6. Tag: Everglades Nationalpark

Heute schaffen wir es immerhin, bis fast 7 Uhr zu schlafen. Es ist immer noch ein seltsamer Tagesrythmus, dem wir unterliegen. Aber so haben wir wenigstens etwas vom Tag.

Wir frühstücken im Motel und Ralf macht die Bekanntschaft mit einem Pancake-Automaten, der auf Knopfdruck frische Pancakes produziert. Ralf ist begeistert. Die Waffelautomaten, in denen man sich selbst frische Waffeln zum Frühstück backen kann, sind ja inzwischen fast schon Standard, aber Pancakes – die hatten wir bisher noch nicht.

Nach dem Frühstück geht’s auf Richtung Everglades. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Halt bei „Robert is here“, einem Obst- und Gemüseladen, der sich inzwischen zur echten Touristenattraktion entwickelt hat. Unglaublich, welche Früchte es dort zu bestaunen gibt. Außerdem Marmeladen, Honige, Grillsaucen, Gewürze, Badeschwämme, Muscheln und sonstigen Krimskrams und extrem leckere Milchshakes. Wir genehmigen uns einen Coconut-Milchshake zusammen, lassen und zwei Mangos aufschneiden und fahren danach gut vorbereitet und frisch gestärkt in den Nationalpark.

DSCN0354 DSCN0355 DSCN0367 DSCN0369Als erstes laufen wir den Anhinga-Trail. Hier, am bekanntesten und besten Trail des Parks werden wir gleich mit Massen von Alligatoren und unzähligen Vögeln beglückt. Naja, was heißt beglückt? Die Alligatoren sind mir alles andere als sympathisch. Ich finde sie doch seeehr gruselig und muss genau darauf achten, dass Ralf den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 5 m einhält. Zwar sind am Wegesrand niedrige (etwa 30 cm hohe) Geländer angebracht, aber das ist natürlich nichts für einen Alligator. Uah, da liegen diese gepanzerten Ungetüme einfach so am Wegesrand und tausende von Menschen laufen einfach so daran vorbei. Dabei „this is not Disneyland“, wie uns ein Ranger später erklärte. Nein, das ist es wirklich nicht, das ist die wahre Welt!

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Trotzdem ist der Weg wirklich toll. Zum größten Teil verläuft er über Holzstege übers Wasser oder den Sumpf und man bekommt tolle Einblicke in die Natur.

DSC_3376 DSCN0374 DSC_3406 Überhaupt sind alle Wege im Nationalpark wirklich super angelegt. Gut zu begehen mit guten Erklärungen versehen und wirklich spektakulären Ausblicken.

Nach dem Anhinga-Trail gehen wir den Gumbo-Limbo-Trail, der durch dichten Urwald mit tropischen Pflanzen führt. Sehr beeindruckend.

DSC_3466DSC_3472 DSC_3469Danach fahren wir weiter nach Flamingo, wo wir eine Backcountry-Bootstour buchen. Wir haben Glück und bekommen gleich einen Platz auf einem Boot, das eine viertel Stunde später losfährt. Die Fahrt führt durch dichte Mangrovenwälder, wir werden mit interessanten Informationen über Flora und Fauna versorgt. Wir machen zum Beispiel Bekanntschaft mit dem tödlichsten Baum des Parks. Blöd nur, dass ich mir den Namen nicht gemerkt habe… Der Ranger erzählt auch über Schlangen, von denen es im Park 26 Arten gibt. *grusel* Die größte Plage sind von Privatleuten ausgesetzte Pythons, die sich dort super wohl fühlen, sich vermehren und das Ökosystem durcheinander bringen. Diese Riesenschlangen fressen sogar Alligatoren! Außerdem sehen wir dort Salzwasserkrokodile. Die Everglades sind der einzige Raum der Erde, wo Alligatoren und Krokodile zusammenleben.

