5. Tag: Ventura – Joshua Tree

Nach einer wunderbaren Nacht in unserer Suite genießen wir noch das im Preis inbegriffene Frühstück im Holiday Inn und machen uns dann wieder auf den Weg.

Die Tante führt uns brav wieder auf die 101 Richtung Los Angeles. Mir fällt wieder einmal auf, dass ich auf der Autobahn, nein, falsch, dem Freeway, mit seiner Geschwindigkeitsbegrenzung von 65 Meilen ständig überholt werde, obwohl ich mittels Cruise Control exakt meine 65 Meilen halte.

Allerdings wird bei weitem nicht so aggressiv gefahren wie in Deutschland. Was mir auch noch schwer fällt, ist, nicht immer rechts zu fahren. Das ist nämlich gerade an Einfahrten ziemlich blöd, weil die Einfahrenden erbarmungslos auf die Spur ziehen. Sie gehen ganz offensichtlich davon aus, dass man schon so rücksichtsvoll sein wird und auf die Bremse steigt. Hmpf, tut man dann ja auch, aber es ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Von daher, und weil manchmal die rechte Spur einfach von der Autobahn runter führt, ist man weiter links besser bedient. Aber es fällt mir trotzdem schwer. Schließlich haben wir Deutschen das Rechtsfahren ja sozusagen schon mit der Muttermilch eingesogen.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt wird der Verkehr merklich dichter. Los Angeles kündigt sich an. Da wir aber Gott sei dank Sonntag haben, gibt es keine Staus und wir fahren dank der Tante ohne Probleme am Nordrand der Stadt vorbei. Da der Verkehr doch recht dicht war, konnte ich leider kaum einen Blick auf die vorbeiziehenden Gebäude erhaschen, aber zumindest die Ausfahrtschilder „Hollywood Next 9 Exits“ habe ich erkannt. Wir waren also tatsächlich dort!

Nur nicht die falsche Spur nehmen!
Nur nicht die falsche Spur nehmen!
Typische Autobahnsituation in Los Angeles
Typische Autobahnsituation in Los Angeles

Was ich dort zum ersten Mal gesehen habe, sind Fahrspuren auf der Autobahn extra für Busse und „Carpools“. Carpools sind, wie Ralf mir erklärte, Autos, die mit mindestens 2 Personen besetzt sind. Stellenweise wurde der Begriff „Carpool“ auch noch enger ausgelegt, so dass während der Rushhours nur Autos mit mindestens 3 Personen diese Sonderspuren benutzen dürfen. Für diese gelten also auch besondere Vergünstigungen. Eine gute Idee, wie ich finde.

Kurz nach der Stadtgrenze von Los Angeles wird die Landschaft merklich karger. Die Wüste greift wirklich nach der Stadt oder sollte man sagen, die Stadt greift nach der Wüste? Jedenfalls kann man sich sehr gut vorstellen, dass die Außenbezirke immer wieder durch Waldbrände bedroht werden.

Windkraftpark am Stadtrand von Los Angeles
Windkraftpark am Stadtrand von Los Angeles

Irgendwann beschließe ich, dass wir mal wieder tanken sollten, denn wir haben ja im Internet gelernt, dass die Tankstellen in der Wüste nicht allzu dicht gesät sind. Das funktioniert jetzt, beim zweiten Mal, ganz gut. Ralf hat die Sache voll im Griff. Nachdem wir einige Male hin und her gefahren sind, gelingt es uns auch wieder, auf die Autobahn Richtung Osten zu kommen (die Tante versucht uns aus unerfindlichen Gründen immer in die falsche Richtung zu schicken) und bald darauf geht es runter von der Autobahn auf den Highway.

Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von der Wüste, obwohl der Verkehr immer noch relativ dicht ist und sich auch alle paar Meilen noch eine Ansiedlung am Highway befindet. Aber diese Ansiedlungen sehen zum großen Teil schon so aus, wie man sie in Filmen sieht (abgesehen von den Schildern der Fastfoodketten und der Motels): kleine staubige Häuschen in einem staubigen Garten, in dem allerlei Gerümpel rumsteht.

Wir erreichen Joshua Tree, in dem wir heute übernachten wollen. Allerdings wollen wir vor dem Einchecken, für das es ja eh noch zu früh ist, in den Nationalpark und vorher noch eine Kleinigkeit essen. Joshua Tree ist ziemlich klein und ruckzuck sind wir durchgefahren. Daher beschließen wir, nach 29 Palms weiter zu fahren und dort nach etwas Essbarem Ausschau zu halten. Schließlich wollen wir in der Wüste ja nicht verhungern.

Wir kehren dann bei Taco Bell`s ein und speisen mexikanisches Fastfood. War ganz lecker.

Mittagessen bei Taco Bell
Mittagessen bei Taco Bell

Danach machen wir uns auf die Suche nach dem Eingang zum Nationalpark. Irgendwie ist das alles nicht zu toll beschildert und die Tante kennt sich auch nicht aus. Aber wir bleiben erfolgreich und finden das Visitor`s Center, in dem wir bei einer netten Rangerin den Nationalpark-Pass erstehen. Mit diesem Pass für 80 $ können wir jetzt ein ganzes Jahr lang alle amerikanischen Nationalparks besuchen. Toll, nicht wahr? Allerdings lohnt er sich schon ab dem 3. Park sagt Ralf.

