2. Tag 1.5: Von Phoenix nach Tucson

Die erste Nacht in den USA war für mich ungewohnt problemlos. Ich hatte auf dem Flug von Atlanta nach Phoenix (auch äußerst ungewohnt für mich) ziemlich viel geschlafen. Deshalb war ich im Motel nicht so extrem müde, dass ich gleich ins Bett fallen musste, sondern konnte sogar noch ein bisschen lesen. Danach habe ich wunderbar geschlafen und bin erst um 6 Uhr von Ralf geweckt worden, der leider nicht so gut schlafen konnte wie ich. So konnte ich aber gut erholt den ersten Urlaubstag beginnen.

Als erstes haben wir unsere Taschen neu gepackt und organisiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass meine Reisetasche mal wieder von der TSA geöffnet worden war. Diese Inspektion war fein säuberlich in Form eines Zettels dokumentiert. Nachdem mir das bei einer vorherigen Reise schon einmal passiert war, muss ich festhalten: lila-pink-karierte Eastpack-Reisetaschen scheinen potentiell gefährlich zu sein. Egal, sollen sie halt gucken, stört mich nicht.

Danach wurde das Auto gepackt. Festzuhalten ist: ein Jeep Kompass ist ein schönes Auto, aber er hat den kleinsten Kofferraum von all den Wagen, die wir bisher auf unseren US-Reisen hatten. Die beiden großen Reisetaschen passen knapp hinein und dann muss man schon quetschen, um die Rucksäcke dazu zu bekommen. Und dann ist Schluss. Das heißt, dass dieses Mal der Rücksitz mit belegt wird.

Unser erster Weg führte uns zum Safeways Supermarkt. Wasser und sonstige essentiell wichtige Dinge wollten gekauft werden und natürlich stand der obligatorische Supermarktbummel an. Das gehört für uns zum Urlaub einfach dazu und macht uns großen Spaß.

Anschließend statteten wir dem guten „Denny’s“ den ersten Frühstücksbesuch ab. Es hat uns gewohnt gut geschmeckt – endlich mal wieder American Breakfast mit Rührei, Hashbrowns Toast und Pancakes. Und natürlich Kaffee bis zum Abwinken.

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Gut gestärkt machten wir uns danach auf den Weg Richtung Tuscon. Der Besuch der Biosphere 2 stand auf dem Programm und anschließend waren wir bei einer Freundin Ralfs aus Jugendtagen zu einem Kaffee eingeladen. Auf dem Weg dorthin fiel mir ein Hinweisschild „Casa Grande“ auf. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir dieser Name in einem der Reiseführer schon einmal aufgefallen war. Ralf konnte auf die Schnelle allerdings keinen Eintrag finden. Da das Ziel jedoch auf fast unserem Weg lag, haben wir den kleinen Abstecher gemacht und das National Monument besucht. Dort konnten wir dann auch gleich den Jahrespass für die amerikanischen Nationalparks kaufen, so dass das auch schon erledigt ist und wir bei den kommenden Parks den Eingang wählen können, den wir möchten und nicht darauf achten müssen, dass eine Zahlmöglichkeit besteht.

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Das Casa Grande ist eine Ruine eines riesigen, von Indianern gebauten Hauses. Sinn und Zweck dieses Bauwerkes ist nicht eindeutig geklärt, aber es ist wirklich beeindruckend. Im Visitor Center gibt es dazu natürlich auch einen Film zu sehen und wir spazieren gemütlich bei Sonnenschein und Hitze auf dem Ausstellungsgelände herum. Schlangen haben wir keine angetroffen, obwohl auf einem Hinweisplakat daran erinnert wird, dass Schlangen „obwohl sie so aussehen, dass nur ihre Mutter sie lieben kann“ eine wichtige Aufgabe im Ökosystem tragen und sie auch das Leben der Menschen beschützen. Zum Beispiel, indem sie den Hanthavirus in Schach halten.

