13. Tag: Moab – Arches Nationalpark

Erstaunlicherweise haben wir eine ruhige Nacht hinter uns gebracht. Wir hatten mit mehr Unruhe gerechnet, da das Motel direkt an der Durchgangsstraße Moabs liegt und außerdem einen sehr hellhörigen Eindruck macht. Geweckt werde ich dann vom Wecker im Nachbarzimmer, der auf 6.20 Uhr eingestellt ist – offenbar wollen die Nachbarn den Sonnenaufgang erleben.

Nachdem ich dann aber noch einmal eingeschlafen bin, sind wir heute erst relativ spät in den Tag gestartet. Unser erster Weg führte uns in benachbarte Café zum Frühstücken, wo wir gemütlich draußen in einem schönen Garten mit künstlichem Bachlauf und schönen Blumen sitzen können. Urlaubsgefühl pur.

Danach starten wir Richtung Arches Nationalpark, wo wir heute einige Wanderungen auf dem Programm stehen haben. Zuerst spazieren wir zu den „Windows“, die im Morgenlicht besonders schön sein sollen – zusammen mit sehr vielen anderen Touristen. Um die Windows führt jedoch ein kleiner „Primitive Loop“, ein kleiner Trail, der unbefestigt über Felsen und Sand führt. Auch wenn der Weg wirklich nicht lang ist, sind wir ganz allein und fühlen uns weit weg vom Trubel. Schön.

Eines der "Windows"
Eines der „Windows“

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Ein Wandersmann
Ein Wandersmann

DSC_0973Auf einem kleinen Sandweg sehen wir dann unsere erste Schlange in den USA. Zwar keine Klapperschlange – aber immerhin eine lebende Schlange, wenn auch winzig klein. Ich schätze, vielleicht 30 cm lang.

Unsere erste Schlange in den USA
Unsere erste Schlange in den USA

Auf dem Weg zu unserem nächsten Wanderziel, „Devils Garden“, ärgere ich mich über viele Autos auf der Straße. Der Park scheint mir heute voller als gestern. Der Parkplatz am Trailhead zu unserem Weg, der uns erst zum Landscape Arch und danach zum Double-O-Arch führen soll, ist dann auch komplett voll. Mist! Bei unserer zweiten Rundfahrt haben wir Glück und ergattern einen Parkplatz.

Der erste Teil des Weges zum Landscape Arch ist 2,6 km lang, der Weg ist gut und noch sehr stark begangen. Der Arch selbst, der sehr nur noch sehr dünn ist, ist aufgrund Einsturzgefahr abgesperrt und sehr beeindruckend. Wir wollen danach noch den Weg zum Double-O-Arch nehmen, der laut Wegbeschreibung als „Moderate terrain“ beschrieben ist. Der Rückweg soll uns über den „Primitive Loop“ führen, der als „Difficult terrain“ bezeichnet wird. Insgesamt sollen es 9,5 km werden. Nun denn, packen wir es an!

Am Landscape Arch vorbei führt der Weg noch leicht bergan über Felsen und Sand. Dann stehen wir vor unserer ersten Herausforderung. Ein sehr steiler, hoher Felsenanstieg ist zu bewältigen. Eine zeitlang stehen wir davor und beobachten die anderen Wanderer, die sich mühsam hoch- und insbesondere runter quälen. Ralf meint noch zu mir „Sei froh, dass wir da nur hoch und nicht runter müssen“. Wer mich kennt, weiß, dass ich in den Bergen nur sehr ungern bergab gehe und mich dabei nicht sonderlich wohlfühle. Den Anstieg schaffen wir bravourös und denken, dass wir damit die größte Herausforderung schon bestanden haben. Jaja.

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Diesen "moderaten" Weg müssen wir erklimmen
Diesen „moderaten“ Weg müssen wir erklimmen
Die Belohnung für die Mühe
Die Belohnung für die Mühe

Wir machen noch einen kleinen Abstecher zum Partition Arch, in dessen Schatten wir eine Mittagspause einlegen. Der weitere Weg führt uns anspruchsvoll, aber leicht machbar über Slickrock-Passagen und Sandwege durch wunderschöne Landschaften. Herrlich – das Wandern macht richtig Spaß.

Und weiter geht es ...
Und weiter geht es …

Dann steht plötzlich der Aufstieg zu einem hohen, steilen Felsengrat vor uns. Ups, gar nicht so einfach. Wir klettern hoch und ich gehe mutig voran. Immer höher geht es hinauf. Der Weg ist stellenweise vielleicht 2 m breit, dafür klaffen links und rechts Abgründe von bis zu 20 Metern. Solange uns der Weg noch bergauf führt, ist das noch machbar, aber irgendwann geht es ja auch wieder bergab. Dabei hat es ganz schöne feuchte Hände und flatternde Nerven gegeben, insbesondere als einmal ein Schritt über einen Abgrund zu machen war. Kein großer Schritt, aber es ist ein ABGRUND darunter! Ich bin sehr froh, als ich wieder festen Boden erkenne, den wir mit ein bisschen Kletterei dann auch erreichen.

