24.04.2018 Von Pitlochry zu Loch Ness

Nach einer wieder ruhigen, erholsamen Nacht nahmen wir ein wieder hervorragendes Frühstück in unserem B&B ein. Die Unterhaltung mit unseren schottischen Mitbewohnern war wieder lustig und nett und wir haben uns nur ungern voneinander verabschiedet. Auch von dem tollen B&B mit seiner netten Wirtin haben wir uns nicht gerne verabschiedet, gerne wären wir noch länger geblieben. Davon abgesehen gäbe es in Pitlochry noch einiges zu sehen, was wir gestern nicht geschafft haben. Insbesondere um die zwei Whisky-Destillerien tut es mir echt Leid!

Schon kurz nach dem Start erreichten wir unser erstes Zwischenziel Blair Castle. In diesem Schloss, dessen Besitzer in Südafrika lebt und nur einmal im Jahr zur Parade seiner Privatarmee (der einzigen, die heute noch in Europa existiert) anreist, gibt es so einiges zu sehen. Zuvor aber hat Ralf mir einige Schreie entlockt, indem er vom unteren Parkplatz, auf dem wir zuerst gestanden sind, zum Hauptparkplatz direkt beim Schloss gefahren ist. Nein, dieser nahe Straßengraben und dass auf „meiner Seite“ kein Lenkrad ist, ist nix für mich. Ich glaube, den Rest der Reise werde ich das Auto steuern, das ist besser für unser beider Nerven…

Im Schloss selbst hatten wir leider eine große französische Reisegruppe vor uns, die wir nur mit Mühe und vielen Pardons überholen konnten. Trotzdem war der Besuch lohnenswert, auch, weil wir hinterher noch ein echtes Mitglied der Privatarmee des Dukes bewundern konnten, der eine zeitlang dudelsackpfeifend im Schlosshof patroullierte. Auch die Gärten des Schlosses sind sehr sehenswert, auch wenn leider die große Blütenpracht aufgrund der frühen Jahreszeit noch nicht zu sehen ist.

Anschließend fuhren wir durch großartige Highland-Landschaften weiter Richtung Inverness. Das Wetter hat uns nicht enttäuscht – wir hatten den einen oder anderen kurzen Regenschauer. Überwiegend konnte sich aber tatsächlich die Sonne gegen die Wolken durchsetzen und Ralf konnte viele Fotos mit interessantem Himmel machen. Als positiv denkender Mensch versucht er mir ja immer die Himmel mit vielen Wolken schmackhaft zu machen, indem er mir erläutert, dass ein eintönig blauer Himmel auf Fotos sehr uninteressant und langweilig sei. So ganz hat seine Überzeugungsarbeit bei mir allerdings noch nicht gefruchtet.

Die nächste Station war das Highland Folk Museum in Kingussie. Dies ist ein liebevoll hergerichtetes, ausführliches Freilichtmuseum über die früheren Zeiten in den Highlands, hauptsächlich über die Zeiten des frühen bis mittleren letzten Jahrhunderts. Viele freiwillige Helfer erläuterten die ausgestellten Anwesen, was für mich nicht immer leicht zu verstehen war. Unsere Prüfung legten wir dann im Schulhaus ab, als wir in den Schulbänken Platz nehmen durften und mit alten Füllfederhaltern ein paar Schreibübungen absolvieren durften.

Der gelungene Besuch wurde mit einer Tasse Tee und einem Scone im angeschlossenen Café abgerundet, was ich leider absolut nicht empfehlen kann. Der Scone war trocken und sowohl Ralf und ich hatten nach dem „Genuss“ ein unangenehm pelziges Gefühl im Mund. Nein, das war leider nix!

Die letzte Etappe bis zu unserem B&B verlief problemlos und anhand der zugesandten Wegbeschreibung in Zusammenarbeit mit Tante Google konnten wir unser Ziel auch auf Anhieb finden. Das Haus liegt traumhaft ruhig mitten im Nichts, direkt an einem kleinen Loch. Zwei freundliche Irish Setter und eine Katze machten es mir natürlich umso sympathischer. Die Gänse sind seit ein paar unfreundichen Attacken auf die Gäste sicher hinter einem Zaun an einem großen Teich untergebracht und die Ziegen kamen begeistert angerannt als sie die neu angekommenen Gäste sahen. Die Zimmer und der gesamte Gastbereich waren auch hier wunderschön und die Gastgeberin, eine junge Frau ist auch wieder super nett und um das Wohl ihrer Gäste bemüht. Einzig, dass sie wirklich viel zu erzählen hatte (ich glaube, sie ist aufgrund der einsamen Lage ihres Zuhause froh um die Abwechslung, die ihre Gäste ihr bringen) war für mich etwas anstrengend.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten und einen kurzen Erkundungsspaziergang um das Haus herum gemacht hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem Abendessen. Dieses nahmen wir im Dores Inn in Dores, dem einzigen Lokal in der näheren Umgebung ein. Nachdem ich auf dem Weg dorthin aufgrund einer massiven Hungerattacke nicht mehr besonders gut gelaunt war, schmeckten Fish & Chips besonders gut.

Und das ganz Besondere an dieser Location im kleinen Ort Dores ist: wir sind direkt am Ufer des Loch Ness! Auf den ersten Blick in der untergehenden Sonne ein sehr hübsches Stückchen Erde. Nessie haben wir zwar heute nicht gesehen, aber vielleicht haben wir ja morgen mehr Glück.