Tag 11: Sturgeon Bay

Heute müssen wir leider schon wieder Abschied nehmen von der U.P. und Michigan. Wir sind beide etwas traurig, dass wir schon wieder aus der Einsamkeit des Nordens in die Geschäftigkeit des Südens reisen müssen. Um uns den Abschied etwas zu versüßen, gehen wir nebenan ins Sydney`s um wieder einmal ein kräftiges amerikanisches Frühstück zu uns zu nehmen. Wir lassen uns das Pancake Special servieren, 2 Buttermilch-Pfannkuchen und 2 Rühreier mit gebratenem Speck und Toast, dazu natürlich Kaffee. Uff, war das viel!

So gestärkt machen wir uns auf den Weg. Die Straße führt uns wieder einmal durch wunderschönen Wald, der stellenweise schon die kräftigen Farben des „Coloured Leaves“ zeigt. Leider sind wir wohl eine bis zwei Wochen zu früh, um die volle Farbenpracht erleben zu können. Ja, ich denke, wir müssen noch einmal zurückkehren. Nur wann? Im Sommer, wenn es schön warm ist und man im See auch schwimmen kann? Oder im Herbst, wenn die Wälder bunt sind (es aber auch schon wettermäßig schlechter aussehen kann)? Der Winter soll hier auch phantastisch sein.

Endlich bunte Blätter
Endlich bunte Blätter
Käse und Holz ist eine interessante Souvenir-Mischung :-)
Käse und Holz ist eine interessante Souvenir-Mischung 🙂

Ansonsten verläuft die Fahrt ereignislos. Wir machen auch keinen Zwischenstopp, sondern fahren über amerikanische Highways durch amerikanische Baustellen und treffen viele amerikanische Autofahrer, wobei uns insbesondere die amerikanischen Trucks als sehr ungeduldige Fahrer auffallen. Wenn man überholt wird, dann meist von einem Truck.

Achtung Snowmobilfahrer auf der Autobahn!
Achtung Snowmobilfahrer auf der Autobahn!

Irgendwann überqueren wir die Grenze zu Wisconsin und erreichen damit eine andere Zeitzone, die Central Time. Prima, damit wird uns eine Stunde geschenkt! Mag es am trüben Wetter liegen, aber die Landschaft reißt uns nicht vom Hocker. Geprägt von Landwirtschaft mit vielen Farmen ist sie uns – jetzt nach der Einsamkeit und Ursprünglichkeit North Michigans – zu zahm und langweilig. Wahrscheinlich sind wir aber nur „versaut“, denn das „Door County“, wie die Gegend hier auch genannt wird, ist ein beliebtes und bekanntes Touristenziel.

Meilenlang geradeaus durch den Nebel
Meilenlang geradeaus durch den Nebel

Wir passieren Green Bay, das wir ursprünglich als Tagesziel geplant hatten und sind froh, uns umentschieden zu haben, denn die Stadt präsentiert sich zumindest vom Highway aus als graue, hässliche Industriestadt. Wir wollen weiter nach Sturgeon Bay, das eine nette historische Altstadt haben soll und wo wir uns ein richtig gutes Hotel direkt am Wasser gegönnt haben. Unser Plan, vom Hotel, das direkt an der Brücke liegt, zu Fuß Downtown zu erreichen, zerplatzt jedoch, da die historische Brücke derzeit bis 2010 renoviert wird und gesperrt ist.

Egal, dann fahren wir halt mit dem Auto die paar Meter. In dieser Stadt treffe ich erstmals in diesem Urlaub auf die amerikanischen 4-Way-Stop-Kreuzungen. Bei diesen Kreuzungen steht an jeder Einfahrt ein Stoppschild und gefahren wird in der Reihenfolge des Erreichens der Kreuzung. Puh, und natürlich steht gleich an jedem Stoppschild ein Auto. Wen muss ich jetzt vorlassen und wann darf ich fahren? Der Adrenalinspiegel steigt, aber ich meistere die Aufgabe unfallfrei.

Straßenszene Downtown Sturgeon Bay
Straßenszene Downtown Sturgeon Bay
Kunst an der Wand
Kunst an der Wand

Wir parken direkt an der Straße und gehen erst einmal eine Kleinigkeit essen und die Restrooms benutzen. Danach spazieren wir durch die Stadt, die sich doch als kleiner herausstellt als wir dachten. Immerhin gibt es ein Bekleidungsgeschäft, das derzeit hohe Rabatte bietet und wo ich ein paar Sachen einkaufe. Dann besuchen wir das örtliche Heimatmuseum.