Eingang zum Joshua Tree National Park
Eingang zum Joshua Tree National Park

Nachdem wir dann nach ein bisschen rumfahren den Eingang gefunden hatten, machen wir uns den 30 Meilen langen Weg durch den Park. Die Landschaft und die Vegetation sind unbeschreiblich, obwohl es anfangs noch keine Joshua Trees gibt. Ralf fotografiert, was die Kamera hergibt.

Eine typische Felsformation im Joshua Tree Nationalpark
Eine typische Felsformation im Joshua Tree Nationalpark
Joshua Trees soweit das Auge reicht
Joshua Trees soweit das Auge reicht
Joshua Tree Nationalpark
Joshua Tree Nationalpark
Wandern zwischen Felsen im Joshua Tree Nationalpark
Wandern zwischen Felsen im Joshua Tree Nationalpark
Der berühmte Skull-Rock
Der berühmte Skull-Rock

Von Zeit zu Zeit gehen Abzweigungen von der Straße ab, die zu besonderen Attraktionen führen. Beim ersten Mal bin ich erschrocken, da der Weg nicht befestigt ist. Aber es ist kein größeres Problem sie zu befahren und wir erreichen den Split Rock, einen riesigen, gespaltenen Felsen (wie der Name schon sagt).

Bei der nächsten Abzweigung wagen wir am Ende der Straße unsere erste Wüstenwanderung. Der Trail ist laut Beschreibung 1,1 Meilen lang und gut erkennbar. Leider ist der Trail kein Rundkurs, so dass wir irgendwann umkehren und ihn zurückgehen. Irgendwie ist das Wandern in der Wüste unheimlich, denn anders als wir es sonst gewohnt sind, gibt es nun einmal keinerlei Anzeichen von menschlicher Zivilisation zu sehen. So weit das Auge reicht nur Landschaft. Kein Haus, keine Hütte, keine Straße sind zu sehen, kein Geräusch ist zu hören, du hast nur den kleinen, sandigen oder felsigen oder steinigen Weg vor dir und irgendwie kein Ziel vor Augen. Es begegnen Dir auch keine anderen Wanderer. Prompt überfällt mich ein mulmiges Gefühl und ich befürchte, obwohl es definitiv keine Abzweigung gab, dass wir uns verlaufen haben könnten.

Auf in neue Abenteuer
Auf in neue Abenteuer
Nur nicht vom Weg abkommen
Nur nicht vom Weg abkommen
Unser Wanderweg
Unser Wanderweg

Natürlich haben wir das nicht und irgendwann sind wir am Parkplatz zurück. Puh, das erste Abenteuer ist überstanden.

Der Sankt Andreas Graben
Der berühmte Sankt Andreas Graben

Nachdem wir fürs erste genug haben, fahren wir Richtung Motel. Das Safari Motel hatte bei Trip Advisor ganz gute Bewertungen, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Die Zimmer sind alt, verwohnt und siffig. Das Bad ist eine Katastrophe, völlig verkalkt und irgendwie eklig. Die Möbel, die irgendwann mal weiß waren, sind dreckig. Immerhin sind die Betten offensichtlich frisch bezogen und die Handtücher sind auch sauber. Für eine Nacht reicht es dann auch aus.

Unser Motelzimmer. Gut, dass es keine Geruchbilder gibt.
Unser Motelzimmer. Gut, dass es keine Geruchbilder gibt.
Nunja - you get what you paid for ...
Nunja – „You get what you paid for …“

Zum Essen gehen wir ins Beatnick Café, das im Stefan Loose Travel Handbuch beschrieben und empfohlen ist. Ralf fühlt sich gleich wohl, weil er an seine Jugendzeit erinnert ist. Eigentlich sieht es aus wie der örtliche Jugendtreff. Bunt angemalt, Farbkleckse auf dem Fußboden. Ein paar alte Sofas und Sessel stehen rum und auch ein paar hohe Tische mit Stühlen. Jugendliche sitzen da und erzählen, andere klimpern auf der Gitarre rum und singen. Alles sehr alternativ.

Auf der Karte steht nicht allzu viel und fast nur Dinge, die ich nicht mag. Ralf und ich bestellen Spaghetti mit Chili. Leider ist der Steamer kaputt, wie die Bedienung uns erklärt und es dauere sehr lange, bis das Essen fertig sei. Ob wir denn lieber was anderes möchten? Nein, wollen wir nicht, wir haben Zeit. Insgeheim freue ich mich, denn dann müssen die Spaghetti ja frisch gekocht werden. Zwischenzeitlich kommt der Salat mit einem eklig sauren Dressing, aber man isst ihn, weil man ja ein paar Vitamine braucht. Das Chili wird in der Mikrowelle aufgewärmt und irgendwann kommen unsere Teller. Die Nudeln sind kalt! Offensichtlich sehr gut abgeschreckt. Das Essen ist ziemlich scheußlich, aber dafür berechnet mir die Bedienung auch irgendwie viel zu wenig. Die Rechnung beträgt 11,31 $ und mehr war das Essen auch nicht wert.

Zurück im Motel surfen wir noch im Internet, buchen eine Unterkunft für den Grand Canyon und sichern die Fotos. Dann versuche ich zu schlafen, aber es ist wieder einmal saukalt im Zimmer. Die dünnen Decken schaffen es nicht, mich warm zu bekommen und so schlüpfe ich wieder einmal in meinen mitgebrachten dünnen Schlafsack. Trotzdem schlafe ich nicht besonders gut, weil meine Füße die ganze Nacht nicht warm werden wollen.

Abendstimmung am Motel bei Joshua Trees
Abendstimmung am Motel bei Joshua Trees