6. Tag: Wanderung auf dem South Kaibab Trail

Die Wetteraussichten für den heutigen Tag waren ja leider nicht so gut. Nach diversen Vorhersagen sollte der Vormittag noch ganz werden, erst am Nachmittag sollen dann Regen und Gewitter vorherrschen.

Also sind wir um 6.30 Uhr aufgestanden, schnell unter die Dusche gesprungen, um dann nach dem Packen unserer Rucksäcke über die Straße zu McDonalds zum frühstücken zu gehen. Ja, schon wieder McDonalds. Ist wirklich nicht meine erste Wahl, aber hier in Tusayan sind die gastronomischen Angebote ziemlich traurig. Teuer und schlechtes Essen mit schlechtem Service. Unsere Überlegung war, dass wir dann bei McDonalds für weniger Geld dann genauso schlechtes Essen kriegen. Wir waren übrigens bei weitem nicht die ersten, die um kurz nach 7 auf diese Idee gekommen waren, denn wir standen in einer riesen Schlange. Für 22 (!) Dollar haben wir dann aber ein einigermaßen genießbares Frühstück bekommen, da wir aus der Erfahrung in Las Vegas gelernt hatten und weder Scrambled Egg noch Sausage gewählt haben. Der Preis ist aber natürlich der Hammer – eben typisch Tusayan.

Um 7.30 Uhr machen wir uns frohgemut auf Richtung Nationalpark. Die Fahrt dorthin dauert nicht lange, denn Tusayan liegt direkt am Nationalparkeingang. Nach dem passieren der Kasse fahren wir noch ein kleines Stück und dann springt mir eine Kontrollleuchte in der Armatur ins Auge. Reifendruck! Oh nein, uns fallen gleich wieder die Erfahrungen in Michigan vor zwei Jahren ein, als wir dann mit Plattfuß liegen geblieben waren. Wir werden uns doch nicht in dieser blöden Baustelle, die sich durch den Ort erstreckt, einen Platten gefahren haben? Ich entscheide, dass wir bei der nächsten Gelegenheit wenden und nach Tusayan zur Tankstelle fahren um den Schaden begutachten zu lassen. Aber in Tusayan gibt es keine Reparaturwerkstatt, erfahren wir. Die nächste gibt es in Williams, 80 km entfernt. Na super, da wissen wir ja, wie wir diesen Tag, der ja eh keine guten Wetteraussichten bieten sollte, rumkriegen. Andererseits – wieso sollen wir uns mit Reparaturen rumplagen, wenn wir eh so weit fahren müssen? Dann können wir auch gleich zu Alamo fahren und denen das Problem übertragen. Schließlich haben wir ja Vollkasko gebucht.

Aber zuerst versuchen wir es damit, die Reifen ordentlich aufzupumpen. Auch ein Abenteuer, denn nach dem Bezahlen von 75 Cents stellen wir fest, dass es keine Reifendruckanzeige an der „Luftpumpe“ gibt. Also nach Gefühl die zur Verfügung gestellte Luft auf alle 4 Reifen gerecht aufteilen, denn es ist bei keinem Reifen zu sehen, dass Luft fehlt. Danach Kontrolle, ob die Kontrolleuchte vielleicht jetzt ja nicht mehr leuchtet. Nein, leider Pech gehabt!

Also ab ins Hotel und nach der nächsten Alamo-Station suchen. Leider ist die nächste in Flagstaff, 130 km entfernt. Hoffentlich hält der Reifen bis dorthin und Mist, den Tag hatten wir uns anders vorgestellt. Wir fahren los, ich schalte nach Tusayan gerade die Cruise Control auf 65 Meilen, da stelle ich fest, dass die Kontrolleuchte aus ist. Hm, schön, aber was tun? Ich fahren noch ein paar Kilometer „zur Kontrolle“, dann wende ich und fahre zurück. Ich lasse mich von diesem Auto doch nicht zum Narren halten!

Nochmal zurück ins Hotel, die Rucksäcke wieder einpacken und dann geht es endlich mit 1 Stunde Verspätung in den Park.

Wir wollen heute den South Kaibab Trail wetterabhängig zumindest bis zum „Ooooh-Aaaah-Point“ wandern, vielleicht auch weiter. Vom Shuttlebus lassen wir uns zum Trailhead bringen und wandern mit einer Menge anderer Hiker los. Das Wetter ist ganz gut, die Sonne kommt gerade heraus, nachdem es morgens schon geregnet hatte. Der Weg ist wie angekündigt ganz schön steil, aber bergab geht es sich natürlich leicht. Uns umweht ein Hauch von Pferdemist, denn der Trail wird auch von vielen Mulitrecks begangen, der sowohl faule Touristen zum Canyongrund bringt als auch Versorgungsgüter (und Steine, wie wir später feststellen – keine Ahnung warum!).

Die Ausblicke vom Weg sind grandios, Ralf muss immer wieder zum fotografieren anhalten. So schön!

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Bald ist der Oooh-Aaah-Point erreicht und wir entschließen uns nach Cedar Ridge weiterzugehen. Auch dieser Punkt ist leicht zu erwandern mit 4,8 km Länge und 350 Höhenmetern. Spannend sind wirklich die Mulitrecks, die von Zeit zu Zeit entgegenkommen. Dass Mulis so groß sind, hätte ich nicht gedacht. Sie sind aneinander angebunden, vorn und hinten reiten jeweils Muliführer.

