Tag 3: Lancaster und Gettysburg

Motto des Tages: Schulbusse. Viele Schulbusse. Noch mehr gelbe Schulbusse.

Ich bin traumatisiert. Heute sind wir durch das Amish-Land über Lancaster nach Gettysburg gefahren und in der Zeit von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr bin ich von Schulbussen verfolgt worden. Unglaublich, wie viele Schulbusse unterwegs waren, aus allen Seitenstraßen kamen sie und brachten mich zum Schwitzen. Wie war das noch mal? Ja, in den USA genießen Schulbusse einen ganz besonderen Status. Wenn sie mit ihren großen Leuchten blinken, darf man nicht an ihnen vorbei fahren. Egal, ob sie einem entgegen kommen oder ob sie vor einem fahren. Zusammen mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen von 15 Meilen vor den Schulen war das ein ganz schöner Stessfaktor auf der heutigen Fahrt.

Juttas Albtraum: Die gelben Monster
Juttas Albtraum: Die gelben Monster

Heute Morgen haben wir uns von King of Prussia verabschiedet. Unser Weg sollte uns zuerst nach Lancaster führen, wo wir verschiedene Amish-Ansiedlungen besichtigen wollten. Die Fahrt über den Freeway wurde uns schnell zu langweilig und so verließen wir ihn und fuhren von da an nur noch über Land. Der Trick dabei war, unserer Navigationstante einfach zu befehlen „Autobahnen zu vermeiden“ – So braucht man zwar länger kommt aber dafür durch nette Landschaften und Orte, die man sonst nie sehen würde.

Erst einmal landeten wir dann gleich in einen riesigen Supermarkt, wo wir uns mit Wasser und Snacks eindeckten und natürlich schauten und staunten. Amerikanische Supermärkte sind für mich einfach immer ein Erlebnis. Ralf wird mal wieder angequatscht. Ein älterer Mann erzählt ihm ungefähr eine Viertelstunde lang seine Lebensgeschichte, wovon Ralf tatsächlich ungefähr 35 % verstanden hat. Gut, die Artikulation des alten Mannes war aufgrund eines schlecht sitzenden Gebisses etwas gestört, von daher sei Ralf die schlechte Quote verziehen. An der Kasse löste ich mit vielen Schwierigkeiten meinen letzten Traveller-Cheque, den ich noch vom letzen USA-Urlaub übrig hatte ein. Merke: Traveller-Cheques sind, auch wenn es alle USA-Ratgeber anders sehen, überflüssiger Schnickschnack, die in Zeiten von Plastikgeld kein Mensch mehr braucht!

Ein paar Häuser weiter sehe ich eine Hertz-Vertretung und fahre kurz entschlossen hin, da wir die Cruise Control unseres Luxusschlittens noch nicht dazu gebracht haben, auch tatsächlich die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Der Angestellte ist verzweifelt, weil er uns kein Ersatzfahrzeug geben kann. Aber dann stellt sich heraus, dass der Fehler doch hinter dem Lenkrad sitzt. Nachdem der Angestellte uns erklärt hat, wie die Cruise Control zu bedienen ist, funktioniert alles bestens. Sowohl wir als auch er sind glücklich.

Die Fahrt nach Lancaster ist sehr schön, auch wenn die Landschaft ziemlich europäisch aussieht. Dafür sind die Häuser wirklich wunderschön. Besonders gefallen mir die Veranden, auf denen tatsächlich – wie man es aus Filmen kennt – oft Schaukelstühle stehen. Spontan überlegen wir, an unser Haus auch eine Veranda zu bauen.

Typisches Warnschild rund um Lancaster
Typisches Warnschild rund um Lancaster
Und das ist der Grund dazu
Und das ist der Grund dazu
Und überall gibt es eine Veranda (Wenn wir mal viel Geld haben gönnen wir uns das auch!)
Und überall gibt es eine Veranda (Wenn wir mal viel Geld haben gönnen wir uns das auch!)

Schließlich kommen wir beim Amish-Village an, wo wir eine Führung durch das Anwesen buchen. Diese ist sehr interessant und wir erfahren viel über die Lebensweise dieser tief gläubigen Menschen, die ursprünglich aus Deutschland gekommen sind und auch heute noch ihr traditionelles Leben führen. Spannend ist zum Beispiel, dass die Kinder erst einmal Englisch lernen wenn sie in die Schule kommen. Zu Hause sprechen die Familien ihre eigene Sprache, die eine Art deutscher Dialekt ist. Anschaulich wurde dies im Schulhaus dargestellt. So gibt es zum Beispiel die Wörter Maedle, Boo, Dela (Teller), Leffly (Löffel) und ganz besonders gefällt mir das Wutz (Schwein).

