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5. Tag: Ventura – Joshua Tree

Nach einer wunderbaren Nacht in unserer Suite genießen wir noch das im Preis inbegriffene Frühstück im Holiday Inn und machen uns dann wieder auf den Weg.

Die Tante führt uns brav wieder auf die 101 Richtung Los Angeles. Mir fällt wieder einmal auf, dass ich auf der Autobahn, nein, falsch, dem Freeway, mit seiner Geschwindigkeitsbegrenzung von 65 Meilen ständig überholt werde, obwohl ich mittels Cruise Control exakt meine 65 Meilen halte.

Allerdings wird bei weitem nicht so aggressiv gefahren wie in Deutschland. Was mir auch noch schwer fällt, ist, nicht immer rechts zu fahren. Das ist nämlich gerade an Einfahrten ziemlich blöd, weil die Einfahrenden erbarmungslos auf die Spur ziehen. Sie gehen ganz offensichtlich davon aus, dass man schon so rücksichtsvoll sein wird und auf die Bremse steigt. Hmpf, tut man dann ja auch, aber es ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Von daher, und weil manchmal die rechte Spur einfach von der Autobahn runter führt, ist man weiter links besser bedient. Aber es fällt mir trotzdem schwer. Schließlich haben wir Deutschen das Rechtsfahren ja sozusagen schon mit der Muttermilch eingesogen.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt wird der Verkehr merklich dichter. Los Angeles kündigt sich an. Da wir aber Gott sei dank Sonntag haben, gibt es keine Staus und wir fahren dank der Tante ohne Probleme am Nordrand der Stadt vorbei. Da der Verkehr doch recht dicht war, konnte ich leider kaum einen Blick auf die vorbeiziehenden Gebäude erhaschen, aber zumindest die Ausfahrtschilder „Hollywood Next 9 Exits“ habe ich erkannt. Wir waren also tatsächlich dort!

Nur nicht die falsche Spur nehmen!
Nur nicht die falsche Spur nehmen!
Typische Autobahnsituation in Los Angeles
Typische Autobahnsituation in Los Angeles

Was ich dort zum ersten Mal gesehen habe, sind Fahrspuren auf der Autobahn extra für Busse und „Carpools“. Carpools sind, wie Ralf mir erklärte, Autos, die mit mindestens 2 Personen besetzt sind. Stellenweise wurde der Begriff „Carpool“ auch noch enger ausgelegt, so dass während der Rushhours nur Autos mit mindestens 3 Personen diese Sonderspuren benutzen dürfen. Für diese gelten also auch besondere Vergünstigungen. Eine gute Idee, wie ich finde.

Kurz nach der Stadtgrenze von Los Angeles wird die Landschaft merklich karger. Die Wüste greift wirklich nach der Stadt oder sollte man sagen, die Stadt greift nach der Wüste? Jedenfalls kann man sich sehr gut vorstellen, dass die Außenbezirke immer wieder durch Waldbrände bedroht werden.

Windkraftpark am Stadtrand von Los Angeles
Windkraftpark am Stadtrand von Los Angeles

Irgendwann beschließe ich, dass wir mal wieder tanken sollten, denn wir haben ja im Internet gelernt, dass die Tankstellen in der Wüste nicht allzu dicht gesät sind. Das funktioniert jetzt, beim zweiten Mal, ganz gut. Ralf hat die Sache voll im Griff. Nachdem wir einige Male hin und her gefahren sind, gelingt es uns auch wieder, auf die Autobahn Richtung Osten zu kommen (die Tante versucht uns aus unerfindlichen Gründen immer in die falsche Richtung zu schicken) und bald darauf geht es runter von der Autobahn auf den Highway.

Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von der Wüste, obwohl der Verkehr immer noch relativ dicht ist und sich auch alle paar Meilen noch eine Ansiedlung am Highway befindet. Aber diese Ansiedlungen sehen zum großen Teil schon so aus, wie man sie in Filmen sieht (abgesehen von den Schildern der Fastfoodketten und der Motels): kleine staubige Häuschen in einem staubigen Garten, in dem allerlei Gerümpel rumsteht.

