6. Tag 5.5. Roswell

Wer hätte das gedacht, dass man in einem Lowbudget Kettenmotel so gut schlafen kann. Die Nacht war sehr ruhig. Weder von der Straße noch von den Mitbewohnern war etwas zu hören. Normalerweise startet ja immer derjenige im Hotel, der als erstes unter die Dusche geht das Aufstehen für alle anderen. Hier war es anders: Absolute Stille.

So war es schon relativ spät als wir wach wurden aber wir schafften es noch rechtzeitig zu dem im Preis inbegriffenen Frühstück. Durch unsere Erfahrungen der letzten Reisen waren unsere Erwartungen nicht groß. Aber es gab alles was wir von Motelfrühstücken kannten: Ein Waffeleisen, geschälte hartgekochte Eier, Toast mit Zubehör, Kaffee aus der Thermoskanne. Kein Vergleich zu den Pancakes der ersten Nächte – aber sättigend und ausreichend.

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Am Nachbartisch gesellten sich dann zwei weitere deutsche Paare, die wir am Vorabend schon beim Lokal gesehen hatten. Als wir gingen fragten Sie uns noch wohin es bei uns geht und sie erzählten, dass sie von Austin/Texas aus über Louisanna jetzt in New Mexico gelandet sind. Sie empfahlen uns für die Fahrt auf jeden Fall noch bei Madrid vorbei zusehen. Da wir das eh auf den Plan haben, werden wir uns morgen überraschen lassen.

Für heute ist aber erst einmal Roswell angesagt. Die Stadt in der in den 40ern angeblich ein Ufo abgestürzt ist und das ich als alter Science Fiction Fan als Zwischenziel auf der langen Fahrt nach Santa Fe ausgeguckt habe. Meine Erwartungen sind nicht groß – ich hoffe ein paar nette Fotomotive und bin gespannt was das UFO Museum alles für „Beweise“ für die Existenz von UFOs hat. Die Wettervorhersage ist durchwachsen und ich bin gespannt was der Tag bringt.

Zunächst aber ging es in das Einkaufscenter gegenüber unsrem Motel in dem Jutta nach ein paar festen Schuhen schauen wollte, damit ihre sonnenverbrannten Füße einen guten Halt haben. Wir überbrückten die Zeit bis 10:00 da die Mall erst dann öffnet und machten uns auf den Weg. Die Mall war seeeehr klein – kein Vergleich zu dem was wir bisher kennen gelernt haben und als wir kamen waren noch viele Geschäfte geschlossen. Spannend war für uns Europäer, dass es in der Einkaufspassage ein Rekruierungsbüro der verschiedenen Waffengattungen der Army gab und auch, dass die örtliche Leihbücherei dort angesiedelt war. Jutta fand nichts passendes und auch mir waren die Levis zu teuer und so machten wir uns schon bald auf den Weg.

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Vorher suchten wir aber noch eine Tankstelle auf, denn der Weg nach Roswell ist weit und ich wollte nicht wieder auf der verzweifelten Suche nach Benzin sein. Diesmal klappte es auch mit der Maestro-Karte und der Pin, so dass ich ohne bei der Kasse vorzusprechen tanken konnte.

Weiter gings auf die I 70 Richtung Osten. Ca. 250 km 2 Spurige Straße durch eine nette Landschaft mitten durch das Apachengebiet. Das einzige Indianergebiet der USA, in dem die Stämme nicht in einem Reservat leben sondern sich dank der Schlacht von Geronimo die Unabhängigkeit bewahrt haben.

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Zwischendurch regnete es immer heftiger und ich machte schon Scherze mit Jutta, dass das die Chemtrails nahe Roswell natürlich mehr werden und Schuld an dem Wetter sind. Da nach aktuellen Verschwörungstheorien die Bundesregierung mit daran beteiligt ist,  fanden wir es natürlich besonders schön, als uns nahe Roswell auch noch ein Fahrzeug der Bundeswehr überholte.

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Mit dem Lachen war es dann bald vorbei, als dann pünktlich kurz nach der Ortseinfahrt von Roswell ein wirklich heftiger Regenschauer los ging. Wir waren froh, als wir das UFO-Museum sahen und dort am Parkplatz anhalten konnten. Kaum stand das Auto ging auch gleich ein wirklich heftiger Hagelschauer los. Die Stimmung sank.

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Als der Schauer ein klein wenig nach gelassen hatte und wir keine Lust mehr verspürten noch länger im Auto zu sitzen zogen wir uns unsere (in weiser Voraussicht auf die Rückbank gelegten!) Regenjacken an und spurteten zum Eingang des Museums.

