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9. Tag: 8.5. Taos und Great Sand Dunes

Heute verließen wir das schöne New Mexico um einen Abstecher nach „Colourful Colorado“ zu machen. Aber zunächst stand noch eine wunderbare Fahrt über die „High Road to Taos“ auf dem Programm. Diese Straße führte uns durch spektakuläre Landschaften zunächst nach Chimayo, wo wir uns die Wallfahrtsstätte ansehen. Auch hier beeindruckt das Zusammenspiel von indianischer und christlicher Religion und es gibt sogar ein Standbild einer Vietnamesin, die angeblich als Mutter Maria mit dem Jesuskind erschienen sein soll. Überall hängen Rosenkränze und von Pilgern mitgebrachte Kreuze mit Bitten und Danksagungen. Als besonderer „Knüller“ soll es hier durch den Verzehr einer heiligen Erde zu Wunderheilungen kommen. Ralf wollte die Erde aber trotz seiner Erkältung nicht essen und so sind wir weitergefahren, ohne dass er geheilt war.

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Auf dem weiteren Weg wartete die Landschaft immer wieder mit spektakulären Aussichten auf, bis wir schließlich Taos erreichten. Bis dahin waren wir uns noch uneins, ob wir das Taos Pueblo noch besichtigen sollten. Da wir aber in einen ausgewachsenen Verkehrsstau hineingerieten, entschieden wir uns, nur eine Kleinigkeit zu essen und weiterzufahren. Vorher aber entdeckte ich ein Sportgeschäft, das ich spontan ansteuerte, um mir endlich meine halb hohen Wanderschuhe zu kaufen, die ich schon seit Tuscon (als ich mir den schlimmen Sonnenbrand auf den Füßen geholt hatte) zulegen wollte. Mit Hilfe eines halbwegs bemühten Verkäufers fand ich ein Paar Schuhe von Coleman und besitze somit Wanderschuhe vom Hersteller unserer ausgezeichneten Kühlbox. Der Preis stimmte auch, also alles gut.

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An der „Taos Plaza“ fanden wir einen Parkplatz direkt an einer kleinen Fußgängerzone, in der wir auch ein nettes Lokal fanden, in dem wir ein Sandwich verspeisten. Anschließend bummelten wir noch durch einen Teil des Städtchens, das mir ausnehmend gut gefiel. Besser sogar als Santa Fe. Ich stehe halt doch eher auf die kleineren Städtchen als auf Großstädte. Landei bleibt Landei.

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Dann war bald die Landesgrenze von New Mexico erreicht. In der Ferne sah man schon die schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains aufragen, als wir nach Colorado fuhren. Und wieder weite Landschaften mit der Warnung vor kreuzenden „Elks“ und Pferden, wegen „Open Range“. Aber nicht mal ein Hase ließ sich blicken, als wir wieder einmal Meile für Meile geradeaus fuhren.

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Kurz nachdem wir zum „Great Sand Dunes Nationalpark“ abgebogen waren, konnte man sie schon in der Ferne sehen. Dieser Nationalpark ist für mich ein echtes Naturwunder. Bedingt durch starke Winde haben sich direkt vor den schneebedeckten Bergen, die sich auf über 4000 Metern Höhe erheben, über ein riesiges Gebiet sehr große Sanddünen gebildet. Der Kontrast zwischen diesen alpinen Bergen und den wüstenhaften Sanddünen ist unbeschreiblich und gehört für mich jetzt schon zu den Highlights dieser Reise.

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Der Zutritt zu diesen Dünen ist im vorderen Bereich des Parks uneingeschränkt möglich. Von einem Parkplatz aus führt der Weg zu einem Creek, der einiges Wasser führte, aber leicht zu durchwaten war. Also Schuhe aus, Hosenbeine hochkrempeln und los gehts. Ein kleines bisschen Mut gehörte für mich schon dazu, aber es machte riesigen Spaß, durch das kalte Wasser zu gehen. Hinterher wanderten wir noch durch die Dünen und genossen diese fremdartige Landschaft vor den Bergen. Da der Wind aber doch unangenehm und sich trotz Sonnenscheins schon einige dunkle Wolken am Himmel zeigten, machten wir uns bald auf den Rückweg zum Auto.

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Vom Parkplatz aus führte uns die Navitante über wieder einmal meilenweite, geradeaus führende Straßen zu unserem Motel, das auch ein Highlight unsere Reise ist. Das Best Western Movie Manor in Monte Vista steht mitten im Nichts. Angeschlossen ist jedoch ein Autokino. Von jedem Zimmer aus hat man einen Panoramablick auf die Leinwand, der Ton wird mittels Lautsprecher ins Zimmer übertragen. Alle Zimmer sind mit Bildern von Filmstars verziert und jedes Zimmer nach einem Star benannt. Wir schlafen im Zimmer „Robert de Niro“ und konnten uns den neuen „Avengers“ anschauen. Leider entspricht das nicht so ganz unserem Filmgeschmack und so verspeisten wir lediglich unseren Hamburger mit Pommes, die wir uns an der Snackbar besorgt hatten, vor der Leinwand und zogen dann die Vorhänge zu. Trotzdem eine tolle Sache, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Morgen wird es dann noch weiter in die Berge gehen. Auch hier, auf etwa 2600 Metern Höhe, war es heute Abend schon recht frisch, der Wind blies stark und es regnete ein paar Tropfen. In Silverton, wo uns eine Bahnfahrt übermorgen hinführen wird, schneit es derzeit. Ich hoffe, wir bleiben von solchen Wetterkapriolen verschont.

