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22.04.2018 Von Edinburgh nach Pitlochry

Fasane sind ganz schön doof – und ich bin’s auch. Das war das heutige Tagesmotto.

Heute machten wir uns auf unseren Roadtrip. Zu diesem Zweck durften wir unsere erste Unterkunft, deren winzige Zimmer und schlechtes Frühstück die Location nicht unbedingt empfehlenswert machen, verlassen. Angesichts dessen, dass die Haltestelle des Airlink 100-Busses, der direkt zum Flughafen fährt eben leider nicht direkt vor dem Hotel liegt, sondern einen Fußweg von einigen hundert Metern erforderte, hatten wir uns schon gestern Abend dazu entschlossen, wieder die Dienste eines Taxi in Anspruch zu nehmen.

Das war eine gute Wahl, denn so wurden wir mitsamt unserer schweren Taschen direkt bei der Mietwagenstation abgsetzt und das zu einem Mehrpreis von lediglich 3 Pfund gegenüber dem Bus. Da unsere Taschen jetzt doch größer waren als ursprünglich geplant, fragten wir nach einem Wagen mit großem Kofferraum in unserer gebuchten Klasse (untere Mittelklasse). Der ausgesprochen nette Sixt-Mitarbeiter überlegte kurz und überließ uns dann einen 3er BMW, für den wir lediglich den Aufpreis des Navis, also 100 Pfund für den gesamten Zeitraum zahlen mussten. Die Taschen passten hier locker in den Kofferraum, was uns natürlich gut gefallen hat. Aber das Auto war schon ziiiiemlich groß und jagte mir einen gehörigen Respekt ein. Die Mietwagenassistenten sahen die Sache allerdings locker. Ich sei doch über den „ÄIDIAIßI“ super vollkaskoversichert und alles kein Problem, ich müsse eigentlich nur den Schlüssel zurückbringen, alles andere sei egal …

Also einmal durchatmen und los ging’s. Mit viel Konzentration begann das Abenteuer Linksfahren. Was soll ich sagen? Ja, es ging wieder, aber es erfordert schon eine gehörige Portion Aufmerksamkeit und Mithilfe des Beifahrers. Zumindest heute, am ersten Tag, konnte ich auf keinen Fall fahren und navigieren gleichzeitig. Aber mit vereinten Kräften haben wir es dann doch geschafft.

Unser erster Stop war in Perth. Dieses Städtchen soll laut Reiseführer ganz interessant und teilweise schön sein. Naja – zumindest ein nettes Café (Eigentlich ein Blumenladen) haben wir aufgetan, in dem wir einen echten Kaffee tranken und dazu einen ersten Scone verzehrten, während draußen der erste Regenschauer in diesem Urlaub vorbeizog. Anschließend bummelten wir durch die Ortschaft, die wirklich nicht sonderlich sehenswert ist und trafen auf einen ganz interessanten Straßenmarkt mit internationalen Essenständen. Als erstes natürlich deutsche Bratwurst, präsentiert von zwei echten Ruhrpott-Jungs, die sich köstlich über Ralfs Scherz, die Bayern seien die Highländer Deutschlands, amüsierten.

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Anschließend verließen wir die A9, die ganz anders aussieht als die deutsche A9 und statteten dem kleinen Touristenort Dunkeld einen Besuch ab. Dieser hat uns mit seinen kleinen Geschäften und Lokalen, seiner historischen Kathedralen-Ruine und seinen weitläufigen Parks mit Baumsammlung wirklich gut gefallen. Nach einem kleinen Zwischenstopp in dem „Scottish Deli„, bei den man nicht nur wie in einem Tante Emma Laden ausgewählte hochwertiges Essen kaufen kann, sondern auch leckere Kleinigkeiten essen kann, machten wir uns auf unseren ersten Spaziergang in die wilde Natur. Leider hat mich das nicht davon abgehalten, über einen Stein zu stolpern und mir das Knie schmerzhaft zu verletzen. Immmerhin ist es dieses Mal nur das Knie und nicht Knie und Knöchel, wie vorletztes Jahr auf Kreta. Trotzdem war ich am Boden zerstört und sah die geplanten Wandertouren in den Highlands zerplatzen. Ich hoffe sehr, dass ich es mit Aspirin und einer Nacht Schlaf wieder einigermaßen heilen kann!

sdr

Das B&B Roseburn, das wir nach diesem Unfall schließlich in Pitlochry erreichten, ist absolut entzückend. Es sieht so typisch aus, dass es fast schon wieder kitschig ist. Unser riesiges Zimmer ist ein Traum. Wunderhübsch eingerichtet mit geschmackvollen Möbeln und mit einem zentimeterdicken Teppichboden ausgelegt, einem herrlichen Ausblick und einem süßen Bad mit toller Badewanne, mit liebevoll hergerichteten Getränken und selbstgebackenen Lemon-Shortbreads und einer absolut netten und herzlichen Wirtin. Mein erster Gedanke: „Hier geh ich nie wieder weg“.

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Die Wirtin empfahl uns auf Nachfrage einige Lokale in der näheren Umgebung und wir entschieden uns für das Moulin Inn, einen typischen alten Inn mit angeschlossener Microbrewery. Der Fußweg über einen guten Kilometer hat meinem Knie zwar nicht geschmeckt, dafür war das Bier und das Essen sowie auch die Atmosphäre im Inn umso besser. Da alle Tische besetzt waren, wurden wir von einem englischen Paar an den Tisch gebeten und hatten eine nette Unterhaltung. Lustig war, dass sie in England in der Region wohnen, in der einige Rosamunde-Pilcher-Filme gedreht wurden. Sie erzählten, dass es viele deutsche Gäste gäbe, die diese Orte besuchen würden und fragten, wer oder was Rosamunde Pilcher wäre. Sehr lustig. Unsere bisherigen Begegnungen auf dieser Reise waren sowieso alle sehr positiv. Die Menschen hier sind offen und uns Fremden gegenüber ausgesprochen freundlich und nett. Ralf war heute mutig und traute sich Haggies zu bestellen. Haggies sind Schafsinnereien, kleingematscht und in einem Schafsmagen gekocht. Sieht schon sehr gewöhnungsbedürftig aus, aber Ralf hat’s geschmeckt und er hat den Teller leer gegegessen.

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Und wieso sind außer mir auch noch die Fasane doof? Weil ich heute unzählige Fasane (ausschließlich männliche) entlang der Straßen gesehen habe. Teilweise lebendig, aber in der Regel leider tot. Offenbar halten diese bunten Hühnervögel sich mit Vorliebe entlang oder auf den Straßen auf, was sie sehr, sehr oft mit dem Leben bezahlen müssen. Doof also.