DSC_3522 DSC_3499 DSC_3537Nach der Tour haben wir Hunger. Wir kaufen uns im angeschlossenen Cafe eine Pizza für uns beide, die wir draußen auf einer Bank im Sonnenschein mit Blick aufs Meer verspeisen. Wir sehen ein paar Manatees (natürlich leider nur die Nasen, der Rest bleibt ja immer unter Wasser) und die Rückenflosse eines Delphins. Soll toll! Ach ja, die Pizza. Die Pizza ist so riesig, dass wir beide davon so satt werden, dass wir das Abendessen ausfallen lassen. Und das will für uns wirklich etwas heißen…

DSCN0381Auf dem Rückweg von Flamingo gehen wir noch ein Stück des Snake Bight-Trails. Dieser Trail führt durch dichten Urwald an einem brackigen Kanal vorbei Richtung Meer. Man soll viele Vögel sehen, könnte evtl. Alligatoren treffen und muss das ganze Jahr über mit Moskitos und anderen Insekten rechnen, sagt uns die Infotafel. Dies alles trifft nicht zu. Wir sehen zwar einen Vogel, der im Unterholz hockt, aber glücklicherweise keine Alligatoren und gottseidank keine Moskitos. Ich denke, aufgrund der kalten Temperaturen (es ist „unusually cold“ derzeit, wie wir heute wieder einmal hören durften – na danke aber auch!!) bleiben diese ungeliebten Tierchen lieber im warmen Unterschlupf. Soll uns nur recht sein, auch wenn das superduper „Off“ mit extra viel DEET, das wir gestern gekauft haben, wohl komplett gefüllt wieder mit nach Hause fliegen darf.)

DSC_3560Trotzdem finde ich diesen Weg extrem unheimlich und bedrohlich. Ich stelle fest, der tropische Dschungel ist keine freundliche Umgebung für mich. Da lob ich mir doch meine roten Felsen, in denen ich nur von Pumas und Bären (ja gut, auch von Schlangen und Skorpionen) gefressen werden kann und nicht wie hier von Alligatoren und Riesenschlangen, die sich von Bäumen herab auf mich stürzen….*schauder* So kehren wir nach ein paar hundert Metern wieder um und fahren zurück.

Wir machen noch ein paar kurze Stopps auf dem Weg zurück ins Hotel, aber sind nach diesem ereignisreichen Tag wieder einmal hundemüde und froh, als wir uns auf die Betten im Motel legen dürfen und den Tag gedanklich Revue passieren lassen können.

DSCN0379 DSCN0373 DSC_3583Anmerkung von Ralf:

„Robert is here“ ist wirklich ein Erlebnis und ich kann es nur jedem Floridareisenden empfehlen hier einen Besuch abzustatten. Ich habe zuerst aus einem Reisebericht aus dem Internet von diesem Laden erfahren und wir waren neugierig was uns erwartet. Und es war wirklich toll: Lauter frische Obstsorten, die wir sonst nur auf dem Lieferwagen gereift kennen. Nur schade, dass wir Obst so schlecht im Flugzeug transportieren können, wir hätten uns sonst dumm und dämlich gekauft 🙂

Laut der Firmengeschichte ist der Laden entstanden als im Jahre 1959 der 6-Jährige Robert an einem Samstag von seinem Vater den Auftrag bekommen hat an einer Straßenkreuzung zu den Everglade Nationalpark Gurken zu verkaufen. Kein einziger Wagen hielt an und so kam der Vater von klein Robert auf die Idee ein großes Schild mit der Aufschrift „ROBERT IS HERE“ zu malen, damit man den kleinen Bub nicht übersieht. Innerhalb von einem halben Tag war der Stand leer gekauft. Darauf hin durfte Robert auch Tomaten vom Nachbarn verkaufen und so ging es dann immer weiter. Mit 7 Jahren hatte Robert eine Nachbarsfrau angestellt, die den Stand übernahm wenn er in der Schule war und mit 14 hatte er sein erstes Stück Land zu Bewirtschaftung gekauft. Inzwischen ist der Laden eine Sehenswürdigkeit über die auch regelmäßig in den nationalen Fernsehsendungen und den großen Zeitungen und Zeitschriften berichtet wird.

Es ist ein Stück amerikanischer Traum, den man in diesem unscheinbaren Laden erleben kann.

Also wer mal in Richtung Everglades unterwegs ist: Unbedingt einen Halt bei „Robert is here“ einlegen. (Außer im September und Oktober – da ist der Laden zu.)

Unsere heutige Route:


Route nach Florida Stadt, Florida, Vereinigte Staaten auf einer größeren Karte anzeigen