Archiv der Kategorie: 2009 – Große Städte und Große Seen

Eine Rundreise von Philadelphia aus rund um die großen Seen bis Chicaco

Tag 16: Chicago und Heimreise

Der letzte Tag. Die Nacht war schon seltsam unruhig, was zum einen natürlich an dem Höllenlärm draußen lag (in dieser Nacht war der Straßenlärm einfach unglaublich – je später die Nacht umso mehr wurde gehupt, mit den Reifen gequietscht rumgebrüllt. Dazu die Einsatzsirenen…), zum anderen aber bestimmt auch schon am Reisefieber. Ein komisches Gefühl beim Aufwachen, blöd, dass wir schon wieder hier weg müssen aber auch schön, dass wir wieder nach Hause kommen. Die Kinder, auch wenn sie nicht mehr hier bei uns wohnen, die Tiere und das Haus fehlen uns doch.

Aber den heutigen Tag wollen wir noch einmal hier genießen und genehmigen uns zum Frühstück ein letztes Mal Pancakes mit Ahornsirup. Danach gammeln wir noch eine Zeit lang im Hotelzimmer rum. Wir versuchen noch eine erste Tendenz bei den Wahlergebnissen zu erhaschen, räumen dann aber schließlich doch unser Gepäck ins Auto (mein Gott, ist das VIEL!!!), rangieren das Auto aus der zwischenzeitlich zugeparkten Tiefgarage und verlassen die Ohio-Street Richtung See.

Die Sonne scheint, es ist ein herrlicher Tag. Bei unserer Stadtrundfahrt am ersten Tag in Chicago hatte ich gesehen, dass rund um das Planetarium und die Museen eine schöne Parkanlage direkt am See mit herrlichem Blick auf die Skyline liegt. Dort wollen wir unsere letzten Stunden in Chicago verbringen. Vor der Fahrt dorthin hatte ich aufgrund der Beobachtungen der letzten Tage schon ein wenig Respekt. In Chicago herrschen nämliche raue Sitten im Straßenverkehr, da wird wirklich gerne und oft gehupt. Da sonntags aber auch in Chicago weniger Autoverkehr als an Wochentagen ist, habe ich die Fahrt doch gut gemeistert. Am

Chicago im Herbst
Chicago im Herbst

Seeufer gönnen wir uns noch einen Stellplatz in einem Parkhaus für 16 Dollar für 4 Stunden und starten dann unseren Spaziergang.

Habe ich schon erwähnt, dass es ein herrlicher Tag ist? Die Stadt und der See zeigen sich mit blauem Himmel über blauem Wasser bei leichtem Wind von ihrer besten Seite. Viele Spaziergänger, Walker, Jogger, Radfahrer und Segway-Fahrer sind unterwegs. Lustige Dinger sind diese Segways, obwohl ich mich bestimmt nie trauen würde damit zu fahren. ICH würde bestimmt umkippe oder irgendwo reinrasseln – bevorzugt dort, wo`s weh tut.

DSC_3746Wir schlendern am Segelboothafen vorbei zum Adler Planetarium und können uns nicht satt sehen an dem Ausblick, den wir von dort von der Stadt haben. Die Gegend um das Planetarium und das Shed-Aquarium ist übrigens ein beliebter Tummelplatz für Fotografen, bevorzugt von Hochzeitsfotografen. Ich habe heute ein Brautpaar beobachtet, die sich beide bäuchlings ins Gras legen mussten. Hm, ob eine Hochzeitsfeier in einem grasbefleckten Kleid wirklich noch so viel Spaß macht?

Segelboothafen
Segelboothafen
Segelboothafen
Segelboothafen
Ob das Brautkleid jetzt Flecken hat?
Ob das Brautkleid jetzt Flecken hat?
Noch eine Hochzeitsgesellschaft
Noch eine Hochzeitsgesellschaft

Wir entschließen uns, eine Show im Planetarium anzusehen und lernen viel über Kollisionen im All. Die Show ist genauso wie die anschließenden Ausstellungen mit vielen interaktiven Exponaten, wirklich gut und wir verbringen einige Zeit dort. Draußen spazieren wir noch weiter zum Aquarium. Muss ich erwähnen, dass Ralf viele Fotos macht? Die Szenerie mit diesem herrlichen Sonnenschein lädt aber auch wirklich dazu ein. Chicago macht uns den Abschied nicht leicht.

Voller Durchblick
Voller Durchblick
Marsrover in klein
Marsrover in klein
Jutta und Ralf in Infrarot
Jutta und Ralf in Infrarot
Juttas Chicaco
Juttas Chicaco
Skyline
Skyline

Frühzeitig machen wir uns dann auf den Weg Richtung Autorückgabe und Flughafen. Wir haben im Mietvertrag vereinbart, dass wir den Wagen vollgetankt zurückgeben und Ralf macht mich gleich in der Stadt auf eine Tankstelle aufmerksam. Ich bin aber schon vorbei, hatte sie einfach nicht gesehen. Allerdings bin ich auch davon ausgegangen, dass man in der Nähe der Autorückgabe noch tanken kann. Wir sind ja schließlich nicht die Einzigen, die diese Aufgabe vor der Rückgabe noch haben.

Allerdings erscheint für mich viel zu plötzlich das Schild „Rental Car Return“ am Straßenrand. Und ist man erst mal in diese Richtung abgebogen, gibt es kein Entrinnen mehr. Urplötzlich stehe ich auf dem Riesengelände von Hertz mit Hunderten von Autos. Geschäftige Betriebsamkeit herrscht und mittendrin versuche ich das Problem zu lösen, dass dort keine Tankstelle zu sehen ist. Oder vielleicht doch? Links von uns sehe ich ein paar Zapfsäulen mit Autos davor. Juchhu, eine Tankstelle! Ich fahre hin und werde als erstes von einem Fahrer angehupt, weil ich von der falschen Seite rein gefahren bin. Er fordert mich auf, von der anderen Seite heranzufahren. Aber auch das gelingt mir nicht, weil ich von einem jungen Fahrer böse geschimpft werde.

OK, dann eben nicht. Wir beschließen, dann eben für das nicht aufgetankte Auto zu zahlen und fahren Richtung Rückgabestelle. Hektisch geht es auf dem ganzen Gelände zu, überall fahren Autos. Sehr schnell die Angestellten, die zur Waschanlage oder Tankstelle fahren, langsamer diejenigen, die wie wir ein Auto zurückbringen. Wir lassen uns in eine Reihe einweisen und ich schalte erleichtert den Motor aus. Geschafft! Wir fangen sofort an, den Wagen auszuräumen. Ja, eine Menge Gepäck! Dann kommt eine Mitarbeiterin und scannt unseren Wagen. Sie überprüft die Tankfüllung und moniert stirnrunzelnd, dass nicht vollgetankt ist. Wir erklären die Situation während ein landendes Flugzeug in etwa 20 Metern Höhe über uns hinwegrauscht. Tja, kein Problem, das kostet uns die Kleinigkeit von 120 Dollar. Sie bietet uns an, noch einmal loszufahren und zu tanken, was wir spontan annehmen, auch wenn mir davor graut, wieder hier wegzufahren. Als sie unsere Menge Gepäck sieht, die wir nun wieder einpacken müssen, macht sie uns aber das Angebot, nur den halben Tank zu berechnen. Dieses Angebot nehmen wir dankbar an. Zwar wäre das selbst tanken wahrscheinlich billiger gewesen, aber irgendwo muss Dummheit ja doch bestraft werden. Bei der nächsten Autoanmietung werden wir auf jeden Fall wieder die Option wählen, eine Tankfüllung gleich mitzukaufen und den Wagen leer wieder zurückzugeben.

Dann schleppen wir unser Gepäck in den Shuttlebus zum Flughafen, quetschen uns noch dazu und lassen uns zu Terminal 1 schaukeln. Wir sind natürlich wieder einmal viel zu früh dort, können aber doch gleich einchecken. Es gelingt uns sogar, unsere Mittelgangplätze gegen Fensterplätze einzutauschen. Unsere Platznummern sind 28 H und K, was uns bis zum Einsteigen darauf hoffen lässt, dass die Plätze tatsächlich nebeneinander liegen (Tun sie! Die Platznummern I und J werden wohl im Flugzeug nicht vergeben.)

Auf unserem Weg zur Sicherheitskontrolle werden wir gestoppt, weil Ralf zu viele Taschen bei sich führt. Er hat einen Rucksack, den Laptop und die Kameratasche. Diese wollten wir vor dem Einsteigen in meinen Rucksack, in dem noch Platz ist, stecken. Vorher schien uns nicht sinnvoll, da sie ja bei der Sicherheitskontrolle eh separat aufs Band gelegt werden müssen. Das ist aber kein Argument für die nette Dame, zwei Taschen dürfen pro Person mitgeführt werden. Wir packen also die Kamera in meinen Rucksack und dürfen dann weiter.

Bei der Sicherheitskontrolle packe ich die Tasche natürlich wieder aus…

Das Warten verläuft ereignislos. Ralf versucht vergeblich, ein offenes, kostenloses Netzwerk zu finden um die Wahlergebnisse in Deutschland herausfinden zu können und sich die Zeit mit dem PC vertreiben zu können. Einfach nichts zu machen, doof. Wir treten den Rückflug also ahnungslos an.

Der Himmel zieht sich derweil immer weiter zu. Hatten wir morgens noch strahlenden Sonnenschein, so sieht es jetzt nicht mehr einladend aus. Ich bin froh, unter Dach zu sein, hoffe dass es so bleibt und die angesagten Gewitter doch ausbleiben.

Unser Flugzeug startet mit einer kleinen Verspätung von 15 Minuten, allerdings erklärt uns der Kapitän, dass wir aufgrund starker Rückenwinde eine halbe Stunde früher als geplant landen werden. Das Wetter in München soll sonnig werden mit 20 Grad. Schön! Der Start ist noch völlig normal. Auffällig ist, dass unser Airbus 340/600 wesentlich leiser und vibrationsärmer läuft als die Boeing 767 vom Hinflug. Außerdem freuen wir uns, dass wir erstmals ein Flugzeug mit In-Seat-Entertainment erwischt haben.

Ungefähr 5 Minuten nach dem Start wird es jedoch ungemütlich. Das Flugzeug schaukelt, ruckelt und schüttelt. Zunächst noch nicht so schlimm, aber mit der Zeit wird es immer schlimmer. Sogar die Flugbegleiter bleiben angeschnallt sitzen und mir wird angst und bange. Gottseidank haben Ralf und ich Plätze nebeneinander und ich muss nach seiner Hand greifen. Er versucht mir Mut zu machen, aber ich kann nur noch die Augen schließen und mich selbst zur Ruhe zwingen. Schreien oder heulen hätte wohl eher wenig genutzt. Ja, wir fliegen in einer Gewitterfront wie man beim Blick durchs Fenster unschwer erkennen kann. Ralf beobachtet die Blitze, die sich meistens unterhalb von uns entladen. Manchmal gelingt es den Piloten aber nicht, das Flugzeug am Gewitter vorbeizusteuern und dann sind die Blitze eben neben oder über uns. Ja, angeblich sind Flugzeuge nicht von Blitzen gefährdet, sind die Systeme darauf ausgelegt, aber der Air-France-Airbus ist auch während eines Gewitters abgestürzt.

Nach längerer Zeit meldet sich der Kapitän noch einmal über Lautsprecher und entschuldigt sich für den unruhigen Flug. Er hoffe aber, dass wir in etwa einer Viertelstunde durch die Gewitterfront durch sind. Das ist dann tatsächlich auch der Fall und der übrige Flug verläuft dafür umso ruhiger. Der Airbus ist wirklich ein sehr angenehmes Flugzeug.

Der neunstündige Flug vergeht erstaunlich schnell. Ein wenig können wir sogar schlafen und ich bin ganz erstaunt, als für das Frühstück wieder die Lichter im Flugzeug angehen. Es gibt eine Kleinigkeit zu essen und um 12 Uhr landen wir in München. Passkontrolle, Gepäckausgabe und nach einer halben Stunde marschieren wir durch die menschenleere Zollkontrolle. Glück für zwei Mitreisende, die in den USA kräftig eingekauft haben und, da sie keine Ahnung von Zollfreigrenzen hatten, vorsichtshalber alle Preisschilder abgeschnitten haben.

Jetzt müssen wir noch mit der S-Bahn zu Ralfs Firma fahren um dann endlich nach Hause zu kommen. Mit dem Gepäckwagen gelingt der Gepäcktransport bis zur Bahn noch recht unkompliziert. Spätestens am Leuchtenbergring aber, wo wir die vier Riesen-Taschen und –Koffer zuerst die Treppe am Bahnhof runter und später an der Straße wieder rauf schleppen müssen, beschließen wir, uns beim nächsten Mal wieder einen netten Mitmenschen zu suchen, der uns zum Flughafen fährt und wieder abholt.

Um 3 Uhr sind wir dann endlich zu Hause. Müde, abgekämpft, aber glücklich. Wir hatten einen schönen Urlaub, haben viel Abstand gewonnen. Jetzt sind wir aber doch froh, wieder hier zu sein. Die Katzen freuen sich, dass wir wieder da sind. Sogar Nala, die sonst oft erst nach zwei Tagen kommt, wenn wir weg waren, ist nach kurzer Zeit da und begrüßt uns. Und Anka freut sich natürlich besonders, als wir sie in der Hundepension abholen. Auch wenn es ihr dort gut gefallen hat, nachdem sie sich erst einmal eingelebt hatte.

Und jetzt würde ich gerne einen tollen Schluss hierher schreiben, aber mir fällt keiner ein. Eigentlich bin ich nämlich noch mitten drin.