Es wird nicht leichter ...
Es wird nicht leichter …
Dafür bekommen wir aber diese Aussicht, die auch nicht jeder sieht ...
Dafür bekommen wir aber diese Aussicht, die auch nicht jeder sieht …
Jutta versucht ein Hinderniss zu beseitigen
Jutta versucht ein Hinderniss zu beseitigen

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Weder Stock noch Stein noch unwegsames Gelände hält uns auf.
Weder Stock noch Stein noch unwegsames Gelände hält uns auf.

Noch einmal steht uns eine ähnliche Kletteraktion in luftiger Höhe bevor, bevor wir den Double-O-Arch erreichen. Schon vorher ist mir jedoch klar geworden, dass ich keinesfalls den Primitve Loop zurückgehen möchte. Mag sein, dass ich mich anstelle, aber ich mag mir nicht vorstellen, welche Herausforderungen auf diesem „schwierigen“ Weg vor mir liegen, wenn mich der „moderate“ Weg schon so gefordert hat.

DSC_1054Und noch ein Arche - wenn das keinen Schluck Wasser wert ist

Und noch ein Arche – wenn das keinen Schluck Wasser wert ist

DSC_1067 DSC_1079Geschafft! Jetzt "nur noch" den selben Weg zurück ...

Geschafft! Jetzt „nur noch“ den selben Weg zurück …

Wir gehen den Weg noch bis zum Ende, fotografieren uns da natürlich noch gegenseitig – Juchhu, geschafft! – und machen uns dann auf den Rückweg. Dieser geht zwar schneller, da Ralf die Kamera in den Rucksack gesteckt hat und nicht mehr fotografiert, ist dafür aber noch einen Tick schlimmer, da wir hauptsächlich bergab müssen. Insbesondere der letzte Abstieg (der, von dem Ralf zuvor gemeint hatte „Sei froh, dass Du den nicht runter musst..“) war nicht leicht zu meistern. Aber wir haben es unfallfrei geschafft und sind SEHR stolz auf uns. Höhenangst erfolgreich besiegt!

Am Auto angekommen gönnen wir uns keine Pause. Es ist schon 15.45 Uhr vorbei und wir wollen noch zum Delicate Arch. Dieser bekannteste Arch des Parks wird vor allem nachmittags, insbesondere zum Sonnenuntergang, von sehr vielen Menschen besucht. Gestern schon hatten wir gesehen, dass die Parksituation am Trailhead nicht besonders berauschend ist und daher wollten wir eine geraume Zeit vor Sonnenuntergang dort sein. Also schnell hin. Wir bekommen dann auch problemlos einen Parkplatz. Ich pflastere noch meine Zehen ab, die von der letzten Wanderung etwas schmerzen und dann machen wir uns wieder mit leichter Ausrüstung auf den Weg.

Der Weg soll hin und zurück knapp 5 km lang sein. Der Hinweg führt eigentlich nur bergauf, das Ziel ist bis zum Schluss nicht zu sehen. Und der Weg zieht sich! Wir sind doch schon etwas erschöpft und stellen fest, dass wir nicht gedacht hatten, dass zweieinhalb Kilometer so lang und anstrengend sind. Insbesondere ein langes, steiles Stück über Slickrock schlaucht ordentlich. Die vom Himmel brennende Sonne tut ihr übriges dazu.

Der Arch selbst entschädigt aber sofort für die Strapazen des Aufstiegs. Wunderschön steht er mitten der Landschaft. Ein perfektes Fotomotiv. Es stellt sich allerdings als ziemlich schwierig heraus, Fotos ohne Menschen, die meinen, mitten im Arch stehen zu müssen, zu machen. Ich setze mich daher in den Schatten und überlasse Ralf die Arbeit. Nach einiger Zeit gelingen ihm die Fotos und er kommt auch zu mir. Wir machen noch eine letzte Rast, essen die letzten Nüsse und Salzbrezeln und lassen uns dann von einem penetranten Deutschen, der allen Anwesenden erklärt, dass es ja ganz einfach sei, das perfekte Foto des Delicate Arch zu machen, da ja alles im Internet stehe, vertreiben. Langsam will ich auch nach Hause, da es schon nach 17 Uhr ist und ich müde bin.

Der berühnte Delicate Arch - Jetzt auch endlich einmal von mir fotografiert (in so ca. 40-80 Variationen)
Der berühnte Delicate Arch – Jetzt auch endlich einmal von mir fotografiert (in so ca. 40-80 Variationen)
Die ersten Sonnenuntergangsfotografen stellen sich ein - wir gehen schon vorher :-)
Die ersten Sonnenuntergangsfotografen stellen sich ein – wir gehen schon vorher 🙂

Unten am Parkplatz angekommen erkennen wir, dass die Parksituation jetzt wieder prekär ist, da ja alle zum Sonnenuntergang oben sein wollen. Wir überlassen also unseren Parkplatz einem glüclichen Gewinner und machen uns auf den Rückweg.

Nach der wohlverdienten Dusche haben wir jedoch immer noch nciht genug: Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um essen zu gehen. Was sind wir froh, als wir hinterher den Rückweg geschafft haben!

Morgen werden wir wohl eher wenig zu Fuß erledigen …