Wir erreichen Joshua Tree, in dem wir heute übernachten wollen. Allerdings wollen wir vor dem Einchecken, für das es ja eh noch zu früh ist, in den Nationalpark und vorher noch eine Kleinigkeit essen. Joshua Tree ist ziemlich klein und ruckzuck sind wir durchgefahren. Daher beschließen wir, nach 29 Palms weiter zu fahren und dort nach etwas Essbarem Ausschau zu halten. Schließlich wollen wir in der Wüste ja nicht verhungern.

Wir kehren dann bei Taco Bell`s ein und speisen mexikanisches Fastfood. War ganz lecker.

Mittagessen bei Taco Bell
Mittagessen bei Taco Bell

Danach machen wir uns auf die Suche nach dem Eingang zum Nationalpark. Irgendwie ist das alles nicht zu toll beschildert und die Tante kennt sich auch nicht aus. Aber wir bleiben erfolgreich und finden das Visitor`s Center, in dem wir bei einer netten Rangerin den Nationalpark-Pass erstehen. Mit diesem Pass für 80 $ können wir jetzt ein ganzes Jahr lang alle amerikanischen Nationalparks besuchen. Toll, nicht wahr? Allerdings lohnt er sich schon ab dem 3. Park sagt Ralf.

Eingang zum Joshua Tree National Park
Eingang zum Joshua Tree National Park

Nachdem wir dann nach ein bisschen rumfahren den Eingang gefunden hatten, machen wir uns den 30 Meilen langen Weg durch den Park. Die Landschaft und die Vegetation sind unbeschreiblich, obwohl es anfangs noch keine Joshua Trees gibt. Ralf fotografiert, was die Kamera hergibt.

Eine typische Felsformation im Joshua Tree Nationalpark
Eine typische Felsformation im Joshua Tree Nationalpark
Joshua Trees soweit das Auge reicht
Joshua Trees soweit das Auge reicht
Joshua Tree Nationalpark
Joshua Tree Nationalpark
Wandern zwischen Felsen im Joshua Tree Nationalpark
Wandern zwischen Felsen im Joshua Tree Nationalpark
Der berühmte Skull-Rock
Der berühmte Skull-Rock

Von Zeit zu Zeit gehen Abzweigungen von der Straße ab, die zu besonderen Attraktionen führen. Beim ersten Mal bin ich erschrocken, da der Weg nicht befestigt ist. Aber es ist kein größeres Problem sie zu befahren und wir erreichen den Split Rock, einen riesigen, gespaltenen Felsen (wie der Name schon sagt).

Bei der nächsten Abzweigung wagen wir am Ende der Straße unsere erste Wüstenwanderung. Der Trail ist laut Beschreibung 1,1 Meilen lang und gut erkennbar. Leider ist der Trail kein Rundkurs, so dass wir irgendwann umkehren und ihn zurückgehen. Irgendwie ist das Wandern in der Wüste unheimlich, denn anders als wir es sonst gewohnt sind, gibt es nun einmal keinerlei Anzeichen von menschlicher Zivilisation zu sehen. So weit das Auge reicht nur Landschaft. Kein Haus, keine Hütte, keine Straße sind zu sehen, kein Geräusch ist zu hören, du hast nur den kleinen, sandigen oder felsigen oder steinigen Weg vor dir und irgendwie kein Ziel vor Augen. Es begegnen Dir auch keine anderen Wanderer. Prompt überfällt mich ein mulmiges Gefühl und ich befürchte, obwohl es definitiv keine Abzweigung gab, dass wir uns verlaufen haben könnten.

Auf in neue Abenteuer
Auf in neue Abenteuer
Nur nicht vom Weg abkommen
Nur nicht vom Weg abkommen
Unser Wanderweg
Unser Wanderweg

Natürlich haben wir das nicht und irgendwann sind wir am Parkplatz zurück. Puh, das erste Abenteuer ist überstanden.

Der Sankt Andreas Graben
Der berühmte Sankt Andreas Graben

Nachdem wir fürs erste genug haben, fahren wir Richtung Motel. Das Safari Motel hatte bei Trip Advisor ganz gute Bewertungen, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Die Zimmer sind alt, verwohnt und siffig. Das Bad ist eine Katastrophe, völlig verkalkt und irgendwie eklig. Die Möbel, die irgendwann mal weiß waren, sind dreckig. Immerhin sind die Betten offensichtlich frisch bezogen und die Handtücher sind auch sauber. Für eine Nacht reicht es dann auch aus.