Tag 15: Chicago

Jutta ist müde und satt und deshalb obliegt es heute mir, den letzten Bericht in den USA zu schreiben. 🙂

Heute gönnten wir uns einen ruhigen Tag ohne Programm und Ziel und schliefen erst einmal gemütlich aus. Während Jutta dann im Bad zugange war, schaute ich mit einem Becher Kaffee aus der zimmereigenen Kaffeemaschine (warum gibt es so was nicht in deutschen Hotels?) nach, was so in der Welt passiert ist, welche Mails eingetroffen sind, ob unser Reisebericht kommentiert wurde und wie das Wetter heute so werden soll. Na Toll – Ab Mittag „Shower“ angekündigt. Und dabei hatten wir Hoffnung, dass sich die Tendenz doch noch ein wenig ändert. Egal – es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, machen wir einfach das Beste aus dem Tag.

Nachdem wir die letzten Tage Pancake und French Toast-Orgien mit viel (und noch viiieeel mehr!) Ahornsirup gefeiert haben, beschlossen wir heute mal wieder vernünftig Eiweiß zu uns zu nehmen und gönnten uns im Lokal in dem Hotel mal wieder Scrambled Eggs. Ich muss ja zugeben, dass es mir in Deutschland wieder schwer fallen wird in die gewohnten Essensumstände zurück zu fallen – aber ich habe den Eindruck, dass die bis zu 3mal täglichen warmen Mahlzeiten (Wenn man Burger als Mahlzeit mit zählt 😉 ) sich doch ein wenig oberhalb meines Gürtels bemerkbar machen.

Wohl gestärkt ging es raus aus dem Hotel. Zwischenzeitlich hatten wir uns überlegt, einfach mal eine Runde um die Loop zu machen, dass ist die Hochbahnstrecke, die den Innenstadtbereich von Chicago umrundet. Laut einem unserer Reiseführer ist das etwas, was man bei einem Chicagobesuch unbedingt gemacht haben soll, und so war es doch eine spannende Aufgabe für zwei fremde Landeier in der großen Stadt. Wohlgemut machten wir uns auf dem Weg die Clark Street in Richtung Innenstadt. Durch die Bustour gestern, kannten wir schon die verschiedenen Ecken und so waren wir nicht mehr ganz so orientierungslos wie am ersten Tag, als uns die Stadt mit allem ihrem Gewimmel, die vielen Menschen und den vielen Straßen schon ein wenig verwirrt hatte. Manche Stelle kannten wir nun schon aus der Bootsicht, der Bussicht und jetzt kam auch noch die Fußgängerperspektive dazu.

Es war schon interessant, welche Details einem noch auffallen können, wenn man zu Fuß unterwegs ist …

Nach einer recht kurzen Zeit (haben wir schon mal erwähnt, dass das Hotel einfach genial liegt? 🙂 ), erreichten wir dann schon die Loop. Wohlgemut gingen wir auf eine der Treppen zur Hochbahn, bei der Jutta dann sogleich das Schild „Exit only!“ entdeckte. Etwas verwirrt standen wir herum, wurden aber sogleich von einem freundlichen Passanten angesprochen, ob er uns denn helfen könnte, der uns dann auch gleich den Weg zum offiziellen Eingang zeigte.

Na toll, da stand ein Schild, dass irgendeinen Schienenersatzverkehr für die „Blue Line“ ankündigte. Für so was muss ich doch nicht über den großen Teich fliegen, dass kann ich auch daheim mit dem MVV haben. Während wir noch überlegten, was das für unsere Pläne zu bedeuten hat, sprach uns ein Bediensteter des städtischen Transportunternehmens CTA an. Wir erklärten unser Vorhaben eine Runde um die Loop zu machen und wurden sodann aufgeklärt, dass dafür die „Pink Line“ das beste wäre. Prima! Die Blaue Linie kann uns also egal sein. Wohlgemut ging es sodann zu den Fahrkartenautomaten.

Oha! Was hat das alles zu bedeuten was da steht? Transit Card? Minimum Cash $2? Ein Transit $ 2,25 – Münz und Geldscheinschlitze und zusätzlich ein Schlitz für die „Transit Card“. Ich wünschte mir spontan das Münchner Tarifsystem mit seinen Zonenringen zurück. Aber auch hier kam ein Bediensteter und erklärte uns mit vielen Worten (von denen ich nur ungefähr 75% verstand, dass wir in den Schlitz einfach 5$ reinstecken sollen und dass das für uns beide reichen würde und das dann irgendwas mit den anderen 50 Cent passieren würde. Aha! – Nicht wesentlich klüger, aber nicht mehr ganz so hilflos schoben wir als den 5$-Schein in den Schlitz, drückten den grünen Okay-Knopf und bekamen eine Karte aus dem Automaten. Hmmm – wir sind zu zweit und haben nur eine Karte und zum Bahnsteig hin gibt es Drehkreuze bei denen die anderen Menschen ihre Karte rein steckten und dann reingehen können. Also wird das bei uns auch so gehen. Also dann – wer nicht wagt, der nicht gewinnt – also steckte ich die Karte in den Schlitz, ein grünes Licht leuchtete und ich konnte durchs Drehkreuz. Jutta steckte dieselbe Karte in den Schlitz und siehe da, sie kam auch hindurch.

Im Prinzip also ein eigentlich genial einfaches Prinzip. Egal wie weit man fährt, man zahlt einfach den Zugang zum Bahnsteig und muss sich nicht mit irgendwelchen Tarifzonen rum schlagen. Erfreut über diese uns neue Erkenntnis ging es dann die Treppe hinauf wo dann nicht mehr ganz frische graue Züge heran ratterten und eine Automatenstimme in einfachen und deutlichen Englisch erläuterte welche Farbe der aktuelle Zug hat und wo er denn hin fährt. Nebenbei bekam ich dann auch mit, dass die Blaue Linie, die ab der Clark Street durch Busse ersetzt wird, die Flughafenlinie ist. Das war dann fast wie zu Hause in München, wo ich mich dann auch oft gefragt habe, wie es eigentlich den vielen internationalen Gästen so geht, die mit bayrischem (oder auch sächsischen) Zungenschlag per Lautsprecher gesagt bekommen, dass die Bahn Richtung Flughafen nicht fährt. Nur gut, dass für uns Rosa angesagt war!

Schnell noch ein paar Fotos von den Zügen und schon ging es mit dem klapperten Gefährt los. Spannend der Ausblick in die Hinterhöfe der glitzernden Hochhäuser. Dazu das Gefühl, das erste mal in einer amerikanischen Großstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Für die anderen Fahrgäste (bis auf das andere offensichtliche – durch einen Stadtplan erkenntliche – Paar in der Bahn normaler Alltag, für uns aber ein großes Abenteuer.

Chicago-Loop von innen
Chicago-Loop von innen

Nach der 3. Rechtskurve der Bahn (es ist ja eine Loop – also eine Schleife), das große Erschrecken. Die Bahn biegt nach links ab. Moment mal – wir wollen doch wieder zurück zur Ausgangsstation. Auch die Gegend wirkt auf einmal anders. Die Häuser kleiner und schmutzig graurot. Wir hätten uns vielleicht doch vorher über den Streckenverlauf klug machen sollen. Jutta und mir wird es ein wenig mulmig und nach der 1. Stadion sind wir uns sicher – so kommen wir nie mehr zu Loop zurück. Nichts wie raus hier. Mutig wechseln wir die Straßenseite und mit dem Wissen, das wir vorher gewonnen haben, ist uns klar, dass wir die Transitkarte an dem Automaten wieder aufladen können und zahlen noch mal $ 4,50 um wieder in die andere Richtung zu fahren. Die Loop ist nämlich nicht nur eine Schleife, sondern fährt auch noch ein ganzes Stück nach draußen um dann zurück zu fahren. Während der Fahrt spricht mich dann noch ein freundlicher junger Mann an, ob wir zu Gast in Chicago sind, und nachdem ich dies bejahte, gab er mir den Tipp, dass heute einige Museen ohne Eintritt zu besuchen sind. Ich bedanke mich recht herzlich, auch wenn für heute kein Museumsbesuch geplant ist.

Straßenszene an der Loop - und wieder warte ich auf das Bluesmobil
Straßenszene an der Loop – und wieder warte ich auf das Bluesmobil

Um unseren Adrenalinspiegel wieder etwas runter zu bekommen machen wir uns nach der Fahrt auf den Weg zu der Popcornstelle, wo wir von einem freundlichen Verkäufer (heute sind wohl alle Menschen extra freundlich) zwei kleine Tüten mit gelben Popcorn bekommen. Mit diesen begeben wir uns umgehend zu dem Milleniumpark, der von hier aus auch schnell zu Fuß zu erreichen ist, denn meine Kamera hat einen neuen Akku und ich will das Cloud Gate (Die Bohne) unbedingt noch mal fotografieren. Im Park stellen wir fest, dass wir gestern großes Glück hatten. Heute ist der halbe Park gesperrt, da für eine Wohltätigkeitsveranstaltung viele Zelte für ein Gourmetessen aufgebaut wurden und für die man Eintrittskarten benötigt. Der Weg zur Bohne ist frei und Jutta fällt sofort ein kräftig geformtes Mädchen auf, dass ein Schild mit „Free Hugs“ – also der Möglichkeit hinzugehen und kostenlos umarmt zu werden – in der Hand hält. Ich hätte die Chance ja gerne genutzt, traue mich aber dann doch nicht so richtig. Frauen können da manchmal ein wenig eigen sein, wenn der Ehemann fremde Mädchen umarmt 🙂

Kostenlose Umarmungen
Kostenlose Umarmungen
"The Bean"
„The Bean“
Kunst mit Kunst
Kunst mit Kunst

Nachdem ich dann fotografiert habe, wie Jutta und ich uns küssen und dies in der Bohne gespiegelt wird, setzen wir uns mit dem Popkorn auf eine Bank und betrachten das Treiben rund um das Cloud Gate. Ein Hochzeitspaar wird in dem Kunstwerk fotografiert, ein Maler neben uns malt das Treiben um die Bohne und es macht einfach Spaß mit wie viel Freude die Menschen dieses Stück Kunst annehmen und damit experimentieren. Das Popkorn selbst ist übrigens auch eine spannende Angelegenheit: Die gelben Teile triefen vor Butter und schmecken nach Knoblauch und Zwiebel. In derselben Tüte gibt es dann auch braunes Karamellpopkorn. Wir teilen dann auf. Ich esse die gelben und Jutta die braunen Teile. So lässt es sich dann auch genießen. Auch wenn Jutta danach feststellte, dass sie fürs erste genug von Popkorn hat. An einer anderen Stelle im Park sind zwei LCD-Skulpturen, „The Crown Fountain“ aufgebaut, in der die Gesichter verschiedener Einwohner von Chicago projiziert sind, und bei denen immer wieder aus dem Mund Fontainen Wasser spucken. Zwischen den beiden Skulpturen ist ein Wasserbecken, das von Jung und alt fleißig genutzt wird barfuss darin rum zu laufen.

The Crown Fountain
The Crown Fountain

Wir lassen uns dann noch eine Zeitlang durch die Hochhausschluchten treiben bis sich unser Magen meldet und wir in das große Lokal mit dem goldenen M vor unserem Hotel einkehren um im großem Rock N Roll McDonald’s l mal wieder die gewohnten Fleischklöpse in Labberbrötchen zu essen. Erstaunlich: Hier finden wir eine komplette Hochzeitsgesellschaft, die Braut mit den Brautjungfern verspeist schon genüsslich die schottischen Spezialitäten, während der Bräutigam noch ansteht um seine Speisen zu erlangen. Wir suchen uns einen Fensterplatz im oberen Stockwerk und beobachten ein Kamerateam, das irgendwas mit den Passanten anstellt. Jetzt noch schnell zwei Chicago-Souvenir-T-Shirts im Hard-Rock-Cafe eingekauft und dann geht es zurück ins Hotel um sich kurz frisch zu machen.

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Hochzeitsfoto im Trubel
Hochzeitsfoto im Trubel
Picasso
Picasso
Mittagspause beim Restaurant zum goldenen M
Mittagspause beim Restaurant zum goldenen M
Mc Donnalds-Kunst
Mc Donnalds-Kunst

Da es trotz Vorhersage immer noch nicht regnet, beschließen wir nochmals die Magnificent Mile zu begehen. Unheimliche Menschenmassen bewegen sich in beide Richtungen und wir lassen uns einfach mit treiben, hier ein paar Straßenmusiker (z.B. zwei Trommler, die aus Plastikeimern die unglaublichsten Klänge zaubern), dort ein Pantomime, voll gepackte Einkaufstaschenträger, Kutschen, Bettler, Touristen mit Stadtplänen … hier tobt der Bär und es macht einfach Spaß das alles auf sich einwirken zu lassen. Am John Hancock Observatory spielt diesmal eine Bluesband, und wir stehen mit vielen anderen Menschen dabei, wippen mit den Füßen und atmen Großstadtatmosphäre.

Hochzeitsfoto im Trubel
Hochzeitsfoto im Trubel
Menschen, Menschen, Menschen
Menschen, Menschen, Menschen
Straßentrommler
Straßentrommler

Nichtsdestotrotz – Morgen geht der Flieger, und wir müssen unsere vielen Einkäufe und die Schmutzwäsche in handliche 23-Kilo Koffer packen. Also zurück ins Hotel und fleißig packen. Nur gut, dass wir daheim eine kleine Kofferwage für unterwegs gekauft haben. So ist es für uns einfach, das Gepäck zu koordinieren und nach einer kleinen Irritation, weil wir unsere Navi-Tante nicht mehr gefunden haben und wir deswegen alles noch mal auspacken mussten (bis sie dann in der Seitentasche der neu gekauften Tasche auftauchte), ging es dann zum letzten Abendessen in Chicago Downtown. Nachdem uns die vielen Schickimicki-Lokale des Umkreises nicht gefallen haben, landeten wir im Hotelrestaurant, in dem wir dann auch die Spezialität Chicagos, die Deep Dish Pizza, probierten. Puuuuh – so ein kleines Teil, das dann aber soooooo satt macht. Das Lokal war leider recht leer, und im Hintergrund sprach in einem der vielen Fernsehgeräte, Barack Obama. Die beiden jungen Bedienungen hörten gebannt zu, und Jutta und ich fragten uns, ob junge Menschen wohl auch so interessiert wären, wenn bei uns Frau Merkel oder Herr Köhler eine ihrer Reden halten würde.

