17. Tag: Von Bryce Canyon nach Kanab

Die Nacht in Rubys Inn war nicht so besonders ruhig. Wir hatten ein Zimmer im Erdgeschoss, d.h. oben trampelten die anderen Gäste auf unseren Köpfen herum und außerdem war der Kühlschrank, den wir zudem nicht ausschalten konnten, sooo laut. Nervig. Nachdem ich am Vorabend schon um 22 Uhr meine Augen nicht mehr aufhalten konnte, war ich dann ab 24 Uhr eigentlich halbstündlich wach und habe den Morgen herbeigesehnt.

Aber auch eine solche Nacht geht vorbei. Ich gehe ins Bad und nutze hinterher die Zeit, die Ralf dort mit seiner Schönheitspflege verbringt um im General Store etwas zum Frühstück einzukaufen. Das Restaurant wollen wir heute morgen lieber nicht noch einmal beglücken, dazu hat es uns gestern einfach nicht genügend überzeugt. Außerdem geht ein kleines Frühstück auf dem Zimmer einfach schneller und schnell wollen wir heute mal wieder sein.

Wir wollen nämlich heute noch einmal wandern gehen und ab Mittags sind – wer hätte das gedacht? – Schauer und Gewitter angesagt. In der Früh sieht der Himmel noch ganz gut aus. Nach einem Gewitter und kräftigem Regen in der Nacht scheint die Sonne zwischen einigen Wolken hervor. Aber frisch ist es geworden! Nachdem wir ja gestern im eisigen Wind schon gezittert hatten, sind es heute früh 56 Grad Fahrenheit – 13 Grad. Da zieht man sich schon mal ein Jäckchen über …

Wir machen uns auf den Weg in den Park. Am Sunrise Point wollen wir die Wanderung zum Queens Garden verbunden mit dem Navajo Loop starten. Diese Wanderung sind wir bei unserem ersten Aufenthalt im Park im Jahr 2007 bereits gegangen und wir wissen, dass sie wunderschön ist und nicht zu anstrengend. (Ein wichtiger Punkt, denn wir sind inzwischen doch ein bisschen „müde“) Nachdem wir einen Parkplatz gefunden haben, steigen wir in den Canyon hinein.

Sofort nimmt uns die Natur mit ihren unglaublichen Farben und Formen gefangen. Wir sind zwar beileibe nicht allein auf dem Trail, es sind sehr viele andere Menschen, hauptsächlich Franzosen, unterwegs, aber es ist trotzdem grandios. Diese roten Felstürmchen mit ihren grünen Flecken von Büschen und Bäumen unter dem blauen Himmel – phantastisch! Naja, der blaue Himmel könnte ruhig noch ein bisschen blauer werden, die Sonne tut sich mit all den Wolken doch etwas schwer heute.

DSC_1877 DSC_1885Nach einem steilen Abstieg, den wir mit vielen, vielen Fotopausen zurücklegen, erreichen wir Queens Garden und gehen gleich den Weg zum Navajo Loop. Hier ist der Weg flach und führt durch lichten Wald. An einer Stelle haben unsere Vorgänger oder jemand, dem es furchtbar langweilig gewesen sein muss, hunderte von kleinen Steinmännchen gebaut. Lustig sieht das aus.

DSC_1895 DSC_1900 Mittlerweile ist es auch warm geworden und wir können unsere Jacken in die Rucksäcke stecken. Ja, so kann es weitergehen.

Tut es aber im Moment nur bedingt. Die Sonne versteckt sich immer wieder hinter dickeren Wolken, so dass die Sonnenbrille auf der Nase eher nicht so passend ist. Also wird sie mal eben in die Kappe gesteckt und weiter gehts.

Kurz vor Beginn des Aufstiegs kommen wir an den Two Bridges vorbei, wo die Felsen in einer engen Schlucht zwei hintereinanderliegende „Brücken“ gebildet haben. Auch hier macht Ralf natürlich wieder die obligatorischen Fotos – nicht, dass wir das alles vor 4 Jahren nicht schon einmal fotografiert hätten und sooo schnell schreitet die Erosion dann doch nicht voran. 😉 Ich mache auch ein paar Bilder von ihm und muss dazu die Kappe vom Kopf nehmen, weil sie mich dabei stört.