Unser Motelzimmer. Gut, dass es keine Geruchbilder gibt.
Unser Motelzimmer. Gut, dass es keine Geruchbilder gibt.
Nunja - you get what you paid for ...
Nunja – “You get what you paid for …”

Zum Essen gehen wir ins Beatnick Café, das im Stefan Loose Travel Handbuch beschrieben und empfohlen ist. Ralf fühlt sich gleich wohl, weil er an seine Jugendzeit erinnert ist. Eigentlich sieht es aus wie der örtliche Jugendtreff. Bunt angemalt, Farbkleckse auf dem Fußboden. Ein paar alte Sofas und Sessel stehen rum und auch ein paar hohe Tische mit Stühlen. Jugendliche sitzen da und erzählen, andere klimpern auf der Gitarre rum und singen. Alles sehr alternativ.

Auf der Karte steht nicht allzu viel und fast nur Dinge, die ich nicht mag. Ralf und ich bestellen Spaghetti mit Chili. Leider ist der Steamer kaputt, wie die Bedienung uns erklärt und es dauere sehr lange, bis das Essen fertig sei. Ob wir denn lieber was anderes möchten? Nein, wollen wir nicht, wir haben Zeit. Insgeheim freue ich mich, denn dann müssen die Spaghetti ja frisch gekocht werden. Zwischenzeitlich kommt der Salat mit einem eklig sauren Dressing, aber man isst ihn, weil man ja ein paar Vitamine braucht. Das Chili wird in der Mikrowelle aufgewärmt und irgendwann kommen unsere Teller. Die Nudeln sind kalt! Offensichtlich sehr gut abgeschreckt. Das Essen ist ziemlich scheußlich, aber dafür berechnet mir die Bedienung auch irgendwie viel zu wenig. Die Rechnung beträgt 11,31 $ und mehr war das Essen auch nicht wert.

Zurück im Motel surfen wir noch im Internet, buchen eine Unterkunft für den Grand Canyon und sichern die Fotos. Dann versuche ich zu schlafen, aber es ist wieder einmal saukalt im Zimmer. Die dünnen Decken schaffen es nicht, mich warm zu bekommen und so schlüpfe ich wieder einmal in meinen mitgebrachten dünnen Schlafsack. Trotzdem schlafe ich nicht besonders gut, weil meine Füße die ganze Nacht nicht warm werden wollen.

Abendstimmung am Motel bei Joshua Trees
Abendstimmung am Motel bei Joshua Trees

4. Tag: Montery – Ventura

Die Nacht in dem Motel Howard Johnson in Monterey war überraschend ruhig und erholsam. Nachdem ich gestern Abend meinen Schlafsackinlett in Betrieb genommen hatte (nein, die Bettwäsche sah nicht schmuddelig aus, sondern es war soo saukalt in dem Zimmer), bin ich schnell eingeschlafen und habe bis 6.30 Uhr durchgeschlafen. Ralf ging es genauso und somit erkläre ich den Jetlag für überwunden.

Das im Preis inbegriffene Frühstück war überraschend gut. Kaffee, Saft, Toast, gesalzene Butter, Marmelade, Cornflakes und Muffins haben gereicht, die Fahrt gut gesättigt zu beginnen.

Fast gleich nach dem Losfahren bekommen wir einen Hinweis auf den 17-Miles-Drive. Diese mautpflichtige Privatstraße vorbei an den schönsten Anwesen der Gegend wollte ich eigentlich unbedingt sehen. Hm, einige Zeit später geht mir auf, dass wir die Zufahrt zu dieser Straße wohl verpasst hatten, denn es kam kein weiteres Schild mehr. Na egal, zurück will ich dann auch nicht mehr.

Dafür beginnt die Straße gleich ihr schönstes Gesicht zu zeigen. Die Ausblicke sind einfach grandios und wir sind versucht, an jeder Haltebucht anzuhalten um Fotos zu machen. OK, anfangs tun wir das ja auch…

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Highway 1
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Highway 1

Nach einiger Zeit beschließe ich, dass wir auch mal runter zum Strand gehen müssen. Gesagt, getan, wir halten an und gehen den Pfad durch die Dünen zum Strand. Es ist so wunderschön und beeindruckend! Unten sieht man, dass die Wellen wirklich ganz schön gehen, aber es ist toll. Der Strand ist ziemlich steil und man sieht, dass das Wasser bei Flut wohl ziemlich hoch kommt.

