Archiv der Kategorie: Metathemen

Alles rund um diesen Reiseblog

29.04. Von Skye nach Fort William

  • Das Motto heute: Der Weg ist das Ziel.

Nachdem wir recht früh aus den Federn waren, machten wir uns noch einmal ein kleines schottisches Frühstück mit Porridge und Toast, reinigten noch unser Cottage und verabschiedeten uns von unserer herzlichen Vermieterin, die uns Anbetracht der seltsam fahrenden Touristen auf Skye noch eine sichere Fahrt wünschte.

Da wir heute knapp 3 1/2 Stunden reine Fahrzeit vor uns hatten, verließen wir diese interessante – aber am 2. sonnigen Tag in Folge schon recht gut gefüllte – Insel, da wir unterwegs noch das eine oder andere, was uns auf dem Weg interessant erscheint besuchen wollten. Wir schauten noch kurz in unseren Reiseführer, was so auf den Weg liegen könnte und beschlossen zunächst einmal das südliche Ende von Loch Ness bei Fort Augustus anzusteuern.

Erste Station war jedoch ein kurzer Stop beim Eilean Donan Castle, das wir diesmal mit blauen Himmel fotografieren wollten. Wir hatten Glück, der Parkplatz war trotz des guten Wetters noch nicht überfüllt und so machten wir ein paar nette Fotos aus allen Perspektiven, die man ohne Eintrittsgeld sehen konnte.

Danach ging es weiter auf die A87. Die Landschaft hier war wieder einmal total anders als in den bisherigen Gegenden und nach ein paar Fotostops an der Straße, sahen wir kurz vor Fort Augustus ein Hinweisschild zu den Invermoriston Falls. Wasserfälle sind immer gut und außerdem machte sich inzwischen bei uns eine kleine Müdigkeit breit, bei der ein paar Schritte an der frischen Luft nicht schaden könnten. Also raus aus de Auto und rein in die Wanderschuhe, die sich in Schottland, aufgrund der aufgeweichten Wege, als die ideae Fußbekleidung für alle Wege außerhalb von Städten erwiesen. Unterwegs merkten wir die unterschiedlichen Wärmeeindrücke. Einheimische in kurzärmeligen Shirts und dick vermummte Touristen waren bunt gemischt. Wir irgendwo dazwischen mit T-Shirt und leichter Jacke. 🙂

Die Wasserfälle selbst waren ganz nett anzusehen, aber soooo besonders auch nicht. Auf jeden Fall ein netter Zwischenstopp um mal Luft zu holen und sich die Beine zu vertreten. Aber man verpasst auch nichts, wenn man daran vorbei fährt.

Fort Augustus war bald danach erreicht. Der Parkplatz ließ nichts Gutes erahnen. Reisebus an Reisebus und auch der Fish & Chips-Stand direkt am Parkplatz war überfüllt. Da wir aber beide inzwischen einen guten Hunger hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem netten Café oder Pub um dort eine Kleinigkeit zu essen. Beim 2. Anlauf fanden wir über einen Hintereingang eine Hotelbar, in der es noch ein paar Plätze gab. Inzwischen geübt, bestellte ich an der Theke inzwischen mein drittes mal auf dieser Reise Haggies für mich und Cullen Skink (eine Fischsuppe) für Jutta. Das Essen war schnell serviert und schmeckte auch diesmal wieder wirklich gut. So gestärkt machten wir noch einen Spaziergang den Kanal entlang, sahen dem interessanten Treiben an der Schleuse zu (hier wird der Bootsverkehr in 5 Stufe vom Niveau des Loch Ness auf die Höhe des Caledonian Canal angehoben) und besuchten noch einmal Loch Ness. Leider ließ sich Nessie auch diesmal nicht blicken, was aber Anbetracht des nicht unerheblichen Touristentrubels eigentlich auch kein Wunder war.

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Also programmierten wir Google Maps auf unsere nächste Unterkunft und machten uns wieder auf den Weg. Unterwegs machten wir noch ein paar nette Fotos bei der Bridge of Oich und beim Commando Memorial. Letzeres war aufgrund der Ankunft von 4 Reisebussen direkt nach uns schnell total überlaufen, so dass wir nur schnell ein paar Fotos machten und weiter fuhren.