DSC_1922Danach beginnt der Aufstieg, der ganz schön steil ist. Nein, der ist nicht nur ganz schön steil, sondern verdammt steil. Wir sehen einen älteren Herren, der aus dem Stand, einfach so ausrutscht und sich auf die Nase legt, weil ihm die Füsse wegrutschen. Es ist also richtig steil und richtig anstrengend. Als wir ein Stück über uns schon die Rimkante sehen, fällt mir plötzlich meine Sonnenbrille wieder ein. Wo ist die eigentlich? Die hatte ich doch auf die Kappe gesteckt als es vorhin schattig war. Und wo ist sie jetzt? Auf der Kappe jedenfalls nicht. Mir fällt ein, dass ich vorhin, unten, beim Fotografieren die Kappe vom Kopf genommen und dabei muss sie mir runtergefallen sein. Das heißt, umkehren und wieder runter um die Brille zu suchen. Mist!

DSC_1931Unten angekommen ist sie natürlich nicht zu sehen. Ganz großer Mist, wo ist die Brille? Dann werden wir wohl den gleichen Weg wieder zurückgehen müssen und hoffen, sie dort zu finden. Aus einer Eingebung heraus frage ich Ralf, ob die Brille vielleicht irgendwo an mir herumhängt. Und tatsächlich, ja, sie liegt hinten auf meinem Rucksack drauf! Juchhu! Zwar dürfen wir den Aufstieg jetzt noch ein zweites Mal machen, aber wozu gehen wir auch ständig ins Studio? Wozu sind wir schließlich sportlich? Boah, anstrengend ist es trotzdem und wir geraten ganz schön ins Schwitzen.

DSC_1972Wieder am Parkplatz, wo unser Auto steht wieder angekommen, genehmigen wir uns zur Belohnung noch einen Kaffee und eine „Pretzel“. Ich bin begeistert, die Pretzel schmeckt tatsächlich fast genauso wie eine echte bayrische Breze. Ein bisschen vermisse ich unser Zuhause inzwischen ja schon…

Dann schauen wir noch kurz bei der Bryce View Lodge, der Unterkunft direkt im Nationalpark vorbei. Urig sieht es dort aus mit vielen kleinen einzeln stehenden „Cabins“. Außerdem ist man nach 5 Minuten Fußmarsch direkt am Rim. Sollten wir irgendwann noch einmal in diesen Nationalpark zurückkommen, was wir uns gut vorstellen können, wollen wir genau dort unterkommen.

Auf unserem weiteren Weg nach Kanab wollen wir noch kurz die touristischen Gimmicks des Rubys Inn, ein paar Geschäfte im Westernstil, besuchen. Ein paar Tropfen Regen fallen vom Himmel, aber die stören uns nicht weiter. Wir gehen ja nur schnell über die Straße, gucken uns um, gehen ins Auto zurück und fahren los.

Wir kaufen ein paar Andenken, Ralf macht noch ein paar Fotos. Die versteinerten Baumstämme, die wirklich toll aussehen, lasse ich schweren Herzens dort. Naja, 7500 Dollar und einige hundert Kilo Gewicht sind dann vielleicht doch etwas zu viel…

DSC_2004 DSC_2000 DSC_2009 DSC_1992 DSC_1999Und um alles komplett zu machen und gut gerüstet für die Reise zu sein, möchte Ralf noch die Restrooms des Rubys Inn aufsuchen. Gute Idee. Wird erledigt, dann müssen wir uns noch die ausgestellten Bilder anschauen. Dauert alles ja nicht so lange und wir haben ja Zeit, sind ja schließlich im Urlaub.

DSC_1990Als wir dann nach draußen kommen, glauben wir unseren Augen nicht zu trauen: es schüttet wie aus Eimern, donnert und blitzt. Na klasse, wie kommen wir jetzt zum Auto? Einigermaßen trocken gar nicht und deshalb müssen wir nochmal in den General Store. Wir wollen aber weg und daher flitzen wir nach ein paar Minuten unter Ausnutzung sämtlicher zur Verfügung stehender Deckung zum Auto. Ein bisschen nass sind wir geworden, aber nicht so schlimm. Aber gut, dass es, sobald wir im Auto sitzen, aufhört zu regnen…

Unser Weg führt uns über die US 12, also weiterhin die beruhmte Scenic Byway durch wunderschöne Landschaften. Am Red Canyon halten wir noch einmal kurz an. Dieses relativ unbekannte Gebiet zeichnet sich durch viele Wanderwege an fast so schönen Hoodoos wie Bryce Canyon aus. Wir gehen ein kleines Stück, aber da die dunklen Wolken auch hier mir Regen drohen, versorgen wir uns im Visitor Center mit Infomaterial (für unsere nächste Reise) und fahren weiter.