8. Tag: 7.5. Santa Fe

Die Kinder der Familie im Zimmer nebenan hatten letzte Nacht gut geschlafen. Schön, denn damit konnten auch wir recht gut schlafen. Leider war die Nacht ziemlich kalt, so dass ich etwas frieren musste. Die dünnen Decken in amerikanischen Motels sind halt nicht für kalte Frühlingsnächte gemacht. Allerdings sind wir dann nach dem Aufstehen auf die Idee gekommen, dass man ja mittels der Klimaanlage vielleicht auch heizen kann. Ja, man kann! Juchhu, die nächste Nacht wird weniger frostig.

Nach dem Duschen machen wir uns heute direkt auf den Weg in die Stadt. Santa Fe verspricht ja doch einige Sehenswürdigkeiten, die wir in Ruhe genießen wollen. Auch das Wetter verspricht einen schönen Tag, es ist sonnig und klar, wenn auch etwas kühl, Aber wenn man bedenkt, dass Santa Fe als höchstgelegene Hauptstadt eines US-Bundesstaates auf 2100 Metern Höhe liegt, verwundert das nicht weiter.

Wir finden nach nur kurzer Suche einen großen öffentlichen Parkplatz und stellen dort unser Auto ab. Mit einem Dollar pro halber Stunde ist das zwar ein teures Vergnügen, aber was will man machen? Unser Weg Richtung Plaza führt uns an der Kathedrale San Francesco vorbei. Als Schutzpatron der Stadt ist Franz von Assisi überall in der Stadt zu finden. Eine schöne katholische Kirche mit einem Taufbrunnen mit fließendem Wasser im Innenraum. Das Hauptschiff ist europäisch geprägt, eine kleine Seitenkapelle ist als ältester Teil der Kirche mexikanisch geprägt. Vor der Kirche ist neben einer Statue des heiligen Franziskus auch eine Statue einer Indianerin zu sehen. Ein schöner Berührungspunkt zweier Religionen.

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Anschließend schlendern wir durch die Straßen rund um die Plaza. Wir bewundern die vielen Geschäfte mit ihrem Schmuck, Kleidern, Lederwaren und natürlich Kunst. Kunst, Kunst und nochmals Kunst. Santa Fe ist inzwischen ja hauptsächlich als Künstlerstadt mit unzähligen Galerien bekannt, was wir wirklich bestätigen können.

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Dann schauen wir uns natürlich auch die berühmte Treppe in der Loretto-Kapelle an. Technische Meisterleistung oder doch ein Wunder? Für uns als Laien wirkt die Treppe wirklich, als könne sie eigentlich gar nicht stabil sein. Aber dass sie vom heiligen Josef persönlich gebaut wurde, nachdem die Schwestern 9 Tage lang gebetet hatten, weil sie beim Bau der Kapelle vergessen hatten, eine Treppe zu Empore zu bauen und die örtlichen Handwerker meinten, das wäre unmöglich, glaube ich dann doch eher nicht… Auch die Mission San Miguel schauen wir uns an, das älteste Haus der USA und die Canyon Road, in der sich ebenfalls viele Galerien angesiedelt haben.

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Zwischendurch müssen wir uns natürlich stärken mit Kaffee und Gebäck bei Starbucks, einem regionalen Imbiss von einem Stand, den wir auf einer Bank im Sonnenschein auf der Plaza verzehren und letztlich einem Crepe mit Erdbeeren. Trotzdem sind wir nach einigen Stunden platt. Dies umso mehr, als sich bei Ralf eine Erkältung immer mehr bemerkbar macht. Oh nein, hoffentlich kein Männerschnupfen, sondern nur eine Verkühlung wegen der allgegenwärtigen Klimaanlagen!

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Wir entschließen uns, den Turquoise Trail, der entlang einer alten Handelsstraße Richtung Albuquerque verläuft, und sich heute Scenic Byway nennt, nach Madrid zu fahren. Eine gute Entscheidung! Wunderschöne Landschaften und ein herzallerliebstes Künstlerstädtchen begeistern uns beide. Madrid war schon, wie so viele andere Ortschaften in dieser Gegend, verlassen, wurde dann aber von einer alternativen Künstlerszene wieder zum Leben erweckt und ist wirklich sehenswert mit seinen bunten Häuschen und seinen originellen Kunstobjekten.

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Irgendwann machen wir uns dann aber doch auf den Heimweg. Um Ralfs Erkältung zu bekämpfen, besuchen wir noch einen riesigen Walmart mit seiner Apothekenecke, grübeln über der Auswahl der Medikamente und entscheiden uns dann für eine kleine Auswahl. Hoffentlich bekommt er damit die Symptome in den Griff. Es wäre ja doch zu schade, wenn er die nächsten Tage durch Husten und Schnupfen eingeschränkt wäre.

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Das Abendessen nehmen wir im mexikanischen Lokal „Jalapeno“ ein, das direkt vor unserer Moteltür liegt. Es ist noch neu an diesem Ort und deshalb recht leer. Wir entscheiden uns für All you can eat-Tacos. Nachdem wir keine so geübten TexMex-Esser sind, berät uns der Kellner sehr bemüht und erklärt uns, welche Auswahl es gibt und was wir beachten müssen. Wir sind unübersehbar eine Attraktion und es macht Spaß, dort zu essen (auch wenn wir natürlich ein bisschen übers Ohr gehauen werden und die Softdrinks, die „zum dem Essen dazugehören“, natürlich nicht im Preis inbegriffen sind…).