Auf den letzten Kilometern wurden wir immer müder und als wir den verkehrsreichen Ort Fort William fast hinter uns gelassen hatten, fuhren wir kurz links ran um sicherzugehen, dass wir das Navi nicht falsch programmiert haben, da es immer noch 15 Kilometer Weg anzeigte. Aber ein kurzer Zwischencheck der Zimmerbuchung ergab, dass wir wirklich in einem kleinen Weiler weiter östlich von Fort William wohnen werden.

Das B&B war bald gefunden. Von außen wirkt es doch eher bescheiden und als wir kamen, war auch niemand im Haus um uns zu begrüßen. Die Zimmerwirtin im benachtbarten B&B, informierte uns, dass unsere Vermieterin erst gegen 17:00 wieder bereit zum einchecken ist und empfahl uns, in der Zwischenzeit im einzigen Restaurant des Ortes erst einmal einen Kaffee zu trinken Dies taten wir dann auch und reservierten uns sicherheitshalber auch gleich einen Tisch fürs Abendessen. Etwas verunsichert waren wir von der Zeitangabe 6:15 to 6:45. Wir befürchteten nur eine halbe Stunde Zeit zum Essen zu haben, aber was soll man machen, wenn es nur ein Lokal im Ort gibt.

Beim B&B angekommen, war dann auch die Vermieterin da. Eine quirlige junge Frau, die uns die ganze Familie vorstellte und uns dann zu unserem Zimmer führte. So abschreckend das Äußere wirkte, so nett war dann das Zimmer anzusehen. Wir richteten uns ein und machten uns dann gegen 18:00 auf den Weg zum Restaurant.

Es waren noch einige Tische frei, so dass sich unsere Befürchtungen dann schnell in Luft auflösten. Ich genoss gekochtes Schweinefleich in süßlich würziger Soße und Jutta bestellte sich orientalische Nudeln. Beides schmeckte wirklich gut, auch wenn ich beim Essen an Obelix mit dem gekochten Wildschwein in Pfefferminzsoße denken musste. 🙂

Nachdem wir noch einen kleinen Spaziergang zum nächsten Wanderparkplatz machten um die 10000 Schritte Tagessoll voll zu bekommen, landeten wir dann schlußendlich wieder in unseren B&B. Unser Wirtspaar saß mitten beim Abendessen im Esszimmer und plauschte noch kurz mit uns, bevor wir uns in unser Zimmer begaben. Dieses B&B ist wirklich mal sehr familär.

23.04.2018 Pitlochry – Queens View und Rannoch Station

Nach den für uns Landeier doch eher etwas lauten Nächten in Edinburgh, haben wir heute in dem gemächlichen Pitlochy in unserem großen Bett geschlafen wie ein Stein. Nachdem ich die Wunder der Wasserinstallationen des britischen Empires überstanden hatte und mit der gewünschten Temperatur duschen konnte machten wir uns auf den Weg zum Frühstücksraum unseres B&B. Hier wurden wir von unserer Zimmerwirtin herzlich begrüßt und suchten uns aus der Menükarte ein traditionelles schottisches Frühstück, mit Ei, Speck, Black Puding und allem was dazugehört aus.

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Mit am Tisch saß ein älteres Ehepaar (also noch älter als wir 🙂 und stellte uns nach kurzer Zeit die in Schottland obligatorische Frage „Where are you from?“. Als wir unsere Standard-Antwort „From Germany, near Munic“ antworteten, erzählte unser Tischgenosse auf deutsch, dass er als Kind schon auf Bestreben seiner Eltern im Goethe-Institut in Glasgow deutsch gelernt hat, da sie immer wieder gerne Urlaub in Deutschland mit den Kindern machten. Seine jüngere Schwester war dann auf Schüleraustausch in der Nähe von Hannover und daraus hat sich eine langjährige Freundschaft der Familien mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen entwickelt, bei der er dann regelmäßig übersetzen durfte.

