16. Tag: Von Torrey nach Bryce Canyon

Nachdem wir eine sehr ruhige Nacht verbracht haben drängte ich dazu recht früh zum Frühstück zu gehen. In den amerikanischen Motels gibt es zwar hin und wieder ein sogenanntes „complimentary continental breakfast“ Sprich ein (Mini-)Buffet mit einem Toaster, ein paar Donuts und/oder Muffins und wenn man Glück hat, wie im Days Inn fast Standard – auch ein Waffeleisen zum selber Waffel backen. Ich bin da immer etwas ängstlich, dass ich keinen Sitzplatz bekomme (für ca. 100 Gäste gibt es ca. 10 Tische) und was noch schlimmer wäre – nichts mehr für mich übrig bleibt.

Das kleine Frühstück war dann schnell beendet und wir suchten dann nach einigen Irrwegen die versteckte Einfahrt zum berühmten Highway 12. Nach vielen Berichten soll dies eine der schönsten Aussichtsstraßen der USA sein und wir wollten sie unbeding befahren. Unser Navi wollte uns zwar unbedingt über eine schnellere Route führen, aber ein Blick in die Landkarte zeigte uns, dass die vorgeschlagene Route nicht die war, die wir wollten.

Und es hat sich gelohnt. Der Highway 12 führte uns erst durch ein recht locker bewachsenes Waldgebiet – den Dixie National Forest – der erst von Ponderosa Pinien beherscht wurde und später dann von seltsam aussehenden Birken mit einem langen weißen Stamm und einer kleinen grünen Krone durchmischt wurden. Immer wieder sah man Spuren von Waldbränden, die in den Nationalwäldern zum Teil bewußt gelegt werden um den natürlichen Ablauf der Wälder zu gewährleisten. Die Zapfen einiger Bäume öffnen sich z.B. erst bei sehr hohen Temperaturen und man hat festgestellt, dass ohne die Waldbrände, sich diese Bäume nicht mehr weiter fortpflanzen.

Auch wenn die Fahrt durch das bewaltete Gebirge manchmal sehr stark an eine Fahrt durch die Heimat erinnerte war es doch was besonderes. Vor allen weil immer wieder ein paar rote Felsen durchschimmerten und – man glaubt es als Deutscher nicht (vor allen nach der Geschichte mit der Kuh Yvonne) – durch die Wälder Viehherden stromerten, die auch ab und an gemütlich am Straßenrand standen und die Autos mit großen Augen anschauten. Natürlich war hier mein Jagdinstinkt sofort geweckt und ich versuchte einige der Exemplare mit meiner Kamera zu schießen. Leider sind auf den Bildern die Kühe in den Bäumen nicht zu erkennen, aber was solls. Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß.

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Im Anschluß von einigen Meilen National Forest tauchten auf einmal die von uns so geliebten besonderen Felsformationen des amerikanischen Südwestens auf. Zunächst die hellbraunen bis weißen versteinerten Sanddünen und millionenalte Meeressedimente, die die Kräfte der Natur in vielen Millionen Jahren zu den aktuellen Gebilden geformt haben, später dann auch die Sandsteinfelsen, die in der Sonne immer wieder ein einem klaren deutlichen rot leuchteten. Mein Fotografenherz hüpfte vor Aufregung und die arme Jutta musste immer wieder an allen möglichen Scenic-Views anhalten, damit ich fotografieren konnte.

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An einem der Scenic Views lernten wir durch eine Hinweistafel, dass Präsident Rosewelt während der große Wirtschaftsdepression in den 1930er Jahren den Bau des Highway 12 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für junge undverheiratete Männer angeordnet hatte. Ziel war es Sahne aus den Landwirtschaftlichen Betrieben Torreys zum Bryce zu bringen. So ganz nebenbei entstand eine der landschaftlichsten abwechslungsreichsten und schönsten Straßen, die wir je befahren haben.

Da das Frühstück doch recht mager war, meldete sich nach einiger Zeit meldete sich bei uns der Hunger und wir hatten die Hoffnung in einer der kleinen Orte auf den Weg einen Mc Donalds oder ähnliches für einen kleinen Imbiss zu finden. Aber in den wenigen Ortschaften auf dem Weg gab es zwar eine Menge Motels und auch immer wieder einen Grocery Store (in Boulder sogar einen mit deutschem Willkommensgruß) – aber nichts für einen kleinen Imbiss zwischendurch. Also beschlossen wir einfach während der Fahrt noch ein paar Nüsse und Trockenobst zu vernichten und erst einmal weiter zu fahren.

Straßenszene in Boulder
Straßenszene in Boulder

DSC_1668Kurz nach Escalante überredete ich Jutta noch einen Abstecher in den Kodakchrome Statepark zu machen. Der Name verrät schon, was mein Ziel war. 🙂 Lustigerweise hatte die Firma Kodak anfänglich einige Bauchschmerzen mit dem Namen des Parks. der so getauft wurde, weil die vielen verschiedenen leuchtenden Farben dort angeblich nur mit Kodakchrome Diafilmen richtig zu sehen wären und in der guten, alten analogen Zeit in diesem Park unmengen dieser Filme verbraucht wurden. Nach einiger Zeit haben die Manager von Kodak sich mit dem Namen des Stateparks abgefunden und jetzt hat der Park immer noch den Namen weg obwohl die meisten Fotos dort digital geschossen werden.