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7. Tag 6.5. Fahrt über Valley of Fires nach Santa Fe

Obwohl ich gestern Abend befürchtet hatte, dass ich nicht gut schlafen konnte, da unser Zimmer direkt am Treppenaufgang zum 1. Stock und am Getränkeautomaten lag, habe ich bestens geschlafen. Selbst die am Morgen abfahrenden LKWs, die Ralf frühzeitig geweckt hatten, habe ich nicht bemerkt. Wunderbar.

Trotzdem mussten wir natürlich los, denn heute stand eine lange Fahrt bis nach Santa Fe auf dem Programm. Um sie ein bisschen interessanter zu machen, wollten wir einen Abstecher über das Valley of Fires machen. Also machten wir uns direkt nach dem Frühstück im Motel auf den Weg.

Leider mussten wir zunächst 70 km der Strecke von gestern wieder zurückfahren, um die Abzweigung über den Byway zu erreichen. Er führte durch das Lincoln-Gebiet, in dem 1878 der Lincoln-County-Krieg der Rinderbarone stattgefunden hatte. Auch zu diesem Thema , wie zu einigen anderen Wildwest-Themen, durfte ich vor diesem Urlaub mit Ralf einen Spielfilm anschauen, war also bestens vorbereitet 🙂 Weiter entwickelte sich die Straße zum „Billy-The-Kid-Trail“, wo ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts dieser berüchtigte Revolverheld sein Unwesen trieb. So kamen wir durch den Ort, in dem Billy das letzte Mal gefangen und inhaftiert wurde und aus dem er das letzte Mal geflohen war, bevor er schließlich erschossen wurde.

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Mit dem Örtchen Capitan stießen wir schließlich auf den Geburtsort von „Smokey, the Bear“. Dieser Bär symbolisiert die Bemühungen der USA, Waldbrände zu verhindern. Überall in Waldgebieten sieht man Bilder dieses Bären, der anzeigt, wie hoch zu aktuelle Waldbrandgefahr ist. Das diesbezüglich angelegte Museum sparten wir uns heute allerdings, da es uns nicht so interessant erschien. Stattdessen kehrten wir in einem Farmers Market ein, um uns für heute Mittag ein Picknick zu besorgen. Wir entschieden uns für Hummus, Cracker und Bananenbrot. Und zum ersten Mal in den Staaten hörte ich dort „99 Luftballons“ von Nena als musikalische Hintergrunduntermalung.

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Schließlich erreichen wir das Valley of Fires. Es handelt sich hier um eine Recreation Area, die sich durch „Badlands oder „Malpais“ auszeichnet, also eine durch Lavafluss entstandene Landschaft. Sieht ein bisschen wie auf den kanarischen Inseln aus, ist aber natürlich ganz und gar amerikanisch angelegt. Toll ist ein befestigter Rundweg, der sich mitten durch diese ganz besondere Landschaft schlängelt und mit Hinweistafeln versehen ist. Insbesondere die Tierwelt, die hier lebt, unterscheidet sich doch gewaltig von den Kanaren. Klapperschlangen, Taranteln und Koyoten haben hier ihre Heimat. Gesehen haben wir natürlich keins von den genannten Tieren, aber darauf kann ich auch gut verzichten.

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Anschließend suchten wir einen der vielen vorhandenen Picknicktische auf und legten eine ausgiebige Mittagspause mit toller Aussicht und bei Sonnenschein ein. Danach ging es auf den letzten Streckenabschnitt nach Santa Fe.

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Und der stellte sich als echte Herausforderung heraus. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, wenn man deutsche Straßenverhältnisse gewohnt ist: man biegt an einer Kreuzung auf eine Straße ein und die Navitante sagt „Bitte 120 km geradeaus fahren“. Und das heißt dann, wirklich geradeaus! Man ist weitgehend alleine auf der Straße, stellt den Tempomat auf 55 Meilen ein und muss dann nur noch das Lenkrad festhalten. Dazu hat man gerade ordentlich gespeist (=“Suppenkoma“) und wenn man nachrechnet, ist es zuhause etwa 23 Uhr (heißt für meinen Körper = Schlafenszeit). Ralf ging es ähnlich, die Gespräche verstummten. Dazu lief eine einschläfernde Musik und ich merkte, dass es mir sehr schwer fiel, wach zu bleiben. Irgendwann muss ich dann tatsächlich in einen Sekundenschlaf gefallen sein, denn Ralf stieß mich an, weil ich auf ein entgegenkommendes Auto zusteuerte. Auweia!!!

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Anhalten war leider nicht möglich, deshalb wurden andere Aktivitäten zum Wachwerden und -bleiben durchgeführt. Fenster auf, etwas trinken, quatschen, Rockmusik einlegen. Danach ging es etwas besser, aber ich war sehr froh, als irgendwann ein „Clean Rest 6 Miles“ angekündigt wurde.

Dort, in einem absolut verschlafenen Nest, buchstäblich mitten im Nichts, fanden wir ein Café, in dem wir zwei Tassen Kaffee (frisch gebrüht!) tranken und „Pie ala Mode“ (=Pie mit Eiscreme) aßen. Die Bedienung wollte natürlich wissen, woher wir kommen und wunderte sich, dass wir um diese Zeit hierher reisen. Erstens kommen sonst die Deutschen immer im August (wir sind wohl nicht die ersten, die hier gestrandet sind) und zweitens beginnt doch Ende Mai erst die Zeit, in der er hier immer regnet und in der es deshalb hier so viel schöner, weil grün, ist. Dass wir im Urlaub lieber keinen Regen möchten, konnte sie nicht wirklich verstehen.