Wohl gesättigt warfen wir noch einen kurzen Blick in die Bluesbar um die Ecke, stellten da aber fest, dass wir wohl zu früh sind, weil die Band noch aufbaute und kaum ein Gast drinnen war, so dass wir uns wieder „nach Hause“ bewegten um noch diesen Bericht zuschreiben und uns Online einzuchecken. Nach einigen Kämpfen mit dem Computer in der Lobby konnten wir die Boardingpässe dann ausdrucken – Glück gehabt – wir hätten unsere Sitze vorher reservieren sollen, denn bis auf vier Plätze waren keine Nachbarsitze mehr zu bekommen. So haben wir zwar Mittelplätze, aber dürfen wenigsten Händchen halten … 🙂

Schade – der letzte reine Urlaubstag geht jetzt zu Ende. Draußen hört man die Feiernden und die Stadtgeräusche und morgen um diese Zeit sind wir schon in der Luft und lassen die Küste Amerikas hinter uns.

Trotzdem freuen wir uns auch wieder darauf, uns auf Deutsch zu verständigen unsere Tiere um uns zu haben und die beiden Jungs wieder zu sehen. Aber eines ist klar, die Great Lakes und Chicago haben uns nicht zum letzten Mal gesehen.

Es tat gut, den Sorgen der letzten Monate ein wenig Abstand zu geben und einfach mal was total anderes zu erleben. Die großartigen Landschaften Amerikas und die offene, herzliche Art der Menschen hier, haben sehr geholfen Luft zu holen und ich hoffe, die Kraft, die wir hier tanken konnten, hält noch ein paar Tage an bis uns der Alltag wieder eingeholt hat.

Nach dem Flug wird es noch einen letzten Bericht der letzten Ereignisse geben und wir planen noch ein Reisefazit – was gut war, und was wir, mit dem jetzigen Wissen, an der Tour anders machen würden, für den Fall, dass jemand aufgrund der Reisebeschreibungen auch Lust verspürt große Städte und große Seen zu erleben.

Tag 14: Chicago

Für heute hat der Wetterbericht ab 12, spätestens ab 15 Uhr „few showers“ angekündigt. Deshalb stehen wir früh auf, um eine „Architectural Cruise“ zu buchen. Bei dieser Schiffsfahrt auf dem Chicago River werden die spektakulärsten und schönsten Gebäude der Stadt angeschaut und erklärt.

Frühstücken tun wir im an das Hotel angeschlossenen Lokal, dann machen wir uns auf den etwa halbstündigen Fußmarsch zum Navy Peer, wo die Schiffsfahrten losgehen sollen. Wir sind kurz vor 10 Uhr am Peer und es liegt noch menschenleer da. Die Rundfahrt startet erst um 10.45 Uhr und so schlendern wir erst einmal bis ganz nach vorne auf dem Peer. Schöne Schiffe für Kreuzfahrten auf dem See liegen da und natürlich entlang des ganzen Peers die Buden mit allem möglichen zum Kaufen. Das Riesenrad steht über allem und krönt die menschenleere Szenerie.

Die berühmte Skyline von Chicago
Die berühmte Skyline von Chicago
Ausflungsboot am Navy Peer
Ausflungsboot am Navy Peer
Beer Garden am Navy Pier
Beer Garden am Navy Pier

Die Schiffsfahrt, deren Ablegestelle wir nach einigem Suchen finden, eröffnet wirklich atemberaubende Ausblicke. Diese himmelhohen Häuser aller möglichen Baujahre und Baustile! Wunderschön, wie sie sich entlang des Flusses aufreihen. Das alles humorvoll kommentiert vom Tourguide – wirklich ein Erlebnis.

Unten wird geparkt oben eingekauft und gewohnt
Unten wird geparkt oben eingekauft und gewohnt

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So eine Bootstour durch die Kanäle macht Laune
So eine Bootstour durch die Kanäle macht Laune

Anschließend fahren wir mit dem „Ferry Wheel – presented by McDonalds“. Auch von hier oben ist die Szenerie einfach toll. Und es fallen die ersten Regentropfen.

Wir bummeln noch ein wenig durchs Innere des Gebäudes am Peer und entschließen uns dann, eine Busrundfahrt mit „Hopp on – hopp off“ zu machen. Beim Anbieter, für den wir uns entscheiden weil einfach die meisten Busse im Stadtbild zu sehen sind, deshalb auch ein problemloses Ab- und Aufspringen möglich sein wird, erhalten wir zusätzlich noch Gutscheine für ein kostenloses T-Shirt, ein Tüte Popcorn und Schokolade. Das ist natürlich was für mich!

Unser Bus-Reiseführer
Unser Bus-Reiseführer
Alt und Neu - friedlich vereint
Alt und Neu – friedlich vereint: „God Bless America“ features the American Gothic couple

Auch diese Touren sind live kommentiert. Der Guide steht lässig auf dem oberen offenen Deck und erklärt die Stadt. Atemberaubend wird es, wenn wir unter Brücken oder Bahnen durchfahren. Die Durchfahrten sind so niedrig! Der gute Mann (natürlich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung) muss sich manchmal ganz elegant zur Seite ducken, wenn wir unter Ampeln oder Verkehrsschildern durchfahren. Ich kann da gar nicht hingucken.

Das erste Mal steigen wir beim John Hancock Observatory aus. Dieses Hochhaus ist zwar ein paar Meter niedriger als der Sears-Tower, bietet aber die bessere Aussicht, da es mitten in der Stadt steht. Ein sehr schneller Aufzug bringt uns ruckzuck in die 94. Etage und die Aussicht von dort oben ist wirklich umwerfend. Der Blick kann weit über den See schweifen, der einen tollen Kontrast zu den tollen Häusern der Stadt bietet. Es ist wirklich unglaublich. Das Schönste ist: es scheint immer wieder die Sonne zwischen den Wolken durch.

Chicago von oben
Chicago von oben
Ralf versucht sich als Fensterputzer
Ralf versucht sich als Fensterputzer

Wir „springen wieder auf den Bus“ und fahren weiter, bestaunen weiter die Hochhäuser und den zunehmenden Verkehr. Am Millenium-Park macht uns der Guide darauf aufmerksam, dass der Laden, wo man sein kostenloses T-Shirt abholen kann, bald schließt und man deshalb jetzt aussteigen sollte, was wir natürlich tun. Nachdem wir unser Goodie gejagt haben, bummeln wir noch durch den Park. Besonders auffällig ist hier die Skulptur, die unter dem Spitznamen „Die Bohne“ bekannt ist, ein riesiges bohnenförmiges Gebilde aus glänzendem Metall, in dem sich die Besucher mit der ganzen Umgebung spiegeln. Toll sieht das aus und wir machen natürlich, wie alle anderen Besucher auch, Fotos. Allerdings nur mit dem Handy und der Videokamera. Man glaubt es kaum, aber Ralfs Kamera gibt mangels geladenen Akkus auf, und er hat keinen Ersatz dabei!

Wer findet das verliebte Paar in "The Bean"
Wer findet das verliebte Paar in „The Bean“

Wir fahren weiter, wollen noch beim Popcornladen und natürlich bei der Schokolade einen Stopp einlegen und dann ins Hotel zurück weil wir müde sind. Inzwischen hat die Rush Hour voll eingesetzt und es geht stellenweise nur noch langsam voran. Der Guide des Busses, in dem wir jetzt sitzen erklärt, dass nach uns nur noch drei Busse fahren, man also die Uhr im Auge behalten soll wenn man fährt. Als wir in den Popcornladen reinkommen, sehen wir, dass sich eine ordentliche Schlange gebildet hat. Ralf hat Bedenken, dass wir die nachfolgenden Busse nicht mehr kriegen, ich gebe brummelnd nach und so stehen wir wenige Minuten später wieder auf den Bus wartend an der Straße. Da sich der Verkehr ziemlich staut, dauert es natürlich eine halbe Ewigkeit bis der Bus kommt, was uns Gelegenheit gibt, die rauen Sitten auf Chicagos Straßen zu beobachten. Von wegen entspannter amerikanischer Fahrstil!

The Loop von innen - nur die Blues Brothers fehlen noch!
The Loop von innen – nur die Blues Brothers fehlen noch!

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Der Bus, der unser letzter sein soll (die Schokolade wollen wir, genauso wie das Popcorn, lieber morgen in Ruhe abholen) kommt und ich überlege noch, ob wir uns in die untere Etage setzen sollen. Die Sicht auf die einzigartigen Attraktionen Chicagos ist aber natürlich vom offenen oberen Deck und so nehmen wir unsere Plätze wieder oben ein – wieder freundlich begrüßt vom Guide. Kurz bevor unser Bus kam, hatten wir uns noch darüber gefreut, dass wir solches Wetterglück haben. Immerhin war es schon 17 Uhr und kaum ein Regentropfen war gefallen.

Kurz nach der Abfahrt des Busses fängt es jetzt aber an zu regnen. Zuerst nur ein paar Tropfen und ich ziehe nur die Kapuze meiner Sweatshirtjacke hoch. Kurz darauf fängt es aber richtig an. Ich öffne meinen Regenschirm, wie viele andere Fahrgäste auch. Ralf hat natürlich in seinem Rucksack einen Plastik-Regenponcho (ich hätte in meinem Rucksack auch einen gehabt, hab aber natürlich meinen Rucksack nicht dabei…) und verpackt sich und seine elektronischen Geräte regensicher. Es schüttet jetzt ziemlich arg und es werden vom Guide Regenponchos verteilt. Ralf ist so lieb, mir einen zu holen aber in meiner Hektik schaffe ich es nicht, mich ordentlich darin zu verpacken (ich glaube, ich bin durchs Armloch eingestiegen….).

Die Fahrt geht weiter, der Guide lässt sich seine Laune durch den Regen nicht vermiesen. Ich finde das ganze allerdings nicht mehr so lustig, bin deshalb froh, dass der Regen schnell wieder nachlässt. Das ändert sich allerdings schnell – der zweite Schauer setzt ein als sich der Bus am weitesten entfernten Punkt der Tour befindet. Ralf holt mir einen neuen Poncho und beim zweiten Versuch schaffe ich es tatsächlich, den Plastikumhang richtig anzuziehen. Ja, es regnet sich jetzt ein. Ich muss lachen, wenn ich die Fußgänger und die Autofahrer unten sehe und mir vorstelle, was ich mir immer denke, wenn ich bei solch schlechtem Wetter als Fußgänger die armen Deppen in den Touri-Bussen sehe. Noch mehr müssen wir lachen, als wir feststellen, dass unsere Reisegruppe jetzt wie ein Betriebsausflug des Ku-Klux-Klans aussieht. 🙂

Der Ku-Klux-Klan auf Betriebsausflug
Der Ku-Klux-Klan auf Betriebsausflug

Trotzdem bin ich froh, als wir endlich am Hotel angekommen sind, denn inzwischen sind meine Füße nass und mir ist kalt. Im Zimmer ist es auch kalt, denn wir hatten morgens vor dem Verlassen des Zimmers die Klimaanlage eingeschaltet. Lüften kann man ja nicht. Also umziehen, Pullover an, sich mir warmem Wasser waschen und schon fühlt man sich wieder wie ein anderer Mensch.

Essen tun wir heute Abend auf Ralfs Wunsch bei Hooters, das gleich um die Ecke ist. Naja, was Besonderes ist das nicht. Die Mädels laufen halt in knappen Höschen, weißen Kniestrümpfen, Turnschuhen und Trägershirts rum. Ansonsten ein Familyrestaurant wie tausende andere in den USA. Ach ja, unsere Bedienung hat eine deutsche Großmutter wie sie uns erzählt.

Hooters ist in der Übersetzung entweder "Eule" oder "weibliche Brüste" ... :-)
Hooters ist in der Übersetzung entweder „Eule“ oder „weibliche Brüste“ … 🙂

Beim Rückweg ins Hotel zeigt sich die Stadt wieder von einer anderen Seite. In den nassen Straßen spiegeln sich die Lichter, die Spitzen der beleuchteten Hochhäuser verschwinden im Dunst – toll und bisschen unheimlich sieht das aus. Wirklich fast so wie , das in den neuen Verfilmungen von Batman Chicago zum Vorbild hatte.

Fast wie Gotham City
Fast wie Gotham City
Nachtblick von der Dachterrasse
Nachtblick von der Dachterrasse
Jutta ist glücklich auf der Dachterrasse des Hotels :-)
Jutta ist glücklich auf der Dachterrasse des Hotels 🙂

Zum Bluesclub sind wir heute Abend auch schon wieder zu müde. Aber es war so ein schöner Tag heute.

Tag 13: Chicago

Ja, heute brechen wir zu unserem letzten Ziel auf unserer diesjährigen USA-Reise auf. Obwohl wir uns auch schon ein bisschen wieder auf zuhause freuen, sind wir auch ein wenig melancholisch. Ein so großer Teil der Reise liegt schon hinter uns und nur noch ein so kleiner vor uns. Aber was für einer: Chicago! Auf diese Stadt habe ich mich von Anfang an besonders gefreut und wir sind gespannt, wie sie uns tatsächlich gefallen wird. Die Wettervorhersage ist leider nicht so besonders gut… Aber abwarten!