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Anschließend führte unser Weg durch wunderschöne, blühende Wüstenlandschaften weiter Richtung Oracle, wo das gewaltige Experiment Biosphere 2 angesiedelt ist.

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In diesem Gebäude- bzw. Glashauskomplelx sollte ab dem Jahr 1991 das Leben in einem abgeschlossenen, künstlichen Biotop ohne jeglichen Einfluss von außen simuliert werden. Dazu wurden 8 Wissenschaftler dort eingeschlossen und sollten sich dort als Selbstversorger in einem geschlossenen Kreislauf behaupten. Das Experiment als solches ist ziemlich bald gescheitert, die Menschen konnten sich mit den gegebenen Ressourcen nicht ernähren. Trotzdem ist es wie immer in der Wissenschaft: Auch aus gescheiterten Experimenten können wichtige Erkenntnisse geschlossen werden. Auch heute noch wird dort geforscht, wenn auch unter anderen Bedingungen im nicht abgeschlossenen System.

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Am Ende der Tour merkten wir beide dann aber doch, dass uns der Jetlag plagte. Außerdem war es heiß und wir hatten bis zu der Zeit zu wenig getrunken. Das wurde am Auto dann nachgeholt und wir legten ein Minpicknick mit Babymöhrchen und Nüssen ein. Ja, wir sind halt nicht mehr die Jüngsten.

Das Navi zeigte uns dann an, dass wir doch noch eine ganze Zeit bis Tuscon und damit zu Iris brauchten. Wir entschieden daher, dass wir, anders als geplant, direkt zu Iris fahren und nicht erst im Motel eincheckten. Ralf meldete uns telefonisch an und wir machten uns auf den Weg – auch getrieben von der Vorfreude auf Pizza, die Iris besorgen wollte, da es inzwischen doch etwas zu spät für Kaffee und Kuchen werden sollte. Außerdem geht Pizza doch immer!

Iris wohnt in einem netten Häuschen mit Swimmingpool in einer typisch amerikanischen Wohnsiedlung mit netten, gepflegten Einfamilienhäusern zusammen mit ihrer Familie, drei Hunden und einer riesigen Schidlkröte, die ihr Reich im Garten hat. Super! Sie und Ralf hatten sich viel zu erzählen und die Pizza war wirklich lecker. Außerdem erfuhren wir viel über das Leben in den USA. Unter anderem, dass es zum Beispiel nicht normal ist, dass Arbeitnehmer bei Krankheit einfach zuhause bleiben dürfen. Das gibt es nur bei besonders guten Arbeitgebern, aber auch nicht in unbegrenzter Menge, sondern nur eine bestimmte Anzahl von Tagen. Diese Tage darf man aber zumindest „sparen“, also ansammeln. Man kann sie aber auch jemand anderem spenden. Außerdem erfuhren wir auch, wieso die Wohnsiedlung, in der Iris wohnt, so sauber und ordentlich aussieht. Es gibt dort nämlich eine Art Eigentümerrat, der auf die Einhaltung der Regeln achtet. So darf man zum Beispiel weder auf die Straße noch im eigenen Garten einen Wohnanhänger abstellen. Oder man wird schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass Unkraut im Vorgarten wächst oder dass man vergessen hat, die Mülltonne reinzustellen. Also soziale Kontrolle par excellence. Nee, da lob ich mir unser beschauliches Dörfchen..

Inzwischen war es 20 geworden und die Müdigkeit brannte in den Knochen. Also machten wir uns auf den 15-minütigen Weg ins Red Roof Inn. Ich hoffte,  dass ich wieder so gut schlafen kann wie gestern…

Ein Gedanke zu „2. Tag 1.5: Von Phoenix nach Tucson“

  1. Super Dein Tagebuch! Danke, dass Ihr einen so spannenden Urlaub macht und nicht nur am Pool liegt. 🙂

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