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Nach der Pause setzte sich Ralf ans Steuer, was ich sehr angenehm fand, weil ich immer noch müde war. Die Straße veränderte sich nicht weiter. Wir hatten immer noch über 2 Stunden Fahrt vor uns und es ging weiter immer geradeaus. Ab und zu ein paar Häuser an der Straße, zum größten Teil verlassen, ein paar Ranches rechts und links, die Bahnstrecke mit endlos langen Güterzügen – das wars dann. So viel Landschaft, solch eine Weite – dieses Land ist einfach so riesig! Man stelle sich einfach vor man fährt von München nach Würzburg, die Straße ist fast nur geradeaus und dazwischen sind maximal 2 verschlafene Nester, die Landschaft besteht aus Büschen und Gras und wird nur selten von Hügeln unterbrochen. Dazu eine Geschwindkeitsbegrenzung von 100 km/h und kaum Verkehr, dann hat man ungefähr eine Vorstellung der Dimensionen hier.

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Endlich erreichten wir dann doch Santa Fe. Im Motel, dem American Value Inn, dann zunächst einige Schrecksekunden, weil die Mitarbeiterin unsere Reservierung nicht findet. Aber schließlich durften wir doch unser Zimmer für die beiden nächsten Nächte beziehen. Unser Abendessen war vorzüglich, Ralf hatte seine Skepsis gegenüber indischem Essen überwunden und wir kehrten im benachbarten House of India ein.

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Wenn jetzt noch die Kinder im Nachbarzimmer, die bis jetzt einen ziemlich Lärm verursachen, eingeschlafen sind, dürfte einer angenehmen Nacht nichts mehr im Wege stehen. Morgen bin ich dann hoffentlich wieder ein bisschen fitter.

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6. Tag 5.5. Roswell

Wer hätte das gedacht, dass man in einem Lowbudget Kettenmotel so gut schlafen kann. Die Nacht war sehr ruhig. Weder von der Straße noch von den Mitbewohnern war etwas zu hören. Normalerweise startet ja immer derjenige im Hotel, der als erstes unter die Dusche geht das Aufstehen für alle anderen. Hier war es anders: Absolute Stille.

So war es schon relativ spät als wir wach wurden aber wir schafften es noch rechtzeitig zu dem im Preis inbegriffenen Frühstück. Durch unsere Erfahrungen der letzten Reisen waren unsere Erwartungen nicht groß. Aber es gab alles was wir von Motelfrühstücken kannten: Ein Waffeleisen, geschälte hartgekochte Eier, Toast mit Zubehör, Kaffee aus der Thermoskanne. Kein Vergleich zu den Pancakes der ersten Nächte – aber sättigend und ausreichend.

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Am Nachbartisch gesellten sich dann zwei weitere deutsche Paare, die wir am Vorabend schon beim Lokal gesehen hatten. Als wir gingen fragten Sie uns noch wohin es bei uns geht und sie erzählten, dass sie von Austin/Texas aus über Louisanna jetzt in New Mexico gelandet sind. Sie empfahlen uns für die Fahrt auf jeden Fall noch bei Madrid vorbei zusehen. Da wir das eh auf den Plan haben, werden wir uns morgen überraschen lassen.

Für heute ist aber erst einmal Roswell angesagt. Die Stadt in der in den 40ern angeblich ein Ufo abgestürzt ist und das ich als alter Science Fiction Fan als Zwischenziel auf der langen Fahrt nach Santa Fe ausgeguckt habe. Meine Erwartungen sind nicht groß – ich hoffe ein paar nette Fotomotive und bin gespannt was das UFO Museum alles für „Beweise“ für die Existenz von UFOs hat. Die Wettervorhersage ist durchwachsen und ich bin gespannt was der Tag bringt.

Zunächst aber ging es in das Einkaufscenter gegenüber unsrem Motel in dem Jutta nach ein paar festen Schuhen schauen wollte, damit ihre sonnenverbrannten Füße einen guten Halt haben. Wir überbrückten die Zeit bis 10:00 da die Mall erst dann öffnet und machten uns auf den Weg. Die Mall war seeeehr klein – kein Vergleich zu dem was wir bisher kennen gelernt haben und als wir kamen waren noch viele Geschäfte geschlossen. Spannend war für uns Europäer, dass es in der Einkaufspassage ein Rekruierungsbüro der verschiedenen Waffengattungen der Army gab und auch, dass die örtliche Leihbücherei dort angesiedelt war. Jutta fand nichts passendes und auch mir waren die Levis zu teuer und so machten wir uns schon bald auf den Weg.

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Vorher suchten wir aber noch eine Tankstelle auf, denn der Weg nach Roswell ist weit und ich wollte nicht wieder auf der verzweifelten Suche nach Benzin sein. Diesmal klappte es auch mit der Maestro-Karte und der Pin, so dass ich ohne bei der Kasse vorzusprechen tanken konnte.

Weiter gings auf die I 70 Richtung Osten. Ca. 250 km 2 Spurige Straße durch eine nette Landschaft mitten durch das Apachengebiet. Das einzige Indianergebiet der USA, in dem die Stämme nicht in einem Reservat leben sondern sich dank der Schlacht von Geronimo die Unabhängigkeit bewahrt haben.

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Zwischendurch regnete es immer heftiger und ich machte schon Scherze mit Jutta, dass das die Chemtrails nahe Roswell natürlich mehr werden und Schuld an dem Wetter sind. Da nach aktuellen Verschwörungstheorien die Bundesregierung mit daran beteiligt ist,  fanden wir es natürlich besonders schön, als uns nahe Roswell auch noch ein Fahrzeug der Bundeswehr überholte.