Unser Frühstück nehmen wir heute in einem Schnellrestaurant in der Nähe unseres Hotels ein, das ein Classic Breakfast – 2 Eier, Kartoffeln und Toast – für 3,29 Dollar plus Tax anbietet. Es ist erstaunlich gut zu dem Preis. Insbesondere die Kellnerin hat es uns angetan. Eine kleine, einfache, schüchterne, Frau mit total tiefer Stimme, der man den Spaß an der Arbeit anmerkt und sich immer so süß freut, wenn sie ihren Gästen ihr Essen serviert. Einfach knuffig – Ralf wollte sie schon in die Tasche einpacken.

Bevor wir nach Chicago fahren, wollen wir heute noch Shopping in einem Outlet-Center machen und steuern deswegen – wie Jörg es uns vorgeschlagen hat – Gurnee Mills an. Für uns Landeier der absolute Wahnsinn! Dieser Riesen-Komplex mit seinen unzähligen riesigen Geschäften! Ich hatte vorher schon im Internet gelesen, dass es dort 87 Geschäfte gibt. Naja, ein bisschen enttäuscht war ich von dieser Zahl schon, hat doch so ein durchschnittliches deutsches Einkaufszentrum auch schon oft an die 100 Geschäfte. Aber was das hier für Geschäfte sind! Soooo riesig. Wir sind zum Beispiel ins Sears Kaufhaus „geraten“. Ich hatte fast Angst, dass wir nicht mehr rausfinden. Nein, mir fehlen echt die Worte für die Ausmaße dieses Outlet-Centers. Was mich nur wundert, dass so wenige Leute unterwegs sind. Die Mega-Parkplätze sind vielleicht zu 10 % belegt, die Gänge und Läden leer. Ob es an der Wirtschaftskrise liegt, ob es andere Zeiten sind, zu denen das Center voll ist oder ob es generell eine gigantische Fehlplanung war – keine Ahnung. Für uns ist das Einkaufen auf jeden Fall sehr angenehm und wir lassen unsere Kreditkarten glühen.

Ach ja, eine riesige Reisetasche mit Rollen haben wir heute auch gekauft…

Danach geht es endgültig auf nach Chicago. Die Fahrt dorthin ist, genauso wie die Fahrt bis Gurnee Mill, ziemlich anstrengend. Die Autobahn (die I-94) , eine mautpflichtige Strecke übrigens, ist eine einzige wahnsinnig lange Baustelle (auf der im Übrigen eine beachtliche Aktivität herrscht) mit eine Tempolimit von 45 Meilen. Die Schilder stehen ungefähr im Abstand von einer halben Meile, einschließlich der Strafandrohung von mindestens 375 Dollar, und ich bin wirklich der einzige Depp, der sich daran hält. Unglaublich, mit welchem Tempo ALLE ANDEREN an mir vorbei rauschen. Da ist, genauso wie auf der übrigen Strecke heute, nichts aber auch wirklich gar nichts von der Gelassenheit der amerikanischen Autofahrer zu spüren.

Wir sind schon mitten im Stadtgebiet von Chicago als das Tempolimit endlich aufgehoben wird. Gleich darauf beginnt aber der Stau. Für die letzten paar Meilen, die wir dank der Tante problemlos zurücklegen können, brauchen wir eine halbe Ewigkeit. Vor allem die letzte Meile, die abseits der Autobahn gefahren werden muss, ist eine Herausforderung für mich Landei. Vierspurig durch Hochhausschluchten fahre ich halt nicht alle Tage. Als das Best Western zu sehen ist, achte ich deshalb peinlich genau darauf NICHT an der Einfahrt zum Parkplatz vorbeizufahren.

Unser Zimmer im Best Western ist klasse. Sehr groß, modern eingerichtet mit schönem Bad. Da können wir unsere Schätze ausbreiten um alles für den Rückflug verpacken zu können. Zuerst aber machen wir einen ersten Spaziergang in der Umgebung.

Blick aus dem Hotelfenster
Blick aus dem Hotelfenster

Unser Hotel liegt in der Ohio Street und hat alle wichtigen Touristenattraktionen in gehweite. Auch das Nachtleben findet laut Reiseführer hier statt. Na, da sind wir mal gespannt. Unser Weg führt uns erst einmal zur Michigan Avenue (auch bekannt als „Magnificent_Mile“), der Einkaufszeile mit schicken Geschäften. Wir sind fasziniert von der Stadt. Hier herrscht endlich einmal Leben, was uns in manch anderer Stadt auf unserer Reise gefehlt hat. Fußgänger sind unterwegs, der Verkehr der nachmittäglichen Rush-Hour tobt. Dazu die schönen Anlagen der Michigan Avenue und das alles im Schatten der Hochhäuser. Uns steht der Mund offen.

Straßenszene ein paar Blocks weiter
Straßenszene ein paar Blocks weiter
Direkt vor unserer Hoteltür
Direkt vor unserer Hoteltür
Skyline
Skyline
Chicago Cops
Chicago Cops
Water Tower - Alt trifft neu
Water Tower – Alt trifft neu
Straßenschmuck
Straßenschmuck
Nochmal Straßenschmuck
Nochmal Straßenschmuck

An einer Ecke treffen wir auf eine große Gewerkschaftsdemo. Viele Menschen machen viel Lärm und blockieren die Querstraße. Großes Polizei- und Feuerwehraufgebot. Über allem steht ein Hubschrauber in der Luft und wir sehen sogar ein Fernsehteam mit Live-Übertragung. Wie im Film! Ralf macht natürlich Fotos.

Unsere erste amerikanische Demo
Unsere erste amerikanische Demo
Live aus Chicago
Live aus Chicago
Hier ist immer irgendwo etwas los
Hier ist immer irgendwo etwas los

Bald aber tun uns die Füße weh. Immerhin sind wir bestimmt schon ein paar Kilometer durch die Mall gelaufen. Im Hotel überlegen wir, wohin wir abends zum Essen gehen und entscheiden uns für das Hard Rock Cafe. Eine gute Wahl. Super Stimmung, motivierte Bedienungen, die ihre Show abziehen (muss echt ein harter Job sein!), leckere Drinks (teuer, aber egal!) und ziemlich gutes Essen. Gut, die Rechnung war sogar noch ein bisschen höher als gestern im Mader`s, aber ich bin gut gelaunt. Das war’s auf jeden Fall wert. Und außerdem gab’s zwei Erinnerungsgläser dazu. Jetzt müssen wir schon vier Gläser heil über den großen Teich nach Hause transportieren.

Nach dem Essen machen wir noch einen kurzen Rundgang und stellen fest, dass der laut Reiseführer und Internet beste Bluesclub „Blue Chicago“ der Stadt direkt in der Nachbarschaft liegt, aber wir sind müde. Wir haben ja noch zwei Abende hier in dieser großartigen Stadt.

Ein Bluesclub direkt beim Hotel
Ein Bluesclub direkt beim Hotel

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Unsere letzte Tagesroute


Chicago und die großen Seen auf einer größeren Karte anzeigen

Und für alle Neugierigen, die schon mal in Chicago waren – hier ist unser Hotel:


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Tag 12: Milwaukee

Heute geht es wieder in eine Großstadt – Milwaukee. Der Reiseführer preist die Stadt als Hauptstadt der Deutschen in Amerika an mit einer liebevoll restaurierten Altstadt und einem 2,5 km langen Riverwalk mit Restaurants und Bars, also dem vollen Leben. Ich freue mich drauf.

Nach einer Nacht, in der wir nicht so besonders gut geschlafen haben, weil die Temperatur in unserem Zimmer trotz laufender Klimaanlage und Deckenventilator kaum erträglich war, machten wir morgens erst einmal einen Spaziergang am See. Ein wunderschöner Morgen zieht herauf.

Blick auf unser Hotel in Sturgeon Bay
Blick auf unser Hotel in Sturgeon Bay
Auch mitten im Ortskern von Sturgeon Bay scheint dies im Winter ein übliches Verkehrsmittel zu sein.
Auch mitten im Ortskern von Sturgeon Bay scheint dies im Winter ein übliches Verkehrsmittel zu sein.
Letzter Spaziergang in Sturgeon Bay
Letzter Spaziergang in Sturgeon Bay

Gegen 10 Uhr machen wir uns auf den Weg. Wir fahren nicht den schnellsten Weg über die Autobahn, sondern gemütlich und schön am See entlang. Trotzdem ist die Fahrt recht ereignislos und auch die Umgebung reißt mich nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Milwaukee empfängt uns mit dem schon bekannten Großstadt-Autoverkehr, der aber trotzdem leicht zu meistern ist. Wir parken in einem Parkhaus gegenüber unserem Hotel, das überraschend preisgünstig ist. Für 24 Stunden beträgt der Preis lediglich 12 Dollar. Dann machen wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Hm, ja, ganz nett. Verschiedene Gegenden sind liebevoll „historisch“ hergerichtet, dazwischen aber sind immer wieder Blocks, die ziemlich erbärmlich ausschauen und wo man froh ist, dass es Tag und hell ist. Ganz lustig ist die kurze „deutsche“ Straßenzeile mit Usingers Sausage, dem Hofbrau-Haus und Mader`s Restaurant, das in unserem Vistapoint-Reiseführer auch empfohlen ist wegen seiner urigen Atmosphäre und seiner delikaten Kost.

Die berühmtesten Würste der Gegend
Die berühmtesten Würste der Gegend
Milwaukees historisches Viertel
Milwaukees historisches Viertel
Stadtansichten
Stadtansichten
Die „deutsche“ Straßenzeile
Die „deutsche“ Straßenzeile
Spatenbier mitten in den USA
Spatenbier mitten in den USA

Ja, die Stadt ist ganz nett, aber wo um alles in der Welt sind die Menschen??? Es liegt alles wie ausgestorben da – wenig einladend. Nach einer guten Stunde haben wir dann auch schon das Wichtigste gesehen. Gut, man könnte noch eine Brauerei besichtigen, aber brauchen wir das wirklich? Ja, es gibt noch das Harley-Davidson-Museum, aber so große Motorradfans sind wir nun auch nicht.

Mal wieder dieser bärtige Tourist
Mal wieder dieser bärtige Tourist
Kunst am Riverwalk
Kunst am Riverwalk
Riverwalk
Riverwalk
Nochmal the world famous Usinger's Sausages
Nochmal the world famous Usinger’s Sausages

Deshalb gönnen wir uns ein paar Stunden Pause in unserem Hotelzimmer. Das Best Western liegt zentral in der Innenstadt, wir haben einen schönen Blick aus dem Fenster. Wir schauen einen Eddy-Murphy-Film und verstehen sogar das Meiste vom Gesprochenen. Außerdem buchen wir das Zimmer für die letzten drei Übernachtungen in Chicago. Es wird wieder ein Best Western werden.

Wir beide spiegeln uns in unseren Hotelzimmer im Hochhaus gegenüber
Wir beide spiegeln uns in unseren Hotelzimmer im Hochhaus gegenüber

Gegen 7 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Ralf möchte heute gern deutsch essen und wir gehen zum Maders. Jetzt, wo es dunkel wird, hat die Stadt einen ganz besonderen Charme. Klar, im Dunkeln sieht man die hässlichen Ecken ja auch nicht so. Ja, und es sind ein paar mehr Menschen auf den Straßen, aber die Lokale sind trotzdem viel zu leer.

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Riverwalk bei Nacht
Riverwalk bei Nacht
Extensives Nachtleben in Milwaukee
Extensives Nachtleben in Milwaukee

Wir betreten das Mader`s und mir wird gleich klar, dass das Lokal eines der Teureren ist. Vornehm gekleidete Menschen sitzen an Tischen mit weißen Tischdecken und Stoffservietten, gepflegte Atmosphäre. (Ralf behauptet, er wäre ja gleich wieder raus gegangen, aber ich wäre vorangestürmt….) Das Lokal ist wirklich ziemlich originalgetreu eingerichtet, dunkle Holzdecke, schwere dunkle Tische und Stühle und rustikale Gemälde und Schnitzereien an der Wand. Ja, und dann sitzen wir da mit unseren Speisekarten und ich könnte heulen. Die Gerichte alles „typisch deutsch“, wie zum Beispiel Wiener Schnitzel mit Spätzle und Sauerkraut, Ungarisches Gulasch oder eine „Bavarian Plattler“ mit Usingers Würsten, Kassler, Sauerkraut und Knödel und kein Essen unter 23 Dollar. Aber jetzt sitzen wir und wir müssen da durch, verbuchen das ganze als lustige Erfahrung. Halt so was wie Disneyland.

Das Essen ist „interessant“. Mein Schnitzel ist noch das Leckerste. Die Spätzle sind trocken und das Sauerkraut so sauer, dass es mir alles zusammenzieht. Ralf hat weniger Glück. Seine Bratwurst wurde irgendwann mal gebraten und danach wohl im Dampfkocher wieder aufgewärmt, außerdem war sie, genauso wie die Knackwurst sehr eigenwillig gewürzt. Ich glaube, der Knödel (Anmerkung von Ralf: Mein erster Semmelkümmelknödel des Lebens!) hat ihm die meiste Selbstbeherrschung abverlangt zu essen. Aber immerhin hat er das Sauerkraut gegessen, sogar meine Portion noch zusätzlich. Für das halbe Schnitzel, das ich nicht mehr geschafft hatte, war er –glaube ich- ziemlich dankbar.

Soviel zum Essen. Ein eigenes Kapitel ist der Service. Ist das Essen nur gewollt deutsch, so ist der Service deutsch vom Feinsten. Unser Kellner zeichnet sich durch absolute Hochnäsigkeit und Arroganz aus, daneben durch Unaufmerksamkeit. Mein Wasser wird nur ein einziges Mal nachgefüllt, nach dem Essen sitzen wir ewig vor unseren Resten und auf die Rechnung dürfe wir dann noch einmal warten.