Tja, und dann kommt mir die seltsame Idee, dass ich doch unbedingt mal fühlen muss, wie kalt das Wasser ist. Ich gehe also zum Wasser hin, bleibe in gehörigem Sicherheitsabstand stehen und warte, dass eine Welle so hoch schlägt, dass ich meinen Finger reinstrecken kann. Irgendwie wird mir aber jetzt schon mulmig. Es ist schließlich ganz schön kalt, ich habe Turnschuhe an. Was, wenn ich nass werde? Der Strand ist, wie gesagt, ziemlich steil, es könnte knapp werden, wenn ich flüchten muss. Und kaum gedacht, passiert es schon. Eine Welle kommt und damit das Wasser. Ich drehe mich um und will fliehen und gerate vor lauter Hektik ins straucheln. Ein paar Schritte schaffe ich noch auf der Flucht vor dem gefährlichen Meer und dann haut`s mich hin. *grummel* Ralf hat das Ganze natürlich von oben gefilmt. Die Aufnahme wird von mir gesichtet werden und wahrscheinlich gelöscht, so dass die Öffentlichkeit nicht mit diesem Anblick konfrontiert werden wird.

Als wir am Auto wieder ankommen, sehen wir, dass inzwischen eine Gruppe Surfer angekommen ist. Schade, das wäre toll gewesen, ihnen zuzuschauen.

Stand am Highway 1
Stand am Highway 1
Strand am Highway 1
Strand am Highway 1

Und weiter geht`s. Die Landschaft ist einfach unbeschreiblich und Ralf kann nicht aufhören zu fotografieren.

Was mich irritiert ist, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht aufgehoben werden. So schleiche ich immer weiter und stelle mich als rollendes Verkehrshindernis für Nachfolgende dar. Es wird allerdings nicht gedrängelt oder gar gehupt, das Fahren ist einfach angenehm. Ich halte auch immer an einer der zahlreichen Haltebuchten an, so dass jeder Auffahrende immer nur ganz kurz von mir gestresst wird.

Gegen Mittag halten wir an einem Lokal an, essen und trinken etwas und besuchen die restrooms. Das Lokal ist sehr urtümlich eingerichtet (halt so, wie Touristen sich das so vorstellen) und es gibt sogar einen fast originalen „Luke“. Ich bin begeistert.

Ausflugslokal mit Meeresblick
Ausflugslokal mit Meeresblick

Das irgendwann an der Strecke liegende Hearst Castle, das ich eigentlich auch sehen wollte, finden wir dann auch nicht. Als die Tante Navi und führen soll und behauptet, es läge in 240 km Entfernung, beschließe ich, dass ich auch diese Attraktion nicht sehen muss.

Irgendwann wird die CA 1 dann zum HW 101, führt aber noch am Pazifik entlang. Die Küste ist jetzt aber nicht mehr so steil. Nach einiger Zeit wird ein Vista Point angezeigt und ich fahre ihn an. Ich bin gleich erstaunt, wie riesig der Parkplatz ist und dann sehen wir auch den Grund hierfür. Am Strand entlang dieses Parkplatzes liegen hunderte von „Elefantenrobben“ in der Sonne. Es ist ein unglaubliches Schauspiel. Schautafeln informieren über diese Tiere und warnen auch davor, dass sie gar nicht so harmlos sind wie sie aussehen. Ich halte also respektvoll Abstand und finde es sehr beeindruckend, diese wilden Tiere aus der Nähe zu erleben. Irgendwie konnte ich mir nie vorstellen, dass es diese Tiere, die man bei uns nur aus dem Zoo und dem Fernsehen kennt, auch noch in Freiheit gibt. Es ist so schön!

Seeelefanten direkt am Highway 1, unweit von San Simeon
Seeelefanten direkt am Highway 1, unweit von San Simeon
Seeelefanten direkt am Highway 1, unweit von San Simeon
Seeelefanten direkt am Highway 1, unweit von San Simeon
Seeelefanten direkt am Highway 1, unweit von San Simeon
Seeelefanten direkt am Highway 1, unweit von San Simeon

Irgendwann verändert sich die Richtung der 101 und sie führt durch die Berge. Es ist faszinierend, wie sich die Landschaft ständig verändert. Nach längerer Zeit führt die Straße wieder nach unten und nach einem spektakulären Felsdurchbruch sind wir wieder am Meer. Und dann passiert das Drama des Tages!