Eine Amish Wohnstube. Alles ohne diesen neumodischen Strom (auch der Kühlschrank)
Eine Amish Wohnstube. Alles ohne diesen neumodischen Strom (auch der Kühlschrank)
Ein deutscher Tourist
Ein deutscher Tourist
Übersetzung "Deitsch" zu Englisch
Übersetzung „Deitsch“ zu Englisch
Jutta macht sich gut als Lehrerin
Jutta macht sich gut als Lehrerin

Eigentlich wollten wir noch zum Visitor Center des Amish-Landes, haben es aber nicht gefunden. Deshalb machten wir uns auf den Weg nach Gettysburg. Der Weg dorthin war sehr schön, aber es fuhren viele Schulbusse…

In Gettysburg haben wir uns zuerst einmal im Motel 6 eingebucht. Das erste Mal in Amerika, dass wir 1. im Motel 6 sind und 2. ohne Reservierung ankamen. Aber es klappte recht gut. Ich habe mir erst einmal das Zimmer angeschaut. Das erste Zimmer hatte doch tatsächlich ein Fenster zum Hallenbad und war vollgestellt mit drei Betten. Nein, das hätte ich nicht genommen. Das zweite Zimmer, in dem wir heute auch übernachten, war ok und deshalb haben wir die Buchung gleich perfekt gemacht. 65,99 Dollar einschließlich Taxes kostet die Übernachtung. Ein sehr guter Preis für Gettysburg. Aber wie heißt es so schön: You get what you pay for. Wir sind jetzt seit ungefähr eineinhalb Stunden auf dem Zimmer und haben jetzt schon für morgen im Best Western Pittsburgh reserviert. Nein, Motel 6 gefällt uns nicht. Wir hören den Fernseher im Nebenzimmer, wenn nebenan die Zimmertür geschlossen wird wackelt hier die Wand und direkt vor unserem Zimmerfenster läuft die Bahnlinie entlang. Darauf habe ich Schlaumeier halt beim Zimmerangucken leider nicht geachtet. Mal sehen, wie die Nacht wird…

Nachdem wir das Zimmer gebucht hatten, sind wir los Richtung Visitor Center der Battlefields. Wir waren spät dran, aber zu einem Schwätzchen auf dem Parkplatz mit einem Mann, der als Regierungsbeamter in Rosenheim, genauer gesagt in Bad Aibling (also da, wo die große Abhöranlage steht) gearbeitet hatte. Im Besucherzentrum erhalten wir eine Karte, mit der Tour zur Besichtigung aller historischen Schlachtfelder. Ja, hm, die Landschaft war ja ganz schön, aber ansonsten bin ich leider zu wenig bewandert in amerikanischer Geschichte, um alles richtig würdigen zu können. Für Ralf war es interessanter, da er sich mit den Fakten auch auskennt, aber ich musste mich leider als Dummie outen und deshalb sind wir auch nicht die ganze Tour abgefahren.

In den Wäldern rund um die Gedenkstätte
In den Wäldern rund um die Gedenkstätte
Gettysburg Battlefield
Gettysburg Battlefield
Gedenktafeln für die Gefallenen beider Seiten
Gedenktafeln für die Gefallenen beider Seiten
Gettysburg Historisches Viertel
Gettysburg Historisches Viertel
Touristenbus für die "Ghost Tours"
Touristenbus für die „Ghost Tours“
Verandaschmuck in Gettysburg
Verandaschmuck in Gettysburg

Wir wollten uns noch die historische Altstadt von Gettysburg anschauen und noch etwas essen. Die Häuser der Altstadt waren natürlich wieder sehr malerisch, aber uns fehlte so ein bisschen die Muße dazu, da sich unsere Mägen doch sehr arg bemerkbar machten. Ein ansprechendes Lokal fanden wir auch in all dem Touristennepp nicht und so setzten wir uns ins Auto und fuhren wieder Richtung Ortsausgang, wo sich die Fast-Food- und Familienlokale angesiedelt haben. Wir entschieden uns für ein Ruby Tuesday und aßen sehr leckere Chicken-Gerichte mit Salat. Auffällig war hier die wirklich kurze Frequenz für das Nachfragen, ob alles in Ordnung sei. Viermal während dem Verzehr des Hauptgerichtes empfand ich als etwas viel… Aber so ist es nun mal in den Staaten und sicher werden wir es zuhause wieder vermissen.

Draußen empfängt uns ein wunderschöner Abendhimmel. Es ist noch schön warm, aber das Auto beschlägt schon ein bisschen. Ach ja: Wir hatten heute wieder schönes, sonniges Wetter mit Temperaturen um die 26 Grad (Celsius), auch wenn der Himmel zwischendurch bewölkt war. Aber heute Abend war es wieder ganz klar. Ich hoffe, das bleibt die nächsten Tage auch weiter so.

Abendstimmung auf dem Parkplatz von Ruby Tuesday
Abendstimmung auf dem Parkplatz von Ruby Tuesday

Nachtrag von Ralf:

So sicher bin ich mir über die Geschichte von Gettysburg auch nicht. Hier fand eine der entscheidenden Schlachten des amerikanischen Bürgerkrieges statt. Warum der Bürgerkrieg für die USA so bedeutend sind – und das Gerücht widerlegt, dass auf amerikanischen Boden in der Geschichte der USA kein Krieg stattgefunden hat, habe ich durch einen tollen Beitrag bei der Webseite „USA erklärt“ gelernt.

Unsere heutige Tour:


Chicago und die großen Seen auf einer größeren Karte anzeigen