Unscheinbares Äußeres aber innen war ein nettes Kaufhaus
Unscheinbares Äußeres aber innen war ein nettes Kaufhaus

In diesem Museum begrüßen wir als erstes das Labradorbaby, das von der Mitarbeiterin am Empfang zum Blindenhund ausgebildet wird. Die Arbeit im Museum erfolgt ausschließlich ehrenamtlich und die Dame bringt während ihrer Dienstzeit den Welpen einfach mit, der dann in seiner Box schläft und gleichzeitig auch noch den Umgang mit vielen fremden Menschen lernt. Mein Gott, ist das Tierchen süß! Ein Welpe halt. Ich muss an unsere alte Dame Anka denken und hoffe wieder einmal, dass es ihr gut geht.

Endlich Wildtiere der Region, wenn auch nur ausgestopft
Endlich Wildtiere der Region, wenn auch nur ausgestopft
Etwas für große kleine Jungs :-)
Etwas für große kleine Jungs 🙂
Historische Gefängniszelle
Historische Gefängniszelle

Ein Großteil der Ausstellung beschäftigt sich mit den verschiedenen Einwanderungswellen, durch die dieser Teil Amerikas besiedelt wurde. Sehr viele Deutsche, Skandinavier, Belgier und Holländer sind hierher gekommen und haben die Kultur dieses Landes geprägt. Man merkt es noch immer an den vielen, vielen europäischen Familien- und Ortsnamen, die man hier liest. Heute sind wir zum Beispiel an Luxemburg, Denmark und Brussel vorbeigekommen, aber auch Hanover und New Franken gibt es hier. Das war sehr interessant zu sehen, auch wenn sie den „Hunsruck“ als belgisch dargestellt haben. Am Ausgang unterhalten wir uns noch eine Zeit lang mit der Mitarbeiterin. Sie freut sich sehr, deutsche Gäste zu haben und natürlich müssen wir uns ins Gästebuch eintragen.

Wo wir hingehen - Cochem ist überall
Wo wir hingehen – Cochem ist überall
Die verschiedenen ethnischen Gruppen der Region und deren Herkunft
Die verschiedenen ethnischen Gruppen der Region und deren Herkunft

Auf dem Weg zum Auto fotografiert Ralf eine Deko an einem Geschäft, wobei ich denke, dass er das Schild mit der Werbung für Eiscreme und vor allem dem „Root Beer floated“ Eis aufs Foto bannt (worüber wir uns vorher schon amüsiert hatten). Ein Passant bleibt kopfschüttelnd und grinsend stehen und fragt, was denn da so interessant wäre, dass es fotografiert werden müsse. Ich erkläre, dass wir noch nie etwas von „Root Beer floated Icecreme“ gehört hätten. Er erklärt mir, was das ist und wir geraten (wieder einmal) in eine längere Unterhaltung, nachdem er hört, dass wir aus München sind. Bei der Verabschiedung meint er, jetzt habe er eine „story for my newspaper“. Hey, kommen wir Sonderlinge jetzt etwa in die Zeitung? Cool.

Wegen dem Bild, kommen wir in die Zeitung
Wegen dem Bild, kommen wir in die Zeitung

Nach einer kurzen Fahrt gelangen wir zu unserem Hotel, obwohl die Navitante mal wieder am Ausflippen ist, weil wir nicht über die (gesperrte) Brücke fahren wollen, sondern über die neue Brücke, die sie noch nicht kennt. Ich glaube, heute mag sie uns gar nicht, denn schon auf der Fahrt hierher ist sie voll in Panik geraten, weil wir über einen neu gebauten Highway gefahren sind, den sie nicht kannte. Tja, das Leben kann schon hart sein, auch als Navigationsgerät….

Das Hotel ist einfach klasse. Das Zimmer riesig mit Küchenzeile, offenem Kamin (natürlich nur gasbetrieben), luxuriösem Bad und wieder einem Whirlpool. Der hat uns in Mackinaw City so gut gefallen, dass wir noch einmal ein entsprechendes Zimmer gebucht haben. Ich glaube, unser Haus erhält nicht nur eine Veranda dran gebaut, sondern wir bauen auch einen Whirlpool ein… 😉

Unser Hotelzimmer im Bridgeport Resort
Unser Hotelzimmer im Bridgeport Resort
So ein Whirlpool ist etwas feines :-)
So ein Whirlpool ist etwas feines 🙂
Der Kamin ist zwar falsch aber romantisch. (Und macht sogar warm)
Der Kamin ist zwar falsch aber romantisch. (Und macht sogar warm)

… und das alles wegen der Nachsaison zum selben Preis, wie das Motel gestern – Dankeschön an Google – wir hätten das sonst nie entdeckt! 🙂

Unsere heutige Route:


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