7. Tag: Immer noch Grand Canyon

Bei unseren immer noch regelmäßigen Wachphasen in der Nacht haben Ralf und ich unabhängig voneinander festgestellt, dass unsere Waden ganz schön zwicken. Daher fällt die Entscheidung für das heutige Tagesprogramm nicht allzu schwer: Auf keinen Fall wandern wir heute noch einmal in den Canyon.

Gestern hatten wir schon einmal grob eine Fahrt mit der historischen Dampfeisenbahn von Williams zum Grand Canyon ins Auge gefasst. Ein paar Mal hatten wir auch schon mal die kühne Idee ins Auge gefasst, mit dem Flugzeug über den Canyon zu fliegen. Nachdem ich aber nicht so der große Fan des Fliegens bin, hatte ich eher an die Bahnfahrt gedacht.

Ralf meint aber, dass er sooo gerne fliegen würde. Nach kurzem Überlegen gebe ich mein ok dazu. Also kurz frühstücken (aufgrund der gestrigen McDonalds-Erfahrung haben wir gestern Brot und Frischkäse gekauft. Kaffee gibts im Hotel ja eh immer gratis in beliebigen Mengen) und dann machen wir uns auf Richtung Flughafen. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel, kein Wind regt sich. Also einfach ein perfekter Tag.

Am Flughafen angekommen finden wir schnell das Hauptterminal, in dem die verschiedenen Anbieter von Rundflügen ihre Schalter haben. Kurz entschlossen steuern wir auf den Schalter von „Westwind“ zu, wo wir erfahren, dass aufgrund starker Restriktionen der Flugroute alle Anbieter die gleiche Strecke fliegen. Der Flug soll ungefähr 40 Minuten dauern. Nachdem wir ja keine Vergleichsmöglichkeiten haben, lösen wir zwei Tickets für den nächsten Flug um 9 Uhr. Auf meine Fragen, wie viele Personen wohl mitfliegen werden, erfahre ich, dass wir bisher die einzigen Passagiere sind, das Flugzeug aber 6 Plätze bietet. Das hört sich doch schon mal gut an!

Grand Canyon Airport
Grand Canyon Airport
Die Flughafenkatze
Die Flughafenkatze

Kurz vor 9 Uhr kommt ein junger Mann in Begleitung von drei anderen Personen in die Halle. Es stellt sich heraus, dass das unser Pilot mit den vorherigen Passagieren ist. Die Leute sehen eigentlich ganz munter aus, strahlen vor Begeisterung. Na, dann werde ich das wohl auch schaffen, auch wenn mir etwas mulmig ist.

Zusammen mit dem Piloten marschieren wir übers Flugfeld zu unserer Maschine. Wir machen noch ein paar Fotos, dann gibts die Sicherheitseinweisung – ganz wie bei den „Großen“ und wir dürfen in die Maschine einsteigen. Sie ist wirklich winzig! Es gibt drei Sitzreihen hintereinander mit jeweils zwei Plätzen nebeneinander. Also ein Fensterplatz für jeden! Und wir bleiben die einzigen Passagiere. Der Pilot sitzt direkt vor uns, Ralf, der versetzt hinter ihm sitzt, kann ihn gut bei der Arbeit beobachten. Wir setzen unsere Kopfhörer auf, dann geht es los.

"Unser" Flugzeug
„Unser“ Flugzeug
Flieger - Grüß mir die Sonne ...
Flieger – Grüß mir die Sonne …

Wie bei Flügen mit den großen Passagiermaschinen rumpelt man erst mal übers Rollfeld, bis man an der Startbahn ist. Kurzer Blick des Piloten nach links und rechts (und oben;-)), dann beschleunigt er und kurze Zeit später sind wir schon ganz sanft in der Luft. Einfach Klasse! Es wackelt ein bisschen, was mir aber gar nicht so unangenehm vorkommt wie beim Flug mit großen Maschinen und ich mach mir auch keine Sorgen. Es scheint mir einfach „natürlich“.

Wir fliegen zuerst über die weiten Kiefernwälder entlang des Grand Canyon, bevor wir dann über die Rimkante fliegen. Ein unbeschreiblicher Anblick, einfach grandios, sensationell, superklasse, toll. Man sieht unten die braunen Fluten des Kleinen Colorado-Flusses und die grünen des Großen. Nach dem Zusammenfluss der beiden ist das Wasser dann auch braun. Schade eigentlich, das Grüne sieht doch viel besser aus.