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Mit dem Lachen war es dann bald vorbei, als dann pünktlich kurz nach der Ortseinfahrt von Roswell ein wirklich heftiger Regenschauer los ging. Wir waren froh, als wir das UFO-Museum sahen und dort am Parkplatz anhalten konnten. Kaum stand das Auto ging auch gleich ein wirklich heftiger Hagelschauer los. Die Stimmung sank.

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Als der Schauer ein klein wenig nach gelassen hatte und wir keine Lust mehr verspürten noch länger im Auto zu sitzen zogen wir uns unsere (in weiser Voraussicht auf die Rückbank gelegten!) Regenjacken an und spurteten zum Eingang des Museums.

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Der Kassierer war begeistert, als er dem Gästebucheintrag entnahm, dass wir aus Germany kommen. Sein Sohn ist nach Deutschland ausgewandert und hat bei Trier eine deutsche Frau geheiratet. Er selbst hat auch deutsche Vorfahren und überlegt, wenn er in Rente geht, auch nach Deutschland zu ziehen da es ihm in Deutschland so gefällt. Siehe da – die Auswanderungswünsche gibt es auch in umgekehrte Richtung. 😉

Das Museum selbst war recht unspektakulär. Der „UFO-Absturz“ bei Roswell war ausführlich beschrieben und da Jutta und ich zur Vorbereitung den Film „Roswell – Die Wahrheit ruht hier“ gesehen haben, konnten wir mit den Ausstellungsstücken ein wenig was anfangen.

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Ansonsten gab es die üblichen „Fakten“ und ein paar nette Bilder und Modelle. So dass wir gut eine Stunde beschäftigt waren. Als wir raus gingen war das Wetter wieder besser und ich schoss noch ein paar Fotos der Geschäfte rund um das Museum, die meistens irgendwelche Alien-Motive hatten. Es waren aber um einige weniger als ich erhofft hatte, so stärkten wir uns noch schnell in einem Subway. Hier war es wie im restlichen Land: Irgendwie ist alles vertraut und trotzdem anders. Die Bedienung in „unserem“ Subway daheim ist auf jeden Fall viel freundlicher – dafür gibt es keinen frischen Blattspinat und keinen Eistee in Bayern. 🙂

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Also ging es zurück zum Auto und nach ein wenig Suchen fanden wir dann das Visitor Center von Roswell, wo wir noch einige „Nicht-UFO-Tipps“ bekamen. Direkt neben dem Center war das Roswell Museum and Art Center, bei dem man, typisch für amerikanische Mueseen auf Volunteer-Basis, den Eintritt selbst bestimmt. Am Anfang wirkte es wie ein übliches Kunstmuseum, aber nach ein paar Räumen zeigten sich dann die wirklichen Schätze für uns: Eine Ausstellung der Besiedelung des amerikanischen Südwestens mit Schwerpunkt New Mexico und dann noch eine für uns sehr interessante Ausstellung des amerikanischen Raketenpioniers Robert Goddard, quasi der amerikanische Werner von Braun, der in Roswell viele Raketentests durchführte.

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Da wir auf unsren Reisen gerne Heimatmuseen besuchen, war dies ein krönender Abschluss der heutigen Besichtigungen und mir machten uns auf den Weg zu unserem Motel, dem Best Western El Rancho Palacio. Das Motel selbst macht keinen so guten Eindruck wie das gestrige und unser Zimmer liegt direkt gegenüber dem Getränkeautomaten und nahe dem Frühstücksraum. Mal sehen wann wir morgen früh geweckt werden …

Dafür gibt es in Fußnähe viele Restaurants und ich versuchte gleich beim benachbarten Mexikaner einen Tisch zu reservieren. Diese Bitte wurde abschlägig beschieden, da heute „Tacotag“ ist und deshalb Dienstags keine Tische reserviert werden können. Eine lange Warteschlange bewies uns den Grund und so schlenderten wir erstmal ein paar Blöcke weiter und fanden ein nettes Café, das zu einer Buchhandlung gehört und gönnten uns dort eine Stärkung. Was ich sehr spannend fand, ist es, dass die Café-Gäste sich einfach Zeitschriften oder Bücher aus dem Laden nahmen und es sich dann mit einem Kaffee gemütlich machten.

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Zurück ging es ins Hotel und nach einer kurzen Pause machten wir uns dann auf dem Weg zu dem mexikanischen Lokal neben an. Die Warteschlange war immer noch groß und ich schrieb mich mit einer „party of two for Ralf“ auf die Warteliste setzen. Erstaunlich schnell wurden wir aufgerufen, während größere Gruppen, die schon vor uns warteten, noch nicht dran waren. Glück gehabt! 🙂

Eine junge Dame brachte uns Nachos und eine Salsasoße zusammen mit der Speisekarte und wir bestellten uns die Tacos für je 79 Cent das Stück, die der Grund waren warum die Warteschlange so groß waren, Zusätzlich gönnte ich mir noch das lokale Bier nahmens Alien. Als die Bedienung hörte, dass wir aus Deutschland kommen war sie sehr aufgeregt. Sie hatte heute schon Gäste aus Europa – und zwar aus Dänemark und sie sammelt die Übersetzung von „I love you“ in allen Sprachen. Gleich schrieb sie sich „Eesh leeba deesh“ auf und war glücklich. 🙂

Die Tacos schmeckten sehr gut und auch das Alien-Bier mundete. Der Chef kam dann auch bald vorbei und überredete mich auch noch das Alien-Bier vom Fass zu probieren, dass noch besser schmecken soll. Er behielt recht. Wir wollten noch weitere Tacos nachbestellen, aber leider war das Mädel (für amerikanische Verhältnisse) nicht schnell genug, so dass wir uns mit den restlichen Nachos den Magen voll schlugen und beschlossen gleich heim zu gehen.

