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2. Tag: Philadelphia

Ganz bis 22 Uhr haben wir (oder jedenfalls ich) es gestern nicht ganz geschafft, aber wir haben bestens geschlafen und das sogar mit nur kurzen Unterbrechungen bis 6.30 Uhr. Das im Übernachtungspreis eingeschlossene Frühstück war gut und die Unterhaltung im Frühstücksraum auch. Als Ralf beim Müsli holen eine mittlere „Überschwemmung“ fabrizierte, weil der Spender eine Riesenmenge auf einmal ausspuckte, und er sich dafür entschuldigte, wollte die ältere Dame, die dort beschäftigt war, wissen woher wir kämen. Unsere Antwort „Germany, near Munich“ rief wahre Begeisterungsstürme hervor, da sie auch schon einmal in Deutschland war und sogar eine deutsche Großmutter besaß. All die Verwicklungen, die die Lüge ihres Vaters während dem 2. Weltkrieg, die Großmutter sei belgisch hervorrief, waren filmreif, aufschreiben tue ich sie an dieser Stelle aber nicht. Ich glaube, ich verkaufe das Drehbuch gleich nach Hollywood… 😉 Auf jeden Fall war es eine nette Unterhaltung, die wir sogar größtenteils verstanden haben, was uns zu der Feststellung veranlasste „unser Englisch ist gut“.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Philadelphia. Ralf hatte ein Parkhaus in der Innenstadt nahe den historischen Attraktionen ausgesucht und die Tante führte uns zuverlässig in die Stadt. Natürlich bin ich am Parkhaus vorbeigefahren, da ich es einfach nicht gesehen habe. In den USA ist die Beschilderung halt anders als in Deutschland, manchmal einfach zu unauffällig für mich deutsches Landei. Wir sind dann auf einem Parkplatz in der Market Street nur zwei Blocks vom Visitor Center der historischen Innenstadt gelandet, der sich als äußerst preisgünstig herausstellte. 10,50 Dollar für den ganzen Tag sind doch wirklich nicht schlecht, oder?

Wandgemälde am Parkplatz Market Street Ecke 9th
Wandgemälde am Parkplatz Market Street Ecke 9th

Im Visitor Center besorgten wir uns gleich Eintrittskarten für die Independance Hall. Nach einer Sicherheitskontrolle, bei der die Taschen durchsucht, aber Gottseidank keine Leibesvisitation durchgeführt wurde (sonst wäre Ralf sein geliebtes Taschenmesser los gewesen), durften wir in den Komplex hinein. Ein strenger Ranger gab einen Einblick in die amerikanische Geschichte und den Weg Amerikas in die Unabhängigkeit. Dabei sparte er nicht an Zwischenfragen. Uaaaaahhh, ich kam mir vor wie in der Schule. Zu allem Unglück saßen wir auch noch in der ersten Reihe. Ich war so froh, als wir endlich die Räumlichkeiten besichtigen durften und ich mich dabei in den hinteren Reihen verstecken konnte. Bei dieser Führung merkten wir allerdings beide, dass unser Englisch doch noch an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig ist – nach einer gewissen Zeit sind wir beide geistig „ausgestiegen“.

Hier wurde die amerikanische Verfassung diskutiert
Hier wurde die amerikanische Verfassung diskutiert
Eine Fremdenführerrin im Historic District
Eine Fremdenführerrin im Historic District

Nach der Führung spazierten wir noch eine ganze Zeit lang durch das historische Viertel. Alles ist liebevoll hergerichtet und man spürt an jeder Stelle, wie stolz Amerika (oder Pennsylvania? Oder Philadelphia?) auf seine Unabhängigkeit und seine Verfassung ist. Irgendwann meldet sich dann aber doch der Hunger und wir machen uns auf den Weg zur „Bourse„, wo wir extrem leckere „Philadelphia Cheesesteak“ essen.

Bourse
The Bourse
Bourse von innen
Bourse von innen

Frisch gestärkt machen wir uns entlang der Market Street auf den Weg zur City Hall. Die Geschäfte laden zum Bummeln ein und die Atmosphäre ist einfach schön. Ralf kommt aus dem Fotografieren nicht mehr heraus, weil sich an jeder Ecke, fast bei jedem Schritt neue Perspektiven auftun. Die City Hall, das Rathaus, ist einfach atemberaubend. Zu gerne wären wir auf die Aussichtsplattform herauf gefahren, aber leider arbeiten Beamte der Stadtverwaltung auch in den USA sonntags nicht und so ist das Gebäude geschlossen.