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Auch jetzt wackelt das Flugzeug ab und zu, aber ich habe immer noch keine Angst. Ich bin einfach nur begeistert. In unseren Kopfhörern hört man ab und zu auf Deutsch bzw. Fränkisch ein paar Erläuterungen zum Grand Canyon allgemein. Auf besondere Punkte macht uns der Pilot selbst aufmerksam.

Nach einiger Zeit müssen wir leider den Canyon verlassen und fliegen zum Flughafen zurück. Winzig klein sieht man in den Wäldern die Landebahn liegen. Ohne viel Gewackel setzt der Pilot zur Landung an und setzt die Maschine sanft auf. Bei einem normalen Flug kommt danach für mich ja immer der schlimmste Moment: das Abbremsen. Die Kräfte, die notwendig sind, eine Maschine mit einem so enormen Gewicht von wasweißichvielen Tonnen zum Stillstand zu bringen empfinde ich einfach als extrem unangenehm und beängstigend. Heute ist das aber ganz anders: Wir setzen auf und danach lässt der Pilot (gefühlt) die kleine Maschine einfach ausrollen. Überhaupt kein Thema. Und mir ist auch gar nicht komisch, als wir aussteigen, sondern ich würde am liebsten gleich nochmal fliegen.

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Das geht aber natürlich nicht und so fahren wir erst einmal ins Hotel zurück, holen unsere Wandersachen und fahren in den Nationalpark. Dort wollen wir heute eine Wanderung auf dem Rim-Trail, also an der Canyonkante entlang machen. Der Vorteil dieser Strecke ist, dass sie natürlich eher flach ist und dass ein Shuttlebus entlang fährt, in den man immer einsteigen kann, wenn man nicht mehr kann oder will.

Wir laufen erst einmal vom Visitor-Center und damit dem Mather-Point ca. 5 km bis zur Bright Angel Lodge. Von dort beginnt der Bright-Angel-Trail, den wir eigentlich ja gehen wollten. Von oben sieht man den Verlauf und auch das von uns ins Auge gefasste Ziel, Indians Garden bzw. den Plateau Point genau. Ein kleines bisschen wehmütig sind wir schon, aber wir hatten ja mit dem South Kaibab Trail gestern ja auch eine wunderschöne Wanderung. Ganz davon abgesehen sind die Ausblicke von den beiden Trails nicht miteinander zu vergleichen. Der South Kaibab Trail bietet schon auf dem oberen Teil, den wir ja gegangen sind, tolle Ausblicke auf den Hauptcanyon, während der Bright Angel Trail eher in einem Seitencanyon verläuft und die Ausblicke vergleichsweise unspektakulär sind. Erst am Plateau Point soll der Bright Angel Trail einen wirklich atemberaubenden Blick auf den Colorado bieten. Aber bis dahin und vor allem wieder zurück ist es eben ein sehr weiter, strapaziöser Weg und daher sind wir zufrieden mit dem, was wir hatten.

DSC_0780 DSC_0775 DSC_0801An der Bright Angel Lodge steigen wir in den Shuttlebus nach Hermits Rest ein. Von dort wollen wir soweit es geht bzw. wir Lust haben zurücklaufen. Auch wenn sich immer wieder tolle Ausblicke auftun, sind wir jedoch etwas enttäuscht vom Weg. Er ist rollstuhlgeeignet, also asphaltiert und damit nicht besonders angenehm zu gehen. Nach etwa 5 km reicht es uns daher (und außerdem sind wir der Meinung, dass eine 10 km-Wanderung für einen Ruhetag, der laut Plan heute ja ist, ausreichend sind!) und wir fahren mit dem Bus zurück.

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Jetzt haben wir noch einen Abend hier in Tusayan, bevor es morgen weiter nach Page geht. Wir freuen uns beide darauf, denn wir haben uns jetzt am Grand Canyon satt gesehen. Besondere Wanderstrecken gibts jetzt auch nicht mehr, die wir erobern könnten und so reicht es uns jetzt hier. Und zu essen gibts auch nichts Leckeres. Und DAS ist für mich ja immer wichtiges Detail auf meiner persönlichen Wohlfühlskala. 🙂