23.04.2018 Pitlochry – Queens View und Rannoch Station

Nach den für uns Landeier doch eher etwas lauten Nächten in Edinburgh, haben wir heute in dem gemächlichen Pitlochy in unserem großen Bett geschlafen wie ein Stein. Nachdem ich die Wunder der Wasserinstallationen des britischen Empires überstanden hatte und mit der gewünschten Temperatur duschen konnte machten wir uns auf den Weg zum Frühstücksraum unseres B&B. Hier wurden wir von unserer Zimmerwirtin herzlich begrüßt und suchten uns aus der Menükarte ein traditionelles schottisches Frühstück, mit Ei, Speck, Black Puding und allem was dazugehört aus.

cof
cof
cof

Mit am Tisch saß ein älteres Ehepaar (also noch älter als wir 🙂 und stellte uns nach kurzer Zeit die in Schottland obligatorische Frage „Where are you from?“. Als wir unsere Standard-Antwort „From Germany, near Munic“ antworteten, erzählte unser Tischgenosse auf deutsch, dass er als Kind schon auf Bestreben seiner Eltern im Goethe-Institut in Glasgow deutsch gelernt hat, da sie immer wieder gerne Urlaub in Deutschland mit den Kindern machten. Seine jüngere Schwester war dann auf Schüleraustausch in der Nähe von Hannover und daraus hat sich eine langjährige Freundschaft der Familien mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen entwickelt, bei der er dann regelmäßig übersetzen durfte.

Alsdann machten wir uns auf den Weg zum Queens View, den einzig für heute fest geplanten Programmpunkt. Von diesem Punkt aus hatte Königin Viktoria den Blick auf den Loch Tummel genossen und seitdem ist es einer der meist besuchten Ausflugspunkte in Schottland. Klar, dass wir da auch hinmussten. Jutta meisterte den Linksverkehr inzwischen sehr routiniert und auch die kleine Straße ohne Mittelstreifen, konnten wir trotz Gegenverkehr sicher befahren. Im Gegensatz zu unseren ersten Fahrten in Irland, saß ich sehr entspannt auf dem Beifahrersitz und versuchte derweil das Audiosystem von BMW zu verstehen, damit wir endlich unseren Schottland-Soundtrack genießen konnten.

Queens View war wirklich schön, aber halt nur ein einzelner Punkt. Aber beim Visitorcenter konnten wir Wanderkarten aus einem etwas eigenwilligen Spender ziehen und so beschlossen wir einen kleinen Rundweg zu begehen. Erst versuchten wir es direkt vom Queen’s View aus. Aber der Weg, den wir wählten war so abenteuerlich, dass wir in Anbetracht von Juttas lädiertem Knie bald Kehrt machten. Am Visitor-Center stellte wir dann fest, dass der von uns gewählte Weg einige 100 Meter weiter die Straße entlang beginnt. (Ja – Ralf und Kartenlesen – immer ein Abenteuer …)

Noch schnell ein paar Souvenirs gekauft und dann ging es los zum Allean Forest trail. Vom Parkplatz aus erreichten wir dann problemlos den Einstieg und machten uns auf die harmlosere der beiden angebotenen Varianten. Ein wirklich schöner Weg, bei dem uns auch ein paar nette Hunde samt netter Hundebesitzer begegneten. Etwas, was uns schon gestern aufgefallen ist: Schottland scheint das ideale Reiseland für Hundebesitzer zu sein.

cof

Auf dem Weg fanden wir ein paar Hausruinen aus der Zeit, als die englischen Landlords, die Schottland unter fester Knute hatten, festgestellt hatten, dass Schafe mehr Gewinn erbringen als die dort ansässigen Landwirte und dieselbigen einfach vertrieben um mehr Land zu haben. Kein Wunder, dass die Schotten so sehr mit ihrem eigenen Brexit liebäugeln.

