11. Tag: Von Page nach Monument Valley

Heute ist mal Ralf dran mit dem Schreiben. Also nicht wundern, wenn der Stil heute etwas anders ist.

Nachdem wir wieder tief und fest geschlafen haben (ob da die Magaritas dran Schuld waren?) haben wir den Morgen erst mal gemütlich angegangen. Der Plan sah vor: Gemütliches Aufstehen, dann in Ruhe zusammenpacken, bei Lulu auschecken, dann zu Dennys frühstücken, unseren trationellen Page-Walmart-Besuch absolvieren, noch einmal den Lake ansehen und danach ab zum Monument Valley. Einen Traum, den ich mir schon lange erfüllen wollte.

Es ist uns nicht ganz leicht gefallen, Page schon zu verlassen, denn es gab noch so vieles, was wir noch hätten unternehmen können, freuten wir uns aber auch mal wieder was anders zu sehen. Und so schön es mit der familären Atmosphäre bei Lulu war, wir freuten uns auch schon wieder auf ein anonymes reguläres Hotel, bei dem man morgens die Rezeption nicht erst im Haus suchen muss. 🙂

Nachdem wir das Auto voll geladen und Lulu gefunden hatten startete Jutta wohlgemut das Auto. Und … diese blöde Reifenanzeige leuchtete wieder. TOLL! Wir planen 250 km Fahrt durchs Niemandsland und dann das. Die Idee, schnell zu Alamo zu fahren und nachsehen zu lassen was der Wagen hat mussten wir schnell verwerfen, nachdem wir feststellten, dass es in Page zwar Hertz gibt, der nächste Alamo aber 150 km entfernt in Williams ist (Na, kommt uns das nicht bekannt vor? 🙂 ) Also beschlossen wir, erst einmal den ersten Teil des Planes, das gemütliche Frühstück, zu erledigen.

Bei Dennys war die Hölle los und die Managerin brauchte eine Zeit um uns unsere Plätze z zu zuweisen. In den USA setzt man sich ja nicht einfach irgendwo hin, sondern wird an seinen Platz geführt, damit jede Serviererin eine gleichmäßige Anzahl von Gästen bekommt. Die arme Managerin war total aufgedreht und erklärte uns, dass sie erst ihre Teenager-Bediensteten babysitten musste. Wir bestellten dann bald ein ordentliches amerikanisches Frühstück und wohlgenährt gingen wir das Reifenproblem an. Ich erinnerte mich, dass es in den Staaten üblich ist, ein Reifendruckmesser im Auto mitzuführen, da es an den Luftspendern an den Tankstellen nur selten angezeigt wird, wieviel Luft man in die Reifen füllt. Da Walmart eh auf unserer Liste stand fuhren wir also erst einmal dort hin.

Nach einem kleinen Umweg über die Pharmaecke dort (der Alptraum der deutschen Apotheker!) bei dem sich Jutta mit billigem Ibuprophen aus der Sonderangebotsecke eindeckte, landeten wir dann bei den Autoteilen. Bei den Reifendruckmessgeräten gab es auch eine Sammlung verschiedener Reifenreparaturdosen – und nachdem wir ja kein Reserverrad haben, beschlossen wir uns dort ein besseres Gefühl zu kaufen. Ein netter Mexikaner, der unsere fragenden Gesichter sah, erklärte uns dann, welche Dose für unser Vorhaben die beste wäre. Noch schnell ein paar Peanut- und
Pretzels-m&ms, dann war der Einkauf erledigt.

Beim Tanken testeten wir dann gleich den Reifendruck mit unserer neuen Errungenschaft: Einem kuligroßen Stift, der den Druck mit einer Stange anzeigt, die je nach Druck aus dem Stift geschoben wird. Der Übeltäter war dann bald gefunden. Der hintere linke Reifen hatte gut 1/3 weniger Druck als die anderen drei. Er wurde also kräftig gefüllt und wir beschlossen ihn genau im Auge zu behalten. Ich habe das Ventil in Verdacht und habe es dann auch mit einer Schutzkappe versehen. (Die unser Wagen auch nicht hat – das nächste mal also kein Alamo mehr! Da wird uns zu viel gespart: Kein Ersatzrad, keine Ventilkappen, keine Niederlassung dort, wohin wir fahren …)

Endlich ging es weiter und wir sahen uns noch kurz den Antelope-Point an. Das ist eine weitere Zufahrt zum Lake Powell, die angeblich sehr schön sein soll. Wir fanden sie nicht so berauschend und so fiel uns der Abschied von Page nicht mehr ganz so schwer. (Auch wenn wir definitiv wieder dort hin kommen werden, wenn wir mal wieder in die USA fahren sollten – im Gegensatz zum Grand Canyon haben wir dort noch einiges zu entdecken)

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Wir bogen bald auf die I89 ab, die als Scenic-Road bezeichnet wurde. Es gab dort ein paar schöne rote Felsen und auch ein Rudel freilaufender Hunde, die einfach auf die Straße liefen, aber ansonsten war die Strecke weitestgehend gleichförmiges flaches Grasland, das uns zu der Bezeichnung „Laaaangweeeiiiiliiiig“ hinreißen ließ. Wenn die Hunde nicht gewesen wären, die zu einem kleinen Adrenalinstoß geführt hätten, wäre die Gefahr des Einschlafens doch sehr groß gewesen.

