4. Tag: Von Death Valley nach Needles

Nach einer ruhigen Nacht, natürlich wieder um 3 Uhr unterbrochen (wann hört der Jetlag endlich auf?) treibt es uns um 6 Uhr schon auf die Beine. Wir wollen ja im Death Valley noch einiges anschauen, möglichst nicht in der größten Mittagshitze. (Haha, gestern war der Temperaturrekord ungefähr 1 Stunde nach Sonnenuntergang mit 46 Grad (Danke für die Info, Konny!))

Nachdem unser Zimmer über eine kleine Terrasse mit zwei Schaukelstühlen verfügt, machen wir uns mit der im Zimmer befindlichen Kaffeemaschine einen Kaffee und setzen uns raus. Der Blick geht über eine große Rasenfläche umstanden von hohen Bäumen. Alles ist noch ruhig, noch nicht einmal die Roadrunner haben ihren Dienst angetreten. Wahrscheinlich ist denen noch zu kalt. Ich schätze, es hat so um die 30 Grad Celsius. So schön, hier könnte ich noch ein bisschen bleiben.

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Aber wir müssen ja weiter. Also ab unter die Dusche. Hier stelle ich mal wieder fest, dass es im Death Valley tatsächlich kein kaltes Wasser gibt. Es gibt die Auswahl zwischen warmem Wasser (gerade richtig zum Duschen) und heißem Wasser. Das kommt wohl daher, dass  die Wasserleitungen von der warmen Quelle des Anwesens, die auch den Pool speist, versorgt werden. Runterkühlen wäre offenbar mit zusätzlichem Energieaufwand verbunden und so bleibt es eben dabei, dass das Wasser warm aus der Leitung kommt. Finde ich gut!

Die Furnance Creek Ranch ist sowieso relativ weit, was den Umweltschutz betrifft. Der Müll wird getrennt nach „normalem“ Müll und recyclebarem Müll. Das liegt am kalifornischen Gesetz, das dies vorschreibt. Fällt aber trotzdem positiv auf, auch wenn natürlich weiterhin leider nicht auf Müllvermeidung geachtet wird. Alles ist zum wegwerfen. Als weiteren Pluspunkt für die Umwelt betreibt die Farm ein eigenes Solarkraftwerk. Eigentlich kaum verwunderlich aufgrund der Lage, aber trotzdem sehr fortschrittlich für die USA. In Las Vegas, das ja auch nicht gerade unter Sonnenmangel leidet, sieht man vom Stratosphere Tower keine einzige Solarpaneele glitzern …

Dann machen wir uns zu Fuß auf Richtung Café, um zu einem Frühstück zu kommen. Das wird auch hier in Buffetform angeboten und in rustikaler Umgebung (ja, ich liebe in den USA diesen Touri-Kitsch!) versorgen wir unsere Mägen mit den notwendigen Kalorien. Und weil wir Urlaub haben, kriegen sie auch gleich noch ein paar Bonuskalorien obendrauf.

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Danach machen wir noch einen kurzen Spaziergang über das Anwesen. Sehr schön gemacht und durchaus auch für einen längeren Aufenthalt geeignet mit Pool, Tennisplätzen und Golfplatz. Ach ja, die Golfspieler hatte ich gestern schon von unserer Terrasse kurz beobachtet. Sehr sportlich unterwegs. Kommen mit Golfwagen angefahren, steigen kurz aus, machen ihren Schlag, springen schnell in den Wagen zurück um weiter zu fahren. Ist ja auch heiß hier, da kann man nicht so weit zu Fuß gehen. 😉

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Schnell noch die Taschen packen und das Auto beladen. Dann geht es nach dem Auschecken zum ersten Tanken. Ganz günstig ist es nicht gerade dort, was aber kein Wunder ist. Die hiesige Tankstelle ist die einzige weit und breit und außerdem ist in Kalifornien das Benzin sowieso sehr teuer. Nachdem ich in Las Vegas an den Tankstellen Preise um die 3,50 Dollar pro Gallone gesehen hatte, müssen wir hier 5,20 Dollar zahlen. Nützt aber nix, ohne Benzin gehts nicht weiter. Wenigstens hat Ralf relativ bald raus, wie das Tanken funktioniert und so können wir bald los.

Unser Weg führt uns Richtung Süden zu den Badwaters. Auf dem Weg dorthin biegen wir aber zuerst auf den Artists Drive ab, der uns auf einer Einbahnstraße (Gott sei dank – ich hasse enge, kurvenreiche Bergstraßen, auf denen man ständig mit Gegenverkehr rechnen muss um dann irgendwie aneinander vorbei zu kommen) durch eine beeindruckende Berglandschaft geführt wird. So toll! Wir machen natürlich einige Stopps und genießen die Szenerie.

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Auf dem weiteren Weg Richtung Badwaters gibt es dann die kurze Stichstraße zum Devils Golf Course. Leider ist die Straße unbefestigt, was mich in Sorge um unseren Hyundai versetzt (und der junge Mann an der Vermietstation wollte uns doch unbedingt den SUV verkaufen, den wir trotzdem abgelehnt hatten…), aber wir meistern die Strecke trotzdem ohne Zwischenfall. Der Golf Course ist eine öde Landschaft mit riesigen, von einer Salzkruste überzogenen Brocken. Da kann tatsächlich nur der Teufel Golf spielen!