Alsdann machten wir uns auf den Weg zum Queens View, den einzig für heute fest geplanten Programmpunkt. Von diesem Punkt aus hatte Königin Viktoria den Blick auf den Loch Tummel genossen und seitdem ist es einer der meist besuchten Ausflugspunkte in Schottland. Klar, dass wir da auch hinmussten. Jutta meisterte den Linksverkehr inzwischen sehr routiniert und auch die kleine Straße ohne Mittelstreifen, konnten wir trotz Gegenverkehr sicher befahren. Im Gegensatz zu unseren ersten Fahrten in Irland, saß ich sehr entspannt auf dem Beifahrersitz und versuchte derweil das Audiosystem von BMW zu verstehen, damit wir endlich unseren Schottland-Soundtrack genießen konnten.

Queens View war wirklich schön, aber halt nur ein einzelner Punkt. Aber beim Visitorcenter konnten wir Wanderkarten aus einem etwas eigenwilligen Spender ziehen und so beschlossen wir einen kleinen Rundweg zu begehen. Erst versuchten wir es direkt vom Queen’s View aus. Aber der Weg, den wir wählten war so abenteuerlich, dass wir in Anbetracht von Juttas lädiertem Knie bald Kehrt machten. Am Visitor-Center stellte wir dann fest, dass der von uns gewählte Weg einige 100 Meter weiter die Straße entlang beginnt. (Ja – Ralf und Kartenlesen – immer ein Abenteuer …)

Noch schnell ein paar Souvenirs gekauft und dann ging es los zum Allean Forest trail. Vom Parkplatz aus erreichten wir dann problemlos den Einstieg und machten uns auf die harmlosere der beiden angebotenen Varianten. Ein wirklich schöner Weg, bei dem uns auch ein paar nette Hunde samt netter Hundebesitzer begegneten. Etwas, was uns schon gestern aufgefallen ist: Schottland scheint das ideale Reiseland für Hundebesitzer zu sein.

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Auf dem Weg fanden wir ein paar Hausruinen aus der Zeit, als die englischen Landlords, die Schottland unter fester Knute hatten, festgestellt hatten, dass Schafe mehr Gewinn erbringen als die dort ansässigen Landwirte und dieselbigen einfach vertrieben um mehr Land zu haben. Kein Wunder, dass die Schotten so sehr mit ihrem eigenen Brexit liebäugeln.

Nach der Wanderung war dann die Überlegung, wie wir weitermachen. Also fuhren wir erst einmal die Straße, den Loch Tummel entlang. Eigentlich dachten wir, dass wir am Ende des Sees einfach zum anderen Ufer wechseln und dann hinterher in Pitlochry noch ein wenig wandern und dann endlich mal eine Whisky-Verkostung mitmachen. Aber bei dem Ort Tummel Bridge sahen wir ein Hinweisschild auf die „Rannoch Station“. Dieser Ort war uns aus einer Reisesendung im deutschen Fernsehen bekannt. Eine einsamer Bahnhof mitten im schottischen Moor, in dem ein legendärer Teeroom auf die Gäste wartet. Klar, dass wir da hin mussten.

Arme Jutta: Die Straße wurde immer enger und abenteuerlicher und noch dazu wegen einiger Bau- und Baumfällarbeiten durch einige LKWs frequentiert. Aber auch diese Hürden meisterte Jutta vorbildlich. Die Landschaft war einfach atemberaubend, aber leider gab es kaum Möglicheiten anzuhalten, so dass es wenige Fotos (dafür aber um so mehr Erinnerungen) gibt.

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Der Bahnhof war dafür seine Reise wert. Wirklich mitten im Moor gelegen – dieser kleine Bahnhof mit einerm überfüllten Tea Room. Wir hatten Glück und ergatterten noch 2 Sitze am Fenster und genossen unsere Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade, stilecht mit einem Tee mit Milch.

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Am Platz gab es wieder Karten für kleine Wanderwege und so machten wir uns auf zu einem kleinen Trip durchs Moor an einen kleinen See. Leider machte sich Juttas Knie wieder bemerkbar und auch der Regen wurde immer hartnäckiger. Aber wir schafften es noch rechtzeitig zurück zum Bahnhof, als einer der wenigen Züge, die dort Stop machten ankam. Kaum zu glauben, aber es stiegen tatsächlich einige Touristen mit Koffern aus, die zum Hotel nebenan gingen. Also – als Geheimtipp für absolute Ruhe, garantiert ohne WLAN und Internet, ist Rannoch Station auf jeden Fall zu empfehlen.