Parkplatz für Ausflugsboote :-)
Parkplatz für Ausflugsboote 🙂
Fröhliche Touristin
Fröhliche Touristin
Die Gegend um die City Hall
Die Gegend um die City Hall
Alt gespiegelt in neu
Alt gespiegelt in neu
Touri an der City Hall
Touri an der City Hall

Wir beschließen, zum Museum of Art zu spazieren. Der Weg dorthin entlang der Franklin Parkway ist extrem kurzweilig, weil sooo schön. Man merkt es meinem Bericht vielleicht schon an, aber mir gefällt Philadelphia richtig, richtig gut. Die Architektur, das Nebeneinander von Alt und Neu ist einfach klasse. Ja, und Ralf fotografiert wie ein Weltmeister. Das obligatorische Erinnerungsfoto neben der Rocky-Statue, die beim Museum of Art steht (das mit der Treppe, die Rocky bei seinem Training rauf gelaufen ist – siehe auch http://www.youtube.com/watch?v=JyvrdEKLEw0), mache natürlich ich, denn neben Rocky lassen sich ausschließlich Männer fotografieren. 😉

Museum of Art - Die meisten Besucher kommen aber wegen der Treppe
Museum of Art – Die meisten Besucher kommen aber wegen der Treppe
Ralf kann das auch :-)
Ralf kann das auch 🙂
Museum of Art - Jutta flirtet mit einem Native American :-)
Museum of Art – Jutta flirtet mit einem Native American 🙂
Rocky und sein Konkurrent
Rocky und sein Konkurrent

Von ganz oben genießen wir noch eine ganze Zeit lang den herrlichen Ausblick und gehen dann weiter zum Schuylkill, neben dem Delaware River der zweite Fluss in Philadelphia. Dort unten stehen historische Bootshäuser, die von verschiedenen Ruderclubs genutzt werden. Die Gegend ist wieder einmal wunderschön und voller Leben. Jogger, Radfahrer und Spaziergänger existieren einträchtig nebeneinander. Wir machen viele Pausen und genießen die schönen Bilder.

Skyline of Philadelphia
Skyline of Philadelphia
Delaware River
Delaware River
Delaware River
Delaware River

Dann machen wir uns auf den Rückweg, den wir wieder mit vielen Pausen zurücklegen. Wir wollen uns noch nicht von dieser schönen Stadt trennen.

Auf dem Rückweg verfahre ich mich zum ersten Mal, weil die Tante hier in den Staaten offenbar ein Problem damit hat, rechts und links zu unterscheiden. Die Sprachansage behauptet rechts, auf dem Display ist aber eindeutig links zu sehen. Tja, und dann kommt es halt schon mal zu Fehlinterpretationen. War aber alles halb so schlimm, die Tante führt uns schnell wieder auf den richtigen Weg und gegen 18 Uhr sind wir zurück im Motel. Wir sind froh, die Schuhe ausziehen zu können, denn wir haben heute doch einiges an Wegstrecke zurückgelegt.

In der Nachbarschaft unseres Hotels, vielleicht 200 m weit weg aber ohne offizielle Möglichkeit, zu Fuß hinzukommen (wir haben aber die Trampelpfade durch die Grünanlagen benutzt), liegt ein Steakhouse. Dort genehmigen wir uns als Abschluss des Tages leckere Steaks mit Steak Fries und Salat. Beim Bezahlen ereilt mich ein mittlerer Schock, denn meine Kreditkarte ist nicht an ihrem Platz im Portemonnaie. Da ich sie zum Zahlen des Parkplatzes benutzt hatte, war klar, dass sie nicht allzu weit weg sein konnte und wir vermuteten, sie sei im Auto. Nachdem sie dort nicht war, beschleunigte sich kurzfristig noch einmal mein Puls – ich fand die Karte schließlich im Kleingeldfach meines Geldbeutels. Wer sie dorthin gesteckt hatte, war nicht mehr nachzuvollziehen. Ralf bekennt sich jedenfalls nicht schuldig… 🙂

Morgen geht’s auf ins Lancaster County zu den Amish. Das Wetter soll wieder (wie heute – ich hab ja noch gar nicht das absolut geniale Wetter, das wir heute hatten, erwähnt….) toll werden. 26-28 Grad C und sonnig. Was will man mehr?