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Während der Strecke fiel mir ein: „Wir sind ja jetzt im Navajo-Reservat. Hier gilt doch nicht mehr die Arizonazeit, sondern die Mountain-Time mit Sommerzeit“ Also die Uhr um eine Stunde vorgestellt und schon war die geplante Ankunftszeit beim Momument-Valley nicht mehr 14:00 Uhr sondern 15:00 Uhr. Das wird aber ganz schön knapp mit der Planung.

Nach einer recht ereignislosen Zeit erreichten wir dann die Kreuzung, an der es zum Monument Valley geht. Wir fuhren durch die relativ trostlose kleinere Ortschaft Kayenta. Hier merkt man sehr deutlich, dass es der Navajo-Nation an Geld fehlt. Trotzdem wirkte die Ortschaft nicht heruntergekommen – aber man sieht deutlich den Unterschied zu den Siedlungen der weißen Bevölkerung.

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Kurz vor dem Eingang zum Monument Valley Visitor Center war dann ein Kassenhäusschen zu sehen, an dem wir brav unsere 2 mal 5$ Eintritt zahlten. Da unser Hotel „The View“ gleich zu sehen war, testen wir, ob wir uns auch eine Stunde vor der Check In Time einchecken können und bekamen auch gleich ein Zimmer zugewiesen. Das Zimmer ist echt die Wucht: Groß – wie das gesamte Hotel – sehr geschmackvoll eingerichtet – und das beste: Vom Balkon aus eine tolle Aussicht auf das Valley. Wir waren begeistert und haben uns gleich ein kleines Mittagessen fertig gemacht, das wir dann gemütlich auf dem Balkon gegessen haben.DSC_0659 DSC_0661"The View" vom Valley aus betrachtet.

„The View“ vom Valley aus betrachtet.

Ehe wir es uns versahen war es 16:00 Uhr und da wir ja noch eine geführte Fahrt durch das Monument Valley machen wollten (Wir trauten uns mit dem seltsamen Reifen nicht über die unbefestigten Straßen), eilten wir zum Informationsschalter für die Tours. Im Gegensatz zu einigen Reiseberichten wurden wir auf dem Weg dorthin nicht laufend bedrängt etwas zu kaufen oder eine Tour zu machen. Der Mann am Schalter erklärte einer jungen amerikanischen Touristin und uns die verschiedenen Touren und wir entschlossen uns zu einer 2 1/2 Stunden-Tour, die auch in Gebiete führt, die man ohne Führer nicht betreten darf.

Das einzige Problem: Am Himmel zeichneten sich die ersten dunklen Wolken ab und Jutta war nicht mehr so begeistert von der Idee. Ich hatte aber fest vor die Sunset-Tour am Nachmittag zu machen, weil die Sonne dann ein besonderes Rot auf die Felsen zaubert und überzeugte Jutta so einigermaßen, dass die Wolke noch weit weg sind und uns nichts passieren wird. (Wer Jutta kennt, weiß, dass sie Gewitter fürchtet – zurecht, nachdem einmal bei einem Openair-Konzert ein Blitz nur wenige Meter von uns in die Bühne einschlug)

Wir wollten mit Kreditkarte bezahlen, aber das Satelliten-Modem des Kartenlesers wollte aufgrund der Wolken keine Verbindung aufbauen, so dass unsere Mitreisenden und wir von dem Navajo im Schalter das Angebot bekamen erst die Tour zu machen und anschließend im Head-Quarter zu zahlen. Dort gäbe es eine Internetverbindung mit Standleitung. Wir ließen uns auf den Deal ein und zusammen mit einem älteren Paar aus Ohio und einer 4 1/2 köpfigen (lauten) Familie mit stark erkältetem Vater aus Tschechien machten wir uns auf den Weg.