Nach der Wanderung war dann die Überlegung, wie wir weitermachen. Also fuhren wir erst einmal die Straße, den Loch Tummel entlang. Eigentlich dachten wir, dass wir am Ende des Sees einfach zum anderen Ufer wechseln und dann hinterher in Pitlochry noch ein wenig wandern und dann endlich mal eine Whisky-Verkostung mitmachen. Aber bei dem Ort Tummel Bridge sahen wir ein Hinweisschild auf die „Rannoch Station“. Dieser Ort war uns aus einer Reisesendung im deutschen Fernsehen bekannt. Eine einsamer Bahnhof mitten im schottischen Moor, in dem ein legendärer Teeroom auf die Gäste wartet. Klar, dass wir da hin mussten.

Arme Jutta: Die Straße wurde immer enger und abenteuerlicher und noch dazu wegen einiger Bau- und Baumfällarbeiten durch einige LKWs frequentiert. Aber auch diese Hürden meisterte Jutta vorbildlich. Die Landschaft war einfach atemberaubend, aber leider gab es kaum Möglicheiten anzuhalten, so dass es wenige Fotos (dafür aber um so mehr Erinnerungen) gibt.

dig
dig
dig

Der Bahnhof war dafür seine Reise wert. Wirklich mitten im Moor gelegen – dieser kleine Bahnhof mit einerm überfüllten Tea Room. Wir hatten Glück und ergatterten noch 2 Sitze am Fenster und genossen unsere Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade, stilecht mit einem Tee mit Milch.

cof
dig
sdr
cof

Am Platz gab es wieder Karten für kleine Wanderwege und so machten wir uns auf zu einem kleinen Trip durchs Moor an einen kleinen See. Leider machte sich Juttas Knie wieder bemerkbar und auch der Regen wurde immer hartnäckiger. Aber wir schafften es noch rechtzeitig zurück zum Bahnhof, als einer der wenigen Züge, die dort Stop machten ankam. Kaum zu glauben, aber es stiegen tatsächlich einige Touristen mit Koffern aus, die zum Hotel nebenan gingen. Also – als Geheimtipp für absolute Ruhe, garantiert ohne WLAN und Internet, ist Rannoch Station auf jeden Fall zu empfehlen.

Mit dem Plan, wenigstens jetzt noch die Distellerie zu besuchen und evtl. ein wenig zu den Wasserfällen zu gehen, machten wir uns auf den Weg zurück. Inwischen fuhr Jutta den Linksverkehr so routiniert, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Aber trotzdem war es leider zu spät für die geplanten Aktivitäten. Also suchten wir uns einen Platz zum Essen. Das von der Wirtin empfohlene Old Mill Inn erschien uns ein wenig zu exklusiv, so dass wir als Alternative ein Café wählten, dass von außen recht originell aussah. Es stellte sich als Pleite heraus. Die Empfehlung des Tages, ein Lammburger mit Knoblauch-Kräuter-Soße war vom Geschmack her eher langweilig und trocken. Egal – es machte zumindestens ein wenig satt und es gibt ja in Pitlochry weitere Einkaufsmöglichkeiten. Dann gibt es halt auf dem Zimmer Dosenbier und Chips.

 

cof
cof
sdr

Wir kamen an einem kleinen Supermarkt vorbei, aber ich meinte, weiter die Straße entlang noch einen Supermarkt gesehen zu haben. Juttas Knie schmerzte immer mehr, aber sie gab nach. Dummerweise gab es bis zum Ende des Ortes keinen Supermarkt mehr, so dass wir den ganzen Weg wieder zurücklaufen mussten. Erst kurz vor unserem B&B sahen wir dann einen großen Supermarkt. Da es aber nicht der war, den ich meinte gesehen zu haben, nehme ich weiterhin die Schuld für den Umweg auf mich.

Nachdem wir jetzt noch zwei Unterkünfte in Richtung Westen gebucht haben ist es jetzt an der Zeit, die letzten Bilder ins Netz zu stellen und dann geht es morgen in den Norden um Nessie zu besuchen.