Mit dem Plan, wenigstens jetzt noch die Distellerie zu besuchen und evtl. ein wenig zu den Wasserfällen zu gehen, machten wir uns auf den Weg zurück. Inwischen fuhr Jutta den Linksverkehr so routiniert, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Aber trotzdem war es leider zu spät für die geplanten Aktivitäten. Also suchten wir uns einen Platz zum Essen. Das von der Wirtin empfohlene Old Mill Inn erschien uns ein wenig zu exklusiv, so dass wir als Alternative ein Café wählten, dass von außen recht originell aussah. Es stellte sich als Pleite heraus. Die Empfehlung des Tages, ein Lammburger mit Knoblauch-Kräuter-Soße war vom Geschmack her eher langweilig und trocken. Egal – es machte zumindestens ein wenig satt und es gibt ja in Pitlochry weitere Einkaufsmöglichkeiten. Dann gibt es halt auf dem Zimmer Dosenbier und Chips.

 

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Wir kamen an einem kleinen Supermarkt vorbei, aber ich meinte, weiter die Straße entlang noch einen Supermarkt gesehen zu haben. Juttas Knie schmerzte immer mehr, aber sie gab nach. Dummerweise gab es bis zum Ende des Ortes keinen Supermarkt mehr, so dass wir den ganzen Weg wieder zurücklaufen mussten. Erst kurz vor unserem B&B sahen wir dann einen großen Supermarkt. Da es aber nicht der war, den ich meinte gesehen zu haben, nehme ich weiterhin die Schuld für den Umweg auf mich.

Nachdem wir jetzt noch zwei Unterkünfte in Richtung Westen gebucht haben ist es jetzt an der Zeit, die letzten Bilder ins Netz zu stellen und dann geht es morgen in den Norden um Nessie zu besuchen.

22.04.2018 Von Edinburgh nach Pitlochry

Fasane sind ganz schön doof – und ich bin’s auch. Das war das heutige Tagesmotto.

Heute machten wir uns auf unseren Roadtrip. Zu diesem Zweck durften wir unsere erste Unterkunft, deren winzige Zimmer und schlechtes Frühstück die Location nicht unbedingt empfehlenswert machen, verlassen. Angesichts dessen, dass die Haltestelle des Airlink 100-Busses, der direkt zum Flughafen fährt eben leider nicht direkt vor dem Hotel liegt, sondern einen Fußweg von einigen hundert Metern erforderte, hatten wir uns schon gestern Abend dazu entschlossen, wieder die Dienste eines Taxi in Anspruch zu nehmen.

Das war eine gute Wahl, denn so wurden wir mitsamt unserer schweren Taschen direkt bei der Mietwagenstation abgsetzt und das zu einem Mehrpreis von lediglich 3 Pfund gegenüber dem Bus. Da unsere Taschen jetzt doch größer waren als ursprünglich geplant, fragten wir nach einem Wagen mit großem Kofferraum in unserer gebuchten Klasse (untere Mittelklasse). Der ausgesprochen nette Sixt-Mitarbeiter überlegte kurz und überließ uns dann einen 3er BMW, für den wir lediglich den Aufpreis des Navis, also 100 Pfund für den gesamten Zeitraum zahlen mussten. Die Taschen passten hier locker in den Kofferraum, was uns natürlich gut gefallen hat. Aber das Auto war schon ziiiiemlich groß und jagte mir einen gehörigen Respekt ein. Die Mietwagenassistenten sahen die Sache allerdings locker. Ich sei doch über den „ÄIDIAIßI“ super vollkaskoversichert und alles kein Problem, ich müsse eigentlich nur den Schlüssel zurückbringen, alles andere sei egal …

Also einmal durchatmen und los ging’s. Mit viel Konzentration begann das Abenteuer Linksfahren. Was soll ich sagen? Ja, es ging wieder, aber es erfordert schon eine gehörige Portion Aufmerksamkeit und Mithilfe des Beifahrers. Zumindest heute, am ersten Tag, konnte ich auf keinen Fall fahren und navigieren gleichzeitig. Aber mit vereinten Kräften haben wir es dann doch geschafft.

