21.04.2018 Edinburgh

Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht verließen wir uns winziges Zimmer um unser Frühstück, das im Preis inbegriffen war, einzunehmen. Auf ein Full Scottish Breakfast müssen wir offenbar noch warten, denn hier gab es nur einfachstes Kontinentales Frühstücksbuffet. Toast, abgepackte süße Brotaufstriche, abgepackte Kellogg’s, Fertigporridge, natürlich abgepackt, Tütenorangensaft, Kaffee und Tee. Hm, für einen ersten Energieschub am Morgen reichts, aber ansonsten war das nix. Ach ja, doch – Ralf musste den legendären Marmite-Aufstrich probieren. Legen wir den Mantel des Schweigens auf diese Erfahrung …

Anschließend machten wir uns auf den Weg in die City. Mit dem Bus war das kein Problem, die Bushaltestelle befand sich direkt vor dem Haus. Super also. Kurz die Erklärungen lesen (wichtig, das Geld muss abgezählt sein, da der Fahrer nichts herausgibt) und schon ging es los. Das Wetter war absolut perfekt – strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen.

Der erste Weg führte uns zum Edinburgh Castle, das man laut Empfehlungen gleich um 9.30 Uhr besuchen soll um den Massen aus dem Weg zu gehen. Dabei machten wir erste Erfahrungen mit dem Gelände der Stadt. Es geht immer steil rauf und runter, für Training ist also gesorgt. Außerdem durften wir unsere erste Schlange hinter uns bringen, bevor wir das Castle betreten durften.

Ach ja: an den Ticketschaltern konnten wir lesen, dass heute um 12 Uhr ein Salutschießen anlässlich des 92. Geburtstags der Queen sein sollte. Das erklärte die Massen an Soldaten, die rumliefen und die „wichtigen“  Menschen, die später in großen Autos mit Chauffeur vorgefahren wurden. Die Salutschüsse werden übrigens nicht, wie in den meisten anderen alten Burgen gesehen, mit viel Brimborium aus gemütlichen, dicken, alten Kanonen abgefeuert, sondern es standen extra dafür hochmoderne, martialisch aussehende Geschosse bereit. Damit wurde mir mal so richtig bewusst gemacht, welch grausame Waffen Kanonen eigentlich sind, fernab von dem folkloristischen „Wr feuern mit viel Theater mal einen Schuss ab“

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Das Castle hat uns gut gefallen, insbesondere die tolle Aussicht, die man von dort oben hat. Auch die schottischen Kronjuwelen mit ihrer wechselvollen Geschichte haben uns beeindruckt. Und die Soldaten in ihren repräsentativen Uniformen, die mit unbewegten Gesichtern Wache standen und es über sich ergehen lassen mussten, wenn sie als Fotoobjekt missbraucht wurden.

Als wir dann raus gingen, wurde uns bewusst, dass wir gut daran getan hatten, so früh dort zu sein. Um die Menschenmassen zu steuern, gibt es nämlich schon weit vor dem eigentlichen Eingang des Castle ein Ampelsystem. Steht die Ampel auf Rot, müssen die Menschen auf dem Platz vor dem Castle warten. Und das taten ganz schön viele…

Dann bummelten wir die Royal Mile mit ihren unzähligen Cashmere-, Tweed-, Kilt-, Whisky- und sonstigen Souvenirgeschäften entlang und bewunderten immer wieder die tollen Gebäude und das Ambiente. Unser Ziel sollte der Holyrood-Palast und Arthur’s Seat sein. Erst mal den Hügel erklimmen und dann sehen wir weiter…

Als wir den Hügel dann erblickten, beschlossen wir, erst einmal eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Der war nämlich größer als gedacht und der Weg sah aus der Ferne ganz schön steil aus. Deshalb besuchten wir einen entzückenden Tea Room und genossen ein Sandwich und eine große Kanne Tee. Dann machten wir uns auf den Weg.

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Dieser war tatsächlich sehr steil und steinig. Außerdem fand gerade ein Rennen statt und ich fand es sehr bedenklich, wie die Läufer sich teilweise dort raufquälten. Da wir auch nicht das richtige Schuhwerk trugen, kehrten wir rasch um und spazierten auf einem bequemeren, besseren Weg in diesem Park in Richtung Gipfel herum. Arthur’s Seat ist nämlich Teil des Holyrood Parks, der seinerzeit königliches Jagdrevier war. Ein wunderschönes Fleckchen Erde, das von den Einheimischen und Touristen intensiv als Naherholungs- und Sportgebiet genutzt wird.

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Das ist mir heute den ganzen Tag aufgefallen: das Wetter war ja, wie bereits berichtet, einfach perfekt. Und ich hatte den Eindruck, dass alle an der frischen Luft waren. Überall spazierten Menschen, trieben Sport und saßen und lagen auf allen verfügbaren Grünflächen herum, feierten oder machten Picknick. Alles sehr entspannt und harmonisch.

Nach unserem Bergspaziergang machten wir uns auf den Weg Richtung New Town, die aber auch schon im 18. Jahrhundert erbaut wurde und somit nicht wirklich „neu“ ist. Inzwischen hatten wir jedoch müde Beine und großen Durst. Deshalb waren wir heilfroh, dass wir einen Platz mit einem großen Obelisken und Grünfläche herum fanden, wo sich die Menschen auf dem Rasen niedergelassen hatten. Wir kauften uns zwei Flaschen Wasser, hatten das große Glück, dass gerade zwei Liegestühle frei wurden und genossen einfach die Sonne und den Moment. Wir haben schließlich Urlaub!

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Dann beschlossen wir, einen Hop-on-Hop-off-Bus Richtung Meer zu nehmen. Sich einfach etwas rumfahren lassen und außerdem wollte ich gerne die Royal Yacht „Britannia“ ansehen. Die Fahrt in dem offenen Doppeldecker-Bus war sehr interessant und kurzweilig. Leider war der Tag schon so weit fortgeschritten, dass wir die Königliche Jacht nur noch unter Zeitdruck hätten besichtigen können und dafür war es uns dann doch zu teuer. Deshalb warfen wir nur einen kurzen Blick aus der Ferne darauf (nette „Jacht“ ist das…) und fuhren dann weiter.

Nach Ende der Fahrt suchten wir uns einen netten Pub, in dem wir unser Abendessen zu uns nahmen und anschließend bummelten wir ein letzes Mal bei herrlichem Abendlicht durch die Stadt.

sdr
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Auf dem Weg zum Bus trafen wir noch auf eine Band, die mit Dudelsack, Gitarren und Schlagzeug tolle Musik machten. Bei „Wish you were here“ von Pink Floyd war Ralf dann endgültig im 7. Urlaubshimmel.

Wish you where here – schottische Version.

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Nachdem wir den richtigen Bus zurück gefunden hatten und wieder zurück im Hotel waren, genehmigten wir uns nach diesem perfekten Tag in Edinburgh noch ein Bier im angeschlossenen Pub und werden heute Nacht bestimmt wieder gut schlafen.

Morgen holen wir uns unseren Mietwagen für den Rest des Urlaubs ab und es geht Richtung Norden. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf die nächsten Tage – auch wenn der Wetterbericht nichts allzu gutes verspricht. Typisch wechselhaftes Schottland-Wetter statt perfekten, trockenen Frühlingstagen.