15. Tag: Von Moab nach Torrey (Goblin Valley und Capitol Reef Nationalpark)

Auch unsere letzte Nacht im Inca Inn verläuft ruhig, nachdem es am späteren Abend vorher noch etwas Aufregung gegeben hatte. Nach mehreren kurzen Stromausfällen waren offenbar diverse Sicherungen kaputt und es gab im kompletten Motel in einigen Zimmern kein Licht . Bei uns war gottseidank nur das Bad davon betroffen, aber nach mehreren Versuchen, den Schaden zu beheben, standen irgendwann die Angestellten des Motels mit brennenden Kerzen in der Hand vor der Tür. So konnten wir unsere Zähne bei romantischem Kerzenschein putzen. 🙂

Nach einem Frühstück im Motel selbst (es gibt dort selbstgebackenes Brot als Spezialität) machen wir uns auf den Weg Richtung Torrey. Da es ab Mittag wieder zu Gewittern kommen kann, beeilen wir uns ein wenig um noch möglichst viel im Trockenen sehen zu können.

Blick aus dem Motel nach dem großem Regen
Blick aus dem Motel nach dem großem Regen

Erste Station auf unserem heutigen Weg ist der Goblin Valley State Park. In diesem Park sind in einem großen Tal tausende von „Steinkobolden“ zu finden. Da sieht sehr putzig aus. Das Schöne daran ist, dass man zwischen diesen wunderlichen Gestalten herumlaufen kann wie man möchte und nicht an offizielle Trails gebunden ist. Man darf sogar auf die Figuren draufklettern, obwohl davon aufgrund der Brüchigkeit des Materials abgeraten wird. Es macht einen Riesenspaß, durchzuspazieren und die Phanatasie spielen zu lassen. Was könnte das wohl sein? Ein Drache, ein Hund, eine Ente? Außer uns sind auch einige Familien mit Kindern dort unterwegs, für die das Tal ebenfalls ein Paradies sein muss. Endlich einmal kann man die Kinder einfach laufenlassen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie in den nächsten Canyon stürzen.

Goblin Valley Statepark
Goblin Valley Statepark

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Faszinierend finde ich auch die vielen Kanäle, durch die sich bei Regenwetter das Wasser seinen Weg sucht. Und Regen hatten wir ja gestern wirklich zur Genüge…

Apropos Regen: Die Sonne brennt heiß vom Himmel, aber es baut sich eine riesige schwarze Wolkenwand auf. Ich befürchte, dass es bald wieder gewalig krachen wird und dränge zum Aufbruch Richtung Auto, das ja auch erst einmal gefunden werden muss. Gottseidank ist das Dach der Besucherterrasse hoch oben an der Kante des Tals gut zu sehen, sonst könnte man sich leicht in diesem Wald aus Steinmännchen verlaufen.

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Wir fahren weiter Richtung Nationalpark Capitol Reef. Ich finde ja immer das Leben auf den Straßen hier sehr interessant, beobachte auf unseren Fahrten insbesondere durch die Ortschaften gerne die dort Ansässigen. Und insbesondere fällt mein Blick als Hundefreundin natürlich immer auf die Hunde. Gerade hier draußen auf dem Land gibt es viele Hunde und meistens sind diese mit den Männern unterwegs. Hunde scheinen hier wirklich Männersache zu sein, echte Kumpelverhältnisse also. Transportiert werden sie gerne auf der offenen Ladefläche von Pickups. Und genau so einem „Hundetransporter“ fahren wir heute eine Zeitlang hinterher. (Mir wäre das ja viel zu gefährlich für den Hund, aber ich bin ja auch eine Frau.) Dieser Hund ist auch die ganze Zeit ganz aufgeregt, läuft auf der Ladefläche hin und her und bellt alle entgegenkommenden Fahrzeuge an. Lustig sieht das aus: Hund schaut nach vorne, ob ein Auto kommt. Auto kommt, aufgeregtes WAUWAUWAU, eine Drehung des Tieres und dann wieder auf Beobachtungsposten. Auf die Weise schafft er es bei drei hintereinander fahrenden Autos leider nicht, das mittlere Fahrzeug anzubellen, da er da noch mit der Drehung beschäftigt war… Natürlich muss Ralf das Spektakel fotografieren. Irgendwann lässt uns der Fahrer überholen und wir stellen fest, dass wir von dem Schauspiel zu fasziniert waren, dass uns ein evt. Wegweiserschild mit Sicherheit entgangen wäre.

Unser Weg
Unser Weg
Der aufgeregte Hund kurz bevor er wieder ein Auto verjagt
Der aufgeregte Hund kurz bevor er wieder ein Auto verjagt

Ist es aber nicht und so erreichen wir nach etwa einer Stunde den Capitol Reef. Am Parkeingang, an dem es seltsamerweise kein Kassenhäuschen gibt, orientieren wir uns erst einmal anhand der großen Karte. Allzu viele Straßen können wir hier nicht fahren, da ein Großteil der Straßen hier in diesem noch relativ jungen Park noch unbefestigt sind und damit für uns nicht in Frage kommen. Nächstes Mal mieten wir vielleicht doch einmal einen SUV.