DSC_0409DSC_0351Bald erreichen wir Badwaters und damit den tiefsten Punkt des Kontinents. Er befindet sich 85,5 m unterhalb des Meeresspiegels und ist eine riesige Salzwüste mit einigen Wassertümpeln, die aufgrund des Salzgehaltes natürlich als Trinkwasser ungeeignet sind. Das ist natürlich für uns Menschen heutzutage unerheblich, weil alle Besucher mit Trinkwasserflaschen in der Hand rumlaufen. Für die frühen Siedler, die hier damals durchzogen muss das aber eine Riesenenttäuschung gewesen sein, da sie auf Wasser hofften. Daher stammt auch der Name. Schlechtes Wasser eben.

Es ist schon wieder ordentlich heiß. Ich finde diese Hitze toll – entspannend und heilend. Irgendwie wie Sauna. Größere Aktivitäten sind so natürlich absolut unmöglich, auch möchte man nicht allzu lange diesen Temperaturen ausgesetzt sein, aber bei unseren kurzen Stopps bin ich immer wieder begeistert. Man merkt auch, wie schnell der Körper austrocknet und oft nach Wasser verlangt. Schwitzen tut man eigentlich gar nicht bzw. man merkt nicht, dass man schwitzt, weil der Schweiß offenbar sofort verdunstet. Für mich eine supertolle und beeindruckende Erfahrung.

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Danach machen wir uns auf den Weg Richtung Needles. Der Rest des Tages ist als Fahrtag eingeplant. Wir wollen heute etwas früher als sonst am Ziel sein, um ein bisschen „abhängen“ zu können, einmal den Pool zu besuchen und NICHT todmüde oder im Halbschlaf den Reisebericht schreiben und die Fotos sichern zu müssen.
Die Fahrt ist trotz allem aber wieder der Hammer. Die Landschaften ändern sich ständig und es sind so VIELE. Ja, die USA haben unendlich viel Landschaft! Hört sich doof an, ist aber so. Das Land ist so groß und geht so verschwenderisch mit Landschaft um. 🙂

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In Needles angekommen finden wir gleich das gebuchte Best Western. Als wir aus dem Auto aussteigen, merken wir, wie heiß es wieder ist. Auf der Fahrt, die uns ständig bergauf und bergab geführt hatte, schwankten die Temperaturen zwischen 97 und 107 Grad. Hier in Needles schlagen uns windige 113 Grad Fahrenheit entgegen. Ein Gefühl, als würde man mit von einem warmen Fön angeblasen oder von der Abluft der Klimaanlagen, die überall angebracht sind. „Wieso machen die mit ihren Klimaanlagen so viel warme Luft“ Unser Zimmer ist wieder in bewährter Best Western-Manier geräumig und sauber. Und vor allem  kühl! Leider führt hinter dem Hotel die Bahnlinie mit ihren kilometerlangen Zügen, die aber nur im Schneckentempo unterwegs sind vorbei. Immerhin gibt es offenbar keinen Bahnübergang im Ort, denn sie hupen wenigstens nicht. Bin trotzdem gespannt, wie ich heute Nacht schlafen werde.

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Nach dem Ankommen kurzes Checken des Internet. Hurra, hier gibt es das erste kostenlose WLAN  der Reise! Dann gleich die Kaffeemaschine anwerfen und anschließend geht es an den Pool. Wir haben ihn ganz für uns alleine – herrlich! Zwischenzeitlich fährt eine riesen Gruppe Harley-Davidson-Fahrer vor. Nach den ersten Worten, die wir im Pool liegend hören können, ist klar: Österreicher. Die älteren Herren erfüllen sich offenbar einen Lebenstraum und fahren mit gemieteten Harleys die Route 66. Sehr cool.

Neben diesen Österreichern hatten wir beim Check-In Schweizer vor uns. Es ist uns eh schon aufgefallen, dass auffällig viele Schweizer unterwegs anzutreffen sind. Der gute Wechselkurs des Schweizer Franken zum Dollar animiert offensichtlich viele Eidgenossen, die USA zu bereisen. Gute Idee, die durchaus von uns nachvollzogen werden kann.

Zum Essen geht es auf die andere Straßenseite ins Wagon Wheel Restaurant. Urig im Route 66-Look eingerichtet mit kerniger Bedienung. Also wieder ganz nach unserem Geschmack. Leider passe ich beim Bestellen meines Essens nicht richtig auf und erwische ein fritiertes Steak mit einer dicken weißen Mehlpampe. Hmpf, nicht unbedingt mein Favorit bisher. Hab zumindest die Soße abgekratzt und zur Seite geschoben und so hat’s zumindest zum Satt werden gereicht. Ralf hatte den besseren Riecher und hat ein ordentliches 12-Unzen-Steak mit Backofenkartoffel gegessen. Sah sehr lecker aus. Nein, nein, ich bin nicht neidisch! *grummel*

Morgen geht es Richtung Grand Canyon. Dort werden wir erst einmal einen Temperatursturz erleben. Nur etwas über 20 Grad Celsius, abends 7 Grad. Am Dienstag, an dem wir eigentlich unsere große Wanderung geplant hatten, soll es gewittrig sein. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei Gewitter ganz sicher nicht draußen unterwegs sein werde. Wir werden also den Wetterbericht genau im Auge behalten und notfalls erst am Mittwoch in den Canyon wandern. Wir lassen uns bestimmt nicht unterkriegen!

Unsere heutige Route:


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