Unser erster Stop war in Perth. Dieses Städtchen soll laut Reiseführer ganz interessant und teilweise schön sein. Naja – zumindest ein nettes Café (Eigentlich ein Blumenladen) haben wir aufgetan, in dem wir einen echten Kaffee tranken und dazu einen ersten Scone verzehrten, während draußen der erste Regenschauer in diesem Urlaub vorbeizog. Anschließend bummelten wir durch die Ortschaft, die wirklich nicht sonderlich sehenswert ist und trafen auf einen ganz interessanten Straßenmarkt mit internationalen Essenständen. Als erstes natürlich deutsche Bratwurst, präsentiert von zwei echten Ruhrpott-Jungs, die sich köstlich über Ralfs Scherz, die Bayern seien die Highländer Deutschlands, amüsierten.

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Anschließend verließen wir die A9, die ganz anders aussieht als die deutsche A9 und statteten dem kleinen Touristenort Dunkeld einen Besuch ab. Dieser hat uns mit seinen kleinen Geschäften und Lokalen, seiner historischen Kathedralen-Ruine und seinen weitläufigen Parks mit Baumsammlung wirklich gut gefallen. Nach einem kleinen Zwischenstopp in dem „Scottish Deli„, bei den man nicht nur wie in einem Tante Emma Laden ausgewählte hochwertiges Essen kaufen kann, sondern auch leckere Kleinigkeiten essen kann, machten wir uns auf unseren ersten Spaziergang in die wilde Natur. Leider hat mich das nicht davon abgehalten, über einen Stein zu stolpern und mir das Knie schmerzhaft zu verletzen. Immmerhin ist es dieses Mal nur das Knie und nicht Knie und Knöchel, wie vorletztes Jahr auf Kreta. Trotzdem war ich am Boden zerstört und sah die geplanten Wandertouren in den Highlands zerplatzen. Ich hoffe sehr, dass ich es mit Aspirin und einer Nacht Schlaf wieder einigermaßen heilen kann!

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Das B&B Roseburn, das wir nach diesem Unfall schließlich in Pitlochry erreichten, ist absolut entzückend. Es sieht so typisch aus, dass es fast schon wieder kitschig ist. Unser riesiges Zimmer ist ein Traum. Wunderhübsch eingerichtet mit geschmackvollen Möbeln und mit einem zentimeterdicken Teppichboden ausgelegt, einem herrlichen Ausblick und einem süßen Bad mit toller Badewanne, mit liebevoll hergerichteten Getränken und selbstgebackenen Lemon-Shortbreads und einer absolut netten und herzlichen Wirtin. Mein erster Gedanke: „Hier geh ich nie wieder weg“.

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Die Wirtin empfahl uns auf Nachfrage einige Lokale in der näheren Umgebung und wir entschieden uns für das Moulin Inn, einen typischen alten Inn mit angeschlossener Microbrewery. Der Fußweg über einen guten Kilometer hat meinem Knie zwar nicht geschmeckt, dafür war das Bier und das Essen sowie auch die Atmosphäre im Inn umso besser. Da alle Tische besetzt waren, wurden wir von einem englischen Paar an den Tisch gebeten und hatten eine nette Unterhaltung. Lustig war, dass sie in England in der Region wohnen, in der einige Rosamunde-Pilcher-Filme gedreht wurden. Sie erzählten, dass es viele deutsche Gäste gäbe, die diese Orte besuchen würden und fragten, wer oder was Rosamunde Pilcher wäre. Sehr lustig. Unsere bisherigen Begegnungen auf dieser Reise waren sowieso alle sehr positiv. Die Menschen hier sind offen und uns Fremden gegenüber ausgesprochen freundlich und nett. Ralf war heute mutig und traute sich Haggies zu bestellen. Haggies sind Schafsinnereien, kleingematscht und in einem Schafsmagen gekocht. Sieht schon sehr gewöhnungsbedürftig aus, aber Ralf hat’s geschmeckt und er hat den Teller leer gegegessen.

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Und wieso sind außer mir auch noch die Fasane doof? Weil ich heute unzählige Fasane (ausschließlich männliche) entlang der Straßen gesehen habe. Teilweise lebendig, aber in der Regel leider tot. Offenbar halten diese bunten Hühnervögel sich mit Vorliebe entlang oder auf den Straßen auf, was sie sehr, sehr oft mit dem Leben bezahlen müssen. Doof also.