Ein weiterer Vista Point wird angezeigt und weil Ralf ein paar Schiffe, die sich am Horizont gezeigt hatten fotografieren möchte (und weil wir schon so lange ohne Pause gefahren waren), halte ich an. Wir machen ein paar Fotos und ich hole das Fernglas raus um die Schiffe anzuschauen (die sich dann als Bohrinseln herausstellen). Ralf geht ein bisschen herum und fotografiert weiter. Als wir zum Auto zurückkommen, will ich ihm die Bohrinseln zeigen. Ralf nimmt das Fernglas in die Hand und legt die Digicam auf den Kofferraum des Autos ab. Dann werden wir noch von Leuten angesprochen, weil sie im Wasser etwas gesehen haben, was sie evtl als Wal identifiziert haben, Ralf plaudert ein paar Worte mit ihnen und leiht ihnen das Fernglas. Nein, es ist kein Wal, es sind in Formation schwimmende Wasservögel. Nun, Ralf schaut sich noch die Bohrinsel an, wir steigen ins Auto und fahren weiter. Gerade als ich auf die Freeway auffahre, meint Ralf plötzlich wo denn die Kamera wäre und gleich darauf fällt ihm ein: „Die habe ich auf dem Kofferraum liegen lassen!“

Das letzte Bild der alten Kamera
Das letzte Bild der alten Kamera

Große Hektik bricht aus. Was tun? Gottseidank kommt gleich eine Linksabbiegespur (ja, in den USA gibt’s auf der Autobahn Linksabbiegespuren!), auf der wir wenden können und wir fahren so schnell es geht zurück. Ralf ist hektisch. Ich fahre den Parkplatz langsam entlang. Nichts zu sehen. Am Parkplatzende steht, fast schon auf der Freeway, ein Auto. Ich bin ratlos, weil ja keine Spur von der heruntergefallenen Kamera zu sehen war und halte auch an. Ralf steigt aus, um noch einmal zu Fuß nach der Cam zu suchen. Da wird er von der Dame aus dem hinter uns haltenden Auto angehalten. Sie hat die Kamera gefunden und hat gewartet, da sie davon ausging, dass der Verlierer den Verlust bemerken und zurückkehren würde. Wahnsinn!

Die Kamera sah noch ziemlich gut aus, dafür, dass sie bei ungefähr 30 Meilen pro Stunde vom Auto runtergesaust ist. Leider fehlte der Auslöserknopf und Ralf konnte ihn auch nicht mehr finden. Trotzdem haben wir uns sehr gefreut.

In Santa Barbara hat uns die Tante Navi dann zur Einkaufsstraße geführt und Ralf hat bei Radio Shack (dem amerikanischen Mediamarkt, wie er natürlich gleich wusste) eine neue Canon gekauft. Die Verständigung klappte ausgezeichnet, denn irgendwie ist die Techniksprache ja sowieso Englisch. Megapixel, Gigabyte, SD-Karte – hört sich in englisch genauso an.

Danach wollten wir nur noch ins Motel nach Ventura. Die Tante führte ins brav zum Holiday Inn Express, wo wir eine angenehme Überraschung erlebten. „Hey guys, I have upgraded you to a suite. Right?“ Klar doch, eine Suite zum normalen Zimmerpreis nehmen wir gerne!

Das “Zimmer” ist Wahnsinn. Eine eingerichtete Küchenzeile, Essecke, Sofa und Schreibtisch im abgetrennten Bereich und ein super tolles Kingsize-Bett. Das Bad ist genauso riesig mit Jacuzzi-Badewanne, separater Dusche und diskret verstecktem Klo. Der Blick durch die riesigen, ungefähr 4 Meter hohen Fenster fällt direkt auf den Hafen mit den in der Abendsonne glänzenden Segelbooten. Einfach ein Traum!