Der ganze Spaß kostet 60 Dollar und der Kellner wuwird mit einem Trinkgeld von lediglich 6 Dollar bestraft. Ich bin am Kochen! Ganz allgemein ist uns übrigens aufgefallen, dass der Service in den Lokalen und an den Hotelrezeptionen zwar deutlich besser als in Deutschland aber bei weitem nicht so gut und aufmerksam wie im Westen der USA ist. Unser Kulturschock nach unserer Rückkehr nach Hause wird also nicht ganz so extrem ausfallen.

Nach dieser Erfahrung wollen wir noch in eine Bar und eine Kleinigkeit trinken. Gar nicht so einfach. Entweder sind die Lokale, wie bereits geschrieben, leer oder das Publikum entspricht nicht unserem Stil. Zu Krawatten-Trägern und Kleines-Schwarzes-Trägerinnen wollen wir uns dann doch nicht setzen. Wir sind dann auf einen Irish Pub mit Livemusik gestoßen, wo wir an der Bar ein paar Bierchen und einen Cocktail trinken. Das ist schön und wir bekommen sogar zwei Biergläser der Samuel Adams-Brauerei, die ein Oktoberfest-Bier braut, das wir heute getrunken haben, geschenkt.

Lauter Werbegeschenke.
Lauter Werbegeschenke.

Ja, doch das hat für einen versöhnlichen Abschluss dieses seltsamen Abends geführt.

Abendspiegeleien gegenüber unserem Zimmer
Abendspiegeleien gegenüber unserem Zimmer
Abendlicher Blick aus unsrem Hotelzimmer
Abendlicher Blick aus unsrem Hotelzimmer

Ralfs Kommentar:

In der Tat – man fragt sich wo sich die 500.000 Einwohners von Milwaukee eigentlich rumtreiben. Selbst in Downtown Munising mit seinen 3500 Bewohner schien mehr los zu sein. So hat Milwaukee seine für einige Millionen Dollar aufgebauten Altstadtbereich mit dem Riverwalk (der wirklich schön ist) aber verglichen mit europäischen Innenstädten sind die Innenstadtbereiche von amerikanischen Großstädten wirklich tot. Nur im Einkaufszentrum schräg gegenüber des Hotels war ein wenig Leben zu finden.

Das Essen im Marder’s (mit Kapostroph sic!) war für deutsche Zungen wirklich eine kulinarische Herausforderung. Ich war neugierig, wie die deutsche Küche aus amerikanischer Sicht wirkt und so sind wir dann aufgrund meines Vorschlages dann in ein – aus Sicht der Einheimischen sehr exotischen – Marder’s gelandet. Die Einrichtung entspricht einer Mischung zwischen Ritterburg, Heidelberg, Hofbräuhaus und Wiener Kaffeehaus. Das einzige authentische war der muffelige Kellner. Wir scheinen da eh bei den Platzanweisern der Lokale in der Regel einen eher masochistischen Eindruck zu geben – sind die Bedienungen der Nachbartische in der Regel eher zuvorkommend und aufmerksam, so scheinen wir die langsamen Muffelköpfe beider Geschlechter anzuziehen. (Wobei die Bedienung heute morgen beim Frühstück sehr nett war – sie hat sogar über meine Witze gelacht 🙂 )

Nunja – wir Deutschen scheinen auf jeden Fall den Eindruck hinterlassen zu haben, dass wir das Essen sehr gerne extrem sauer und auf jeden Fall mit Kümmel gewürzt mögen. Wir sollten mal sowas wie ein kulinarisches Goetheinstitut gründen. Notwendig wäre es auf jeden Fall!

Unsere heutige Route:


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Tag 11: Sturgeon Bay

Heute müssen wir leider schon wieder Abschied nehmen von der U.P. und Michigan. Wir sind beide etwas traurig, dass wir schon wieder aus der Einsamkeit des Nordens in die Geschäftigkeit des Südens reisen müssen. Um uns den Abschied etwas zu versüßen, gehen wir nebenan ins Sydney`s um wieder einmal ein kräftiges amerikanisches Frühstück zu uns zu nehmen. Wir lassen uns das Pancake Special servieren, 2 Buttermilch-Pfannkuchen und 2 Rühreier mit gebratenem Speck und Toast, dazu natürlich Kaffee. Uff, war das viel!

So gestärkt machen wir uns auf den Weg. Die Straße führt uns wieder einmal durch wunderschönen Wald, der stellenweise schon die kräftigen Farben des „Coloured Leaves“ zeigt. Leider sind wir wohl eine bis zwei Wochen zu früh, um die volle Farbenpracht erleben zu können. Ja, ich denke, wir müssen noch einmal zurückkehren. Nur wann? Im Sommer, wenn es schön warm ist und man im See auch schwimmen kann? Oder im Herbst, wenn die Wälder bunt sind (es aber auch schon wettermäßig schlechter aussehen kann)? Der Winter soll hier auch phantastisch sein.

Endlich bunte Blätter
Endlich bunte Blätter
Käse und Holz ist eine interessante Souvenir-Mischung :-)
Käse und Holz ist eine interessante Souvenir-Mischung 🙂

Ansonsten verläuft die Fahrt ereignislos. Wir machen auch keinen Zwischenstopp, sondern fahren über amerikanische Highways durch amerikanische Baustellen und treffen viele amerikanische Autofahrer, wobei uns insbesondere die amerikanischen Trucks als sehr ungeduldige Fahrer auffallen. Wenn man überholt wird, dann meist von einem Truck.

Achtung Snowmobilfahrer auf der Autobahn!
Achtung Snowmobilfahrer auf der Autobahn!

Irgendwann überqueren wir die Grenze zu Wisconsin und erreichen damit eine andere Zeitzone, die Central Time. Prima, damit wird uns eine Stunde geschenkt! Mag es am trüben Wetter liegen, aber die Landschaft reißt uns nicht vom Hocker. Geprägt von Landwirtschaft mit vielen Farmen ist sie uns – jetzt nach der Einsamkeit und Ursprünglichkeit North Michigans – zu zahm und langweilig. Wahrscheinlich sind wir aber nur „versaut“, denn das „Door County“, wie die Gegend hier auch genannt wird, ist ein beliebtes und bekanntes Touristenziel.

Meilenlang geradeaus durch den Nebel
Meilenlang geradeaus durch den Nebel

Wir passieren Green Bay, das wir ursprünglich als Tagesziel geplant hatten und sind froh, uns umentschieden zu haben, denn die Stadt präsentiert sich zumindest vom Highway aus als graue, hässliche Industriestadt. Wir wollen weiter nach Sturgeon Bay, das eine nette historische Altstadt haben soll und wo wir uns ein richtig gutes Hotel direkt am Wasser gegönnt haben. Unser Plan, vom Hotel, das direkt an der Brücke liegt, zu Fuß Downtown zu erreichen, zerplatzt jedoch, da die historische Brücke derzeit bis 2010 renoviert wird und gesperrt ist.

Egal, dann fahren wir halt mit dem Auto die paar Meter. In dieser Stadt treffe ich erstmals in diesem Urlaub auf die amerikanischen 4-Way-Stop-Kreuzungen. Bei diesen Kreuzungen steht an jeder Einfahrt ein Stoppschild und gefahren wird in der Reihenfolge des Erreichens der Kreuzung. Puh, und natürlich steht gleich an jedem Stoppschild ein Auto. Wen muss ich jetzt vorlassen und wann darf ich fahren? Der Adrenalinspiegel steigt, aber ich meistere die Aufgabe unfallfrei.

Straßenszene Downtown Sturgeon Bay
Straßenszene Downtown Sturgeon Bay
Kunst an der Wand
Kunst an der Wand

Wir parken direkt an der Straße und gehen erst einmal eine Kleinigkeit essen und die Restrooms benutzen. Danach spazieren wir durch die Stadt, die sich doch als kleiner herausstellt als wir dachten. Immerhin gibt es ein Bekleidungsgeschäft, das derzeit hohe Rabatte bietet und wo ich ein paar Sachen einkaufe. Dann besuchen wir das örtliche Heimatmuseum.

Unscheinbares Äußeres aber innen war ein nettes Kaufhaus
Unscheinbares Äußeres aber innen war ein nettes Kaufhaus

In diesem Museum begrüßen wir als erstes das Labradorbaby, das von der Mitarbeiterin am Empfang zum Blindenhund ausgebildet wird. Die Arbeit im Museum erfolgt ausschließlich ehrenamtlich und die Dame bringt während ihrer Dienstzeit den Welpen einfach mit, der dann in seiner Box schläft und gleichzeitig auch noch den Umgang mit vielen fremden Menschen lernt. Mein Gott, ist das Tierchen süß! Ein Welpe halt. Ich muss an unsere alte Dame Anka denken und hoffe wieder einmal, dass es ihr gut geht.

Endlich Wildtiere der Region, wenn auch nur ausgestopft
Endlich Wildtiere der Region, wenn auch nur ausgestopft
Etwas für große kleine Jungs :-)
Etwas für große kleine Jungs 🙂
Historische Gefängniszelle
Historische Gefängniszelle

Ein Großteil der Ausstellung beschäftigt sich mit den verschiedenen Einwanderungswellen, durch die dieser Teil Amerikas besiedelt wurde. Sehr viele Deutsche, Skandinavier, Belgier und Holländer sind hierher gekommen und haben die Kultur dieses Landes geprägt. Man merkt es noch immer an den vielen, vielen europäischen Familien- und Ortsnamen, die man hier liest. Heute sind wir zum Beispiel an Luxemburg, Denmark und Brussel vorbeigekommen, aber auch Hanover und New Franken gibt es hier. Das war sehr interessant zu sehen, auch wenn sie den „Hunsruck“ als belgisch dargestellt haben. Am Ausgang unterhalten wir uns noch eine Zeit lang mit der Mitarbeiterin. Sie freut sich sehr, deutsche Gäste zu haben und natürlich müssen wir uns ins Gästebuch eintragen.

Wo wir hingehen - Cochem ist überall
Wo wir hingehen – Cochem ist überall
Die verschiedenen ethnischen Gruppen der Region und deren Herkunft
Die verschiedenen ethnischen Gruppen der Region und deren Herkunft

Auf dem Weg zum Auto fotografiert Ralf eine Deko an einem Geschäft, wobei ich denke, dass er das Schild mit der Werbung für Eiscreme und vor allem dem „Root Beer floated“ Eis aufs Foto bannt (worüber wir uns vorher schon amüsiert hatten). Ein Passant bleibt kopfschüttelnd und grinsend stehen und fragt, was denn da so interessant wäre, dass es fotografiert werden müsse. Ich erkläre, dass wir noch nie etwas von „Root Beer floated Icecreme“ gehört hätten. Er erklärt mir, was das ist und wir geraten (wieder einmal) in eine längere Unterhaltung, nachdem er hört, dass wir aus München sind. Bei der Verabschiedung meint er, jetzt habe er eine „story for my newspaper“. Hey, kommen wir Sonderlinge jetzt etwa in die Zeitung? Cool.

Wegen dem Bild, kommen wir in die Zeitung
Wegen dem Bild, kommen wir in die Zeitung

Nach einer kurzen Fahrt gelangen wir zu unserem Hotel, obwohl die Navitante mal wieder am Ausflippen ist, weil wir nicht über die (gesperrte) Brücke fahren wollen, sondern über die neue Brücke, die sie noch nicht kennt. Ich glaube, heute mag sie uns gar nicht, denn schon auf der Fahrt hierher ist sie voll in Panik geraten, weil wir über einen neu gebauten Highway gefahren sind, den sie nicht kannte. Tja, das Leben kann schon hart sein, auch als Navigationsgerät….

Das Hotel ist einfach klasse. Das Zimmer riesig mit Küchenzeile, offenem Kamin (natürlich nur gasbetrieben), luxuriösem Bad und wieder einem Whirlpool. Der hat uns in Mackinaw City so gut gefallen, dass wir noch einmal ein entsprechendes Zimmer gebucht haben. Ich glaube, unser Haus erhält nicht nur eine Veranda dran gebaut, sondern wir bauen auch einen Whirlpool ein… 😉

Unser Hotelzimmer im Bridgeport Resort
Unser Hotelzimmer im Bridgeport Resort
So ein Whirlpool ist etwas feines :-)
So ein Whirlpool ist etwas feines 🙂
Der Kamin ist zwar falsch aber romantisch. (Und macht sogar warm)
Der Kamin ist zwar falsch aber romantisch. (Und macht sogar warm)

… und das alles wegen der Nachsaison zum selben Preis, wie das Motel gestern – Dankeschön an Google – wir hätten das sonst nie entdeckt! 🙂

Unsere heutige Route:


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Tag 10: Munising

Heute ist Natur angesagt. Wir wollen heute zu Fuß den Pictured Rocks National Lakeshore erkunden. Oder zumindest einen winzigen Teil davon.

Zuerst aber werden wir mit einer Tatsache konfrontiert, die der Wetterbericht uns schon für Mitte letzter Woche prognostiziert hatte, dann aber immer wieder hinausgeschoben hatte: Regen. Gottseidank kein starker Regen. Es regnet leicht und wir beschließen, uns davon nicht unterkriegen zu lassen, sondern endlich die mitgebrachten Jack-Wolfskin-Jacken zum Einsatz zu bringen.

Vorher aber natürlich frühstücken. Das Frühstücksangebot hier im Days Inn in Munising ist um 8.30 Uhr, als wir den Frühstücksraum betreten, schon deutlich eingeschränkt. Es gibt zwar ein Waffeleisen aber keinen Teig mehr. Es gibt keine Bagels und nur noch wenige Scheiben Toast und ein paar Toastbrötchen. Obst und Joghurt gibt’s erst recht nicht. Und Kaffee muss man sich von der Rezeption holen. Naja, egal, wir werden wohl nicht verhungern.