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Der Kassierer war begeistert, als er dem Gästebucheintrag entnahm, dass wir aus Germany kommen. Sein Sohn ist nach Deutschland ausgewandert und hat bei Trier eine deutsche Frau geheiratet. Er selbst hat auch deutsche Vorfahren und überlegt, wenn er in Rente geht, auch nach Deutschland zu ziehen da es ihm in Deutschland so gefällt. Siehe da – die Auswanderungswünsche gibt es auch in umgekehrte Richtung. 😉

Das Museum selbst war recht unspektakulär. Der „UFO-Absturz“ bei Roswell war ausführlich beschrieben und da Jutta und ich zur Vorbereitung den Film „Roswell – Die Wahrheit ruht hier“ gesehen haben, konnten wir mit den Ausstellungsstücken ein wenig was anfangen.

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Ansonsten gab es die üblichen „Fakten“ und ein paar nette Bilder und Modelle. So dass wir gut eine Stunde beschäftigt waren. Als wir raus gingen war das Wetter wieder besser und ich schoss noch ein paar Fotos der Geschäfte rund um das Museum, die meistens irgendwelche Alien-Motive hatten. Es waren aber um einige weniger als ich erhofft hatte, so stärkten wir uns noch schnell in einem Subway. Hier war es wie im restlichen Land: Irgendwie ist alles vertraut und trotzdem anders. Die Bedienung in „unserem“ Subway daheim ist auf jeden Fall viel freundlicher – dafür gibt es keinen frischen Blattspinat und keinen Eistee in Bayern. 🙂

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Also ging es zurück zum Auto und nach ein wenig Suchen fanden wir dann das Visitor Center von Roswell, wo wir noch einige „Nicht-UFO-Tipps“ bekamen. Direkt neben dem Center war das Roswell Museum and Art Center, bei dem man, typisch für amerikanische Mueseen auf Volunteer-Basis, den Eintritt selbst bestimmt. Am Anfang wirkte es wie ein übliches Kunstmuseum, aber nach ein paar Räumen zeigten sich dann die wirklichen Schätze für uns: Eine Ausstellung der Besiedelung des amerikanischen Südwestens mit Schwerpunkt New Mexico und dann noch eine für uns sehr interessante Ausstellung des amerikanischen Raketenpioniers Robert Goddard, quasi der amerikanische Werner von Braun, der in Roswell viele Raketentests durchführte.

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Da wir auf unsren Reisen gerne Heimatmuseen besuchen, war dies ein krönender Abschluss der heutigen Besichtigungen und mir machten uns auf den Weg zu unserem Motel, dem Best Western El Rancho Palacio. Das Motel selbst macht keinen so guten Eindruck wie das gestrige und unser Zimmer liegt direkt gegenüber dem Getränkeautomaten und nahe dem Frühstücksraum. Mal sehen wann wir morgen früh geweckt werden …

Dafür gibt es in Fußnähe viele Restaurants und ich versuchte gleich beim benachbarten Mexikaner einen Tisch zu reservieren. Diese Bitte wurde abschlägig beschieden, da heute „Tacotag“ ist und deshalb Dienstags keine Tische reserviert werden können. Eine lange Warteschlange bewies uns den Grund und so schlenderten wir erstmal ein paar Blöcke weiter und fanden ein nettes Café, das zu einer Buchhandlung gehört und gönnten uns dort eine Stärkung. Was ich sehr spannend fand, ist es, dass die Café-Gäste sich einfach Zeitschriften oder Bücher aus dem Laden nahmen und es sich dann mit einem Kaffee gemütlich machten.

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Zurück ging es ins Hotel und nach einer kurzen Pause machten wir uns dann auf dem Weg zu dem mexikanischen Lokal neben an. Die Warteschlange war immer noch groß und ich schrieb mich mit einer „party of two for Ralf“ auf die Warteliste setzen. Erstaunlich schnell wurden wir aufgerufen, während größere Gruppen, die schon vor uns warteten, noch nicht dran waren. Glück gehabt! 🙂

Eine junge Dame brachte uns Nachos und eine Salsasoße zusammen mit der Speisekarte und wir bestellten uns die Tacos für je 79 Cent das Stück, die der Grund waren warum die Warteschlange so groß waren, Zusätzlich gönnte ich mir noch das lokale Bier nahmens Alien. Als die Bedienung hörte, dass wir aus Deutschland kommen war sie sehr aufgeregt. Sie hatte heute schon Gäste aus Europa – und zwar aus Dänemark und sie sammelt die Übersetzung von „I love you“ in allen Sprachen. Gleich schrieb sie sich „Eesh leeba deesh“ auf und war glücklich. 🙂

Die Tacos schmeckten sehr gut und auch das Alien-Bier mundete. Der Chef kam dann auch bald vorbei und überredete mich auch noch das Alien-Bier vom Fass zu probieren, dass noch besser schmecken soll. Er behielt recht. Wir wollten noch weitere Tacos nachbestellen, aber leider war das Mädel (für amerikanische Verhältnisse) nicht schnell genug, so dass wir uns mit den restlichen Nachos den Magen voll schlugen und beschlossen gleich heim zu gehen.

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Hier werden wir uns jetzt mit Margaritha und Bier aus der Dose den restlichen Abend vertreiben bis wir uns über ein paar Umwege über Scenic Drives auf den Weg nach Santa Fe machen.