Unsere Suite in Ventura
Unsere Suite in Ventura

Essenstechnisch war es ein bisschen schwierig. Wir wollten zu McDonald`s, aber zuerst habe ich eine Richtungsanzeige der Tante missverstanden, dann führte sie uns zu einem Platz, von dem sie behauptete, hier sei ein Mäcki. Nö, war aber keiner und deswegen überfielen wir auf dem Rückweg ein anderes Fastfoodrestaurant (Carrow`s), das aber sehr nett war. Sehr amerikanisch, wie man es sich so vorstellt.

Die Mitarbeiterin an der Kasse war begeistert, als wir erzählten, wir seien aus Deutschland und zeigte uns andere Gäste, die auch aus Deutschland waren. „Hey, you`re really cool!“

Auch der Mitarbeiter an der Kasse des Supermarktes freute sich über die Deutschen. Er erzählte, dass er noch nie am Grand Canyon gewesen sei, fand es aber klasse, dass wir extra so weit gereist seien um ihn zu sehen.

Ich war froh, als wir dann wieder im Motel waren. Morgen geht es durch Los Angeles, das gar nicht weit von Ventura weg ist, Richtung Joshua Tree. Ich freu mich schon, auch wenn der Motelstandard morgen wohl wieder schlechter sein wird.

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2. Tag: San Francisco

Ich schlafe nicht so besonders gut. Um 24 Uhr bin ich das erste Mal wach, dann gegen 3 Uhr und um 4.30 Uhr meint mein Körper, jetzt sei es aber wirklich Zeit aufzustehen. Ich bin allerdings anderer Meinung, gehe kurz aufs Klo und lege mich noch mal hin. Ralf, der bisher selig geschlafen hat, wird kurz wach, ist aber noch zu keiner anständigen Konversation bereit. Also versuche ich auch noch einmal zu schlafen, was tatsächlich gelingt. Um 7.20 Uhr stehe ich allerdings endgültig auf. Schließlich haben wir nur diesen einen Tag in San Francisco und den will ich nicht verschlafen.

Gegen 8.30 Uhr verlassen wir dann zum ersten Mal das Hotel und machen uns auf die Suche nach einem Frühstück. Auf der Straße ist alles leer und es sieht ziemlich verlassen aus. In einer Querstraße stoßen wir auf einen Starbucks, wo wir einen Cappuccino trinken und einen Donut essen.

Dann machen wir uns auf die Suche nach den Sehenswürdigkeiten von SFO und finden tatsächlich das Meer. Und schon strahlt die Golden Gate Bridge im Morgenlicht. Gleich werden die ersten Fotos gemacht. Ein paar Schritte weiter öffnet sich der Blick auf Alcatraz, das natürlich auch fotografiert wird. Eigentlich wollten wir zur Golden Gate Bridge gehen. Dieses Vorhaben geben wir nach einem Spaziergang auf, da der Weg dorthin wohl doch sehr weit ist.

Stattdessen laufen wir ein bisschen am Strand herum und treffen schließlich auf den Wendeplatz der Cable Car neben unserem Hotel. Der Ticketverkauf ist allerdings noch geschlossen.

Da wir etwas planlos sind, gehen wir zunächst noch einmal ins Hotelzimmer zurück. Dort fassen wir den Plan, einen im Marco Polo Reiseführer vorgeschlagenen Spaziergang zu gehen.

Treppe zum Coit Tower

Dieser Spaziergang führt uns zunächst zum Telegraph Hill mit dem Coit Tower. Unterwegs eröffnen sich immer wieder herrliche Ausblicke, die man alle aus den zahlreichen in SFO spielenden Filmen zu kennen scheint. Am Coit Tower hat man auch wieder einen tollen Ausblick. Dort klappt die Übergabe der Digicam von Ralf an mich nicht und sie knallt voll auf die Erde. Gott sei dank funktioniert sie hinterher aber noch.

Vom Coit Tower geht es dann nach China Town und danach bin ich eigentlich schon fertig. Diese Stadt besteht ja nur aus Hügeln und schrecklich steilen Straßen.

San Francisco China Town
San Francisco China Town
San Francisco China Town
San Francisco China Town

Trotzdem geht es weiter. Irgendwie kreuz und quer oder besser gesagt rauf und runter. Ich laufe wie in Trance Ralf hinterher. Wir kommen durch Nob Hill und stehen plötzlich vor dem Cable Car Museum. Dort orientieren wir uns noch einmal und machen uns auf den Weg zu Lombard Street. Ein Teil dieser Straße kurvt in ganz engen Kehren abwärts, was man auch schon in vielen Filmen gesehen hat. Sehr beeindruckend.