1. Tag: München – Philadelphia

Ich kann es noch nicht glauben: Wir sind tatsächlich wieder in den USA! Genauer gesagt in King of Prussia, einem „kleinen Vorort“ von Philadelphia. Klein ist halt relativ zu sehen – für unsere Verhältnisse ist der Ort doch eher groß…

Aber fangen wir mit dem Anfang an.

Nachdem ich gestern noch mal eben den Vertrag für meinen neuen Job unterschrieben hatte, wir die letzten Einkäufe getätigt hatten und Anka in die Hundepension gefahren hatten, haben wir dann tatsächlich schon die Koffer gepackt. Das Packen erfolgte also, genau wie die Planung dieser Reise, eher auf den letzten Drücker und nicht so ganz genau. Von daher habe ich momentan so die Befürchtung, dass ich nicht alles dabei habe, was ich eigentlich brauche. Aber man wird sehen.

Heute Morgen dann ein frühes Aufstehen, 5.45 Uhr um genau zu sein, schnell eine Kleinigkeit essen und einen Kaffee trinken und um 7 Uhr geht es los. Als erstes Ziel steht die Tiefgarage bei Ralfs Firma auf dem Plan, wo der Golf abgestellt werden soll. Von dort aus fahren wir mit der S-Bahn zum Flughafen. Nachdem der Flug um 12.30 Uhr geht wollten wir spätestens um 10 Uhr am Flughafen sein und wollten (ja, wir sind seeeehr vorsichtig in unserer Zeitplanung!) daher die Bahn um 9.09 Uhr erreichen. Gut, die Abfahrt um 7 Uhr war dafür sehr frühzeitig bemessen, aber wir sind seeehr vorsichtig in unserer Zeitplanung oder so.

Wir erreichen dann natürlich die Bahn um 8.08 Uhr und sind dementsprechend mal wieder viel zu früh am Flughafen und warten beim US-Airways-Schalter darauf, dass er öffnet. Wir hatten am Vorabend schon online eingecheckt und mussten nur noch unsere Koffer loswerden. Tatsächlich sind wir dann die ersten, die sich den Fragen der Angestellten stellen dürfen. Haben Sie die Koffer selbst gepackt? Wo waren die Koffer seitdem sich gepackt wurden? Nehmen Sie Dinge für andere im Auftrag mit? Welche elektronischen Geräte transportieren Sie? Solche und andere Dinge müssen wir beantworten und dürfen dann weiter um unsere Koffer aufzugeben.

Nach dieser ersten Hürde sind wir dann erst einmal zum Zeitschriftenladen und danach zu einem zweiten Frühstück ins „Airbräu“. Die Zeit vergeht schnell und wir machen uns auf zur Sicherheitskontrolle. Auch wenn Ralf ungefähr 1500000 Dinge abgelegt, ausgepackt und aufs Band gelegt hatte, hat er es aber tatsächlich (Premiere!) geschafft, ohne Piepsen und damit manueller Nachkontrolle durch den Personencheck zu gehen. Respekt! Danach nur noch Passkontrolle und schon sind wir am Abfluggate H32.

Reisefieber
Reisefieber
Unser Flugzeug
Unser Flugzeug

Das Boarding beginnt pünktlich und wir haben keine Probleme, unsere Sitze 13 F und G einzunehmen. Auch fürs Handgepäck ist genügend Platz. Fast langweilig also. Auch der Flug ist ziemlich ereignislos. Das Essen ist einigermaßen genießbar, die Getränkeversorgung erfolgt durch Selbstbedienung. Leider gibt es keinen Snack zwischendurch, wie es vor zwei Jahren bei unserem Lufthansa-Flug war. Daher kommt dann nach einiger Zeit doch Hunger auf, der erst kurz vor dem Landeanflug auf Philadelphia durch ein Sandwich gestillt wird. Ehrlich gesagt war der Flug also ok, aber auch nicht mehr. Sowohl der Service durch die Flugbegleiter als auch vor allem die Information über den Flug waren bei weitem nicht so gut wie bei der Lufthansa. Ich habe es wirklich vermisst, dass wir nicht z.B. über die Flugroute oder wie lange der Flug noch dauert informiert wurden. Fand ich doof – Daumen runter!