Als wir Platz nehmen werden wir (mal wieder) vom Nebentisch aus angesprochen, woher wir denn kommen. Es entwickelt sich (mal wieder) ein sehr nettes Gespräch mit einem älteren Ehepaar, das erzählt, dass sie einen Cousin in Deutschland hat. In der Eifel. Und sie würden dann so gerne nach“ Koukem“ (Cochem) fahren. Begeisterung, als ich erzähle, dass dort meine Heimat ist. Ich bin erstaunt, dass ich in den USA schon wieder jemanden treffe, der das winzige Moselstädtchen Cochem kennt und toll findet.

Während diesen angeregten Gesprächs kommt jemand vom Motel, räumt auf und füllt sowohl Toast als auch Waffelteig wieder auf. Ralf opfert sich, die obligatorische Frühstückswaffel für uns beide zu machen, ich kann weiterquatschen. Irgendwann bemerke ich, dass Ralf in Nöten ist. Im Gegensatz zu allen anderen Waffeleisen, die wir bisher kennen gelernt haben, ist dieses Gerät unbeschichtet und hätte mit einem Backspray eingesprüht werden müssen. Die nette Amerikanerin versucht ihm zu bei der Beseitigung der traurigen Überreste, die felsenfest fest gebacken sind, zu helfen, scheitert aber auch. Die herbeigerufene Hotelangestellte nimmt das Waffeleisen mit und bringt es nicht mehr zurück.

Nach dem Frühstück gehen wir zuerst in den gegenüberliegenden Supermarkt und kaufen Zutaten für Sandwiches für heute Mittag ein, die wir auf unsere Wanderung mitnehmen werden. Wieder einmal ein gar nicht zu einfaches Unterfangen bei dieser riesigen Auswahl. Die Kassiererin macht uns noch Mut, dass gegen Mittag der Regen aufhört und dann geht es los.

Woran erkennt man, dass dieser Wandersmann aus Deutschland kommt? (Tipp: Es hat was mit Wolfshaut zu tun ...)
Woran erkennt man, dass dieser Wandersmann aus Deutschland kommt? (Tipp: Es hat was mit Wolfshaut zu tun …)
Es gibt kein schlechtes Wetter - nur falsche Kleidung
Es gibt kein schlechtes Wetter – nur falsche Kleidung

Als erstes fahren wir zu den Miner Falls, die wir ganz schön, aber nicht soooo beeindruckend finden. Deshalb machen wir uns bald auf den Weg zu Miners Castle, einen Felsen im Lake Superior, der toll anzusehen ist. Die Aussicht ist aufgrund des Wetters natürlich nicht so berauschend, aber trotzdem gefällt es uns dort gut. Aber wir wollen weiter, und zwar auf dem Lakeshore Trail zum Miners Beach wandern.

Auf dem Lakeshore Trail
Auf dem Lakeshore Trail
Die Miner Falls
Die Miner Falls
Märchenwald bei Munising
Märchenwald bei Munising
Miners Castle
Miners Castle
Auch ein dunstiger See hat seinen Reiz
Auch ein dunstiger See hat seinen Reiz
Die Pilze lieben das feuchte Wetter
Die Pilze lieben das feuchte Wetter

Der Weg ist wunderschön, schlängelt sich durch den Wald, der trotz des leichten Regens wunderschöne Anblicke bietet. Leider geht es ziemlich bald ziemlich steil mit natürlichen Stufen bergab. Wer schon einmal mit mir eine Bergwanderung gemacht hat, weiß was das bedeutet: Es geht langsam voran, seeehr langsam. Dann kommen wir an einen Fluss, dessen Ufer und Flussgrund aus weißem, feinen Sand besteht. Alles ist sehr ursprünglich, die Bäume wachsen wie sie gerade wollen. Schön. Der Weg folgt eine ganze Weile dem Flussufer, dann überqueren wir den Fluss und bald schon gelangen wir durch die Dünen zum Miners Beach.

Der Miners Beach - Durch den Regentag heute menschenleer.
Der Miners Beach – Durch den Regentag heute menschenleer.
Was ist das für ein Stein?
Was ist das für ein Stein?

Gestern haben wir diesen langen Strand schon vom Schiff aus gesehen, aber selbst dort zu sein ist unbeschreiblich. Keine Menschenseele ist zu sehen, ab und zu liegt ein angetriebener Baumstamm am Strand. Rundherum die Felsen der Pictured Rocks. Hier könnte man eine Ewigkeit aushalten – wenn das Wetter denn schöner wäre. Zwar hat es inzwischen – es ist 1 Uhr mittags – tatsächlich aufgehört zu regnen, aber der Sand ist natürlich nass, wenn auch nur oberflächlich. Deshalb setzen wir uns auf einen Baumstamm (dabei bin ich wieder froh über meine Sitzunterlage, die immer in meinem Rucksack ist), packen unsere Sandwiches aus und machen eine ausgiebige Pause.

Wasserfall am Miners Beach
Wasserfall am Miners Beach
Jutta träumt und will nie mehr von hier weg
Jutta träumt und will nie mehr von hier weg

Danach wandern wir den Strand entlang und stellen fest, dass das Gehen im tiefen Sand sehr anstrengend ist. Anschließend gehen wir noch ein Stück auf dem Trail, der oberhalb des Strandes der Uferlinie folgt. Dort ist der Boden aber auch sandig, deshalb entschließen wir uns bald, den Rückweg anzutreten. Viel schneller als auf dem Hinweg sind wir wieder am Auto. Klar, es ging ja auch bergauf! (Ja, ich wandere lieber bergauf!)

Zwei verliebte Wanderer am Munising Fall
Zwei verliebte Wanderer am Munising Fall
Der Munising Fall
Der Munising Fall

Als wir beim Auto angelangt sind, stürmen wir erst einmal die Restrooms und stillen ausgiebig unseren Durst. Leider hatte ich nur einen halben Liter Wasser mitgenommen – zu wenig!

Suchspiel: Finde das Tier im Sand Point Marsh
Suchspiel: Finde das Tier im Sand Point Marsh
Hier die Anleitung zum Spiel
Hier die Anleitung zum Spiel
Und wir haben tatsächlich ein Tier gefunden!
Und wir haben tatsächlich ein Tier gefunden!
Rastplatz am Ende der Tour
Rastplatz am Ende der Tour

Danach fahren wir noch ein paar Punkte an, die die Rangerin im Visitors Center gestern als sehenswert markiert hatte. Alles sehr, sehr schön, aber wir sind ziemlich müde. Es sieht so aus, als müssten wir noch einmal hierher zurückkehren. Es gibt noch so viel zu entdecken!

Auf dem Weg zum Hotel halten wir noch kurz bei „Das Gift Haus“ an, einem Geschenkeladen, der offenbar einen trendigen deutschen Namen wählen wollte und einen unglücklichen Fehler eingebaut hat. Wir stöbern ein bisschen, kaufen eine Kleinigkeit und Ralf spricht die Kassiererin auf den Fehler an. Offenbar ist er nicht der Erste, der das tut, denn die Gute reagiert etwas genervt, drückt uns nur eine Visitenkarte in die Hand.

Das Gift Haus - Niemals, wirklich niemals die Besitzerin auf das Wortspiel ansprechen. :-)
Das Gift Haus – Niemals, wirklich niemals die Besitzerin auf das Wortspiel ansprechen. 🙂

Essen tun wir heute nach der üblen Erfahrung gestern in einem Lokal direkt nebenan, Dog Patch. Eine urige Angelegenheit mit schnellem, freundlichen Service und leckerem Essen. Zum Nachtisch genehmigen wir uns zum ersten Mal American Applepie mit Eis. Schmeckt der lecker!

Beim Zahlen an der Kasse (schlauerweise muss man zum Zahlen in den angrenzenden Souvenirladen, in dem Andenken an dieses Lokal kaufen kann) werden wir von einem Paar angesprochen. Wir wären gestern Abend doch auch im „Navigator“ gewesen, ob wir das Essen und den Service auch so schrecklich gefunden hätten. Oh ja, das haben wir in der Tat! Übereinstimmend kamen wir zu dem Schluss, dass das Dogpatch wirklich sehr viel besser sei, eine echte Empfehlung. Wieder einmal eine nette Begegnung, die diesen schönen Tag abgerundet hat.

Dogpatch - das etwas bessere Lokal :-)
Dogpatch – das etwas bessere Lokal 🙂
Das beste Lokal vor Ort - Dogpatch Hausseite - vorne, hinten und innen ist weiter so schön bunt:
Das beste Lokal vor Ort – Dogpatch Hausseite – vorne, hinten und innen ist weiter so schön bunt:

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Ralfs Bericht:

Ich kann mich Juttas Bericht nur anschließen. Es war ein wunderschöner Tag in der Natur, der Körper und Seele so richtig gut getan hat. Nichts gegen Stadttouren, American Highways, Bootsrundfahrten und ähnlichem – aber gegen eine mehrstündige Wanderung auf Naturwegen, quer durch (fast) unberührte Landschaften kommt das einfach nicht an, wenn es darum geht Erholung zu finden. Leider hatte ich meine „große“ Kamera nicht dabei und durch einen dummen Bedienungsfehler meinerseits, sind leider die meisten Bilder falsch belichtet. 🙁 – Aber egal – viel wichtiger als die Bilder, sind die Erinnerungen an das einfache Picknick am menschenleeren Strand von Miners Beach, kurz nachdem der Regen aufgehört hat. Es war einfach unbeschreiblich schön. Wellen plätschern an den hellen Sandstrand, im Hintergrund der Wald, aus dem der Dunst des vorangegangenen Regens aufsteigt, weiter am Rand die „gemalten Felsen“ und der kleine Fluss, der uns die halbe Wanderung über begleitet hat, wie er seinen Weg in den großen See findet.

Dabei die Erinnerung an das Gespräch gestern mit dem netten Paar auf dem Boot, bei dem uns der Mann erklärte, das in der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren, das Eis eine Meile (also knapp 1,5 Kilometer) hoch über dieser Gegend lag und diese wunderbare Seenlandschaft geformt hat. Durch diese meditative Stimmung wurde mir mal wieder deutlich wie klein unsere heutige Zeit und unseren heutigen Sorgen einfach sind, wenn man sie mit den großen Zeiträumen in Verbindung setzt, die notwendig waren um diese herrlichen Landschaften zu formen, und wie diese Landschaften weiter geformt werden. Jeder Kieselstein im See wird über kurz oder lang auch zu kleinen Sandkörnern geschliffen, die dann wieder an diesen Strand gespült werden können – und das alles lange, lange nachdem wir nicht mehr sind …

Genug philosophiert. Einen wichtigen Ausflugspunkt hat Jutta doch glatt vergessen zu erwähnen: Der Lehrpfad „Sand Point Marsh Trail“ – Die Rangerin im Visitorcenter, die ich nach möglichen Tageswanderungen gefragt hatte, hatte uns diesen ungefähr 0,7 km langen „Trail“ auf der Karte gekennzeichnet und nachdem wir uns schon den „Munising Fall“ angesehen haben, der in der Tat wirklich nett ist, auch wenn das spannendste an dem „Trail“ die Treppen zu den Höhen des Wasserfalles sind, waren wir bereit uns noch ein Naturwunder anzusehen.

Nach ein paar Metern Asphalt begann ein Bretterweg durch eine Sumpflandschaft. Hier waren überall Lehrtafeln angebracht, die erklärten, welche Tiere man hier alles sehen kann. Dummerweise lag es wohl daran, dass die amerikanische Feriensaison schon vorbei war, und die Tiere alle Feierabend hatten, so dass wir beide ein lustiges Suchspiel veranstalteten: „Finde ein Tier“ – Es war nichts zu sehen, kein Fisch, kein Vogel, kein Frosch – noch nicht mal die Schlangen, von den andere Reiseberichte erzählten. Das größte Tier, dass uns über den Weg lief, war ein Wasserläufer und ansonsten waren auf dem Trail (und den paar anschließenden Metern Lakeshore Trail, der an der Stelle seinen Anfang findet) nur noch Stechmücken vorhanden, die sich bald über die neue Nahrungsquelle freuten und uns reichlich besuchten. Wir ergriffen dann bald die Flucht und ich kann nur allen Wanderern, die nach uns diesen landschaftlich schönen Pfad erkunden wollen, nur empfehlen sich vorher mit Mückenschutzmittel einzudecken. Immerhin ist es eine Sumpfgegend.


Munising auf einer größeren Karte anzeigen

Tag 9: Upper Peninsula

Vor der Abfahrt heute Morgen packen wir unsere Koffer und Taschen um, verstauen unsere bisherigen Einkäufe und versuchen, etwas Ordnung in unser Gepäckchaos zu bringen. Gar nicht so einfach! Nachdem wir dies einigermaßen zu unserer Zufriedenheit erledigt haben, können wir uns endlich auf den Weg machen. Heute geht es hoch in den Norden.

Schon nach kurzer Zeit fällt jedoch der erste Fotostopp an. Die Mackinaw-Brücke, eine 8 km lange Hängebrücke, die wir gestern vom Schiff aus schon bestaunen konnten, gilt es nun aus der Nähe zu fotografieren. Ein schönes Motiv, das in herrlichem Sonnenschein da liegt. Die Fahrt über die Brücke ist dagegen etwas enttäuschend. Ich muss mich auf den Verkehr konzentrieren und natürlich fährt so ein schwerer Pickup vor uns her und nimmt uns die Sicht. Aber egal, wir sind in „U.P.“, in Upper Peninsula wie der nördliche Teil von Michigan genannt wird.

