4. Tag 3.5. Fahrt nach Silver City

Nach unserem Abendessen gestern in einer typischen Sportsbar mit einer super leckeren Mischung aus Hamburger und in Butter gebratenen Sandwich für mich und frisch gemachten Nachos für Jutta ging es ins Motel zum Bilder sortieren und Tagebuch schreiben und anschließend ins Bett.

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Während Jutta wie ein Murmeltier geschlafen hat, wurde ich ca. alle 1 1/2 Stunden von den Zügen der nahem Bahnlinie durch ihres lautes „TuuuuuTuuuuuuuuutTuut“ geweckt. Keine Ahnung warum in den Staaten die Züge so einen Krach machen müssen – aber mir tun die Anwohner der Bahnlinien wirklich leid. Aber insgesamt kam ich doch noch zu genügend Schlaf und so waren Jutta und ich gegen 6:00 putzmunter, was nicht schlecht war, denn für heute war ein langer Fahrtag eingeplant, da zwischen Tuscon und den morgigen Ziel, den White Sand Dunes“ nicht viele große lohnenswerte Zwischenziele außer Silver City vorhanden sind. So hat die verstellte innere Uhr noch sein gutes, denn zu Hause währen wir nicht freiwillig so früh auf den Beinen gewesen. 🙂

Nach dem Frühstück bei dem am Hotel angeschlossenen „Denny’s“, bei dem wir uns zwei Souveniertassen gönnten, packten wir zusammen, checkten aus (und bekamen 35$ gutgeschrieben, da die Duschen gestern nicht gingen) und machten uns auf den Weg.

Der heutige Tag war als reiner Fahrtag geplant, an dem wir ca 400 km (mit der amerikanischen Geschindkeitsbeschränkung!) vor uns hatten. Als Zwischenziel für die Fahrt hatten wir uns Tombstone (ausgesprochen „Tumbstohn“) ausgesucht. Ein historischer Platz an dem die berühmte Schießerei am OK Corral stattgefunden hat. Das bedeutete zwar einen Umweg, aber den nahmen wir in Kauf um heute nicht nur Autobahn (bzw. Interstate) zu fahren.

Nach ein paar Meilen Interstate 10 verließen wir die Autobahn und hatten unsere heißgeliebten langen fast einsamen Highways vor uns. Zwischendurch hielten wir noch bei einem Segways an um Wasser zu kaufen und entdeckten dort beim Bier auch die kleinen Dosen Margaritas , die uns Iris wärmstens empfohlen hat. Die mussten natürlich auch noch in den Einkaufswagen. Dazu dann noch 2 Sandwiches, die wir bei einem Picknick auf der Strecke zu uns nehmen wollten.

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Der Weg war nach unserem Geschmack und alle paar Meilen änderte sich die Landschaft. Bald kamen wir in Tombstone an und schlenderten durch die Straßen. Die alte Westernstadt ist gut erhalten geblieben und war im Gegensatz zu Old Tucson gestern diesmal ein „original historic place“ mit originalen Häusern.

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Nur das inzwischen nicht mehr die alten Westernhelden drin lebten sondern ein Souvenierladen und eine Touristenfalle  nach der anderen eingezogen sind. Wir sahen unterwegs einen „Killerbee Honey“-Laden, der gerade aufmachte und deren geschäftstüchtige Inhaberin uns gleich ansprach und mit (gemein gut schmeckenden!) Honigproben nach innen lockte. Dort erzählte sie als eine Bewohnerin, deren Vorfahren schon dort lebten, viel über die Geschichte Tonbstones, und das sie genauso wie der Gründer der Stadt auch deutsche Vorfahren hatte.

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Wir entschieden uns dann für ein Glas Honigsenf und schlenderten weiter durch den historischen Teil. Dort sahen wir uns noch das „Birdcage Theater“ an, das auch eine wichtigen Teil bei der Schießerei beigetragen hatte. Drinnen war eine recht interessante Ausstellung der alten Gegenstände von damals.