5.5.2016 Dingle Peninsula

Heute war die Dingle Halbinsel unser Ziel. Seit der Reisemesse f.r.e.e. in München. bei der uns auf dem Irlandstand ein freundlicher Ire die Insel angepriesen hat, waren wir neugierig auf dieses Stück Irland. Zusätzlich hatten wir in einer Reisedoku etwas über den Delfin Fungi erfahren, der vor 30 Jahren in der Bucht ankam, dort blieb und seitdem Jung und Alt erfreut in dem er Booten nachjagt.

Der Wetterbericht war auch auf unserer Seite und versprach „mostly cloudy“ aber keinen Regen. Nach dem unser Navi uns unbedingt auf die normale Landstraße verfrachten wollte, schalteten wir sie aus und folgten den braunen Schildern der Küstenstraße. Nach einiger Zeit kamen wir zum Inch Beach, eine riesige Sanddüne mit einem bei Ebbe sehr breiten Strand. Dort vertraten wir uns zu ersten mal die Füße.

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Danach ging es weiter in Richtung der Ortschaft Dingle. Ein landschaftlicher Höhepunkt nach dem anderen erschien und die arme Jutta musste immer wieder links heranfahren, damit ich Fotos schießen konnte.

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Dingle selbst erwies sich als hübsches Küstenstädtchen, das direkt aus einem Irlandspielfilm entsprungen sein könnte, wenn nicht die vielen Touris gewesen wären. 🙂 Wir schlenderten den Hafen entlang und kauften kurzentschlossen Tickets für einen „Fungi Boat Trip“ – Da noch etwas Zeit war gönnten wir uns noch einen Scone zur Stärkung und dann ging es los.

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Wir fuhren ziemlich weit raus bis zu einer Stelle auf der schon einige andere Boote warteten. Jetzt war die Aufregung – gerade bei den Kindern an Bord – sehr groß. „Where ist Fungi?“ war die dauernd gestellte Frage. Und auf einmal tauchte er auf. Mehrmals schwamm er direkt zwischen den Booten und als das Boot Fahrt aufnahm schwamm er im selben hohen Tempo mit.

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Aber auch diese Fahrt ging zu Ende und wir beide gönnten uns zur Stärkung einmal Fish and Chips direkt aus einem Imbiswagen, die wir am Hafen zu uns nahmen.

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Weiter ging es auf den Slea Head Drive – eine 30 km lange Küstenstraße, die in vielen engen Kurven an der Atlantikküste entlang führt. Meiner Meinung nach ist diese Straße schöner als der berühmte Ring of Kerry. So viele schöne Ausblicke und ein prähistorischer Ort folgt dem nächsten. Wir verbrachten dort mehr Zeit als gedacht und Unterwegs merkte ich, dass ich mir auf dem Boot einen ziemlichen Sonnenbrand auf meinem Kopf zugezogenen hatte. (Von wegen mostly cloudy – es war mostly sunny )

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Müde beschlossen wir nach der Rundfahrt zurück in Richtung Killnarny zu fahren. Dummerweise erwies sich die „schnellste Strecke“ unseres Navis als Reinfall. Da die Karte eine neue Umgehungsstraße nicht kannte, ging es einige Kilometer die falsche Richtung, bis wir die Kiste einfach ausschalteten und den Schildern folgten. (Was man außerhalb der Städte eh am vernünftigsten machen sollte)

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Daheim orderten wir uns eine Pizza und organisierten noch frisches Guinness um gemütlich vor dem Fernseher einen der schönsten Irlandtage ausklingen zu lassen.

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Nur noch wenige Tage

Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis wir nach Philadelphia fliegen. Als mein Vater noch im Krankenhaus lag, hatten wir unsere Träume in 2009 nochmal in die Staaten zu fliegen eigentlich schon begraben. Die Überlegungen gingen mehr dahin, sich für den verschobenen Jahresurlaub im September ein paar Kilometer südlich der Alpen zu begeben, bis wir bei Tchibo ein Angebot sahen, 14 Tage New England. Wohlwissend, dass es aufgrund der kritischen Situation meines Vaters eher ein Traum bleiben wird, sahen wir uns das Angebot etwas genauer an und es wuchs der Wunsch, irgendwann einmal den Indian Summer zu erleben.

