11. Tag: 10.5. Mit dem Zug nach Silverton

Heute stand die bereits lange gebuchte Fahrt mit dem Westernzug mit Dampflokomotive auf dem Plan. Die Fahrt hatte sich Ralf gewünscht und nachdem ich im Internet bei Tripadvisor begeisterte Stimmen gelesen hatte, hatte ich dem zugestimmt.

Abfahrt des Zuges sollte um 8.45 Uhr sein. Nachdem wir aber noch im Hotel auschecken mussten und vorher noch ein Kleinigkeit zum Frühstück zu uns nehmen mussten, hatten wir gestern Abend tatsächlich im Urlaub den Wecker gestellt. In der Nacht hatten wir beide nicht besonders gut geschlafen, da das Hotel aufgrund seiner Lage mitten in der Stadt nicht besonders leise ist. Außerdem plagte sich Ralf immer noch mit seiner Erkältung, was sich nicht besonders hilfreich auf meinen Schlaf auswirkt. Aber zumindest hatte es nicht gespukt… So fiel uns das Aufstehen etwas schwer, aber was sein muss, muss halt eben sein.

Wir waren ja sowieso froh, dass die Fahrt stattfinden konnte. Am letzten Mittwoch hatte die Bahngesellschaft nämlich bekanntgegeben, dass die Strecke aufgrund eines Felssturzes gesperrt sei und man nicht wisse, bis wann der Schaden behoben wäre. Gottseidank haben die Arbeiter aber fix gearbeitet, so dass schon am Freitag Entwarnung gegeben werden konnte. So konnten wir pünktlich die reservierten Plätze in der Bahn, vor der die Lokomotive bereits vor sich hindampfte, einnehmen. Die Fahrt von Durango ins alte Minenstädtchen Silverton sollte dreieinhalb Stunden dauern. Da mir bereits bei der Buchung klar war, dass ich nicht ohne Not 7 Stunden am Tag in einer Eisenbahn sitzen möchte, haben wir die Rückfahrt im Bus gebucht.

Die Bahn ist, wie es sich für ein amerikanisches Unternehmen gehört, perfekt inszeniert. Alle Mitarbeiter sind in „authentische“ Kostüme gekleidet und in unserer gebuchten Klasse fuhr ein gewandteter „Marshall“ mit, der uns mit Erklärungen und Geschichten versorgte. Auf diese Unterhaltung hätten wir gerne verzichtet, aber in der Klasse ohne Unterhaltung war zum Zeitpunkt der Buchung bereits kein Platz mehr frei. Und im offenen Wagen wollten wir dann doch nicht sitzen …

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Die Abfahrt erfolgte püntklich und mit der Abfahrt begann der Marshall zu erzählen. Und hörte bis nach Silverton eigentlich nicht mehr auf damit. Ansonsten war die Fahrt ganz nett. Da die Bahn wirklich langsam fährt, zog sich Strecke sehr in die Länge. Es gab ein paar spektakuläre Ausblicke, aber im großen und ganzen war es etwas langweilig. Ich hätte sooo gerne mal Gas gegeben! Kaum vorstellbar, dass die Eisenbahn damals eine Revolution des Transportwesens war. Die Strecke, für die wir heute etwa dreidreiviertel Stunden gebraucht hatten (wir hatten neben zwei Stopps zum Nachfüllen des Wassertanks noch einen ungeplanten Stopp, weil jemand versehentlich die Notbremse betätigt hatte), wurde vor dem Bau der Eisenbahn in drei ganzen Tagen zurückgelegt.

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Silverton selbst ist ein wirklich authentisches Minenstädtchen mitten im Hochgebirge. Wir hatten zwar das Glück, dass die angekündigten Schneefälle nicht stattfanden und stattdessen die Sonne schien, aber es war trotzdem ziemlich kalt. Wir hatten beide unsere Fleecepullover plus Fleecejacke plus normaler Funktionsjacke an und haben nicht geschwitzt. Gestaunt habe ich hier über manchen amerikanischen Mitreisenden, der in kurzen Hosen oder mit Rock und Sandalen ohne Socken unterwegs war. *schauder* Wir bummelten über die beiden Hauptstraßen, von denen nur eine befestigt ist und die andere, wie auch alle Nebenstraßen unbefestigt und damit matschig ist und bewunderten die Gebäude und Geschäfte, von denen viele erst Mitte Mai öffnen, wenn 2 Züge täglich Station in der Stadt machen.

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Um 14.30 Uhr sollte der Bus Richtung Durango abfahren, direkt nachdem der Zug wieder gestartet war. Leider stellte sich heraus, dass ein Paar fehlte. Der Busfahrer führte einige Gespräche mit seiner Zentrale, wartete dann noch eine halbe Stunde, danach fuhren wir noch einmal die Hauptstraßen ab und fuhren dann endlich los. Sollen die beiden doch sehen, wie sie nach Hause kommen (wenn sie nicht vielleicht doch mit dem Zug gefahren sind).

Die Busfahrt dauerte nur knapp eineinhalb Stunden. Wenn auch der Busfahrer, genauso wie der Marshall auf der Hinfahrt, die ganze Zeit plauderte, fanden wir beide sie um einiges interessanter und „erträglicher“. Während die Bahnlinie direkt am Fluss entlang führt, fuhren wir mit dem Bus durch das Gebirge, was natürlich wieder spektakuläre Ausblicke in ein schneebedecktes Winderwunderland ermöglichte. Leider bin ich zwischendurch eingeschlafen – die schlaflose Nacht forderte doch ihren Tribut.

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In Durango angekommen, machten wir uns bald auf den Weg nach Monticello in Utah. Auch wenn uns die bisherigen Stationen auf der diesjährigen Reise sehr gut gefallen haben, hat Ralf jetzt seinen alten Kindheitstraum von Wildweststädten zur Genüge ausgelebt und wir freuen uns jetzt auf unsere geliebten roten Felsen und Canyons.

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In Monticello übernachteten wir im Blue Mountain Horsehead Inn. So urig der Name schon klingt, so urig sieht es auch aus. Zunächst bin ich etwas erschrocken, das Anwesen ist nämlich schon etwas in die Jahre gekommen. Der Empfang durch den super freundlichen Inhaber macht das aber gleich wieder wett. Man fühlt sich gleich willkommen. Auch das Zimmer ist eine absolut angenehme Überraschung, in dem sogar die Klimaanlage auf „Heizung“ gestellt ist. Das vom Motelinhaber empfohlene Restaurant „Peace Tree Juice Café“ stellte sich als absoluter Volltreffer heraus, in dem wir frisch zubereitete köstliche Steaks und Salate aßen.

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Auf dem Heimweg präsentierte sich uns noch ein faszinierender Sonnenuntergang und so endete der Tag absolut perfekt.

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