Wir saßen auf einer offenen Pritsche eines Geländewagens und nach den ersten Metern war uns schon klar: Gut, dass wir nicht unseren PKW genommen haben. Klar wäre es auch gegangen (und hätte uns kein Gebühren gekostet) – aber die „Straße“ war derart holperig und sandig, dass wir mit unserem Reifen tausende Ängste gehabt hätten. Kaum waren wir unterwegs, sind übrigens schon ein paar Tropfen gefallen und ich erntete einen bösen Blick von Jutta. Die Sonne zeigte sich aber immer wieder zwischen den Wolken und auch unser Fahrer meinte, dass wir es vor dem großen Regen noch schaffen werden.

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Wir fuhren durch einige sehr schöne Gegenden und gerade die Ecken, in die man ohne Führer nicht darf, hatten einige Besonderheiten, die ihr Geld wert waren. Der Führer gab sich auch sehr viel Mühe und erklärte uns nicht nur die Landschaft sondern auch sehr viel über die Kultur der Navajos und die Probleme der Leute, die im Tal leben. So gibt es dort z.B. keinen Wasseranschluss und keine Stromleitungen, so dass die Menschen gezwungen sind 12 Meilen zur nächsten Wasserstelle zu fahren. Strom wird aus Generatoren bezogen. Wir sahen dann auch einen Pickup mit einem riesigen Wassertank auf der Ladefläche.

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Während wir unterwegs waren, wuchs die Anzahl der schwarzen Wolken und Jutta wurde es immer mulmiger zumute. Wir verloren an den einzelnen Stops auch recht viel Zeit weil unsere lauten tschechischen „Freunde“ immer wieder zu spät zum Wagen kamen.

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Auf einmal wurde unser Fahrer hektisch und meinte, er macht jetzt nur noch einen Halt und dann will er schnell zurück bevor der Regen losgeht. Der letzte Halt war dann auch recht kurz und er fuhr dann ziemlich rasant über die holprigen Wege. Wir kamen uns bei dem Geschaukel ein wenig vor wie in einer Postkutsche, die von Banditen oder Indianern verfolgt wird.

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Wir schafften es dann gerade noch zum Visitor-Center und der Fahrer bot uns an, dass wir ihm mit unseren Wagen bis zum Headquarter folgen sollen. Wir stimmten zu und folgten ihm dann eine ewig lange Strecke bis er vor einem einfachen Haus anhielt. Auf der Veranda saßen einige Natives, die uns freundlich begrüßten. Da die Wolken immer dicker und bedrohlicher wurden, holte Jutta unsere Regenjacken aus dem Auto und der Mann hinter den Tresen im Headquarter erklärte uns, dass nur seine Frau die Kreditkartenmaschine bedienen kann, er aber gerne unsere Kreditkarten annimmt und sie uns später per Post zu senden wird. Als er unsere verdutzten Gesichter sah, grinste er breit und uns wurde klar, dass es nur ein Scherz war. 🙂

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Seine Frau kam dann auch bald und rechnete uns dann ab. Der ältere Navajo hinter dem Tresen fragte dann woher wir kamen und als er hörte, dass wir aus Deutschland kamen, war er ganz aufgeregt. Er war mit seinem Stamm schon ein paar mal in Germany um dort zu tanzen und besonders Heidelberg und die großen Biergläser haben es ihm angetan. Er ist auch öfter mit seinen Leuten im Winter in Miami um dort Touristen zu unterhalten und ihm gefällt es sehr gut, dass er reisen darf und dafür auch noch Geld bekommt. Am Schluß suchte er noch aufgeregt eine Zettel, den er uns zeigen wollte. Es handelte sich um eine Buchbeschreibung eines Erfurters Professors, der ihn mehrere Wochen über das Leben der Navjos interviewt hatte und darüber ein Buch schrieb.

Auf dem Heimweg, nach dieser spannenden Begegnung, fing dann auch ein sehr kräftiges Gewitter an und wir schafften es gerade noch so trocken ins Hotel zu kommen. Links und rechts – vorne und hinten – blitzte und donnerte es schon wie verrückt und als wir später auf dem Weg zum Restaurant waren, ging auch ein sehr heftiger Monsunregen runter. Aber da waren wir schon in Sicherheit und Jutta ging es schon wieder erheblich besser als vorher im offenen Wagen.

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Auch das Restaurant ist sehr geschmackvoll eingerichtet und ich gönnte mir einen indianischen Chilie-Eintopf währende Jutta mit einem riesigen Salat kämpfte. Als Beilage gab es fritiertes Maisbrot, das so lecker war, dass wir noch nach einem Nachschlag verlangten.

Wenn das Wetter morgen früh mitspielt, hoffen wir einen wunderschönen Sonnenaufgang vom Balkon aus und planen noch eine kleine Wanderung durch das Valley. Danach geht es ab zur nächsten Station: Das Canyon-Wunderland rund um Moab.

Unsere heutige Strecke:


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