So schnappten wir uns ein paar Reiseführer und Reiseprospekte um wenigstens fiktiv über den großen Teich zu kommen und für den Bedarf schon mal verschiedene Alternativen zu unseren geliebten Roten Felsen zu entdecken. Florida mit einem Trip in die Everglades und zu den Keys erschien auch reizvoll aber für einen Septembertrip dann doch zu sehr mit dem Risiko behaftet die Hurikansaison zu erleben.

In einem Prospekt von FTI gab es aber einen schönen 15 Tage-Trip von Chicago über die großen Seen nach Philadelphia. Bei weiterer Betrachtung wurde die Route von mal zu mal interessanter und so wie man früher mit den Fingern über die Landkarte strich, bastelte ich mir mit Google-Maps eine potentielle Route nach Vorlage der Reiseinfos im Prospekt.

Chicago und die großen Seen auf einer größeren Karte anzeigen

Trotzdem hielten wir eher Ausschau nach einer Ferienwohnung in Südtirol, da mir klar war, dass ich jederzeit schnell in das Rhein-Main-Gebiet können muss, da sich die Situation um meinen Vater jederzeit verschärfen kann. Aber auch hier buchten wir noch nichts – zu groß war die Angst wie im Mai kurzfristig stornieren zu müssen.

In der Nacht zum 25. August rief mein Bruder an. Mein Vater ist in der Nacht erlöst worden und hat seinen Frieden gefunden. Er ist nicht mehr aus dem Koma erwacht und man merkte ihm trotz Dämmerzustand des Wachkomas an, dass er die ganze Zeit sehr gelitten hat. Ein Gefühl irgendwo zwischen erleichterter, schmerzlichen Trauer erfüllt mich seitdem. Ich vermisse ihn, gönne ihm aber auch, dass diese seltsame Zeit, die er in seiner Zwischenwelt gefangen war, beendet ist. Zusätzlich zu der Trauer, macht sich eine tiefe Erschöpfung bemerkbar und der große Wunsch zwischen mir und hier möglichst viel Raum zu haben.

So haben Jutta und ich recht spontan den Plan, in den mittleren Westen zu fliegen wieder aufgegriffen. Einige Recherchen haben ergeben, dass die Flugkosten für den Trip nach Philadelphia und dann von Chicago aus zurück, für die geplante Zeit die günstigste ist. Spontan gönnten wir uns einen bezahlbaren Direktflug von München nach Philadelphia und von Chicago zurück mit der Lufthansa. Über London, Paris oder Amsterdam, hätten wir zwar nochmal zwischen 80 und 100 Euro sparen können – wären aber dafür anstatt 9 Stunden zwischen 12 und 16 Stunden unterwegs gewesen. Ansonsten buchten wir nur noch einen Mietwagen und die erste Übernachtung in King of Prussia – einem kleinen Vorort von Philadelphia mit einer riesigen Mall.

Den Rest der Reise lassen wir so wie es kommt auf uns zukommen. Das einzige was noch feststeht, ist der Termin des Rückfluges. Es kann also auch durchaus passieren, dass wir diesmal spontan die Route ändern, an einem Ort zwei Tage anstatt des geplanten einen Tages, dafür an einem anderen Ort einen Tag anstatt der vorgesehenen zwei Tage bleiben. Für mich etwas ungewohnt, da ich doch sonst eher auf die Seite der Menschen gehöre, die den Tag lieber geplant verbringen. Ich bin gespannt, wie es mir dabei gehen wird. 🙂 Aber ich freue mich jetzt schon riesig und kann es kaum noch erwarten am Samstag im Flieger zu sitzen.