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Am Cedar Ridge angekommen erkunden wir die Gegend, schießen viele Fotos und machen dann unter einem Baum Rast, trinken und essen etwas. Da kommen von unten drei Mulitrecks an und verteilen sich auf dem Platz. Keine Ahnung, wie das organisiert ist. Ich nehme an, dass die Tiere von Zeit zu Zeit eine Rast brauchen und außerdem kommen die Trecks auf dem Weg ja nicht aneinander vorbei und so muss alles genau getimet werden.

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Wir sitzen also gemütlich da und genießen den Tag, als plötzlich das Muli eines Reiters wie ein wildes Pferd bockt. Als erstes verliert der Reiter seinen Hut, wie ein Cowboy beim Rodeo, und dann kämpft er ganz schön, um das Tier wieder unter Kontrolle zu bringen. Für mich ein erschreckendes Bild, die anderen Mulireiter bleiben ganz cool, Keine erschreckten Aufrufe oder sonstige Aktivitäten, nur ein anerkennendes „Good job!“ als der Muli schließlich wieder brav da steht. Uah, ich fand das echt ganz schön gefährlich, so nah da dran zu sein.

IMG_0599 IMG_0623Kaum ist einen Moment Ruhe eingetreten, als einem anderen Muli plötzlich das auf den Rücken gebundene Gepäck verrutscht und jetzt am Bauch hängt. Das Tier erschrickt natürlich und rast los. Den Führer, der den Strick in der Hand hält, schmeißt es hin und das Tier rast einfach so herum, und macht natürlich die anderen auch noch extrem nervös. Und wir reden hier ja immerhin von 20 bis 30 Tieren! Mir wird es jetzt jedenfalls zu bunt. Ich stehe auf und flüchte mich auf einen Steinhaufen. Da werden diese Monster wohl nicht hinkommen.

Über meine Flucht bemerke ich nicht, dass die Tiere sich dann doch recht schnell beruhigen lassen. Ralf meinte hinterher, dass die Ranger noch lachend zu uns meinten, wir hätten jetzt kostenlos eine Rodeo-Show geboten bekommen… Ich weiß auf jeden Fall, dass mir so große Tiere einfach nicht geheuer sind!

Auch Cedar Ridge reicht uns noch nicht und wir wandern weiter Richtung Canyongrund. Nachdem nun erst mal kein „richtiger“ Umkehrpunkt mehr kommt, legen wir fest, dass wir noch eine halbe Stunde weiter bergab gehen und dann umkehren. Wir kommen noch an einigen tollen Aussichtspunkten vorbei und kehren dann brav um.

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Obwohl es inzwischen doch recht heiß geworden ist (von Gewittern erst mal keine Spur), ist der Aufstieg recht anstrengend. Bewaffnet mit unseren Wanderstöcken kommen wir aber recht gut voran. Inzwischen sind wir ziemlich rot geworden. Obenrum leider von Sonnenbrand (dieses komische Sonnenschutzspray von Aldi nutzt irgendwie trotz Schutzfaktor 30 nicht so viel), untenrum vom roten Canyonsand. DAS ist schön.

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Im oberen Teil wird der Trail dann noch einmal richtig steil, aber auch das schaffen wir. Mittlerweile sind einige dunkle Wolken aufgezogen und so bin ich ganz froh, dass wir oben sind. Auch meine Beine meinen, dass es jetzt reicht, auch wenn es wirklich so schön war, dass wir beide noch gerne weitergegangen wären.

Wir fahren mit dem Bus noch weiter zum Yaki-Point, von wo aus wir unseren Weg noch einmal von oben sehen können. Ganz schön tief unten liegt er und wir sind recht stolz auf uns. Insgesamt waren wir 4 Stunden unterwegs.

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Im General Store des Grand Canyon Village kaufen wir noch ein paar Sachen ein, dann merken wir, dass wir doch müde sind und vor allem gerne den roten Staub abduschen würden. Daher fahren wir ins Hotel zurück, wo Ralf schon mal die Fotos sichert und wir uns dann die wohlverdiente Dusche gönnen.

Zum Essen gehen wir ins „Yippie-Ei-Oh-Steakhouse“. Urige eingerichtet mit bedienenden Cowboys, aber das Essen ist ziemlich mies. Morgen geht es dann auch zum Abendessen in irgendein Fastfood-Lokal. Da weiß man wenigstens was man bekommt, oder wie sagte einmal eine Freundin „Von fritiertem Essen war ich noch selten enttäuscht“.

Morgen soll das Wetter wieder gut sein. Ich hoffe, dass der Wetterbericht dann stimmt, denn heute war es ja bis auf die paar Tropfen am Morgen wirklich schön. Wenn unsere Beine damit einverstanden sind, wollen wir dann morgen unsere große Canyon-Wanderung machen. Den Bright-Angel-Trail zumindest bis Indians Garden, wenn es gut läuft, bis zum Plateau Point. Aber das entscheiden wir erst morgen. Langweilig wird es uns hier bestimmt nicht.

Anmerkung von Ralf:

Der Punkt an dem wir umgekehrt haben wird in einem Wanderfürher als O’Neal Butte gekennzeichnet. Das heißt wir sind stolze 4 Meilen in den Canyon hinein gewandert. Nicht ganz so viel wie ich ursprünglich mal geplant hatte, aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Ich bin mir übrigens nicht mehr ganz sicher ob der Grand Canyon wirklich echt ist. Überall waren Leute am graben, Schubkarren standen herum und die Mulis haben laufend Steine nach oben getragen. Ob die 450 km lange Schlucht nicht doch künstlich ist? Zutrauen könnte ich es den Amerikanern ja …

Unsere heutige Strecke:

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(Diesmal nicht von Google-Maps)