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Hier werden wir uns jetzt mit Margaritha und Bier aus der Dose den restlichen Abend vertreiben bis wir uns über ein paar Umwege über Scenic Drives auf den Weg nach Santa Fe machen.

5. Tag 4.5. Fahrt zu den White Sand Dunes

Die Nacht in unserem schönen Hotel in Silver City war ruhig und angenehm und aufgrunddessen, dass in New Mexico im Gegensatz zu Arizona Sommerzeit herrscht, hatten wir sogar mal etwas länger geschlafen 😉
Als erstes machten wir uns danach auf den Weg, ein Lokal mit Frühstücksangebot zu suchen. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellte. Die historische Altstadt von Silver City wirkte noch ziemlich verschlafen und einige Lokale hatten montags leider geschlossen. So entschieden wir, im Hotel lediglich einen Kaffee zu trinken und uns danach gleich auf den Weg Richtung White Sand Dunes und Alamagordo zu machen. Wir würden schon nicht verhungern…

Am Ortsausgang von Silver City reihten sich natürlich, wie fast in jeder amerikanischen Kleinstadt, die Motelketten, Fast-Food.Restaurants, Tankstellen und Supermärkte auf. Aber wir brauchten ja nichts, wollten ja nichts essen und tanken, ach tanken können wir ja noch im nächsten Ort. Der Tank war ja schließlich auch noch zu einem Viertel voll.

Ralf hatte einen netten Byway ausgesucht, den wir fahren wollten. Statt gleich Richtung Interstate sollte dieser uns durch den Gila National Forest führen und landschaftlich sehr schön sein. Die Strecke ließ sich auch wirklich schön an. Wir fuhren in die Berge und es eröffneten sich immer wieder tolle Ausblicke.

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Irgendwann stellte sich dann aber doch die Frage nach einer Tankstelle. Weil, wie ich feststellte, die Orte in dieser Gegend ja doch ziemlich dünn gesäht sind. Die befrage Navitante meinte dann, dass die nächste Tankstelle in 20 km Entfernung läge. Juchhu, das ist ja gar nicht so weit! Die Navigation dorthin begann aber mit der Ansage „bei nächster Gelegenheit bitte wenden“. Das war allerdings so gar nicht nach unserem Geschmack. Aber was blieb uns anderes übrig? Die 107 km bis zur nächsten Tankstelle in der richtigen Richtung schienen uns dann doch zu waghalsig. Deshalb fuhren wir wohl oder übel den Weg zurück.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer verfallenen Location mit windschiefem Schild und ein paar alten, klapprigen Tanksäulen vorbei. Das schien uns nicht so recht geheuer, außerdem würdigte die „Tante“ den Ort keines Blickes und führte uns daran vorbei. Leider stellte sich dann am eigentlichen Ziel heraus, dass von der angekündigten Tankstelle jede Spur fehlte und sich dort ein Postamt befand. Tja, das System ist halt leider nicht ganz aktuell…

Deshalb wollten wir dann doch an der vorhin verschmähten Tankstelle ein paar Gallonen Benzin tanken. Ralf ging hinein, denn man wurde mittels handschriftlichem Zettel aufgefordert, vorher Cash zu bezahlen. Vor dem Eingang fiel mir ein Schild auf „Today Chicken and Beef Fajita“. Hm, klingt gar nicht schlecht und außerdem war es schon fast 12 Uhr und das fehlende Frühstück machte sich jetzt doch bemerkbar. Ralf meinte, dass das Lokal recht gemütlich ausgesehen hatte und so beschlossen wir, das Abenteuer einzugehen.

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Das Lokal war tatsächlich urig und gemütlich eingerichtet, einige Tische waren mit einheimischen Arbeitern besetzt und die Bedienung, eine ältere Damen war sehr freundlich. Wir entschieden uns beide für Chicken Fajita. Vorher gab es natürlich Nachochips mit scharfer Salsa und wir freuten uns auf das Essen. Man muss dazu vorausschicken, dass wir beide keine geübten „Mexikanisches-Essen-Esser“ sind. So wirklich wissen wir vorhin nicht, was uns erwartet.

Geliefert wurden uns je eine gefaltete Tortilla und ein Teller mit frisch gebratenen Hühnchenstreifen, Paprika und Zwiebeln, außerdem ein Schälchen mit Sauerrahm und scharfer Guacomale. Dazu Reis und Bohnen. Wie isst man das nun? Eigentlich hatte ich erwartet, dass uns fertiges Essen serviert wird, aber das hier sah nach Do-It-Yourself aus. Die Bedienung bemerkte unsere Not, kam an den Tisch und baute mir aus den Zutaten einen leckeren Fajita (natürlich nach Rückfrage, ob sie dürfe – ihre Hände seien sauber!). Wir waren begeistert und mit dieser Hilfe gelang es uns, das Essen anständig zu verspeisen. Es war sehr, sehr gut und zusammen mit der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bedienung und dem Ambiente bin ich sicher, dass der Besuch im Restaurant „El Sol“ ein Highlight unseres Urlaubes wird und uns in guter Erinnerung bleiben wird.