Philadelphia von oben
Philadelphia von oben
Philadelphia von oben
Philadelphia von oben

Die Landung erfolgt ziemlich pünktlich und da wir so weit vorne sitzen, sind wir auch schnell aus dem Flugzeug draußen. Bei der Immigration ist genauso wenig los wie bei der Gepäckausgabe – die Ankunft des letzten internationalen Fluges ist schon über 40 Minuten her. Schnell finden wir den Shuttlebus zum Mietwagenzentrum, der uns zur Hertz-Vermietstation brachte. Dort muss Ralf einiges an Formularen unterschreiben, was ihm ein etwas mulmiges Gefühl einbringt da er befürchtet, dass ihm irgendwelche Sonderleistungen, die natürlich auch gesondert gezahlt werden müssen, untergejubelt wurden, (Inzwischen hat er sich die Verträge angeschaut und glaubt, dass alles ok ist). Unser Auto lässt mich so überhaupt nicht jubeln. Ein weißer, schäbiger Honda irgendwas. Als erstes checke ich die zahlreichen Schrammen außen. Als ich die Tür öffne, vergeht mir die Lust aufs Autofahren spontan. Eine total dreckige, siffige beige Innenausstattung. Neiiiiin, das will ich nicht! Wir reklamieren und bekommen einen wunderschönen, funkelnagelneuen Toyota Camry in anthrazitmetallic. 967 Meilen hat er gerade auf dem Tacho und gefällt mir wirklich gut.

Dank Navi finden wir King of Prussia leicht. Wir sind in Amerika, auch wenn der Verkehr und die Landschaft ein bisschen so wie bei uns sind. Im Ort selbst lotst uns die Tante (= das Navi) dann erst einmal falsch, wofür sie aber nichts kann – Ralf hatte ihr als Ziel nur den Ortsnamen genannt. Nach diesem kleinen Umweg finden wir unser Motel, das Best Western aber dann doch schnell. Erst einmal das Zimmer anschauen (das Mädel am Empfang sprach ein fürchterliches Englisch mit einem sehr exotischen Akzent), kurz frisch machen und dann wollen wir ein bisschen die Mall von King of Prussia, die zweitgrößte der Vereinigten Staaten, erobern.

Bald aber schon stellen wir fest, dass wir nicht mehr wirklich aufnahmefähig sind. Immerhin ist es zu hause jetzt schon Mitternacht. Deshalb geht es zurück Richtung Motel. Gegenüber gibt es einen kleinen Supermarkt, wo wir uns mit Getränken eindecken und direkt neben dem Motel essen wir ein Stück Pizza bei „Peace a Pizza“ zum Abendessen. Ist vom Geschmack her ungewöhnlich (Ralf meinte, seine Salamipizza schmeckt nach Zimt und meine Pizza mit Hühnchen war statt mir Pizzasauce mit Barbecuesauce gemacht), aber doch ziemlich lecker. Meine traumatische Erfahrung aus San Francisco mit amerikanischer Pizza ist schon fast wieder wettgemacht.

Hier sind wir jetzt:

Chicago und die großen Seen auf einer größeren Karte anzeigen

Wir sind aber wirklich froh, als wir das Auto wieder auf dem Parkplatz des Motels abstellen können. Jetzt ist es hier 20.30 Uhr, in Deutschland also 2.30 Uhr. Mein Körper will jetzt endlich ins Bett, aber eigentlich wollen wir noch bis 22 Uhr durchhalten *seufz*.

Blick aus unserem Motelzimmer
Blick aus unserem Motelzimmer

Die Wettervorhersage sagt uns für morgen 26 Grad C und im Laufe des Tages immer sonnigeres Wetter voraus. Ich bin gespannt, was Philadelphia für uns bereit hält und werde jetzt noch ein bisschen im Reiseführer lesen. Müde bin ich, freue mich aber wie verrückt auf die nächsten beiden Wochen.