Cable Car Museum
Cable Car Museum
Lombard Street
Lombard Street

Dann sind wir irgendwann wieder im Fishermans Wharf. Dort finden wir ein Coffeehouse, wo es das wohlverdiente Mittagessen gibt. Sandwich für Ralf und Stir fried Noodles für mich. Danach sieht die Welt wieder anders aus.

Den Nachmittag verbringen wir in Fishermans Wharf. Geschäfte anschauen und Pier 39 mit seinen Seelöwen und seinen Touristenattraktionen.

Fisherman's Wharf Pier 39 mit seinen Seelöwen
Fisherman’s Wharf Pier 39 mit seinen Seelöwen
Fishermans Wharf
Fishermans Wharf

Nach einer kurzen Pause mit Beine hochlegen im Hotelzimmer geht es zu unserem ersten Dinner in Amerika. Dieses Dinner ist sehr lehrreich für mich: Amerikanische Pizza ist nix für mich. So viel Käse *schüttel*.

Auf dem Heimweg regnet es. Der schon für 13 Uhr angekündigte Regen ist endlich da. Vielleicht regnet es sich ja über Nacht aus, so dass es morgen wieder schön ist. Morgen wird ja wieder aufregend. Wir bekommen den Mietwagen und müssen den Weg aus SFO Richtung Monterey finden. Aber das wird schon!

Ralf in den Fishermans Wharf

 

In San Francisco gibt es keinen TÜV :-)
In San Francisco gibt es keinen TÜV 🙂
Cable Car
Cable Car
Straßenszene in San Francisco
Straßenszene in San Francisco
Ausblick vom Coit Tower: San Francisco Downtown
Ausblick vom Coit Tower: San Francisco Downtown
Ausblick vom Coit Tower: Die Golden Gate Bridge
Ausblick vom Coit Tower: Die Golden Gate Bridge

 

Cable Car
Cable Car

1. Tag: München – San Francisco

Nachdem wir zuhause die letzten Vorbereitungen getroffen haben, insbesondere die To-Do-Liste für die Kinder vervollständigt haben, fahren wir endlich los. Unser Ziel ist das Landhotel Schweiger`s, wo wir das Auto parken. Ein Shuttlebus bringt uns zum Flughafen.

Eigentlich wollten wir im Hotel noch eine Kleinigkeit essen, weil wir ja nicht wussten, wann es im Flugzeug wieder etwas gibt, aber das Hotel ist wirklich *sehr* ländlich und hat mittags das Restaurant geschlossen. Glücklicherweise kommt aber die Fahrerin des Shuttlebusses früher als angekündigt, so dass wir zeitig zum Flughafen starten. Während der Fahrt erklärt sie uns, wir sollten unbedingt im „Airbräu“ essen. „Geht`s bloß nirgendwo anders hin“.

Bei so einer strengen Anordnung schauen wir tatsächlich mal beim Airbräu vorbei, allerdings sagt uns die Speisekarte nicht zu, so dass wir doch nur schnell bei der Nordsee einen Fisch essen.

Ralf ist dann auch unruhig, so dass wir bald Richtung Sicherheitskontrolle aufbrechen. Eingecheckt hatten wir schon am Vorabend, so dass wir unsere Bordkarten schon in der Tasche hatten.

Als erste Station steht der erste Sicherheitscheck an. Ich gehe durch, ohne dass es piepst, so dass ich auch nicht abgetastet werde. Braves Mädchen eben. Nur meine Handtasche wird gründlich durchsucht und dann bin ich schon fertig.

Bei Ralf ist es etwas aufwendiger. Zunächst muss das Laptop überprüft werden und dann piepst es beim Durchgehen auch. Der Angestellte fährt Ralf mit dem Metallsuchgerät ab und die Reißverschlüsse werden natürlich angezeigt. Aber das ist es noch nicht. Ach ja, das Handy. Hm, es piepst immer noch. Schließlich werden die einzeln verpackten Erfrischungstücher als Übeltäter identifiziert, da die Packungsinnenseiten metallbeschichtet sind. Also werden die Tücher noch mal durchs Röntgengerät geschickt und dann dürfen wir weiter.