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Wir fahren über die Mackignaw Brücke
Wir fahren über die Mackignaw Brücke

Die Landschaft ist recht flach und wechselt ab zwischen riesigen Wäldern, Heideflächen und nach einem Waldbrand gerade wieder nachwachsenden jungen Wald. Schön ist das und menschenleer. Viele Campmobile sind unterwegs und ich bekomme Lust zu wandern. Auch wenn ich das natürlich niemals machen werde, stelle ich mir vor, wie es wäre, einen Treckingurlaub hier zu machen und stelle es mir richtig klasse vor.

Dass wir hoch im Norden sind, wo im Winter richtig viel Schnee liegt, merkt man auch daran, dass alle paar Kilometer vor Snowmobilen gewarnt wird. Diese sind für die hier lebenden Menschen im Winter ein normales Fortbewegungsmittel, obwohl die Straßen tatsächlich geräumt werden, wie wir später von Einheimischen erfahren haben.

Typisches Warnschild der Region
Typisches Warnschild der Region

Nach etwa zwei Stunden Fahrt gelangen wir zu unserem ersten Zwischenstopp. In einem USA-Reiseforum hatten wir von Oswald`s Bear Ranch gehört, in der in Not geratene Schwarzbären aufgenommen und unter relativ naturnahen Bedingungen gehalten werden. Das Ganze ist natürlich typisch amerikanisch mit Souvenirshop und Attraktionen aufgezogen. Und die Hauptattraktion ist (ich wage es kaum zu schreiben – habe mich über solches bisher immer aufregen müssen.), ein Schwarzbärenbaby füttern und streicheln zu dürfen. Das Ganze wird mit der eigenen Kamera fotografiert und kostet 5 Dollar. War das niedlich! Das Bärenbaby, das meiner Meinung nach doch schon ziemlich groß ist, hat ein ganz weiches Fell und futtert ganz sanft die Fruit Loops, die uns vom Betreuer dafür gegeben wurden, von der Hand. Auch als es mir die Pranke auf den Arm legt, ist das ganz sanft. Ich spüre keine Krallen, sondern die „Bärenhand“ fühlt sich an wie eine Katzenpfote. Ein schönes Erlebnis. (Im gegenüberliegenden Gehege sind übrigens die zweijährigen Tiere untergebracht. Ich glaube, die sind ganz schön neidisch auf die Youngster, die ihnen in diesem Jahr die leckeren Fruit Loops vorenthalten.)

Eingang zur Oswald's Bear Range
Eingang zur Oswald’s Bear Range
Im Eingangsbereich
Im Eingangsbereich
Probier's mal mit Gemütlichkeit
Probier’s mal mit Gemütlichkeit
Auf Fotosafari
Auf Fotosafari

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Bärenfütterung
Bärenfütterung

Bei den Bären treffen wir ein Ehepaar aus Mainz und kommen kurz ins Gespräch. Ralf hatte die beiden zufällig bei der Bärenfütterung gefilmt und hat ihnen angeboten, ihnen das Video per E-Mail zu schicken. Dieses Ehepaar erzählt uns von seiner bisherigen Route und dass sie heute um 16 Uhr in Munising die Bootsfahrt zum Pictured Rock mitmachen wird. Diese Tour haben wir für heute auch geplant, dass es ab morgen laut Wettervorhersage leider vorbei sein soll mit dem tollen Wetter. Dass wir jetzt wissen, zu welcher Uhrzeit diese Tour startet, erleichtert uns unsere Tagesplanung.

Wir machen uns also auf den Weg weiter nach Norden an das Ufer des Lake Superior, dem größten, tiefsten und kältesten der großen Seen.

Vorher machen wir aber noch Halt bei dem altbekannten großen M, also McDonalds. Ich glaube, wenn ich von dieser Reise nach Hause zurückgekehrt bin, kann ich lange Zeit keinen Burger und keine Pommes frites mehr sehen. Vom Süßen habe ich übrigens schon länger die Nase voll. Beim Frühstück esse ich mein Bagel seit gestern nicht mehr mit Frischkäse und Marmelade, sondern nur noch mit etwas Butter. Überhaupt habe ich schon langsam das amerikanische Essen ein bisschen satt. (Ich kenne mich selbst kaum noch wieder ;-))

Bevor wir Munising, unser heutiges Tagesziel, erreichen, stehe ich fahrtechnisch noch vor einer Herausforderung. Wir fahren eine Straße über 43 km nur noch geradeaus. Zuerst bemerke ich das noch nicht, denn amerikanische Straßen sind sehr oft über längere Zeit sehr geradlinig. Irgendwann denke ich, dass das doch sehr nervig ist, dass sich an der Straßenführung so gar nichts ändert. Und dann wieder später schaue ich auf die Navitante und sehe, dass nach weiteren 25 Meilen geradeaus das Ziel erreicht ist. Das ist wirklich eine Herausforderung und ich stelle wieder einmal fest, dass die in amerikanische Straßen eingefrästen Querrillen entlang der Mittellinie (die beim Drüberfahren einen Höllenlärm machen) eine sehr sinnvolle Angelegenheit sind, denn das endlose Geradeausfahren ist wirklich eintönig und einschläfernd.

Nur noch 23 Meilen geradeaus bis zur nächsten Kurve- 1/3 ist schon geschafft!
Nur noch 23 Meilen geradeaus bis zur nächsten Kurve- 1/3 ist schon geschafft!
Indian Summer Baum
Indian Summer Baum

In Munising angekommen fahren wir als erstes zum Visitors Center. Wir haben ja hier zwei Nächte eingeplant und wollen, nachdem wir heute die Pictured Rocks vom Wasser aus angesehen haben, morgen wandern gehen. Hierzu erhoffen wir uns Informationen im Visitors Center. Wir werden natürlich nicht enttäuscht. Die nette Parkrangerin (die Pictured Rocks National Lakeshore sind ein Nationalpark und damit unter Leitung von Rangern) versorgt uns mit Infomaterial und Tipps.

Da wir hoffen, noch Karten für die Bootsfahrt um 16 Uhr zu bekommen, die Sunset-Tour, fahren wir gleich zum Seeufer. Wir haben Glück und können zwei Karten für je 33 Dollar kaufen. Ein stolzer Preis, aber nach allem, was ich im Internet darüber gelesen habe, soll die Fahrt den Preis wert sein.

Danach steuern wir unser Motel für die nächsten beiden Nächte, das Days Inn, an. Hier bekommen wir mit, dass es gut war, zu reservieren, denn die Gäste vor uns an der Rezeption werden wir weggeschickt. Der Hauptort ist total ausgebucht, was ich für diese Jahreszeit einen Sonntagabend nicht gedacht hätte. Obwohl es erst 15 Uhr ist, dürfen wir schon unser Zimmer beziehen. Wir schaffen das Gepäck rein, packen ein paar warme Sachen in den Rucksack und fahren gleich wieder zurück zur Bootsanlegestelle.

Das Boarding soll um 15,45 Uhr beginnen. Da ich jedoch gelesen habe (Internet ist eine tolle Sache), dass die besten Plätze auf dem oberen Deck auf der rechten Seite sein sollen, will ich frühzeitig da sein. Wir sind dann um 15.20 Uhr vor Ort und stehen relativ weit vorn in der Schlange, die jedoch sehr schnell länger wird.

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Wir bekommen die letzten Plätze auf der rechten Seite und freuen uns auf die Fahrt. Vorher kommen wir noch mit dem älteren Ehepaar hinter uns ins Gespräch. Die beiden erzählen uns von ihren Europareisen und ihren Reisen innerhalb der USA. Sie schwärmen uns von der Schönheit Michigans vor und geben uns Tipps für unsere weitere Reise. Eine nette Begegnung.

Unser Ausflugsboot
Unser Ausflugsboot
Sicherheitshinweise auf der Bootstour
Sicherheitshinweise auf der Bootstour

Die Fahrt selbst ist unbeschreiblich schön. Die Felsen, die wir nach etwa einer halben Stunde Fahrt erreichen, leuchten durch ins Gestein eingelagerte Mineralien in allen möglichen Farben, die Felsen türmen sich riesig hoch auf und haben durch Erosion die tollsten Formen gebildet, die von den einheimischen sprechende Namen bekommen haben. Etwa „Indian Head“ für einen Felsen, der von der Seite wie ein Indianerkopf mit Federschmuck aussieht. Das Schiff fährt ganz nah an die Felsen heran, damit wir einen Eindruck von der Höhe bekommen können. Außerdem fährt es in eine Höhlung im Fels hinein, die „Chapel“ genannt wird. Es ist einfach grandios.

Zwischen den Felsen befinden sich immer wieder wunderschöne Strände, die nur zu Fuß oder vom Wasser aus erreicht werden können. Einsam kann man sie deshalb aber trotzdem nicht nennen, denn die Ausflugsschiffe und auch Kanufahrer kommen in regelmäßigen Abständen hier zum Sightseeing vorbei, womit aber nach Aussage des Schiffskapitäns viele nicht rechnen und nackt hier baden. Shocking für Amerika!

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Pictured Rocks
Pictured Rocks
Pictured Rocks
Pictured Rocks

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Pictures Rock
Pictures Rock
Auf dem Rückweg
Auf dem Rückweg

Nach 3 Stunden Fahrt sind, trotz strahlenden Sonnenscheins durchgefroren, wieder an Land. Zum Essen gehen wir in ein Restaurant direkt am Hafen, das sich als Servicewüste Amerikas herausstellt. Wir hätten schon alarmiert sein müssen, dass im Eingang ein Schild „Please seat yourself“ hing. Das habe ich den USA bisher noch nicht erlebt, da man normalerweise an seinen Platz geführt wird und vom Kellner in Empfang genommen wird. Naja, das war hier halt nicht so und der Service war dementsprechend schlecht. Insbesondere als wir mit dem Essen fertig waren, passierte gar nichts. Irgendwann fragte unsere Kellnerin, ob wir noch etwas wünschten und verschwand wieder, nachdem wir verneinten Sie war einfach weg. Nach einer gewissen Wartezeit sind wir einfach so zur Kasse und nach nur kurzer weiterer Wartezeit durften wir dann doch tatsächlich bezahlen. Hmm, für morgen müssen wir uns was anderes suchen.

Tag 8: Mackinac Island

Der heutige Tag war der bisher schönste unserer Reise.

Da wir heute keine große Fahrstrecke zu bewältigen hatten, konnten wir endlich einmal so etwas wie ausschlafen. Erst um 8 Uhr sind wir aufgewacht und sind ohne Hektik aufgestanden. Glücklicherweise gibt es hier im Best Western Mackinaw City Frühstück sogar bis 9.30 Uhr, so dass wir uns auch deswegen nicht hetzen mussten.

Auf die Idee, länger zu schlafen und etwas später zu frühstücken sind allerdings nicht nur wir gekommen. Im Frühstücksraum war kein Platz mehr zu kriegen, mehrere warteten schon auf freie Tische. Wir haben uns deshalb unser Frühstück auf ein Tablett gepackt und sind damit in unsere Suite gezogen.

Breakfast in America
Breakfast in America

Danach machen wir uns auf den Weg zur Fähre, denn wir wollen heute nach Mackinac Island, die berühmte Ferieninsel. Wir finden einen Platz oben auf dem Schiff und lassen uns bei schneller Fahrt mit hinten aufspritzender Wasserfontäne den letzten Schlaf aus den Augen pusten. Ich bin sehr froh über meine gefütterte Fleecejacke, denn obwohl die Sonne wieder herrlich scheint ist es auf dem Wasser doch sehr frisch.

Erster Blick auf Makinac Island
Erster Blick auf Makinac Island

Die Insel zieht uns sofort in ihren Bann. Eine hübsche Häuserzeile mit vielen Geschäften und Restaurants (und in allen Klamottenläden ist Sale mit hohen Rabatten…), die nur von Fahrrädern und Kutschen befahren ist. Einfach „wonderful“. Wir bummeln durch die Hauptstraße bis wir zum Visitors Center gelangen. Dort kaufen wir einen Inselführer und Tickets zur Besichtigung des historischen Forts, das auf einer Anhöhe gelegen ist.

Straßenszene
Straßenszene
Für die, die nicht laufen oder Rad fahren wollen gibt es auch eine Lösung
Für die, die nicht laufen oder Rad fahren wollen gibt es auch eine Lösung
Fudge - Das heimliche Wahrzeichen der Insel
Fudge – Das heimliche Wahrzeichen der Insel
Sweets, Sweets, Sweets
Sweets, Sweets, Sweets
PMS und so ;-)
PMS und so 😉
Schwester-T-Shirt
Schwester-T-Shirt

Das Fort ist gut erhalten und man kann alle möglichen Räume besichtigen. Diese sind originalgetreu hergerichtet und zum Teil mit Multimedia animiert bzw. mit sprechenden Figuren ausgestattet. Draußen laufen Männer in originalen Uniformen der Zeit, in der das Fort von den Engländern genutzt wurde herum. Sie geben Auskunft, machen Musik (?) und vor allem führen sie Salutschüsse mit dem Gewehr und der Kanone vor. Die Aussicht von dort oben auf den See, der im Sonnenlicht glitzert und die Insel ist einfach fantastisch. Wir können uns kaum satt sehen und Ralf filmt und fotografiert was das Zeug hält. Das macht er übrigens heute andauernd – ich erwähne das später nicht noch mal.

Gleich macht es "Bumm "
Gleich macht es „Bumm „
Ausblick vom Fort
Ausblick vom Fort

Nachdem wir uns dann doch losgerissen haben, gehen wir wieder nach unten in die Stadt und bummeln weiter durch die Straßen und am See entlang. Der Hunger plagt uns und wir suchen uns ein Lokal, in dem wir essen können. Ich entscheide mich für Knoblauchbrot und eine Corn and Clam Chowder. Lecker, aber zum ersten Mal in diesem Urlaub verlasse ich noch hungrig das Lokal. Dem muss natürlich abgeholfen werden. Wir kaufen in einer Bäckerei direkt nebenan ein paar süße Teilchen und zwei Kaffee to go. Damit begeben wir uns zu einem Picknick Ground direkt am See und genießen die Sonne und natürlich unsere Leckereien. Jetzt bin ich endlich satt.