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Danach konnten wir uns frisch gestärkt auf den Weg machen und die bereits bekannte Strecke nachmals zurücklegen, um uns dann auf unbekanntes Gebiet zu wagen.

Die Strecke über den Byway mit seiner landschaftlichen Schönheit hatte sich wirklich gelohnt. Auch wenn es zwischendurch immer mal wieder regnete haben wir die Fahrt sehr genossen und sogar einige Tiere sichten können.

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Nachmittags kamen wir dann am White Sands National Monument an. Die Gegend ist ja nicht nur eine landschaftliche Besonderheit mit seinen strahlend weißen Dünen aus feinstem Gips, sondern auch militärisches Sperrgebiet und Raketentestgelände des US-Militärs. Das merkt man auch dadurch, dass einige Meilen vor dem eigentlichen National Monument eine Kontrollstelle auf dem Highway eingerichtet ist. Dort werden alle Autos, wie früher in Europa an den Außengrenzen, durch eine Kontrolle geleitet, an der ein Officer steht und in jedes Auto, das bei ihm anhalten muss, einen genauen Blick wirft. Ja, die mexikanische Grenze mit ihrer Flüchtlingsproblematik ist nicht weit weg von hier. Wir mussten anhalten, ein paar Fragen beantworten und unsere Pässe vorzeigen und durften dann weiterfahren.

An den Dünen angekommen machten wir nur einen kurzen Abstecher ins Visitor Center und fuhren dann gleich hinein. Die Landschaft ist wirklich sehr besonders. Besonders schön und wieder einmal fremdartig an dieser Stelle. Es führt eine Straße hindurch, an der an einigen Stellen Parkplätze mit Picknickstellen samt Grill angelegt sind und man darf an allen Stellen in die Dünen hineinwandern, was wir auch taten. Ralf fotografierte natürlich wie immer fleißig. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit. Es war unglaublich windig und ringsum formierten sich immer wieder neue Wolken, auch wenn immer wieder die Sonne schien. In jedem Moment zeigte der Himmel ein anderes Bild, was einerseits ja auch schön ist, aber mit einem strahlend blauen Himmel wäre das Erlebnis dort sicher noch beeindruckender gewesen.

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Wir machten uns daher auf den Weg nach Alamogordo, in dem ich ein Zimmer im Super 8- Motel gebucht hatte. Das Motel war ganz am Ende des langgezogenen Ortes gelegen und gegenüber befindet sich zu meiner Freude eine große Mall. Der freundliche indische Inhaber empfahl uns zum Abendessen das nebenan gelegene Lokal und wir inspizierten das überraschend schön eingerichtete Zimmer in diesem günstigen Budget-Motel. Das Essen nebenan hat uns auch gut geschmeckt, auch wenn es nicht an unser „Frühstück“ heran kam.

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Beim Herauskommen, um die paar Meter zu Fuß ins Motel zurückzulegen, leuchteten die ersten Blitze am Himmel auf. Aber erst nachdem wir im Zimmer angekommen waren, legte das Gewitter so richtig los. Der Tag war also wieder einmal rundherum gelungen.

(Und morgen früh fahren wir dann noch über die Straße in die Mall zum Einkaufen. Das wollte ich nämlich bei diesem Wetter und einer Margarita im Bauch dann doch heute nicht mehr tun…)

4. Tag 3.5. Fahrt nach Silver City

Nach unserem Abendessen gestern in einer typischen Sportsbar mit einer super leckeren Mischung aus Hamburger und in Butter gebratenen Sandwich für mich und frisch gemachten Nachos für Jutta ging es ins Motel zum Bilder sortieren und Tagebuch schreiben und anschließend ins Bett.

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Während Jutta wie ein Murmeltier geschlafen hat, wurde ich ca. alle 1 1/2 Stunden von den Zügen der nahem Bahnlinie durch ihres lautes „TuuuuuTuuuuuuuuutTuut“ geweckt. Keine Ahnung warum in den Staaten die Züge so einen Krach machen müssen – aber mir tun die Anwohner der Bahnlinien wirklich leid. Aber insgesamt kam ich doch noch zu genügend Schlaf und so waren Jutta und ich gegen 6:00 putzmunter, was nicht schlecht war, denn für heute war ein langer Fahrtag eingeplant, da zwischen Tuscon und den morgigen Ziel, den White Sand Dunes“ nicht viele große lohnenswerte Zwischenziele außer Silver City vorhanden sind. So hat die verstellte innere Uhr noch sein gutes, denn zu Hause währen wir nicht freiwillig so früh auf den Beinen gewesen. 🙂

Nach dem Frühstück bei dem am Hotel angeschlossenen „Denny’s“, bei dem wir uns zwei Souveniertassen gönnten, packten wir zusammen, checkten aus (und bekamen 35$ gutgeschrieben, da die Duschen gestern nicht gingen) und machten uns auf den Weg.

Der heutige Tag war als reiner Fahrtag geplant, an dem wir ca 400 km (mit der amerikanischen Geschindkeitsbeschränkung!) vor uns hatten. Als Zwischenziel für die Fahrt hatten wir uns Tombstone (ausgesprochen „Tumbstohn“) ausgesucht. Ein historischer Platz an dem die berühmte Schießerei am OK Corral stattgefunden hat. Das bedeutete zwar einen Umweg, aber den nahmen wir in Kauf um heute nicht nur Autobahn (bzw. Interstate) zu fahren.