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Bald stellten wir fest, dass wir jetzt genug gesehen haben und gönnten uns noch einen Kaffee. (Our first and last mistage!). Von draußen sah das Café noch nett aus. Aber wir hätten skeptisch werden sollen, als der junge Mann, der uns bediente meinte, es wäre der beste Kaffee der Stadt, was aber nicht schwer wäre, weil es der einzige Kaffee der Stadt war. Wir bekamen den berüchtigten ewig auf der Warmhalteplatte konservierten Filterkaffee, der Jutta dann auch bald auf den Magen schlug.

Derart „gestärkt“ machten wir uns weiter auf den Weg. Es folgten knapp 200 km einsame, fast immer nur gerade aus führende Highways durch die faszinierende Wüstenlandschaft, die jahreszeitlich bedingt derzeit sich mit grünen Blättern und bunten Blüten von der besten Seite zeigte.

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In der Minenstadt Bisbee  machten wir einen kurzen Fotostop an der riesigen Kupfermine. Gerade als wir unsere Sachen für die Weiterfahrt sortierten hielt auf dem Parkplatz ein Wagen gefolgt von einem Polizeiwagen dessen Sirenen heulten. Puuuh waren wir froh, dass er nicht uns meinte sondern den Verkehrssünder, den er aus der Straße gefischt hat.

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Weiter ging’s und an dem Denkmal der Schlacht von Geronimo, verzehrten wir unsere Sandwiches am Picknickplatz und fuhren weiter. Immerhin hatten wir noch knapp 200 km vor uns.

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Nach einiger Zeit überquerten wir die Grenze nach New Mexico und fragten uns zwischendurch, wie die Menschen entlang des Highways wohl lebten. Mal gab es kleinere Orte mit 10-12 Häusern. Mal Gegenden wo die Entfernung zum nächsten Nachbarn rund 1 km waren. Einkaufsmöglichkeiten oder größere Ortschaften waren rund 100 km entfernt. Wir stellten fest, dass dies kein Leben für uns wäre.

Nach einem kurzem Stück Interstate 10 kamen wir dann zur Ausfahrt nach Silver City. Hier führte uns ein wirklich schöner Gebirgshighway zu unsrem Zielort. Anders als in Europa gab es keine engen Serpentienen sondern der Highway ging mit wenigen Kurven immer weiter bergauf.

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Unser Hotel in Silver City (das im historischen Distrikt liegt) war schnell gefunden. Juttas Wahl auf das Gallery 400 erwies sich als wahrer Glücksgriff. Ein nettes Inn im Adobe-Stil mit angegliederter Galerie (Und der Warnung „Yes! We are gay friendly 🙂 ), einem freundlichen Boxerhund, einem neugierigen kleinen Mädchen und einer freundlichen Besitzerin sowie einem wirklich toll eingerichteten Gästeraum war nach den einfachen Motelzimmern eine wirkliche Wohltat.

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Wir bummelten noch durch den wirklich schönen historischen Teil von Silver City und begannen zu verstehen warum der Staat New Mexico sich selbst als Staat der Verzauberung („Land of Enchantment„) bezeichnet.

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Wir entschieden uns für das Abendesssen zu einer urigen Mischung zwischen Brauerei und Pub. Da ich mit den Biersorten nichts anfangen konnte bestellte ich zunächst ein „Probiertablett“ mit winzigen Proben und konnte dann mit Fingerzeig entscheiden was ich in groß haben will. Mutig bestellte ich mir dann meinen ersten Hamburger mit grünen Chilis, Jutta einen Teller Pasta mit (frisch gemachter!) Tomatensoße und Fleischbällchen. Satt und zufrieden landeten wir im Hotel, genießen derzeit die Ruhe und freuen uns auf morgen, wenn wir uns die großen weißen Sanddünen ansehen werden.

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