Der Park selbst ist sehr übersichtlich hat aber in der Tat einige sehr schöne Farbkontraste zu bieten. Nur mit dem Auto ist er recht langweilig (rote Felsen und Bäume), aber er hat einige schöne Wanderstrecken, die wir aber aufgrund eines heran nahenden Gewitters nur ganz kurz geniesen konnten. Einige Gräben in den sandigen Boden zeigten die Gewalten des Wassers sehr deutlich und wir konnten uns gut ausmalen was hier vor ein paar Tagen los war.

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Als das erste Donnergrollen kam, machten wir uns dann auch sehr schnell auf den Weg ins Auto. Der Himmel klarte nochmal kurz auf und wir nutzten die Zeit um im Camperladen des Parkes noch kurz ein Vanileeis in Schokoladenwaffeln auf der Bank zu geniesen bevor wir uns auf zur Weiterfahrt machten. Trotz dunkler Wolken musste ich natürlich noch ein paar Fotos von 2-3 Haltepunkten aus machen, aber als es dann richtig rummste machten wir uns umgehend und ohne Proteste meinerseits auf den Weg. (Obwohl da noch soooooo viele schöne Motive waren …)

DSC_1722Der Himmel klarte auf der Fahrt dann wieder schnell auf und nur im Rückspiegel konnte man das Unwetter sehen. Puuuuh – Glück gehabt. Nach einigen weiteren Meilen erreichten wir dann die Zufahrt zum Bryce National Park, unser heutiges Etapenziel. Wir hatten den Bryce schon bei unserer ersten USA-Reise sofort als einen der schönsten Nationalparks ins Herz geschlossen und wollten ihn auch diese mal unbedingt wieder erwandern. Da der Wetterbericht für heute nichts gutes sagte, checkten wir uns ersteinmal im Rubys Inn ein um dann im dort angeschlossenen Fastfood-Laden endlich unseren Magen mit ungesunden fettigen (aber leckeren) Zeugs zu füllen.

Ich wagte mich auch an eine kulinarische neue Herausforderung und gönnte mir Vanila Coke. Lecker war es. Jutta hatte weniger Glück. Ihr Limonade schmeckte nach ihrem Bekunden so wie Kloreiniger riecht. Und sie vernichtete den Geschmack dann bei einem Refill mit Vanila Coke.

So gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zu unserem Zimmer. Das Rubys Inn ist ein riesiger Komplex mit einem großen Zentralgebäute, einigen klassischen Motel-Häusern, zwei Gasthäusern, einer Rodeo-Arena, einen Campingplatz, einer Wäscherrei einer Tankstelle und eines wunderbaren und für ein Touristenziel erstaunlich preiswerten Ladens. Wenn man bedenkt, dass das ganze anfang letzten Jahrhunderts als kleine Farm angefangen hat, die für einige Menschen, die die Schönheit des Bryce-Canyons erleben wollten Gästezimmer angeboten hat. Inzwischen ist es ein richtiges großes Wirtschaftsunternehmen, dass immer noch im Familienbesitz ist.

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Unser Zimmer hat diesmal sogar einen Blick auf einen kleinen See und nicht auf einen anderen Motelkomplex wie im letzten Jahr. Zwei große Betten stehen zur Verfügung und wie in jedem amerikanichen Motel steht auch eine Kaffeemaschine mit kostenlosen Kaffee bereit (Warum bieten deutsche Hotels sowas nicht an? Wird da zu oft die Maschine geklaut?)

Dann war es soweit – wir machten wir uns wieder auf zum Bryce Canyon. Diesmal so wie es die Reiseratgeber empfehlen. Wir fuhren erst 18 Meilen bis zum anderen Ende um dann Viewpoint für Viewpoint die immer größer werdenden Schönheit der Felsnadeln (Hoodoos genannt) zu erleben. Der Bryce Canyon ist in dieser Hinsicht was ganz besonderes. Nirgens sonst gibt es soviele Nadelfelsen auf so engen Raum und wir freuen uns schon darauf morgen wieder einmal darin zu wandern.

In so einer gefährlichen Gegend befinden wir uns!
In so einer gefährlichen Gegend befinden wir uns!

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Nachdem es dann doch immer unangenehmer kälter wurde (so ca. 8-10 Grad am Schluß) machten wir uns dann schnell auf um im Rubys Inn vor dem großen Massenansturm ins Restaurant zum Bufett zu kommen. Wir schafften es ohne Wartezeit einen Tisch zu bekommen und schlugen uns den Magen mit kulinarisch zwar nicht erstklassigen, aber gut sättigenden Essen, stöberten noch kurz im Laden um uns zwei Budweiser für den Abend zu holen und lassen den Abend jetzt gemütlich ausklingen um morgen mal wieder richtig was für unsere Körperertüchtigung zu tun.

So wie es aussieht wird es unsere letzte Wanderung in diesen Urlaub. Morgen machen wir uns auf nach Kanab, das wir als Zwischenziel erwählt haben um die Fahrt nach Las Vegas nicht zu lang werden zu lassen. In Kanab wurden die „Rauchenden Colts“ und einige Western gedreht und ich bin nach den vielen roten Felsen auch neugierig auf die dortigen Pink Sanddunes.

Unserer heutige Strecke:


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