Das Ende eines Traumes

So schnell können Träume platzen. Seit eineinhalb Jahren planen Jutta und ich unsere Traumreise. Internetseiten wurden durchstöbert, Bücher gekauft und gewälzt, die Route lange ausgearbeitet, Flugpreise verglichen und immer wieder die Sehnsucht nach dem weiten Land mit den roten Felsen.Nur noch 2 1/2 Wochen trennten uns von dem Abflugtermin, als mein Bruder Marc am Karfreitagmorgen anrief und die Schreckensbotschaft mitteilte, dass unser Vater in der Nacht in die Intensivstation eingeliefert wurde. Noch im Laufe des Morgens wurde eine Gehirnblutung diagnostiziert und seitdem liegt unser Vater in einem sehr, sehr kritischen Zustand im künstlichen Koma.
Was tun in so einem Moment? Vieles sprach dafür, dass wir die Reise sofort stornieren. Aber nach einigen Gesprächen überlegten wir, sollte mein Vater sterben, die Reise doch anzutreten. Einige Ziele wie z.B. Tombstone oder Silvercity hatte ich unter dem Gesichtspunkt gewählt, dass dies etwas wäre, was meinem Vater als alten Wildwest-Fan viel Spaß gemacht hätte wenn er dann davon in unsrem Reisetagebuch lesen wird und die Bilder sieht. Es wäre vermutlich auch in seinem Sinn gewesen wenn wir, wenn auch trauernd, den Weg über den großen Teich genommen hätten.
Heute dann war es soweit, dass auch diese Überlegungen, die in mir auch immer mehr ein schlechtes Gewissen hervorgerufen haben, ein Ende nahmen. Einmal tief Luft holen, dann die Nummer der Hotline von Delta gewählt und ich sprach mit einer jungen Dame, die geschäftsmäßig freundlich die Stornierung aufnahm und nochmals darauf hinwies, dass es ein nicht umbuchbarer Flug ist und die Kosten, bis auf Flughafengebühr weiterhin fällig sind. Die Bestätigung für die Reiserücktrittversicherung musste dann leider wieder umständlich über das Mail-Webformular bestellt werden. Verrückt, einen teuren Flug, kann man jederzeit ganz schnell über das Internet buchen, wenn es aber dann darum geht, diesen Flug umzuorganisieren, dann sind viele bürokratische Hürden zu umgehen.

Der Mietwagen war dann darauf hin leicht zu stornieren. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich mich für eine Vorauszahlung entschieden. Pech – denn so kostet es 40 Euro Stornierungskosten – aber das ist jetzt auch egal.

Der Urlaub in der Firma wurde jetzt von den ursprünglichen vier Wochen auf zwei verkürzt. Wer kann schon sagen, wann und für was ich die übrigen Tage in diesem Jahr noch brauchen werde.

Die Stornierung der vorgebuchten Übernachtungen – soweit sie stornierbar waren – fand dann wie in Watte gepackt statt. Zusätzlich zu der Sorge um meinen Vater kam noch das Bewusstsein, dass die vielen Tage und Stunden der Vorbereitung auf den großen Traum – einmal im Leben für 4 Wochen quer durch die USA zu reisen – Stück für Stück verloren gingen. Und jetzt? Ein seltsames Gefühl der Erleichterung, dass dieser Schritt getan ist, zusätzlich mit dem Wissen gepaart, dass jetzt der unmenschliche Teil der Versicherungsabwicklung losgeht. Es muss nachgewiesen werden, in welchen Verwandschaftsverhältnis wir stehen. Der Arzt im Krankenhaus muss überredet werden ein Attest zu erstellen und ich weiß nicht inwieweit das mit seiner Schweigepflicht kollidiert. Das Warten auf die Stornierungsbestätigung und dann die ganzen Formulare.

Eigentlich will ich jetzt nur noch meine Ruhe – mich zurückziehen und an nichts mehr denken. Aber es hilft nichts – das Leben geht weiter und um zumindest den finanziellen Schaden zu vermindern müssen jetzt die nächsten Schritte einfach Stück für Stück vorgenommen werden. Zumindest hilft es, vom Warten auf das, was kommen wird und von dem noch keiner sagen kann, was es sein wird, mit Aufgaben zu erfüllen.

Diese Route, wie sie geplant ist, werden wir wohl nie fahren. Es war unser Traum und es soll jetzt auch ein Traum bleiben. Ich könnte diese Strecke nie mehr unbelastet fahren. Irgendwann für das nächste oder übernächste Jahr werden wir wohl wieder unsere geliebten roten Felsen und die geliebte Wüstenlandschaft als Urlaubsziel in Angriff nehmen. Aber für dieses mal ist der Traum ausgeträumt.