Nach ein paar Meilen Interstate 10 verließen wir die Autobahn und hatten unsere heißgeliebten langen fast einsamen Highways vor uns. Zwischendurch hielten wir noch bei einem Segways an um Wasser zu kaufen und entdeckten dort beim Bier auch die kleinen Dosen Margaritas , die uns Iris wärmstens empfohlen hat. Die mussten natürlich auch noch in den Einkaufswagen. Dazu dann noch 2 Sandwiches, die wir bei einem Picknick auf der Strecke zu uns nehmen wollten.

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Der Weg war nach unserem Geschmack und alle paar Meilen änderte sich die Landschaft. Bald kamen wir in Tombstone an und schlenderten durch die Straßen. Die alte Westernstadt ist gut erhalten geblieben und war im Gegensatz zu Old Tucson gestern diesmal ein „original historic place“ mit originalen Häusern.

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Nur das inzwischen nicht mehr die alten Westernhelden drin lebten sondern ein Souvenierladen und eine Touristenfalle  nach der anderen eingezogen sind. Wir sahen unterwegs einen „Killerbee Honey“-Laden, der gerade aufmachte und deren geschäftstüchtige Inhaberin uns gleich ansprach und mit (gemein gut schmeckenden!) Honigproben nach innen lockte. Dort erzählte sie als eine Bewohnerin, deren Vorfahren schon dort lebten, viel über die Geschichte Tonbstones, und das sie genauso wie der Gründer der Stadt auch deutsche Vorfahren hatte.

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Wir entschieden uns dann für ein Glas Honigsenf und schlenderten weiter durch den historischen Teil. Dort sahen wir uns noch das „Birdcage Theater“ an, das auch eine wichtigen Teil bei der Schießerei beigetragen hatte. Drinnen war eine recht interessante Ausstellung der alten Gegenstände von damals.

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Bald stellten wir fest, dass wir jetzt genug gesehen haben und gönnten uns noch einen Kaffee. (Our first and last mistage!). Von draußen sah das Café noch nett aus. Aber wir hätten skeptisch werden sollen, als der junge Mann, der uns bediente meinte, es wäre der beste Kaffee der Stadt, was aber nicht schwer wäre, weil es der einzige Kaffee der Stadt war. Wir bekamen den berüchtigten ewig auf der Warmhalteplatte konservierten Filterkaffee, der Jutta dann auch bald auf den Magen schlug.

Derart „gestärkt“ machten wir uns weiter auf den Weg. Es folgten knapp 200 km einsame, fast immer nur gerade aus führende Highways durch die faszinierende Wüstenlandschaft, die jahreszeitlich bedingt derzeit sich mit grünen Blättern und bunten Blüten von der besten Seite zeigte.

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In der Minenstadt Bisbee  machten wir einen kurzen Fotostop an der riesigen Kupfermine. Gerade als wir unsere Sachen für die Weiterfahrt sortierten hielt auf dem Parkplatz ein Wagen gefolgt von einem Polizeiwagen dessen Sirenen heulten. Puuuh waren wir froh, dass er nicht uns meinte sondern den Verkehrssünder, den er aus der Straße gefischt hat.

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Weiter ging’s und an dem Denkmal der Schlacht von Geronimo, verzehrten wir unsere Sandwiches am Picknickplatz und fuhren weiter. Immerhin hatten wir noch knapp 200 km vor uns.

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Nach einiger Zeit überquerten wir die Grenze nach New Mexico und fragten uns zwischendurch, wie die Menschen entlang des Highways wohl lebten. Mal gab es kleinere Orte mit 10-12 Häusern. Mal Gegenden wo die Entfernung zum nächsten Nachbarn rund 1 km waren. Einkaufsmöglichkeiten oder größere Ortschaften waren rund 100 km entfernt. Wir stellten fest, dass dies kein Leben für uns wäre.

Nach einem kurzem Stück Interstate 10 kamen wir dann zur Ausfahrt nach Silver City. Hier führte uns ein wirklich schöner Gebirgshighway zu unsrem Zielort. Anders als in Europa gab es keine engen Serpentienen sondern der Highway ging mit wenigen Kurven immer weiter bergauf.

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Unser Hotel in Silver City (das im historischen Distrikt liegt) war schnell gefunden. Juttas Wahl auf das Gallery 400 erwies sich als wahrer Glücksgriff. Ein nettes Inn im Adobe-Stil mit angegliederter Galerie (Und der Warnung „Yes! We are gay friendly 🙂 ), einem freundlichen Boxerhund, einem neugierigen kleinen Mädchen und einer freundlichen Besitzerin sowie einem wirklich toll eingerichteten Gästeraum war nach den einfachen Motelzimmern eine wirkliche Wohltat.

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Wir bummelten noch durch den wirklich schönen historischen Teil von Silver City und begannen zu verstehen warum der Staat New Mexico sich selbst als Staat der Verzauberung („Land of Enchantment„) bezeichnet.

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Wir entschieden uns für das Abendesssen zu einer urigen Mischung zwischen Brauerei und Pub. Da ich mit den Biersorten nichts anfangen konnte bestellte ich zunächst ein „Probiertablett“ mit winzigen Proben und konnte dann mit Fingerzeig entscheiden was ich in groß haben will. Mutig bestellte ich mir dann meinen ersten Hamburger mit grünen Chilis, Jutta einen Teller Pasta mit (frisch gemachter!) Tomatensoße und Fleischbällchen. Satt und zufrieden landeten wir im Hotel, genießen derzeit die Ruhe und freuen uns auf morgen, wenn wir uns die großen weißen Sanddünen ansehen werden.

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