Nächste Station ist die Passkontrolle. Ein tiefer Blick des Beamten in unsere Augen, ein Vergleich mit dem Pass und dann ist diese Kontrolle geschafft.

Weiter Richtung Gate H 02 bringt uns zur nächsten Kontrolle. Zwei strenge Damen überprüfen unsere Unterlagen und wollen von uns wissen, was der Zweck unserer USA-Reise ist. „Holidays“ stellt sie zufrieden und wir werden weiter geschickt.

Dann kommt eine weitere Sicherheitskontrolle, von der wir angenommen hatten, das sei die Strengste. Aber hier ging alles ruckzuck. Noch nicht einmal der wieder verschließbare Plastikbeutel mit dem Deo wurde angeschaut, obwohl ich diesen fälschlicherweise im Rucksack gelassen hatte (die Beutel müssen laut Vorschrift separat vorgezeigt werden).

Und schon waren wir in der Abflughalle. Bis zum angekündigten Beginn des Boardings um 15.05 Uhr war noch reichlich Zeit, aber egal.

Um 15.20 Uhr wurde der Flug endlich aufgerufen und kurze Zeit später saßen wir im Flugzeug. Unsere Plätze vor der Wand, an der normalerweise Babybetten aufgehängt werden, waren im Vergleich zu den normalen Holzklassenplätzen super, man konnte die Beine sogar fast ausstrecken und hatte wirklich angenehme Bewegungsfreiheit. Der einzige Nachteil war die Platzierung der Bildschirme. Aufgrund des Blickwinkels wirkte das Bild dunkel, fast wie im Negativ zu sehen (dunkelhaarige Schauspieler hatten z.B. weiße Haare).

Trotzdem war der Flug sehr viel angenehmer als befürchtet. Die Nachbarn waren unauffällig außer der Dame hinter Ralfs Sitz, das Essen war gut, die Toiletten erstaunlich sauber. Es gab kaum Turbulenzen, so dass der Adrenalinspiegel niedrig blieb.

Aufgrund dieser glücklichen Umstände war es sogar nicht weiter schlimm, dass sich die Flugzeit wegen dauernden kräftigen Gegenwinds um fast eine Stunde auf fast 13 Stunden verlängerte.

Die Immigration in SFO klappte ebenso reibungslos. Offensichtlich hatten wir die umfangreichen Formulare im Flugzeug zur Zufriedenheit des Officers ausgefüllt. Von jedem wurden zwei Fingerabdrücke genommen und ein Foto gemacht und es wurden ein paar Fragen gestellt. Der Officer wollte z.B. wissen, wo wir wohnen, was Ralf beruflich macht und wie viel Geld wir dabei haben. Dann durften wir zum Gepäckband.

Nachdem wir unsere Koffer gefunden hatten, ging es zum Zoll. Die Frage, ob wir Lebensmittel einführen konnten wir wahrheitsgemäß mit „Just sweets“ beantworten und dann durften wir tatsächlich in die Freiheit der USA einreisen.

Das nächste Problem, einen Shuttlebus zu finden, konnten wir mit Hilfe eines hilfsbereiten Flughafenmitarbeiters auch schnell lösen und dann ging es in halsbrecherischer Fahrweise in die Stadt.

Das Argonaut Hotel war das letzte angefahrene Hotel. Ein diensteifriger Angestellter kümmerte sich um das Gepäck während wir das Einchecken erledigten und brachte uns zu unserem Zimmer Nr. 315. Ein wirklich schönes Zimmer mit “herrlichem” Blick auf den Innenhof. Das von mir erhoffte Upgrade auf Bayblick hat also leider nicht geklappt, was uns aber egal war.

Kurz das Wichtigste ausgepackt, die Annehmlichkeiten des Zimmers begutachtet und das Laptop angeschlossen. WLAN funktioniert, aber der Stecker passt nicht in den Adapter. Ralf rettet aber mit einer waghalsigen Anpassung des Adapters mittels Schweizer Taschenmesser und Bartschneideschere die Situation und so kann die erste E-Mail an die Kinder versendet werden.

In Deutschland ist es jetzt etwa 6 Uhr morgens, hier in SFO 22 Uhr. Wir sind hundemüde und fallen deshalb ins Bett.

Unser Hotelzimmer bei den Fisherman’s Wharf

 

Unser Hotelzimmer bei den Fisherman’s Wharf