DSC_2034 DSC_2022 DSC_2032 DSC_2023Der Weg führt uns Richtung Zion Nationalpark und die Felsen verändern auch schon ihr Aussehen. Sie sind jetzt nicht mehr rot, sondern eher weiß oder gelb. Dazu schlängelt sich ein Fluss entlang der Straße. Es gibt also genügend Wasser und dementsprechend ist alles üppig grün. Viele Kuhherden sieht man grasen, heute sind sie aber im Gegensatz zu gestern sicher hinter Zäunen versperrt.

Kurz vor Kanab weist uns ein Schild auf die Coral Pink Sand Dunes, einen Statepark, hin. Diesen Park möchte Ralf gerne besuchen und so biege ich in die kleine Straße. Diese führt uns über 10 Meilen entlang von Weiden und auf der anderen Seite sieht man schon die roten Sanddünen (ach nein, nicht rot, sondern Pink;-)) Die Straße wird auch hier, wie an sehr vielen Stellen in dieser Region, von Viehgittern „Cattle Guards“ unterbrochen und ab und zu sieht man auch Kühe direkt an der Straße stehen. Dieser Anblick fasziniert mich immer wieder.

Die Sanddünen sind dann schließlich wieder ganz toll. Das besondere an diesem Statepark mit seinen Dünen ist, dass er auch von Buggys und sonstigen Allradfahrzeugen befahren werden darf. Am Parkplatz des Stateparks ist sogar eine Tribüne aufgebaut, von der aus man den Fahrzeugen zuschauen kann. Heute ist aber keins zu sehen. Wir hören nur irgendwo in der Ferne das Geknattere der Motoren. Daher trauen wir uns auch, ein Stück in die Sandwüste hineinzulaufen. Ganz schön anstrengend ist das, besonders bergauf. Ich finde es seltsam, dass dieses Stück Natur von motorisierten Gefährten just for fun benutzt werden darf, aber auch das ist ein Stück Amerika.

DSC_2075 DSC_2070 DSC_2055 DSC_2050 DSC_2039Auf dem Rückweg sehen wir in der Ferne dann irgendetwas auf der Straße, was dort nicht hingehört. Beim Näherkommen sehen wir, dass das doch tatsächlich echte Cowboys bei der Arbeit sind. Zwei Cowboys auf Pferden treiben unter Mithilfe von zwei Hunden (das gabs früher in den Western aber nicht!) einige ausgebrochene Rinder zusammen um sie wohl zu der in einiger Entfernung liegenden Farm zu bringen. Ganz schön aufregend ist das, ich bin begeistert und Ralf muss natürlich Fotos schießen.

DSC_2089Bald erreichen wir nun Kanab. Hier haben wir ein Zimmer im Red Rock Country Inn gebucht. Bei Tripadvisor ist das Motel gut bewertet, ist aber auch sehr preisgünstig und wieder bewahrheitet sich die Devise „you get what you pay for“. Die Einrichtung ist ziemlich alt, aber wenigstens scheint alles sauber zu sein. Für eine Nacht geht das schon, insbesondere, weil es hier wohl auch wesentlich ruhiger ist.

DSC_2091Wir gehen noch in einem Lokal im Stil eines Diner der 50er Jahre sehr gut essen, schlendern noch ein bisschen durch das Städtchen. Ganz nett ist es hier. Es scheint soweit alles zu geben, sogar ein Kino, in dem man jeden Montag um 7 Uhr abends für 2 Dollar einen Westernklassiker ansehen kann. Ansonsten läuft derzeit „Spykids“, sonst nix.

Im Zimmer fangen wir schon einmal an, unser Gepäck etwas zu sortieren. Morgen geht es ja nach Las Vegas und da steht das Auto ja sehr weit weg vom Zimmer und daher wollen wir heute schon eine grobe Vorsortierung vornehmen um uns das Packen am Dienstagabend zu erleichtern. Wahnsinn, wir sind jetzt nur noch 3 volle Tage hier, dann geht es schon wieder nach Hause.

Aber ein bisschen freuen wir uns dann aber doch schon darauf. 🙂

Die heutige Route:


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