewichtssinn! Insbesondere nach der Rückfahrt hatte Ralf etwas mit Schwindelgefühlen zu kämpfen… Wir sind vor allem froh, mit diesem Anbieter fahren zu können, denn wir sitzen „bequem“ in einem geschlossenen Jeep. Die meisten anderen Touristen fahren mit offenen Jeeps, auf denen sie auf der offenen Ladefläche auf einfachen Bänken sitzen und sich festhalten müssen um nicht runterzufallen. Da geht es uns doch besser.

Unsere "Straße" zum Antelope Canyon
Unsere „Straße“ zum Antelope Canyon

Am Eingang des Canyons gibt uns der Führer noch Tipps für die Kameraeeinstellung und einige Verhaltensmaßregeln und dann geht es mit vielen, vielen anderen Menschen in die schmale Felsspalte hinein. Der aus Sandstein bestehende Canyon ist geformt durch Flash Floods, die sehr regelmäßig und mit großer Gewalt durch ihn hindurchfließen. Der Boden ist bedeckt mit feinem Sand, dessen Höhe nach Angaben des Führers um bis zu zwei Metern differiert. Derzeit ist er relativ tief, das kann sich aber schon nach der nächsten Flash Flood, bei der das Wasser im Canyon bis zu 20 m hochsteigen kann, ändern. Ein etwas mulmiges Gefühl habe ich ja schon,als wir durch den Canyon hindurchgeschleust werden. Es sind wirklich hunderte Menschen dort drin und ich möchte mir nicht eine evt. schnelle Räumung bei drohendem Wassereinbruch vorstellen. Ja, ich weiß, ich bin dieser Hinsicht etwas paranoid. Auf jeden Fall bin ich froh, dass die Sonne scheint.

Antelope Canyon
Antelope Canyon

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Wir werden also durch den Canyon geführt, der Führer macht uns auf besondere Plätze aufmerksam, gibt Tipps für gute Fotos, macht sogar ein paar besondere für jeden einzelnen mit dessen Kamera selbst. Ich fotografiere ja nicht selbst, laufe nur mit offenen Augen rum und schaue und bin damit ein absoluter Exot. ALLE anderen laufen nur mit Kameras vorm Gesicht durch den Canyon, es wird fotografiert wie verrückt. Wahnsinn!

Vor derm Antelope Canyon
Vor derm Antelope Canyon

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Nach etwa einer Stunde sind wir am Ende des Canyons angelangt. Im Freien stehend spielt uns der Guide noch etwas auf seiner Indianerflöte vor, bevor es zurückgeht. Er möchte uns jetzt relativ schnell bis in den vorderen Teil zurückführen, da es dort jetzt zu den Beams kommen soll.

Unser Führer
Unser Führer

Dort angekommen herrscht natürlich ein ordentliches Gedränge. Was aber nicht so schlimm wäre, da ja eh jeder nur „in die Luft“, also senkrecht nach oben fotografiert. Blöder ist aber nur, dass sich ausgerechnet jetzt eine dicke Wolke vor die Sonne geschoben hat. Und bei bewölktem Wetter gibts leider keine Beams. Wir warten ein paar Minuten, dann müssen wir leider wieder raus. Die nächsten Gruppen warten schließlich schon. Schade, aber der Canyon war trotzdem super schön. Wobei ich zugeben muss, dass in diesem Fall gute Fotos tatsächlich weitaus wirkungsvoller als die Wirklichkeit sind. Hier ist es also genau anders herum als beim Grand Canyon, wo kein Foto auch nur annäherend die Größe und Schönheit der Landschaft beschreiben kann.

Wir hoppeln über die Sandpiste zurück und unser Guide fährt uns wieder nach Page, wo wir uns von ihm verabschieden. Schön wars!

Danach fahren wir zum Horseshoe Bend. Hier sieht man eine 270-Grad-Kehre des Colorado River, die wir gestern direkt auf dem Fluss zurückgelegt haben und wo wir den oben stehenden Touristen zugewunken haben, von oben, von einer über 300 m hohen Klippe. Als wir hier vor 4 Jahren das erste Mal waren, hatten wir den Platz fast für uns allein. Dieses Mal wimmelt es von Touristen. Der Blick nach unten ist wunderschön, aber der Weg nach unten auch verdammt weit. Mein Magen findet das gerade nicht so toll, insbesondere wenn Ralf sich zu weit nach vorne wagt um Fotos zu schießen. Außerdem drohen schwarze Wolken am Himmel mit Gewitter und so gehen wir bald zum Auto zurück.

Horseshoe Bend
Horseshoe Bend

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Unser weiteres Ziel ist der Marbles Canyon, den wir gestern auf dem Weg von Lee’s Ferry zurück nach Page gesehen hatten und den wir in Ruhe anschauen wollten. Schon der Weg dorthin ist von der Landschaft her einfach wieder der Hammer. Immer wieder tun sich neue Ausblicke auf und insbesondere in Zusammenspiel mit den dunklen Wolken am Himmel, die aber bis auf ein paar Tropfen sich niemals öffnen, sind wir wie verzaubert von diesen Bildern.

Fahrt zum Marble Canyon und Lees Ferry
Fahrt zum Marble Canyon und Lees Ferry

DSC_0522Eine der vielen "Murmeln"

Eine der vielen „Murmeln“

Navajo Bridge am Marble Canyon
Navajo Bridge am Marble Canyon

DSC_0425Wir fahren an den Vermillion Cliffs vorbei bis nach Lee’s Ferry, wo wir die ersten Stromschnellen des Colorado auf dem Weg durch den Grand Canyon aus der Nähe sehen können. Laut Beschreibung auf einer Tafel am Ufer sind diese noch zu klein und harmlos um sie überhaupt Stromschnellen nennen zu dürfen, aber uns reicht der Anblick um uns klarzumachen, dass eine Raftingtour durch den Grand Canyon defintiv nicht auf unserer To-Do-Liste steht.

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Lees Ferry
Lees Ferry
Hier werden gerade die Boote fertig gemacht für 20 Tage auf dem Colorado
Hier werden gerade die Boote fertig gemacht für 20 Tage auf dem Colorado

Wir fahren zurück nach Page, wo wir noch über die Brücke beim Glen-Canyon-Dam zur Wahweap-Marina am Lake Powell fahren. Zumindest einmal möchte ich doch zum See, wenn schon dieses Mal keine Bootstour auf dem See auf unserem Plan stand. Wir entdecken ganz neue Aussichtspunkte und genießen den Anblick dieses blauen Sees mitten in den Felsen der Wüste. Wunderschön! Nach einem kurzen Bummel durch die Marina selbst fahren wir zum Motel zurück, da uns inzwischen der Hunger plagt.

Zur Erinnerung: Wir sind hier mitten in der Wüste
Zur Erinnerung: Wir sind hier mitten in der Wüste

DSC_0574 DSC_0614 DSC_0593 DSC_0591Tja, und dann gehen wir ins Fiesta Mexicana zum Essen. Leckeres Essen und vor allem leckere Margaritas gibt’s da …

DSC_0620Die Straße der kleinen alten Motels in Page

Die Straße der kleinen alten Motels in Page

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