3. Tag 2.5. Tucson

Heute war ein Wüstentag geplant. Die Nacht war ziemlich unruhig gewesen, da das Motel doch in einer eher unruhigen Umgebung liegt. Insbesondere die nahe Bahnstrecke mit ihren tutenden Zügen war nicht so toll. Um 4.30 Uhr kam dafür die Müllabfuhr und weckte mich auf. Alles in allem keine so angenehme Nacht wie die vorhergehende. Aber egal, wir freuten uns auf den kommenden Tag.

Vorher kommt allerdings Ralf noch einmal aus dem Bad zurück. „Ich glaube, ich bin zu blöd, die Dusche zu bedienen.“ Das Wasser tröpfelte nur leicht vor sich hin. Amerikanische Duschen sind für uns Deutsche ja manchmal nicht so leicht zu verstehen, aber da auch das Waschbecken keinen richtigen Wasserstrahl mehr von sich gab, war schnell klar: da ist was kaputt. Deshalb machte sich Ralf auf den Weg zur Rezeption um mit der Nachricht zurückzukommen, dass es einen Wasserrohrbruch gegeben hatte und deshalb unser ganzer Gebäudekomplex ohne Wasser sei. Eine schöne Bescherung! Mit ein paar Flaschen Mineralwasser und einem damit angefeuchteten Waschlappen (ja, in amerikanischen Motels gibt es tatsächlich Waschlappen, die wir bisher allerdings noch nie benutzt hatten!) gelang es uns, eine oberflächliche Katzenwäsche durchzuführen. Nicht optimal, aber was will man machen? Anschließend ging es ins angeschlossene Denny’s zum Frühstück. Wir entschieden uns für French Toast – sehr lecker.

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nach dem Frühstück cremten wir uns mit Sonnenschutzmitteln ein (schließlich stand ein Tag unter der Sonne Arizonas an) und machten uns auf den Weg.

Die erste Station war das Sonora Desert Museum, ein riesiges Gelände, auf dem die Tier- und Pflanzenwelt der Sonora-Wüste anschaulich präsentiert wird. Super angelegt und interessant. Auffällig war, dass in regelmäßigen Abständen Wassertrinkbrunnen und sogar Stationen zum Auffüllen von eigenen Trinkflaschen bereitgestellt werden. Außerdem in fast allen Waschräumen Sonnenschutzmittel mit LSF 30. Finde ich, zusammen mit den Hinweisen auf die Wichtigkeit des regelmäßigen, ausreichenden Trinkens und des Sonnenschutzes sehr vorbildlich und eine tolle Sache.

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Wir erkundeten für einige Stunden alle Ecken des „Museums“, cremten fleißig mit Sonnenschutz nach und tranken einige Flaschen Wasser. Alles gut also. Gegen Ende entdeckten wir noch den Hinweis auf den Kolibri- und Schmetterlingsbereich. Ich spürte, dass sich in meinen Keen-Schuhen, die natürlich ohne Socken trug, ein Steinchen gefangen hatte. Als ich den Schuh auszog, um den Stein zu entfernen, traf mich allerdings fast der Schlag: beim Eincremen hatte ich blöderweise den Fußspann vergessen und ich hatte auf dieser „Sonnenterrasse“ einen richtig üblen Sonnenbrand. Gar nicht schön! Dünne Socken hatte ich natürlich nicht dabei (wozu auch?), aber meine Bergschuhe mit dicken Treckingsocken und ein paar leichte Turnschuhe.

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So traf ich die zweite falsche Entscheidung des Tages: ich zog die Treckingsocken und die leichten Turnschuhe an. Mit Bergschuhen in Old Tucson, das als nächstes auf dem Plan stand, herumzulaufen, schien mir doch zu komisch.

Old Tucson, eine alte Filmstadt war auch recht interessant und bot vor allem Ralf einige nette Fotomotive. Wir nahmen ein ziemlich seltsam aussehendes, aber gut schmeckendes Mittagessen zu uns, fuhren mit einem kleinen Westernbähnchen um das Gelände herum und schauten uns eine Can-Can-Show an. Alles nett gemacht. Und die Sonne brannte, trotz einiger Wolken am Himmel, bei heißen Temperaturen auf uns herab. Deshalb machten wir uns nach einiger Zeit auf den Weg zum Saguaro-Nationalpark. Hier wollten wir eigentlich noch ein paar kleine Hikes machen. Eigentlich.

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Eigentlich deshalb, weil ich schon während unseres Old-Tucson-Bummels merkte, dass mir die Zehen schmerzten. Im Auto zog ich dann Schuhe und Strümpfe aus und musste feststellen, dass ich neben dem gewaltigen Sonnenbrand nun auch noch an mehreren Zehen Blasen hatte. Die Treckingsocken und die Turnschuhe hatten irgendwie nicht sonderlich gut miteinander harmoniert… Aua!

Im Visitorcenter des Nationalparks lag unser Focus dementsprechend darauf, möglichst kurze Hikingstrecken auszuwählen. Der freundliche Ranger beriet uns geduldig und wir machten uns, nachdem wir eine gute Dokumentation über die Wüste angesehen hatte (durch den ich lernte, dass „Saguaro“ „Sawawa“ oder so ähnlich ausgesprochen wird), auf den Weg, den Scenic Drive zu fahren. Unsere erste Unpaved Road für diesen Urlaub und wir freuten uns über unseren 4-WD-Jeep, obwohl man die Straße natürlich auch leicht mit einem normalen PKW hätte fahren können.

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Am Trailhead des Valley-View-Trails verarztete Ralf mich noch mit einigen Blasenpflastern, ich zog (dann doch) meine Bergschuhe an und wir liefen den etwa einen Kilometer langen Weg. Ich hatte einige Schmerzen, aber sie lohnten sich. Diese Landschaft mit den unzähligen Saguaros und anderen Kakteen ist einfach sagenhaft. So fremd, unwirtschaftlich und für unsere Augen skurril. Toll! Zwischenzeitlich hatte sich der Himmel mit dunklen Wolken zugezogen und ich mahnte Ralf, auch wegen meiner Füße, zur Eile. Wir erreichten den Aussichtspunkt, machten einige Fotos und eilten dann zum Auto zurück, während schon ein paar Tropfen Regen fielen.

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Aufgrund meiner Beschwerden – zu meinen Fußproblemen hatte sich zwischenzeitlich auch wieder meine doofe Sonnenallergie an den Beinen bemerkbar gemacht – entschieden wir uns, den Ausflug zu beenden und zum Motel zurück zu fahren. Ralf war es auch nur Recht, denn auch ihm hatten Sonne, Hitze und Jetlag etwas zugesetzt.

Zurück im Motel: Hurra, das Wasser läuft wieder! Es war sooo schön, sich nach einer kurzen Verschnaufpause unter die Dusche zu stellen.

Meine Kleidung für die nächsten Tage: lange Hose (Sonnenallergie sei Dank) und Socken. Welche Schuhe ich ertragen kann, weiß ich noch nicht. Vielleicht werde ich, wie ich Ralf schon scherzhaft angekündigt habe, tatsächlich mit Badelatschen („Adiletten“) gehen müssen. 🙁

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