Leuchtturm
Leuchtturm

Diese Kalorien müssen natürlich abtrainiert werden und deshalb mieten wir uns zwei Fahrräder, mit denen wir die Insel weiter erkunden möchten. Es gibt direkt am Seeufer entlang einen Rundkurs über gut 8 Meilen, den wir natürlich fahren möchten. Wir kommen allerdings nicht so schnell voran, weil es ja sooo viele schöne Fotomotive gibt. Und es gibt dann doch noch unseren Arch (einen Felsbogen), worüber wir uns ganz besonders freuen, da wir ja bei unserer geplanten und abgesagten Reise im Mai ganz viele Arches gesehen hätten.

Auf Ralf - Weiter gehts
Auf Ralf – Weiter gehts

Etwa nach der Hälfte der Strecke verlassen wir den Rundkurs und biegen eine Straße ins Inselinnere ein. Fuhr sich der Weg am Seeufer entlang sehr leicht, weil völlig eben, so werden wir hier doch ziemlich gefordert, weil die Straße erst einmal eine ganz Zeit lang bergauf führt und sich danach hügelig fortsetzt. Und das ganze mit einem 3-Gang-Fahrrad, das zu allem Übel noch eine ordentliche Acht im Hinterreifen hat und ständig ein schleifendes Geräusch von sich gibt. (Nicht umsonst gibt es in den Inselläden T-Shirts mit der Aufschrift „I made all my stunts by my own“).

Der Weg führt uns entlang eines schönen Friedhofs zum Grand Hotel der Insel. Ein imposanter Bau, der gegen eine Gebühr von 10 Dollar auch von innen angesehen werden kann. Das sparen wir uns allerdings, bewundern das Gebäude von außen und spazieren durch seine Parkanlagen. Spontan beschließe ich: Wenn Ralf und ich irgendwann vielleicht doch mal reich werden, machen wir eine Woche Urlaub auf Mackinac Island im Grand Hotel. Wenn ich mir vorstelle, in einem dieser bestimmt tollen Zimmern aufzuwachen, auf meinen Balkon rauszutreten und dieses herrliche Panorama vor mir zu haben.

Eine kleine Pause bei der Fahrradtour
Eine kleine Pause bei der Fahrradtour
Der Friedhof
Der Friedhof
Unser zukünftiges Heim
Unser zukünftiges Heim

Ersatzweise könnte ich mir auch vorstellen, eines der angrenzenden Häuser zu beziehen. Die sind so schön, aber ganz sicher unbezahlbar. Diese Lage mit dem Blick direkt auf die Insel und die Mackinac-Brücke! Eigentlich möchte ich direkt hier bleiben, es ist einfach zu schön.

Blumenladen
Blumenladen
Lichtspiele am Ufer
Lichtspiele am Ufer
Transport auf einer autofreien Insel
Transport auf einer autofreien Insel
Postoffice
Postoffice

Irgendwann müssen wir dann aber doch zurück. Wir geben unsere Fahrräder zurück und gehen zurück Richtung Fähre. Unterwegs kaufen wir noch ein Sweatshirt und eine Jacke für uns und ein T-Shirt für meine Schwester ein und erreichen passend zur Abfahrt die Fähre zurück. Die Fahrt zurück macht den Tag perfekt. Die Brücke liegt im Licht der untergehenden Sonne – *hach*

Die große Brücke
Die große Brücke

Zurück auf dem Festland bummeln wir noch einmal durch die historische Stadt Mackinaw City. Wir suchen uns ein Family-Restaurant, in dem wir ganz passabel essen und machen uns danach auf den Heimweg.

Wirklich frischer Fisch
Wirklich frischer Fisch
In der Mall
In der Mall

Unterwegs wundern wir uns noch über die Massen an Leuten, die es sich entlang der Hauptstraße mit Stühlen, Decken und in ihren Autos bequem gemacht haben. Aus Gesprächsfetzen hören wir heraus, dass es irgendetwas mit den “Tigers“ zu tun haben muss, interessieren uns aber weiter nicht dafür. Jetzt sitzen wir in unserem Hotelzimmer und hören seit etwa einer halben Stunde hupende Autos und LKWs. Ich glaube, heute haben Eagles gegen die Tigers Football gespielt. Offenbar sind die Tigers die örtliche Mannschaft und offenbar haben sie gewonnen. Ein Ereignis, an dem die ganze Stadt von der Oma bis zum Enkelkind Anteil nimmt. Auch das ist Amerika.

Der Tag hat uns beiden so gut getan. Kein Autofahren und endlich mal genügend Bewegung. Für unsere nächste Reise haben wir schon den Vorsatz gefasst, nicht mehr so weite Strecken zu fahren, sondern die einzelnen Ortschaften eingehender zu erkunden. Auch wenn die Reise bisher sehr, sehr schön war, so haben wir heute doch gemerkt, dass ein bisschen Luft holen doch auch wichtig ist. An unserem nächsten Ziel werden wir deshalb auch zwei Tage bleiben.

Ralf

Da wir jetzt gleich noch unseren Indoor-Wirlpool in der Suite nutzen werden, gibt es auf dieser Seite nur eine kleine Auswahl der heutigen 522 Fotos. (Kann mir einer erklären, warum Jutta heute manchmal so genervt ausgesehen hat? 😉 )

Unsere heutige Tour:


Chicago und die großen Seen auf einer größeren Karte anzeigen

Tag 7: Nach Mackinow City

Der heutige Tag beginnt nicht so toll.

Obwohl gestern gegen Mitternacht irgendwo draußen ein gewaltiger Lärm losging (irgend so ein dumpfes Stampfen wie von irgendwelchen Maschinen) konnten wir doch noch recht gut schlafen. Das Frühstück war normaler Motelstandard und wir machen uns bald auf den Weg. Wir wollen einmal quer durch Michigan an die Ostküste des Lake Michigan, dort die Sleeping Bears Dunes anschauen und ein bisschen wandern gehen und danach nach Mackinaw City, wo wir zwei Nächte bleiben wollen.

Nachdem die Fahrt gestern doch lang und anstrengend war, will heute zum ersten Mal Ralf hinters Steuer unseres Luxus-Toyotas. Gestern Abend auf dem Weg zum Restaurant und wieder zurück zum Hotel hatte die Kontrollleuchte für zu niedrigen Reifendruck geleuchtet und wir wollen als erstes eine Tankstelle suchen und den Luftdruck kontrollieren. Wir fahren los und gleich nach den ersten Metern bemerke ich ein überaus seltsames Geräusch. Zuerst denke ich, es läge am Fahrbahnbelag, aber sehr schnell wird uns die Sache unheimlich, Ralf fährt rechts ran und schaut nach. Na super, ein Plattfuß hinten links!!! Was tun? Wir fahren gleich zum Hotel zurück und Ralf übernimmt heldenhaft das Telefonat mit Hertz. Gar nicht so einfach, aber er hat das prima hin gekriegt, auch wenn er nach eigener Aussage nur die Hälfte verstanden hat. Offensichtlich aber die richtige Hälfte.

Nach etwa einer halben Stunde fährt der Pannendienst vor. Wir haben inzwischen schon die nächste Hertz-Station ausfindig gemacht, um den Wagen wechseln zu können. Wir müssen wieder zurück nach Bay City – ganz toll! 🙁 Merke: Beim nächsten USA-Urlaub wird ein Auto bei Alamo gebucht. Diese Verleihfirma hat einfach das dichteste Netz an Vertretungen.

Zuerst aber schaut der Mann vom AAA nach unserem Reifen. Er macht das Rad runter und zieht uns das Ersatzrad (ein Notrad) auf. Das Unglück wird sofort sichtbar: Wir haben uns eine Schraube in den Reifen gefahren. Der AAA-Mann empfiehlt uns, zur Reifenreparatur in eine Werkstatt ein paar hundert Meter weit weg zu fahren, was uns sinnvoller erscheint als einen ganzen Urlaubstag damit zu vergeuden, das Auto umzutauschen. Nach dem Zeigen der ADAC-Karte ist die Pannenhilfe bisher für uns kostenlos. Ohne ADAC hätte sie uns 67 Dollar gekostet.

In der Werkstatt erleben wir als erstes wieder einmal den amerikanischen Servicegedanken. Wir haben das Auto kaum auf dem Parkplatz abgestellt kommt schon eine Frau aus dem Büro und fragt, wie sie uns helfen kann. Ruckzuck fährt sie den Wagen in die Werkstatt und schaut sich den Schaden an. Sie bietet uns an, einen Plug von außen einzukleben, was 7 Dollar kostet. Die teurere, bessere Lösung ist die Reparatur mittels eines Plugs von innen. Das kostet 12 Dollar, aber die soll es uns wert sein. Wir warten 15 Minuten und dürfen danach erleichtert unseren Kofferraum wieder voll packen.

Unsere nette Werkstatt mit der schnellen Hilfe
Unsere nette Werkstatt mit der schnellen Hilfe

Mit einiger Verspätung machen wir uns dann auf den Weg nach Traverse City. Dort angekommen sind wir wieder erst einmal überwältigt von der wunderbaren Aussicht auf den See, der dort eine Bucht bildet. Wir machen mehrere Stops zum Schauen und Fotografieren, bevor wir uns auf den Weg zur Sleeping Bears Dune machen.

Skegemog Lake - einer der vielen kleinen Seen Nord Michigans
Skegemog Lake – einer der vielen kleinen Seen Nord Michigans

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Ralf bei seiner Hauptbeschäftigung des Urlaubes
Ralf bei seiner Hauptbeschäftigung des Urlaubes

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Leider ist die Zeit schon weit fortgeschritten, die Reifenpanne hat unseren heutigen Zeitplan total durcheinander gebracht. Deshalb können wir nur den Scenic Drive fahren und keinen Trail laufen. Selbst den Dune Climb, wo man Gelegenheit hat, eine Düne raufzuklettern, können wir aus Zeitgründen nicht machen. Schade!

Trotzdem genießen wir absolut traumhafte Ausblicke über dieses Dünengebiet auf einen tiefblauen See. Vom Lake Michigan Overlook sehen wir, wie hoch diese Dünen tatsächlich sind. Sie fallen steil ab und reichen direkt bis ans Wasser ran. Da das tatsächlich nicht ganz ungefährlich ist und natürlich auch aus Naturschutzgründen ist es verboten, die Düne an dieser Stelle runter zu klettern. Ganz sicher mussten in der Vergangenheit viele Menschen, die sich überschätzt hatten, aus unangenehmen Situationen gerettet werden.

Unser Wanderweg durch die Dünen
Unser Wanderweg durch die Dünen
Jutta und Ralf beim Dünenbesuch
Jutta und Ralf beim Dünenbesuch
Sleeping Bear Dunes im Sonnenlicht
Sleeping Bear Dunes im Sonnenlicht
Noch mehr Dünen - die ganze Halbinsel besteht übrigens aus Sanddünen!
Noch mehr Dünen – die ganze Halbinsel besteht übrigens aus Sanddünen!

Nach viel zu kurzer Zeit machen wir uns auf den Weg nach Mackinaw City. Der Weg führt uns überwiegend am See entlang. Eigentlich müsste ich sagen, an DEN SEEN entlang, denn kurz nach dem Ufer sind in dieser Gegend eine ganze Reihe von kleineren Seen, die alle wunderschön anzusehen sind. Die Landschaft ist so, wie ich mir den Norden vorgestellt habe. Weite Wälder, die abgelöst werden durch Heidelandschaften, Felder und Obstplantagen. Zwischendrin diese schnuckeligen Farmen, die alle ihre Produkte zum Verkauf anbieten. Einfach schön.

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Ein kleiner "Farm Market" auf dem Weg
Ein kleiner „Farm Market“ auf dem Weg
Highway Leider erkennt man nicht so schön die 3 Wellen
Highway Leider erkennt man nicht so schön die 3 Wellen
Ein erster Blick auf den Lake Michigan
Ein erster Blick auf den Lake Michigan

Es ist schon 19.30 Uhr als wir endlich am Best Western in Mackinaw City ankommen. Dort erleben wir eine angenehme Überraschung, als in dem ausgebuchten Motel nur noch Räume mit Kingsize-Bett und Jacuzzi zu haben sind. Wir hatten allerdings ein Standardzimmer reserviert und so bekommen wir das Luxuszimmer als kostenloses Upgrade.

Unsere Suite
Unsere Suite

Nachdem wir unser Gepäck ausgeräumt haben, machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Am Seeufer, wo auch die Anlegestellen für die Fähren auf die Mackinac-Insel sind, befinden sich unzählige Motels und auch einige Restaurants. Ich plädiere für ein Restaurant mit Büffet, in das wir schließlich auch gehen, nachdem wir uns noch ein wenig umgeschaut haben. Leider war diese Wahl nicht die Bestmögliche. Es ist eine lieblose Massenabfütterung von arglosen Touristen. Die Atmosphäre ist furchtbar und das Essen ziemlich grausig. Wenigstens hatten wir am Eingang einen Rabattcoupon über 10 % in die Hand gedrückt bekommen, so dass unsere Rechnung einschließlich Trinkgeld etwa 37 Dollar beträgt.

Und jetzt freuen wir uns darauf, dass wir morgen nicht Auto fahren müssen, sondern uns von der Fähre auf die autofreie Mackinac-Insel fahren lassen.

Unsere heutige Route:


Chicago und die großen Seen auf einer größeren Karte anzeigen