Impressionen: Capitol Reef Nationalpark
Impressionen: Capitol Reef Nationalpark

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Der Park selbst gefällt uns sehr gut. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich mit Felsen und Steinen in verschiedenen Farben und aufgrund der Flüsse, die durchfließen auch mit vielen Pflanzen bewachsen. Einmal ganz was anderes. Ein Schild weist uns auf den „Great Wash“ hin und wir halten natürlich an, um ihn uns anzuschauen. Ein Wash ist sozusagen ein Bach- oder Flussbett, das normalerweise trocken ist, aber bei Regenfällen geflutet wird. Auch hier weisen Schilder auf die Gefahr von Flashfloods aufgrund des „Narrow Canyon“ hin und man kann sich lebhaft vorstellen, wie hier wahrscheinlich gestern die Wassermassen durchgerauscht sind. Alles ist mit rotem Schlamm, kleinen und größeren Steinen und Astwerk bedeckt. Der Wash führt zu einem Fluss, an dem wir schon die ganze Zeit entlangefahren sind und der vollgefüllt ist mit sehr schnell fließendem rotem Wasser. Ich glaube, gestern war es hier nicht so besonders lustig.

Ein dicker Wash in dem wir uns matschige Schuhe geholt haben. Gestern muss hier die Hölle getobt haben ...
Ein dicker Wash in dem wir uns matschige Schuhe geholt haben.
Gestern muss hier die Hölle getobt haben …
Das rote, das da fließt, das ist Wasser!
Das rote, das da fließt, das ist Wasser!

Auf unserem weiteren Weg werden wir auf einen Trail zu einer Natural Bridge hingewiesen, den wir auch gehen. Eine wunderschöne kleine Wanderung! Wir schwitzen zwar wie die S…, da wir aufgund der Wettervorhersage und unseres Plans, keine Wanderung zu machen zu warm angezogen sind, aber die Mühe lohnt sich. Sowohl der Weg dorthin als auch das Ziel, eine riesige natürliche steinerne „Brücke“ sind ganz toll und wir sind begeistert.

DSC_1437Danach wollen wir eigentlich zu unserem Motel, dem Days Inn in Torrey, entdecken aber noch die Zufahrt zum Scenic Drive, den wir natürlich noch fahren. Hier wird dann jetzt auch kassiert. Allerdings gibt es kein Kassenhäuschen, sondern die Autofahrer müssen ihren Obulus in ein Kuvert stecken und in ein Kistchen werfen. Wir müssen natürlich nichts zahlen, weil wir ja den Annual Pass, die Jahreskarte für alle Nationalparks, haben und fahren an der Schlange vorbei.

Wir kommen an den Obstgärten vorbei, die von frühen Siedlern des Parks angelegt wurden und wo sich auch heute noch Reisende gegen ein geringes Entgelt selbst Obst von den Bäumen pflücken dürfen. Leider sind alle Bäume schon abgeerntet. Daneben gibt es noch Campgrounds, einen Picknickplatz und ein Museum, alles richtig nett angelegt. Schön ist das.

DSC_1567 DSC_1538 DSC_1508Wir fahren aber weiter, da wir die Straße noch im Trockenen abfahren wollen, denn es drohen immer noch Gewitterwolken am Himmel. Etwas irritiert bin ich von den Schildern, die darauf hinweisen, dass man nicht in den Washes parken soll. Hä? Der Sinn dieser Schilder wird mir schnell klar, denn alle paar hundert Meter quert ein Wash die Straße. Ich finde das ziemlich unheimlich, denn man diesen an, dass vor nicht allzulanger Zeit (gestern?) einiges an Wasser geflossen sein muss. An einer Stelle ist sogar deutlich sichtbar, dass das Wasser hier etwa 50 Meter über die Straße fließt, bevor es dann wieder in seinen Wash am Straßenrand abfließt. Wenn jetzt das Gewitter in der Intensität wie gestern losbricht, kommen wir hier definitiv nicht mehr zurück! Ja, ich bin ein Angsthase.

Eine der "Washs" in der man nicht parken sollte ...
Eine der „Washs“ in der man nicht parken sollte …

Deshalb bin ich auch ganz froh, dass diese Straße nicht allzu lang ist, bevor sie sich dann in zwei unbefestigte Straßen gabelt. Hier wenden wir und fahren zurück.

Wir fahren noch einen wunderbaren Viewpoint an und genießen die Landschaft, die im Sonnenschein strahlt, auch wenn immer noch viele Wolken am Himmel zu sehen sind und machen uns dann auf den Weg nach Torrey. Hier ist das Days Inn schnell gefunden und wir fahren noch durch den Ort selbst. Ein süßes Örtchen ist das, sehr ländlich, typisch amerikanisch wie man es aus alten Filmen kennt. Es gibt außer den Motels einige Tankstellen, einen Subway, zwei Burgerbuden, einen kleinen Supermarkt und einen Coffeeshop. Ich glaube, das wars. Nein, hier möchte ich nicht leben!

Nach dem Einchecken und Auspacken machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Wir essen in der einen Burgerbude einen vorzüglichen Hamburger. Ich werde es wohl niemals lernen, wie man diesen unfallfrei isst, obwohl ich mir große Mühe gebe. Trotzdem ist rings um meinen Platz und sogar auf meinem Sitzplatz großflächig Salat verteilt. Gut, dass mich hier niemand kennt.

Eine besondere Aufmerksamkeit unseres heutigen Hotels: Eine kleine Quietscheente. :-)
Eine besondere Aufmerksamkeit unseres heutigen Hotels: Eine kleine Quietscheente. 🙂
Blick aus dem Motelzimmer
Blick aus dem Motelzimmer

Vorher hatten wir uns im Supermarkt noch zwei Dosen Bier und ein Packung Chips gekauft und werden jetzt den Rest des Abends abhängen. Urlaub!

Unsere heutige Strecke:


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